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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-07 · Heft 967 (7.10.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 967 (7.10.1921)
Date
1921-10-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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7. Oktober 192! Nr. 967 Me». Freitag Wittser Msrgenzeunng Seite 8 Ae Rs!llh«e kt Mttßesch. Die tschechische« Parteien. Vr»ß, 6. Oklobir. ,BudouZnost" meldet, daß in einer ye° memsamm Sitzung »on Vertreter« der tschechische» Sozialdemokiaten und der tschechische« Nationalsozialisten sowie fccr ModraLek-Partei die Möglichkeit einer politischen 8 »- sammenarbert der sozialistischen Parteien unverbindlich besprochen und beschlossen wurde, solche Sonstrenzin regelmäßig abzuhalteu. Ernste Lage in Grieche«la«d. Athen, 6. Oktober. Er ist eine Entspannung der Krise eingelreten. Die Regierung wird in der nächsten Sitzung der Nationalversammlung ein Vertrauensvotum erhalten. Auf Kreta ist die. politische Lage sehr gespannt. Die Regierung hat ein Bataillon und Maschinengewehre sowie zwei Kriegsschiffe nach Candia obgesendet. Es wurden Matznahmen ergriffen, um der Fahnenflucht vorzubeugen. Eröffnung der internationalen Hilfttagnng für Rußland. BrKffel, 6. Oktober. (Havas) Die Sitzung der internationalen Kommission für Hilfe für Rußland wurde gestern eröffnet. Zahlreiche belgische und auswärtige Persönlichkeiten nahmen an ihr teil. N o u l e n s wurde zum Vorsitzenden gewählt. Gr bat die Delegierten, mitzuteilen, in welcher Weise ihre Länder sich an der Hilfsaktion zu beteiligen gedenken. Sodann erstatteten die Delegierten der einzelnen Länder ihre Berichte. Moskau, 6. Oktober. (Funkspruch.) In der Sitzung des allrussischen Vollzugsausschusses berichtete K a l i»i n, daß die Lage in den Hungergebieten sich verschärft habe. Reue Gouvernements haben sich mit dem Ersuchen um Hilfe an den Zentralausschuß gewendet, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Bevölkerung zu ernähren. Ueber 21 Millionen Menschen sind vom Hunger bedroht» darunter 8 Millionen Kinder. Arrfhebrmg des Arrs«ahm»z«standes irr Bayer«. MS«che«, 6. Oktober. Amtlich wirb «««mehr durch daS Gesarntministcrinm eine Verordnung publiziert, wonach gemäß den Vereinbarungen mit der Reichsregierung der AuSaahmSznstand für Bayern Mit 15. d. M. aufgehoben wird. Die Bestimmungen über die bayrischen BvllZgcrichte bleiben niibe'.ÜH'.'t. Ehackleto«« Expeditts«. Rom, 6. Okiober. (Funkspruch.) DaS Schiff „Oueft" NN! der Südpolexpedition Shnckletons an Bord ist an der portugiesischen Küste ausgefahren. Emzelheiieri fehlen. London, 6. Oktober. (Fnnkspruch.) Shacklcto» hat wegen des herrschenden schlechten Wettermit dem Expeditionsschiff „Oueü* Lissabon anlausen müssen. Streik der AMsLerdsmer Hafenarbeiter. London. 6. Oktober. (Fnnksvruch.) Die Hafen«!kniter von Amsterdam streiken: die Hafenarbeiter von Rotterdam haben beschlossen, sich dem Airsstond nicht amuschließtn. Der Nationalrat hat gestern siwvh! das Länder!,«»?- wie bas Anglobankgesitz angenommen. Die Verhandlung verlief recht harmlos. Finanzminister Grimm stellte nochmals alle Vorteile» die dem Staats aus der Bewilligung der Gitzverlegung beider Banstnstituw erwachsen würden, WS hellste Licht. Oesterreich' erhalte sich so. zwei kräftige Sttuerobsikbe. Die beiden Banken würben berufen sein, alö Vermittler des ganzen finanziellen Verkehrs zwischen den Wvststaaten, Mittel» und Osteuropa zu fungieren. Für die Großdeutschtzn suchte Abgeordneter Pa aly. barzutun, daß seine Parier den Gesetze« auö sachliche Gründen ihre Zustimmung gegeben mck das Parteiinteresse hinter daS Staatsiitteressi zurückgestellt habe. Dagegen hätte» b-ie Gvoßdeutsche«, um das SiegesgefKhr der ZndenkattLr« doch etwas zu beeinträchtige«, die beiden Besitze mit dem BankenlvntvsNgesitz Verbunds!. In wenigen Tags« p»etÄe es Pflicht des Nationalrates sein, dem schon dbarorr Treiben der Banke» aus der Börse Einhalt zu tun. Abgeordneter El dersch lehnte für bfc GvziaMmokraten die Vorlage ab, weil sie schädlich sei und weil die Sozialdemokraten die Zwangslage, in der sich die bürgerliche Mehrheit befinde, nicht verschuldet haben. Redner trat schließlich in Besprechung des sozialdemokratische« Finanzplnnes süc die BeschSügnshme der fremde» Val»Le« ein und schloß: Ich mache daraus aufmerksam, daß e8 bald zwölf geschlagen M, daß wir nicht mehr länger zu sehen können, wie unsere Volkswirtschaft in einen Abgrund gleitet, auö dcnr wir nicht wieder herauskommen zu könne« befürchten ' müssen. Der Vevölkermrg hat sich eins Perzweiftung bemächtigt, eine Panik jagt die andere, silM Gis zu, baß Sie nicht zu spät kommen! Wir lehnen für bas, was kämmt, die Verantwortung ab. Das Länberbank- und Anglaba«kgesetz wird hkerans »«- verändert in zweiter Lesung angenommen. Es gelangt sodann eine dringliche Anfrage der Gvzialbenwkraten Abram und Genossen weg^r ArrSfuhr dsn ZschLvieh ans DeUtschösterreich zur Verhandlung. Darin wird ausgeführt: Die Preissteigerung der letzten Wochen, namentlich auch in F'tt. Fleisch und Mich, die zur Auflassung der verbilligten Ausgabe von Fleisch geführt hat, versitzt die Bevölkerung her Industriegebiete in die tiefste Erregung; diese Erregung wird ins Nngemessene gesteigert, seitdem es Dekanrit ist, baß die R:g:vrmig den Landwirten die Erlaubnis zur Ausfuhr von Zuchtvieh ins Ausland gegeben hat. Die Gefertigten richten an den .Herrn Bttndesminiffer für Land- und Forstwirtschaft die Fragen: 1. Ist der Diindcsnnm'sttr geneigt, die ohne Znslwimimg der Konsnmentenv.'rrveter bew lligtvn AuSsuhrkoutiug nt: aufzuheben? 3. Womit gedenkt der Herr Bundesminifller Ne Nk> willigung der Viehausfuhr zu rechtfertigen? 3. Welche Kontrottmaßnahinen hatte das MnisteriltM vorgesehen, um jeden Mißbrauch der AussuhrbewilltgungLir für Zuchtvieh zur Airssnhr von Nutz- und Schlachtvieh git verhindern- In Begründung der Anfrage teilte Abgeortmeter Abram. mit, das; die Eiseribahuer zur Selbsthilfe gegriffen haben tittb die Ausfuhr von Vieh in Eisr uö ahn Waggons verhindern. Als Beamter des Staates habe der Ackerbauministür das. Fnieressi des Staates schlecht gewahrt und sich' zum Anwalt bsr Großschieber gemacht. Ackerbauminister Dr. Hennet verteidigte feine Verordnung damit, daß daS bewilligte Aussirhrkontirrgeint vhnrhiir" nnr gering fet und nur zu Zuchtzwecken ungeeignetes Jungvieh umfasse. Im übrigen verwies er auf die Futtermittelnat.- Für die Aufrechterhaltung des Erlasses treten »dev Tiroler Christi ich soziale Haueis, der steirische Bauern» parteiler Lanner, der Salzburger Christlichsoziale G e i ß lex und der Vorarlberger Jutz ein. Frau Freundlich (Sozialdemokratin) stellte folgenden Antrag: Der Rationalrat fordert die Blindesregt-rung auf, sofort die Einstellung der Vieyausfuhr durchzuführen. Er spricht dem Bundesminister fitr Land« und Forstwirtschaft die Mißbilligung aus..— Wir weichen es uns, erklärte fie.-'. nicht gefallen lassen, daß man in Oesterreich nur nach veu Wünschen der Landwirte regiert. Wenn die städtische Bevölkerung nichts zu essen hat und für ein Kilogramm aus-, ländisches Mehl nach dem heutigen Kursstand .340 Kronvn -ahlen muß, dann darf eine Regierung nicht die Hand dazu bieten, daß daS letzte Lebensmittel, das wir noch haben, in leichtsinniger Weise auSgefuhrt wird. In namentlicher Abstimniung wurde schließlich der erste Satz des Antrages Freundlich, betreffend das Verbot dev Viehaussuhr, mit 119 ge ge» 12 Stimmen angenommen. Frau Freundlich verzichtete auf die weitere Abstimmung mit dem Bemerken, daß schon bas Abstimmungsergebnis über de« ersten Sah ihres Antrages ei« Mißtrauensvotum für de» Ackttbaumintster bedeutet. Hierauf wurde noch dss BanLenkontroLKesetz ' in Verhandlung gezogen. Abgeordneter Allina bezeichrwte die Vorlage als ein Vertegeuheitsgeseh, mit dem man den Umfall der 'Großdeutschen gegenüber den Bankmgesetzen bemänteln wolle. Abgeordneter Dr. Hampel (großdeutsch) trat für eine Schließung der Börse ein und sagte, man müsse, wenn es nötig sei, auch Brachialgewalt anwenden, um aller der Hyänen, die in den WmkelcafA und SchieberveftaurantS ihr Unwesen treiben, habhaft zu werde». Nachdem noch Abgeordneter Dr. Ei Sle r gesprochen ) hatte, wurde das Gesetz in zweiter Lesung angenommekr. ‘ Nächste Sitzung heute 11 Uhr vormittags. »Ml» Steckbrief gegen Kapp «nd Genosien. Leipzig, 6. Oktober. (Tel.-Komp.) Der Oberreichsanwalt hat wegen Hochverrates einen Steckbrief erlaffen gegen v. Kapp und Genoffen, Schriftsteller Karl S ch ü i tz l e r (?) und T r e b i tfch-Li n c o ln. Ferner gegen General der Infantrie von Lütt miß und Korvettenkapitän Ehrhardt. Die Retchsregierung hat eine Belohnung von J50.000 Mark ausgesetzt für denjenigen, der zur Ergreifung eines der flüchtigen cmgefchuldigten beiträgt. Die ZffeKtLLche - Sicherheit im Süden Palästinas. JErfn^em, 4. Oktober. (Jüd. Korr.-Bur.) In Rijchon-(L-Zwn fand eine Konferenz ztvischen dem Direk.'or des Sicherheitsdepartements Colonel Bramley dem GouperneurstellverLreter von Jaffa, Mr. Campbell und d«m Distristskommandanten von Jaffa, Mr. Win right einerseits und den Vertretern des Verbandes der judäischen Kolonien andererseits zwecks Besprechung der verschie- ' denen Fragen der öffentlichen Sicherheit und der Berteidignng statt. Colonel Braurley versprach tm Namen der Negierung, alles Mögliche zur Aufrechterhaltung' der öffentlichen Ordnung aufzuw-nden. Mr. Campbell drückte den Wunsch aus, alle zwei Wochen gemeinsame Zusammenkünfte zwischen Vertretern jüdischer und arabischer Döi'ser zu veranstalten, um auf diese Wsise die arabisch-jüdische Freundschaft zu fördern. ForLer««gen der jüdische« Bevölkerung NordgaiiMrrs. Jerus-aliem, 4. Oktober. l(Jüd. Korr.-Bur.) D'aö Preßbureau des Waad Hazirim veröfsintficht den Wortlaut des Memorandums, das die jüdrfche Bevölkerung Nord gaviläas anläßlich der Einverleibung von MotullaXKfar Giladi und Tel Chat in Palästina dem High Co.mmisstoner unterbreitete. In diejeiu Memorandum wird darauf hingewicsen, daß, obwohl die jüdische Bevölkerung sich über das französische Regime in dieser Gegend nicht beklagen könnte, sie doch mit Ungeduld den Z.:itpunkt erwarte, wo sie ivi^der in den Verband ihrer geliebten Heimat treten mci-be. Die Bevölkerung der angeWosfenen Distrikte — heißt es weiter im Vlemorandirm — habe sich mit dem Gedanken einer jüdischnaiionalen Heimstätie in Palästina abgefunden und sei ckit ihm vertraut. Dieser Geist «'.risse aufrLchtsrhalten bleiben, was nur durch einen entsprechenden Bearnienstab geschelM könne. Dia jüdische Bevölkerung fordert daher einen aus Mohammebanern, Juden und solchen Christen, die der Wischen Bevölkerung nicht kindlich gesinnt seiet:, znsaminengesetzten Beamte nkö rper. Falls nicht ein Engländer das Haupt der Behörde ses, so muß ein Jude es sein. Ebcnso sollen der Kolizeiches und der Nntsroffizier, wie auch 50 Prozent des Sicherheitsdienstes aus Juden bestehen. Diese Forderungen decken sich auch mit den Wünschen bet nichtjüdischen Bevölkerung, denn angesichts der mvhamm^danisch-christrichen Feindschaft in dieser Gegend ist eine neutrale Deamienschaft für den Frieden und das Gedeihen dieser Provinz notwendig. Konfere«z der jLdischerr GLWei«de« in Rumänien. Bubest!, 4. Oktober. '(Jüd. Korr.-Vur.) Hier . wurde eine dreitägige außerordentliche Konferenz aller jüdischen Gemeinden Großrumäniens abgehalten,' die j sich ausschließlich mit der durch die Regierungsverordnung akut gewordenen Flüchtl ingsh ilfe besaßt. Namens des jüdische« Bobenbundes referierte Doktor Filder mann über die Notwendigkeit einer süjleunigst zu Organisierenden großzügigen Hilfs- und Fürsorgeaktion im ganzen Lande, da dir Internierung der Flüchtlinge auf Befehl des Generalstabes erfolgte und ihre Durchführung nicht zu verhindern war. lieber Antrag des Joint-Vertreters Mr. Rubin stein wurde beschlossen, eine allgemeine Hilsiorgunisation zu schassen, die aus Vertretern des jüdische» Grmeindevereii^s, des jüdischen Bobenbundes, des Joint, der HiaS und des ukrainischen Hilfskomitees zusammengesetzt werden soll. Mr. Rubinstein versprach der neuen Orga- ^nisation die moralische und materielle Teilnahme des Joint und der gesamten amerikanischen Judenheit. Auch die Lknträge des Hiäs-Bertreters Mr. Silber t betreffend die Versorgung der Flüchtlinge mit Arbeit. | damit sie nicht in den Lagern demoralisiert werden, j wurden angenommen. Ferner wurde üöor An trag des 1 Oberr-aLbi-pers Dr. Niemirower beschlossen, sich mit einem Hilfeaufruf an die Juden im Aus lande zu wenden, daß sie das Hilfswerk der gesamten rumänischen Inden heit zugunsten der 50.000 Flüchtlinge i tatkräftig unterstützen. Tagesbericht. Die Te«er«ngsKrise. D!e Angstkäufe, die infolge der bereits erfolgten und von der Bevölkerung erwarteten weiteren Preis- * steigerungen in den letzten Tagen erfolgen, halten an und haben natürlich dazu geführt, daß viele Händler Waren zurückhalten. Sv Vommt es, daß plötzlich sehe viele Lebensmittel einfach verschwunden sind. PflanM-- sett ist fast vollständig verschwunden. Eier sieht man fast in keinem Geschäft. Air Ka rto ffeln ist überhaupt großer Mangel. Butler, die noch vor wenigen Tagen sehr häufig war, ist jetzt sehr schwer aufzutreibrn. Kondensmilch erhält man nur ' bei wenigen Händlern. Die Fleisch- und F e t t p r e i s e haben sich wieder! stark erhöht/ lim Fett stellt man sich wieder vor den Verkaufsständen an wie während des Krieges. Einzelne Händler versuchen natürlich, die Fettnot zu Preistreibereien zu benützen, und so mußbe gestern das Marktamt in der Großmarkthatle in mehreren Fällen .»lnschreiten. Die Preistreiber wurden zur Mzeige gebracht. In den Warengeschäften haben sich gestern oft stürnrische Szenen abgespielt. Die Käufer drängen sich in den Lüden, um einzukaufen, was möglich ist. In einzelnen Fällen mußte Po lizei sinschreiten. In ven St adt geschäfte n wollen Kunden mehrere Paare Schuhe oder einige Anzüge auf einmal kaufen, di« Wäschegeschäfte werden von Käufern überflutet. V. Cs ist für die Panik, welche die Flucht vor dev. Krone begleitet, bezeichnend, baß fremde Valuten heute ebenso schwer erhältlich sfird wie etwa Frtt. Uebrigens tauchen' in einzelnen Geschäften (uich dirs ist für den J Geist vieler Wiener Kaufleute bezeichnend)! Preisforderungen in fr e md er Valuta auf; man verlangt Zahlung in Francs, tschechischen Kronen usw.

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