Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 966 (6.10.1921)
- Date
- 1921-10-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 966 Wiener Morgenzettung t>. Oktober 1921 Veue d Wien L-onnerstag gebracht. Jetzt müsse sich die Sowjetregirrung den innere« Problemen des Wiederaufbaues Zuwenden, so ferne ihr nur die Jnterventionsgelüste des Anslanbes und die von diesem und den Emigranten immer wieder aufS neue entfachten Verschwörungen und Mische Zeit und Ruhe dazu ließen. Wenn das Ausland den inneren Wiederaufbau Sowjetrußlands ernstlich fpchern wolle, so könne es dazu nur beitragen, indem es das Sowjetregime als de facto bestehende Regierung anerkenne und sich aller Einmischungen enthalte. Dann würde auch Rechtssicherheit wiederkrhren. Mo»Ka» »Itd Prag. Wie „Prado Lidu" meldet, hat die rote Gewerkschastsinternationase in Moskau in einem Radiogramm einen Aufruf an die „tfchecho-slowakischen Arbeiter und Beamten" verbreitet, worin auf Gnrud vollkommen! lfttlsch^r Voraussetzungen die Arbeiter zur Unterstützung j des Kampfes der Bergarbeiter des Mährisch-Ostrauer \ Reviers aufgefordert werden und worin zum General-! streik und zur Anwendung von Gewaltmethoden gegen die Bourgeoisie gehetzt wird. Die tschecho-slowakische Regierung hat nun, wie das genannte Blatt erfährt, gegenüber der Verbreitung derartiger Ausrufe einen sehr entschiedenen Standpunkt eingenommen. Sie hat die kompetenten Faktoren auf das Illoyale dieses Vorgehens der russischen und tschechischen Kommunisten aufmerksam gemacht, worauf sie von Moskau die Versicherung erhielt, daß künftighin die Moskauer Regierung einen ähnlichen Mißbrauch des Radios nicht zu la ssen wird. Die betzarabische Flüchtlingssrage im rumänischen Ministerrat. Aus Bukarest wird uns gemeldet: Am 29. d. M. erstattete Kriegsminister Ra scann einen eingehenden Bericht über die Lage in Beßarabien. In einer nahezu ejustündigen Rede unterrichtete Rascanu die Kabincttö-- miiglieder über seine Erfahrungen auf wirtschaftlichem/ militärischem und Verwaltungsgebiet in Beßarabien. Nach seiner Darstellung sei die beßarabische Bauernschaft infolge der Bodenaufteilung äußerst zufrieden und stelle sich jedem anarchistischen Bestreben entgegen. Dia einzige Gefahr, von welcher Beßarabien bedroht werde, bestehe in der Invasion der Flüchtlinge von jenseits des Dnjestrs. Trotz der strengsten Maßnahmen und Ueberivachungsversügungen gelingt es 90 Prozent §er Flüchtlinge, durch den Militärkordon durch',»kommen utzd sich' in den Dörfern und Städten längs des Pruth fest zn setzen. Ihre Rückbeförderung jenseits desDnjestrs M unmöglich, weil die von den rumänischen Behörden . zurückgewiesenen Flüchtlinge in der Ukraine von den H>lschewiken hin gerichtet werden. Die Negierung! Dschloß, alle erforderlichen Maßnahmen zur Ueberwdchnug der ganzen Dnjestrlinie zu treffen, ihre Organ« jedoch zu humanem Verhalten anzuweisen. Gleichzsitig erließ die Regierung eine Verordnung, wonach die aus der Ukraine geflüchteten Juden, die Ln Beßarabieü blieben, im allen Königreich Rumänien unterzubringen seien. (Von uns bereits gemeldet. Die Red.) Die beßarabische» Behörden werden nunmehr alle aus der -Ußrrine geflüchteten Juden kvnskribieren und die- Men mit finanzieller Unterstützung der Juden Altrumäniens in den altrumänischen Städten an- ^siddeln. Zusammenfassend glaubte Minister Rascanu fest- "stelle» zu könne», Laß die Lage in Beßarabien^ Wohl ktzine so gute sei, wie sie fein sollte, daß es. aber keinesfalls so schlecht damit stehe, wie allgemein verbreitet werde. __ Inland. Die Wiener Beratungen der Union der Völkerbund ligen. i Bo« Irr. bis 1». d. M. finde« m Wie» unter dem serfünlichr» Vorsitz Pmsidr»te» A d o rt im Sitzung; saale de- Bnnderratet die Berat«»-«» der GenerakateS der Union der ^ölkerbnndli-en statt. Z»m Teil schon während deS Krieges, ganz besonders aber nach Beendig»«- desselben, waren «ach and nach in fast sämtlich en Ländern Völkrrbundlige« entstanden, deren erste «nd «rrigenfte Ansgabe dir Pflege und Förderung des Bölkerbundgedankt« ist. Diese Bölkervnndlige« schloffen sich bereits vor -wer Jahre» -« eine« Weltverband aller völkerbundlige« zniammen, der, «ach Bestritt der Bölkerbundligr» der Zentralmächte. n»n die Ligen fast aller Lander, auch der außereuropäischen, i« sich vereinigt. Der Sitz dieser v-lkerbnndli-r» -Union ist Brstssel. Ihr GeneralselretLr ist derzeit Theodor R « y ß e», der bekanute, int viele« Jahre» ,« völkerversöhnende« Geiste tätige Professor der Universität Bordeaux «nd Hna»Sgebrr der Zeitschrift „La - Paiy P*r l« droit“. Der Präsident der Union, der stets auf ein Jahr gewählt wird, ist derzeit der Schweizer AltbundeSpiasident, M. Gustave Ad o r. Rebe« de« ständige« Generalsekretariat i» Brüssel besitzt dir Union zwei Organe: Die Vollversammlung »nd dm Generalis!. I« de« Generalrat entsend« jede- Land drei Havptdelegierte und drei Stellvertreter. In der letzte» Lollversam«l»«g. die im Juni b. I. in Gens stattsand» wurde die nächste Lollveckay,ml»nfür Zeichnet Jährlich 2 Haupttreffer von je K 5,000.000 Jedes Los gewinnt! Sämtliche Gewinste vollkommen abzugs- und einkommensteuerfrei Kein Legitimationszwang Zeichnungspreis: IkL für ein ganzes Los und LKOAv für ein Vierteiios. a B B ■ B w ff B B B IBBBBIRBBIBBIIBBBBMMHIIIIMaailBSliHlia ' Ostern 19 2 in Prag, die nächste Generalratssihung für den 1^. d M in Wien Ustgcs tzt. Bisher haben sich zu dieser Sitzung mehr als siinfzig Delegierte aus 23 verschiedenen Landern angesagt. Die österreichische Bölknbundliga wiid durch ihren Präsidenten Dr. D u m b a, ihren V-zepiäsiüenten Professor Doktor Redlich und Albert M e n S d » r f f, die Deutsche Völkerbundliga, die zum ersten Male an den Verhandlungen der Union teflnehmen wird, durch Graf Bernsdorff, Professor S ch ü F i n g «nd Prof ssor I a e ck h uevtietcn sein. Der franlösi'che eiste Delegierte ist Professor A u l a r d. der berühmte Historiker der Sorbonne: als erster Deleg rrter Englands erscheint Lord Robert C e e i l oder Sir W. D i d i n f o n, d:e ersten D-ltgieittn Italiens sind der frühere Justr ministrr, Senator F. R n f s i n i, UngalnS Graf Albei t A p p o n y r und Prälat G r e h w e i u, Schwedens Baron A d e l S w ä r d. der Schweiz Herr S i l b e r n a g e l und Herr C a l o n d e r. Belgiens Senator H. L a F o n t a r n e, der Tschecho-Slowakei Minister Dr. O s u s k y. Außerdem werden Argentinien, Japan. China, Griechenland, Rußland, die Niederlande, Norwegen, Bulgarien, Polen, Lettland, Rumänien, Ukraine und vielleicht noch einige Länder bei der Wiener Generalratssitzung durch Delegierte vertreten sem. Die Sensationen der „Neuen Freien Presse". Genf, 5- Oltobe»'. Die Nachricht d r „Neuen Freien P.esse". beirrffend das Eintrcsfkn einer Tel^gauon des Bölke,bnndrs am 12. d. M. in Wien, um die Verhältnisse für die Beilegung des Völkerbundsitz s zu studieren, ist unrichtig. Soweit es sich um eine Reise von Völlerbunddelegierten nach Wien handelt, findet fie im Zusammkuhana mit dem Kongreß der Völkrrbundligen statt, der denlnachft in Wien tage» wird. ' Das deutsche Sanierungs- Programm. Amerikanische Kreditangebote. Berlin» 5. Oktober. (Tel.-Komp.) Wie verlautet, werden die Verhandlungen über das Kreditangebot der Industrie am kommenden Dienstag wieder aufgynommen werden. Auch mit den Vertretern der Landwirtschaft wird bei dieser Gelegenheit erneut Fühlung genommen werden. Bisher hat mit den Vertretern der Landwirtschaft erst eine unverbindliche Vorberatung stattgefunden, die noch keine prinzipielle Stellungnahme der landwirtschaftlichen Vertreter ergeben hat. Zu dem Kreditangebot verlautet weiters, daß feit dem Auftauchen dieser Pläne bereit» mehrfache Angebote amerikanischer Bankkreise zur Finanzierung dieses Anbotes in Berlin eingingen. In einem Schreiben, das einem Mitglied des Reichsverbandes der deutschen Industrie oorliegt, kündigen amerikanische Herren, die sich bereits auf dem Festland befinden, ihre Ankünft in Berlin in diesen Tagen an. Die erste Besprechung zwischen Vertretern der deutschen Industrie und amerikanischen Finanzvertretern dürften also in kürzester Zeit stattfinden. Besonders hervorzuheben ist ein Anbot, das von einer amerikanischen Gruppe vorliegt, deren Name in der Finanzwelt mit größter Hochachtung genannt wird. Es handelt sich um eine völlig neutrale amerikanische Bankgruppe, jedoch nicht um da» Hau» Morgan. Die NegierungsSildvrrg in Deutschland. Berlin, 5. Oktober. Wie die Blätter erfahren, habe« die Demokrat«» nnd daS Zentrum ihre Zustimmung zn einem etwaigen Eintritt der Unabhängige» in die Reichsregierung von folgenden drei Bedingungen abhängig gemacht: 1. Müsse» sich die Unabhängigen ans den Boden der Weimarer Berfassuvg stelle«; 2. müßte eine Einigung über ei« gemeinsames RegierungSprogratnm erzielt werden «nd 2. Müsse die Koalition auch d,e Deutsche Volk-Partei umfassen. ' Die Entscheidung über Oberschlestew Paris, 5. Oktober. (Tel.-Komp.) „Matin* und! „Echo de Paris" wollen wissen, daß die Entscheidung in der oberschlesischen Frage dahin gehen werde, daß z u g u n st e n Polens Aenderungen der Sforza- Linie getroffen werden. Das Industriegebiet soll der Verwaltung einer internationalen Kommission ohne politische Vollmachten übergeben werden. Deutschland und Polen sollen sogleich in den Besitz der ihnen zugesprochenen Gebiete gesetzt werden und sollen Wir ts ch a ftsabkommen schließen. Der deutsche Gesandte bei Briand. Paris, 5. Oktober. (Havas.) Ministerpräsident Briand hat heute den deutschen Gesandten Mayer in Audienz empfangen. Für ein polnisch-deutsches Wirtschast»- abkommen. Krakau, 5. Oktober. (Tel.-Komp.) In politische» Kreisen ruft ein Artikel des .Kurjer Godzieny^ über die wirtschaftlichen Verhandlungen mit der Tschecho-Slowakei großes Aufsehen hervor. Das Blatt tritt mit großer Entschiedenheit für die Anknüpfung wirtschaftlicher Verhandlungen mit Deutschland ein. Der gegenwärtige wirtschaftliche Krieg zwischen Deutschland und Polen müsse im Interesse beider Teile beendigt werden. Gefühlspolitik fei hier durchaus nicht am Platze, von einem politischen Freundschaftsverhältnis zwischen Polen und Deutschland sei keine Rede, aber ein vernünftiger Mocltis vivendi in wirtschMicher Hinsicht müsse unter allen Umstanden gesucht werden. MiLdermrZ der amerikaNische» A»ttiMMigrattonsbill. Washirrgtoir, 3. September. (Iüd. Korr.-Bur.) Auf einer vom Arbeitsminister einberufenen Besprechung in Einwanderungsfragen, der auch der jüdische Kongreßmann Siegel beigezogen war, wurde eine Reihe von Erleichterungen für die überzähligen Einwanderer beschlossen. Demgemäß sollen bis auf weiteres die Frauen, Eltern, Bräute und Kinder (unter 18 Jahren) amerikanrscher Staatsbürger sowie derjenigen, die in der amerikanischen Armee oder Flotte gedient haben, in die Vereinigten Staaten auch nach Ueberschreitung der Quote hereingelassrn werden. Grün)««s simer PaSLstina-Bank durch dir Brandeis-GruPpe. Slew-BArk, 2. Oktober. (Iüd. Korr.-Bur.) Auf einer im Haufe Nathan S t r a utz abgehaitenen Sitzung des „Palestine Developpment Council", wurde die Eröffnung einer ^Kreditunion und Volksb a n k" in Palästina beschlossen. Nach einer von Mr. de H a a s e uns Zugekommenen Mitteilung, werden sich in Kürze Mr. Sal. R o s e n b l a t t und seine Freunde nach Palästina begeben, um die Bankeröffnung zu organisieren. Wie ferner verlautet, hat die Brandeis- Gruppe eine Pale ft ine Cooperative Company mit einem Aktienkapital von einer Million Dollar begründet, wovon etwa ein Viertel bereits aufgebracht wurde. Die FeiertagskaurpagKe für de« Kere« Hajessod in Amerika. Rew-Pork, 2. Oktober. (Iüd. Korr.-Bur.) In allen Städten der Vereinigten Staaten wurde die F e i e r t a g s k a m p a g n e für den Keren Hajessod mit großem Elan ausgenommen. Man hofft, daß dir Losung zur Sammlung einer Mindestsumme von einer MillionDollar während der jüdischen Feiertage zu vollem Erfolg führen wird. Herbert Samuel wünscht jüdische Kapitalien sür Palästina. Rew-Vark, 1. Oktober. (Iüd. Korr.-Dnr.) Mr. Harry F i s h e l, Schatzmeister der Hias, wurde vor seiner Rückkehr aus Palästina vom High Commissioner Sir Herbert Samuel empfangen. Der Oberkommissär drückte fein Bedauern aus, daß die Juden ermangeln, größere Kapitalien in Pslastina zu investieren. ZndenmassaMers in Marokko. London, 1. Oktober. (Iüd. Korr.-Bm.) „Daily Expreß" zufolge haben die gegen Spanien kämpfenden marokkanischen Aufständischen bei ihrem Einmarsch in Melilla die aus Juden bestehende Mehrheit der Bevölkerung förmlich aögefchlachtet und deren Häuser total rusgeplünbc :t Das neue Kabinett Faifnls. Bagdad, 4. Oktober. (Reuter.) Das neue Kabinett ist gebildet worden. Unter den' Ministern befinden sich mehrere Mitglieder der provisorischen Regierung. Es handelt sich nicht ausschließlich um Mohammedaner; der F i n a n z m i n i st e r ist ein Jude und der Gesundheitsminister ein syrischer Katholik Mddepne Her bst Stoffe t8rAnzüo8u,Kßstöme JTa,?r®chwap**c! mmm wmw mm » » d» m 9 s 9 s m* m mm* m Mlsm9Vt VIM WmdmüMgasse Nr. S