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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-02 · Heft 964 (2.10.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 964 (2.10.1921)
Date
1921-10-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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j*f.,W4 Wien, ©pnrufij KVrener Msrgenzertung 2. Oktober 1921 Seite Sstinnnungskundgeb.imgen von 38 Arbeiterführern, unter denen nichr nur die linksstehenden Arbeiterparteien, sondern auch die einflußreichste n Gewerkschaftsführer zu finden sind. Bei diesem Anla-'se sei übrigens auch auf die jüngst in Cambridge gehaltene Rede.des .englischen Gelehrten G- P Go och vertoiesen, der zu. folgendem Schlüsse kam: „Im Besitze des neuen Beweismaterials.. .muß unsere ganze •Hütaiimtiitfie Geschichte urngeschrieben werden. Die früheren Verteidigungsschriften für den K ieg können wir getrost in den Papierkorb werfen. Wollen wir Europa, das man mutwillig mit Feuer und Eisen zerstört hat, zu neuern Leben aufrichlen,- dann müssen wir vor allem unsere gewohnte Kriegsbrille ablegen." Die BauerndikLatnr in Bulgarien. Aus Sofia wird der „Prager Presse" berichtet: Die außerordciiLliche Sobranjesession. hat wider Erwarten eiirrn verhältnismäßig ruhigen Verlauf ge.roMinen und die Vcit:u3 der interalliierten Kontrollkommissron von d mKabine t S t a in b n l i f k r geforderten Aenderungen der der GesctzeSbestiinittungcn, betreffend das Getreidetön so rtium und den Artikel 4 des Gesetzes gegen die Schuldigen an der K a tost r o p h e B n l g ä r i ens, find ohne besondere Schwierigkeiten angenommen worden. (Inzwischen hat der Prozeß gegen die Mitglieder des Kabinetts Radoslawow wegen des Anschlusses an die'Zentralmächte'bereits begonnen. Die Neo.) Ministerpräsident Atambulisci hat während seines kurzen Aufenthaltes in Bulgarien auch berstenden, die Zügel der Parteibisziplin straff anzuziehen und die das Partrileben langsam zersetzenden inneren Differenzen der B a u e r nb ü n d l e r wenigstens für eine gewisse Zeit zu schlichten. Die bürgerlichen Oppof tionspartcien sehen sich sonach um eine Hossnuiig ärmer. Ihre Behauptung, daß . der Optimismus Stambuliskis noch lqnge keine greifbaren Erfolge in der auswärtigen Politik bedeute, hat zweifellos vieles 'für sich, doch muß andererseits festgestellt werden, daß gerade , die. gegenseitige Unverträglichkeit der bürgerlichen Parteien untereinander und ihre absolute Unfähigkeit, sich zu einem numerisch.imponierenden Oppositi'onsbkock zu organisieren, am meisten dazu.beitragen, daß vie Bauernbündlerpartei sich trotz der vielen begangenen Jrrtünccr und Verfehlungen in der iineren Politik für poli.isch unersetzlich betrachtet und si.h trotz der ÄmtSmüoigkeit einzelner der snhrcndeil 'Männer noch ans eine längere Dauer ihrer Regierung einrichtet. Es unterliegt.zwar keinem Zweifel, daß 'es' Herrn Stambuliski bisher, gelungen ist, durch seine . rücksicht.llcsr. Diktatur und mit Hilfe seiner wohldisziplinierten Bauern, das Land vor dem Bolschewismus zu bewahren. Doch haben andererseits seine späteren, nur. dm Vauernstano begünstigenden' und offen gegenK a p i t a l und Industrie gerichteten Maßnahmen den Händel und den Unternehmungsgeist in Bulgarien sozusagen lahmgelegt- und mit einer wach- -senden wirtschaftlichen Depression eine äußerst, bedenkliche -Tsüerüng erzeugt, welche die Reihen der unzufriedenen Elemente'immer mehr verstärkt. Eine wie geringe Mei n.ng von der'pol'tischcn R ife seiner P.n'teifrenude St a m b u li s k i hat, zeigt am besten der Umstand, daß er in seinem Exposee im Sobranje .seine.. Zuhörer ganz ernsthaft zu überzeugen versuchte,wie s. h-r ö dem Wirtschaftsleben Bulgariens zum -Vorteiltgerei^/däßder Kurs des bu-lga rischen Lew ein sZ)p niedriger ^i. - Indessen nrhrpen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im. Lande mit Rücksicht, ans den nahende-st Winter immer meht zu n-d. xs ist gar. nicht abznschen, woher sich Bulgarien die -.Summen für die Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Entente beschaffen soll, umsomehr, als alle bisherigen Versuche, eine auswärtige Anleihe aüs'nnchmest, erfolglos geblieben rfiitb. Per AtttztaKsch der ungarischen / Kommunisten. Ar;s B u dape st wird berichtet: Vor einigen Tagen kam hier, her, Präsident d r re ich c-den Ischen Kriegsgcsangenssrzentrale Moritz' S ch lefinger an, hnrch dessen Mermittlung smn äenhlich s der Austausch per m Rußland zurükk- 'gehalttznen^fungaxischen Kriegsgefangenen gegen diejenigen ungarsschchl 'Kpmnchnisten, deren Herausgabe die SütvjÄregierung - von .Ungarn fordert, zur Durchsüchru»rg gelangen jioll.- Die Verzögerung dieser Aktion erfolgte deshalb, weil die russische Regierung darauf bestand, daß der Transport von Ungarn über Lettland geführt werde, während die Ungarn ihn über. Deutschland leite»: wollten. Die Kommunisten, welche Ungarn herausgibt, werden nun mehr bis Stettin per Bahn und von dort per Schiff nach Rigsa gebracht, welches als Zentralpniiki der Austauschaktion gWm'yt wurde! Vorläufig,werden ungefähr 400 Personen ausgetauscht» döch -h.a.steht..'die,'Hosfmmg, daß die.ganze Aktion bis Ende Dezeüiber ahMchlossen seil: wird. >. Eine Verschwörung gegen Emir Faisul. Ans London wird uns gemeldet: Einer Konstantin opl^r DcpZche der „Ti mts" zufolge ist das Kommando der englischei: Besätznngstrnppen einer neuen Verschwörung der türkischen Nationalisten auf die Spur gekommen. Dje Verschwörung richtet sich diesmal nicht gegen den vngk'schch: Oberkommandanten, sonder«: gegen Emir Faisul, König von Irak.' Es sei festgestellt worden, daß . die Nationalisten aus Konstantinopel eine' bestimmte Herson damit betraut hätten, König Faisul aus dem Wege zu räumen. Die Aufdeckung der. Verschwörung, durch welche angeblich auch bekannte politisch^ Persönlichkeiten kompromittiert erscheinen, hatte. bereitszahlreiche Verhaftungen zur Folge. VILeo, I., K»irn*nerstrasse Nr 34 (Maysedergasse 2) Vorführung der ausorle^enefen Original Pariser und eigenen Modelle in in reichste Auswahl täglich von 9 bis lUhr uml *on 3 bis 6 Uhr Der B'LrgLNLMd-ÄsnsMt. Eine neue Mahnung der Gntcnte. Paris, 1. Oktober. (Korx.-Bnr.) Die Botschafter- . konserenz hat am 28. September eine M ah nun g an Ungarn gerichtet. Die Voischasterko!!s.'re:lz erklärt darin, gegen die Annahme der Medio.tionsanbote, falls Oesterreich sie ebenfalls annehme, keine Einwendung zu erheben. Auf jeden Falt bleibe aber die Mahnung vom 22. September ausrecht, derzufolge Ungarn innerhalb zehn .Tagen . ...die Räumung vollständig durch zu führen u„d das Uebergabsprotokoll zu unterfertigen habe. W der Ve rhandlungen zwischen Oesterreich und Ungarn unter. Vorsitz eines' Vermittlers noch der Abschluß eines Alkonuneus. könnten eine Verletzung der Räumungspslicht oder eine Ueberschreitnng - der Ränmungssrist.rechtfertigen.' Sobald.Ungarn den Vertrag; erfüllt haben werde, würden eventuell vereinbartes G r e n z m o d i s i k a tä o neu g e n e h m i ß t werden. Die Botschaslerkonserenz erwarte, daß Ungarn sich, wie es auch ., versprochen habe, den Entscheidungen her Konferenz unterwerfen werde und daß die .B-a n d e n a k t i on ein Ende nehme. Die Ge:""al-.nnission erhalte I strnklionen, danritdie U e b e r-g a b-e sp ä t -e ste^rs>a »: A Oktober ers.-lge. Die w^tren st-ch?.-n vee Pritfchrste«. Paris, 30. September. (Kort.-Bnr.) „Figaro" widmet der Krise in den Donaulündevn, zu der der westungarische Konflikt angewachsei: sri, eine«: neuen Artikel. Das Blatt führt ans, daß. es sich den Führern des ungarischen,Ltziderstandcs keineswegs nur un: das Vurgenland handelt. Die Ungarn haben die n e n em Grenzen niemals u n d nt r g e nds anerkerunen wollen, s'e wollen sich in die Nolle der B siegten nicht finden. Die Bauern, Bl'-rgex und Aristokraten, die mit so viel Lirbenswür'igkeit die M 't..lpder dex. s r.r n: d e u Aiiss: o u i: in ihren Palästen empfangen, haben sich gleichmäßig ans den Kampfruf geeinigt: „Neip, nein, niemals!" Dieser Krieg gilt keineswegs mir den österreichischen Gendarmen, so adern' a l ke n Sukzession^- st ä a t'e n, denen weit mehr Gebiet des alten Ungarn zugesprochen wurde als der kleine Streifen dos österreichischen Burgenlandes. '. '„Figaro" schließt, die scheinbare Lau ginnt, mit der die all'iertcn Großmächte das erste Blutvergießen, das heri Widerstand der Erwachenden Ungam aiiküi.digte. hing nommen h ben, habe eine.Mentalität ermutigt, die für den ganze«: Frieden D o n a n e u r o p a s gefährlich werden . kann. Es f geht urst dje Gesamtheit des V e r.t.rag e's. v o n T r i a no y. Dje . Freischärler sprechen offen von einer bevorstehenden R.'e'vo l.t.e in Kroatien, die znsainmen mit den albanischchi Unruhen die jugoslawische Armee in Schach holten..und verhindern werde, in U -garn zr: intervsnieren. .Sie spr chen auch von euer Revolte in Kroatie>:, die zusammen mit den albaulsch m Unruhen .zu intervenieren. Sie sprechen-auch von einer von einer slowakischen Erhebung gegeüi die verhaßte Pr a g e r H e r r s ch a s t. Wenn Männer von zweifelloser Energie wirtlich imstande sind, in der Frage des BnrgAlhand.eSjn'ss große und die kleine Entente ist Schach zu halten, würde jras tzanze Land hinter ihnen stehen. Daher müsse Oesterreichs Hilferuf in London, Paris und Nom, in Prag, Bckgrad und Bukarest schleunigst Beachtung sind«,:.. , Eine Bande nnf steirischem Geb''? Wien, 1. Oktober. Arntlich wird gemeldet: Nm 30. Septemberabei:ds hat eine magyarische Ba:üoenabteilm:g die steirische .Grenze an der Eisenbahnli'iiie von St. - Gotthard noch Fehring überschritten und bei Hoheinbrugg (zwei Mometer' von der alten Grenze,, auf steirischem Boden) Mafch: nengcwehr feuer erö ffnet. Eine unserer Patrouillen hat die Bande nach kurzem. Feuergefecht und HÜnd.gen:enge znrückgeworfen. Die Organisation der Banden. Bern, 1. Oktober- De „Polnische Korrespondenz" schreibt- Djf Byrherntung des machn' fchen Wldustandes Burgenlande reicht Mova'e zurück. O.süenbur^ HcjjaS und.Bronah mit ibren politischen H'mt rmänn rn übe> nahmen die Organ satwn dep «asharischrn Banden i« Bnramlan %> Ihr Kern sind die ehemaligen Brachialformatione«, besondrrt as Pronay- und daS Hrjjas-Detachement. Sie find wie die pationaie ungarische Armee ausgerüstet, mit Gewebren, Bajonette» Maschinengewehren und Handgranaten reichlich bewaffnet. In der. leyten Zeit tr tcn bei den Binden auch Artillerieformationen ans. An der Finanzierung der Banden find neben dem ungarische« Staate auch Aristokraten, wie Batthhanh, Almafiy, Bornemissza, Erdödy uod andere beteiligt. Zahlreichen Orten des BmgenlandrS wurden Geldkontribntionen auferlegt. Der Cp onagedienft wird in weitestem Umfange gehandhabt. Hauptfpiovagk;entialen sind in Wien, dann die Kundschafter» n reans m Ocdenbura und Steinamanger. Die Siellung Oesterreichs zu dieser vollkommen militärisch organisikrl'n magyarischen Bandcnbewegung im Burgenlande ist durch die Vernäge gegeben. Die Republik Oesterreich hat daS Bnrgrnland nl6ä zu erobern, sonder« von der Entente an! au! friedlichem Wege zu übernehme». Nertiorralrat. Die nächste Sitzung des Nationalrales findet DonnerStas dm «>. d. M. um 3 Uhr nachmittags statt. Bundesrat. Die nächste Sitzung des Bundesratcs findet Freitag treu 7. d. M. um 3 Uhr nachmittags statt Auf der Tagesordnung st'ben die in der letzten Sitzung des Nationalrates beschloffenm Gs.tze. ._ Landtag von Niederösterreich-Land. Die neue Se sion des Landtages von Niederosterreich-Land beginnt mü einer Sitzung am Mittwoch den 12. d. M. «w 1 Uhr nüchmiltags. Ein ttalLenisches Ko«s«lat in Graz. Geaz 1 O tob r. Die italienische Regierung hat in Graz ein iialinnsches Konsulat rrr-chtet und Cavaliere Francis Iden« mm. Konsul in Graz stellt. Der Tatigkcitsbercrch deS italienischen Konsulats erstreckt sich aut ganz Sie,eimark. Die EirrWarrderttRg in Palästina. Gr«e «rchtr-?e Ei-lärrter««». Do. in letzter Zeit wiederholt Meinungsverschiedenheiten darüber ausgetaucht sind, ob und welche Verwandten von in Paläst'na. bereits befindlichen Ei..wimde.rern das Recht besitzen, nach. Palästina zu kommen, wandte sich der . Redakteur des „Haarez" an Las Einwanderungsamt in Jerusalem und erhielt , dort folgende Aufklärung: Der Kreis der Einwanderer, denen die Einreise nach Palästina gestattet wird, kann-in zwei Gruppe«: geteilt werden: Erstens Personen, welche die M r t L e kn besitzen und Die Möglichkeit hab..n, sich im Lande zu erhalten, das heißt Personen mit Vermögen, in ihrem Fach ausgebrld-ete Handwerker, gesunde.Me^.s hen, die in: Larrde. Arbeit finden und anderen nicht zur Last fallen. Zwnte««s Personen, welche von dem Erwerb von Palästinensern abhängen, die .bereits von früher her in Palästina leben. Zu diesen gühore«: die Eltern des Mannes und die Eltern der Frau, die ein Lebensalter von 55 Jahren bereits überschritten haben und nicht mehr sahrg sind, selbst zu arbeiten oder bei anderen Arbeit zu nehmen, ferner Kinder br's zum 18. Jahre, die noch /on ihren Eltern abhängrg sind. Diese können selbstverständlich von ihren Eltern nach Palästina gebracht werden. Kinder von mehr als 18 Jahren werden im allgemeinen als reise Menschen angesehen, die bereits selbständig sind und die, wenn sie nach Palästina, kommen wollen^ verhalten..sind, eine selbständige Erwerbsnröglichkeit ohne Unterstützung der Eltern nachzuweisen. Aber auch hier kann..es Ausnahmen geben, znm Beispiel, wenn die Eltern wohlhabsnd und, nicht sehr kinderreich sind und es daher offenkundig ist) daß sie in der Lage sind, ihre erwachsenen 'Kinder zir Erhalten. Befinden sich jedoch die bereits in Palästina wohrihaften Eltern irr Notlage, sei es, w:il ihr Einkommen nicht genügend ausreicht oder weil sie bereits für eine große Familie zu sorgen! haberr, karrn natürlich das Ehrwarrderungsgesuch der Kinder nicht berücksichtigt werden. Unter dem Titel der Verwandtschaft können auch die Kinder von Brüdern oder Schwestern des Mannes oder der Frau ins Land gebracht werden, wen» diese Kinder, weil sie verwaist sind oder aus anderen Grürrden im Ausland keine Existenz haberr .undauf die Erhaltung durch die in Palästina lebenden Verwandten angewiesen sindc Die Verordnung besagt nichts Besonderes über den allerdings sehr selteiren Fall, daß eine Frau mit-ihren Kindern bereits in Palästina ist, während der Mann sich noch im Ausland befindet. In diesem Falle' wird es sich darum handeln, ob der Mann in der Lüge ist,- sich selbst zu erhalten und nicht die Existenzfährgkeit seiner Familie in Frage stellt oder herabmindert. Im allgemeinen wird an dein Prinzip festgehalten, daß die EiilwanderuNg nach Palästina nur nach der Arbeitsfähigkeit, beziehungsweise danach beurteilt wird, ^ob der Betreffende' sonst'die Mittel besitzt, sich selbst zu erhalten und zur Enüvrcklung; des Landes beizirtragen. ir bitten unsere geschätzten Abonnenten sich bei Einkäufen ans den Inseratenteil unseres Blattes zu beziehe«!

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