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Wiener Morgenzeitung · 1921-10-02 · Heft 964 (2.10.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 964 (2.10.1921)
Date
1921-10-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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jgittt t Vk», So««tag_ Die Lage der Jaden in Polen. Ei« SAemorandn« dejüdischen Cejmkln-S. Von »»sere« Borichterßtatte». W a r s ch a », 29. Srvttinbrr. Fm Zusulumeuhang mit der Unterredung des neuen polnischen Ministerpräsidenten Ponikowst'i mit den; Abgeordneten Dr. Thon, Vertreter des jüdischen Sejmklubs im Seniorenkonvent des polnischen Parlaments, bei welcher der Premier eine schriftliche Darlegung der Wünsche und Beschwerden der jüdischen Bevölkerung Polens zu erhalten wünschte, hat der jüdische Srjmüfttfi dem Ministerpräsidenten ein ausführliches Memorandum über die Lage der Inden in Polen übermittelt. Das Memorandum weist zunächst darauf hin, daß IkemorandeN, tvelche die Lage und die Forderungen der jüdischen Bevölkerung Polens formulieren, bereits den Kabinette« Moraczewski, Grabski und Witos überreicht wurden und daß überdies diese Fornrulierunge« bei den polnisch-jüdischen Ausgleichs- Verhandlungen protokollarisch niedergelegt wurden. Diese I-vl-derungen sind: Die rasche Slnnahrne einer Gesetznovelle über die Aufhebung der speziellen jüdischen Steuern, ferner der Rechtsbeschränkungen der jüdischen Bevölkerung in Kongreß polen sonne in den nach dem Rigaer Vertrag Polen zuacsall'enen ehemals russischen Gebi e te n. (Entwürfe für solche Novellen wurden bereits im Mai 1919 überreicht und harren noch immer der Erledigung durchs das Parlament.) Weiters die parlamentarische Annahme einer Novelle zu dem Gesetz über die Handel szelten, welche der jüdischen Bevö^rung, die am Sabbat und an den jüdischen Feiertagen feiert, den 'Handel an Sonntagen und christlichen Feiertagen erlaubt: parlamentarische Annahme eines Gesetzes, welches das jüdische Schulwesen in Übereinstimmung mit den. Bestimmungen des Vertrages von Versailles über die Rechte der nationalen Minderheiten regelt; schließlich die parlamentarische Durchführung eines Gesetzes über die Organisation der Selostverwaltüng der jüdischen Gemeinden als der Vertretungen der jüdischen Minderheiten. Aus dem Gebiet der Berwaltungspraxis wird gefordert: Die Erledigung der Fragen der sogenannten Fremden in Uebereinstimmung mit dem Sinne des Friedensvertrages, das heißt, durch Zuerkennung der, polnischen Staatsbürgerschaft für alle ehemals russischen Bürger, welche am Tage der Ratifizierung des Friedensvertrages faktisch auf dem Territorium der Republik wohnte« oder welche vor dem Kriege -dort wohnten, jedoch infolge Gefangenschaft oder Kriegsftucht an dem bezeichneten Tage der Ratifizierung sich noch nicht wieder in Polen befanden. Wirkliches.und energisches Entgegenwirken gegen alle antijüöifchcn Exzesse sowie gegen die offene und geheime Pogromagitation in der Presfe oder in Form, von Ausrufen; B e st r a fuu g der Personen, welche, sich der Beteiligung an Pogromen und Exzessen schuldig machten, die vor der bolschewikischen Invasion oder während derselben auf dem Rückzug und dem folgenden Vormarsch der Armeen Ba l a ch o w i c z und P e t l j u r a stattfanden; ebenso Bestrafung der an den in der letzten Zeit von den „Schlonsaki" begangenen Exzessen beteiligten Personen; Rehabilitierung der während der bolschewikischen Invasion unschuldig e r s ch o s se nen I ud e n, besonders des Dajan Srhapira aus Plock. Die offizielle Unterstützung, des Boykotts der jüdischen Bevölkerung bei der Einschränkung der Schankkonzession eit, bei der Verleihung von Konzessionen für Tabak Handel und dergleichen, bei der Verpachtung von Staatölände reien, bei der Gewährung von Kredit stütze a« die Kaufmannschaft, an Industrielle und Handwerker, bei der Bestätigung des Kaufes von unbeweglichem Eigentum (der letztere Fall kommt hauptsächlich in den ehemals preußischen Gebieten vor) muß aufhören; ebenso muß die Politik der kulturellen Unterdrückung hes jüdischen Lebens durch Schließung jüdischer Vereine und Körpersjchaften, durch Requisition ihrer Lokale, durch Verweigerung ihrer Legalisierung aufhören, «in Ende nehme« auch die S ch i k a «i er u n g der jüdischen und hebräischen Presse durch unaufhörliche Konfiskationen und Repressalien sowie der j ü d i s ch e n undhebräischen Sprache in Versammlungen, auf der Bühne und in Bekanntmachungen. Es muß auch damit aufgehört werden, das jüdische tveltliche und religiöse Schulwesen durch Schließung jüdischer Volksschulen zu verfolgen und zu vernichten. Diese Schließung wird heute unter dem Vorwand der Einführung des Schulzwanges vor genommen, obwohl noch kein Statut über das Schulwesen der nationalen und religiösen Mirwerheiten herausgegeben wurde. Es muß auch damit ein Ende gemacht werben, haß die Agrarreform vorwiegend auf Kosten der jüdischen Landwirte durchgeführt wird, deren Güter zwangsweise parzelliert und in Zwangspacht gegeben tverdeu, ohne Rücksicht darauf, daß ihre Bewirtschaftung den Forderungen des Agrargesetzes entspricht. Schließlich wird gefordert, daß die Juden bei der Bildung der verschiedenen beratenden, und Hilfskörperschaften und Kommissionen, bei Konfere^^n der Regierung mrd der Presse und dergleichen gleichberechtigte Bürger behandelt werden. Das Mttnorandum schließt: „Wir hoffe«, daß der fögge Mi^WcjMident im ß&ute her WlÄMMM,. Wiener M»rsenzert»«s % Oktober ML . fSäTW® ---——...itwii, ...—- .■ «-'ftiMvnr,i,rf< (Schlußbericht.) Bo« »nsere« Spezi*1 feorvef p o «be n t c «. i ■ ■ 1 Prag, '30. September. Nachdem die Kommissionen Montag nachts und Dienstag vormittags ihre .Arbeiten fortgesetzt hatten, wurde Die Konferenz wiehere öffnet. Die Beratnnfwn, tvelche von einer gründlichen Sachlichkeit und von hohenr Ernst getragen wurden, tvurden durch ein Referat Efroikins (Pariser Welthilfszentrale) über die Vorbereitung der Emigration für die Jmmigrativnsländer ein geleilet. Er . bezeichnet di« jüdische Einigration als ein Problem der Arbeit. Sie ist kompromittiert und muß rehabilitiert werden. Die Zentrale muß den Informationsdienst 'über die Lebensbedingungen :ttt den Jmmigrationsländern aufnehmen. Di« Emigranten müssen 'für^ produktive Berufe vorbereitet werden. Er schlägt die ßolgejche Resolution vor: Mit Rücksicht darauf,' daß die Möglichkeiten einer jüdischen Einwanderung in eine Reihe von Ländern selbst unter den jetzigen Verhältnissen erweitert werden können, dadurch, daß mott die arbeitenden Elemente . unter, den jüdischen..Emigranten vermehrt, besonders diejenigen, welche bereit sttrd, in ihrer neuen Heimat sich der Landwirtschaft zu widmen, ist die Konferenz ' der Ansicht, daß die jüdischen gesellschaftlichen Organisationen, welche Unter de« wandernden und heimlosen jüdischen Massen tätig sind, bei ihrer Arbeit besondere Aufmerksamkeit der Arbeitshilfe widmen müssen, wobei die ökonomischen Bedingungen der Einwandernngsländer in Betracht zu ziehen sind. Insbesondere sind zu diesem Zwecke .Gruppen von landwirtschaftlichen Arbeitern zu bitten, ferner kurzfristige professionelle Kurse u. dgl. emzurichten. Damit die Vorbereitung der jüdischen Emigranten für die ökonomischen Bedingungen der Einwande- ' rungsländer ztelgeinäß. vor sich gehen kann, ist ein genauer und zentralisierter Informationsdienst bezüglich der ökonomische«, Lage und der Arbxitsrrächfvage in den verschiedene« Professionen und Berufs zweigen dieser Länder notwendig. Diese Aufgabe hat das Zentralorgan für jüdische Emigration, welches die Konferenz wählen wird, zu übernehmen. In allen Ländern, in denen eine mehr oder weniger zahlreiche jüdische Einwanderung möglich' ist, haben die dortigen jüdischen Organisationen spezielle.Arbeitsversorgungsstellen zu gründe«, welche ihre Tätigkeit im Einklang mit den prosesLouetten Arbeiterorganisationen des . betreffenden ßam cf Wie Mewerkschaften, Syndikate, Arbeiterbörsen rtdgl.) A führen haben. In der Debatte betonte Berger (Berlin), daß! die Erfahrungen des Arbeitsfürsorgeamtes in Deutschland die Forderungen des Referenten bekräftigen. Es habe sich gezeigt, daß man auch in Deutschland Verständnis dafür gefunden , hat, daß . der .jüdische Heimlose kein Schnorrer sei« muß, sondern auch' in wichtigen. Produktionszweigen voll und ganz seinen Mann stelle. ES kam auch her Wunsch zum Ausdruck, daß die Emigrationsländer Einrichtungen zwecks Ausbildung her Emigranten schassen. Auch in den Transemigrationsländern sei dies möglich, wie ps sich in Frankreich! gezeigt habe. maKmmmmmnmmmmmmmmmmmmmammmmmacmBmmmmmm Mozkin konstatiert, baß es bei guter D'rgktnsa» lio« möglich sein dürfte, im nächsten Jahre 50.00# Menschen nach Pal äst i n a, 100.000 Näch Am er?«' zu bringen. Man dürft keine Politik führen, die zur! 'Zerstreuung der jüdische« Auswanderermässen führe.' Es! kämen noch Kanada, .Argentinien und'Brasilien in Betracht, doch tvären hier noch. Viele VüÄHittgungcn zu. schaffen. Am ehesten können land wirtschaftlich! Aus ge bildete hingelangen. Wer auch Handwerker. Auch für Südafrika bestünden Aussichten« Ebenso werde sich der Völkerbund Mt dem Problem der jüdischen Wanderung zu befassen-Hab«:. Nach dieser. Richtung ntiiffeit alle Schritte einheitlich unternommen werden und nicht durch' einzelne Organisationen auf eigene Faust. Die ßtesolution wurde zum Beschluß erhoben. ' - Dr. Bernhard Kahn (Hilfsvsrein Berlin) unter-', breitet die bereits mitgedeilte Resolution der Bankkommission, tvelche angenommen wird. lieber Antrag Hilels (Ukraine) wird folgende Resolution angenommen: Nachdem die Sowjetregierung den am Dujestr in der Ukraine besindlichdn Flüchtlingen die Erlaubnis. zur Äustvanderüug erteilt hat, wird beantragt: 1. Mit der rumänischen Regierung Berhairdlungen zu pflegen wegen Dnrchlassung jener Flüchtlinge, die nach .Amerika, Argentinien usw. einwandern dürfen, wie Frauen, die zu ihren Männern, Eltern, die zu ihren Kindern fahren u. dgl. ' 2. Im Falle, baß diese Erlaubnis erteilt wird, übernimmt das Zentralorgan von der .Sowjetregierung die Verantwortung dafür, daß die Flüchtlinge unbehelligt über die Grenze geschafft werden. Vor Schluß, der Konferenz tvurden noch' folgende Resolutionen angenommen: Indem das Interesse der jüdischen Emigration, vollständige Ein he itlichkeit in der Tätigkeit. . der, Organisationen, die auf diesem Gebiete arbeiten, erfordert, beauftragt die jüdische EmigrationskonserLn^ das von ihm gewählte Zentralorga«, sofort in dies-! bezügliche Verhandlungen mit den entsprechenden Mi-, scheu Organisationen zu treten. - - - ' Die Zentrale soll bei der Regulierung der Emi-' gration dafür sorgen, daß diese womöglich zur Ko n-:, zentration größerar und geschlossener jüdischer^ Gruppen in bestimmten Gegenden führen soll, daMA die Möglichkeit einer uationaleü Entwicklung' garantiert erscheint. > . i Die' weiteren Beschlüsse haben wir-' bereits mrtge-'- teilt. Mit einer kurzen Ansprache Motz kr ns wird die) Konferenz geschlossen. Das gewählte Direktorium wird fbfork die Arfteiten in Angriff nehmen. Ein« SpezialMnNission soll bald'i nach Polen entsendet werden, um W Arbeit dortselbstj! zu vereinheitlichen. Es ist zu erwä^tcms baß nunmehv in das Chaos der bisherigen .EmigMjonsarbeit Qchnnng gebrächt werden wird. ' : welche er im Gespräch mit dem Abgeordneten Doktor Thon entwickelt hat> geneigt sein wird, auf diese Wünsche Rücksicht zu nehmen und sie zu realisieren. Wir. hoffen, daß der Herr Ministerpräsident dies m seinem Exposee zum Ausdruck bringen wird, mit der Bemerkung, daß die polnische Regierung mit der bisherigen Taktik des Derschweigens und Jgnorierens der jüdischen Frage bricht und daß sie beabsicht, ihre Haltung gegenüber den Bürgern jüdischer Nationalität im Geiste der Verfassung mch des Versailler Vertrages einzurichten, und einen neuen Kurs, eine« Kurs der Behandlung der Juden als vollberechtigte Bürger der polnischen Republik, die eine der nationalen Minderheiten des Staates bilden, einzuleiten. (Das Exposee des Ministerpräsidenten, welches inzwischen gehalten wurde, beschränkt sich aus die Bemerkung: „Die wichtigstr Garantie für die Ordnung im Staate ist, daß die ganze Bevölkerung jene Freiheiten und Rechte genießen kann, welche die Verfassung gegeben hat. Sie zu wahren, wird die' Regierung bemüht sein, indem sie von 'von ihren Beamte« fordert^ die verfassungsmäßigen Garantien zu achten, welche allen Bürgern ohur Unterschied der Konfession «und Nationalität gegeben wurden") Amerika «ad die FriedensvertrSge. Paris, -39. September. Nai; einer Meldung des ,N e w N o r i Herald" aus Washington hält der Senat Nachtsitzungen ab, am'bie Ratifizierung der Verträge mit Detitschland, Oesterreich und Ungarn zu erledigen. Verli«, 1. Oktober. Die .vo ssische Z ertungmeldet a«S W a s h i n g.t o n: Wenn keine unvorhergesehenen Zibischenfälle eintreten, wirb der Senat dir Frieden-Verträge mit Deutschland, Oesterreich und Ungarn am 17. d. M. ratifiziere«. Man >st allgemein davon libttzeugt. daß die Opposition 33 Stimmen veremigen muß, «nr den Vertrag a-zulehnen. Die. höchste Schätzung gibt der tzpysstston >ö S«««en. Das Judentum in Jugoslamren, Bon Nach«« Ha«afchjgtach. Der Brennpunkt, in welchem alle Stmhlen:.drr, Idee einer Vereinigung alter slawischen Stämme dess europäischen Sübostens zu einem souveränen süd-! slawischen Volke zusammentraftn, war Agram. Wohl-' sind die politischen Fäden zur Vertvirklichung dieser^ Idee in Belgrad gesponnen worden, wo gUt geschulte^ Köpfe, wie P a si c, P r v t i c, V e fn i c und vieleandere, die Lenker des serbischen Staates waren. Mein die Führer des serbischen Volkes hatten keinen großen. Kampf zu bestehen, um diese Idee bei ihrem Volke populär zu nrachen, da im Vorkriegs-Serbien in allen' -Volksschichten für ein Großserbien gearbeitet worden - war. Ganz anders war das Verhältnis in Agram./ Das Wort „südslawisch" war in gewissen maßgebenden - Kreisen Agrams und des übrigen Kroatien geradezu . verpönt. Wohl führt die Akademie der Wissenschaften' ' in Agram den Titel „Südslawische Akademie der Wissen-' . schäften", allein dies entsprach Noch nicht dem Empfinden der breiten Schichten der kroatischen Volksmassen, die' dem oft mit antisemitischen Phrasen politisierenden^ - Bauernführer Stephan Rad i c blindlings politische' Gefolgschaft leisten. Die Intelligenz Kroatiens dagegen, die Klerikalen ausgenommen, die sich nach'dem' Tode des fteisinnigen, vornehmen kroatischen Politikers ' Dr. Ante S tär cebic um die politische' Fahne seines,' Nachfolgers Dr. Josip Frank scharte«, schwstrMte' für eine Vereinignng aller Slawen des Südostens zu!' einem Volke wtb e i«c m" Staate, wobei nicht im - - geringsten daran gedacht ivnrd'e, daß gerade Serbiendie Führung übernehmen sollte. Daher gab es vor dem §driege selbst unter den feurigsten Südslawcn in Kroatien,' . urck Dalm-tie« tvem MMgex des. Lab^buM^ech'

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