Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 961 (29.9.1921)
- Date
- 1921-09-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Geile 4 Men Donnerslag Wiener MOrgienzeitünrt l « i t t f \iWi|U Maffenvnsarnmlirng im Sophiensaal In den riesigen Sofiensaal strömten lange Vor Beginn der gestern stattgesundenen Versammlung unaufhörlich Menschen um Menschen. An den Kassen, auf den S tiegeng ängen und im SaatL herrschte zeitweise ein geradezu beängstigendes Gedränge. Vie'e Hunderte konnten keinen Einlaß mehr finden, da noch vor Beginn der Versammlung der Zutritt in den Saal gesverrt werden mußte. So gvoß war das Interesse der Wiener jüdischen Müsse», zu hö'^n, was der zwölfte Kongreß dem jüdischen Volke gebracht habe Und welche Wege der Arbeit nun einzusch'agett seien. Und alle Redner zeichne'ett den Weg klar vor: Anspannung aller Kräfte de? Volke?, um Palästina zu erbauen. Alle Redner des Abends, Jabotinskh, das Mitglied der Exekutive, we'chez den am schärfsten umrissenen Standpunkt in der Frage der Schaffung des jüdischen Palns'ina ciintmmr, Oberrabbiner 5)c.. Chajes, der Präsident des Großen Aktionskvmi.ees, welcher, im Zionr?nms den Sainme'pu.ckt a'lev lebendigen Krästt! de? Judentums ficht. Und .Dr. Schälit, der alte zionistische Vorkämpfer, sie alle traffen sich in ihren Rede» in einem Punkte. Palästina ist eine Heimstätte für das ganze jüdische Volk und muß durch die Arbeit des ganzen jüdischen Volkes gebaut werden. Jeder von ihnen fesselte die 'Zuhörerschaft, die den Riesenfaal bis auf das letzte Plätzchen füllte, durch die Eigenart seiner Formulierungen der Probleme, für deren Losung der Kongreß die Richtlinien gegeben hat. Und mit geradezu andächtiger Stille wurden die Redner angehört, bis dann ein Beifallssturm lvsbrach,. welcher bekundete, wie fest das Vertrauen des Volkes zu seinen Führern ist. Dies beweist, daß es keine innere Krise des Zionismus geg'üen bat und gibt, sondern baß nur die Energien einer von Ung ück verfolgten jüdischen Ma.se g schwächt wa'en und zur Entfachung gebracht werden können durch die Kraft der uralten Jtee. Daß die jüdische Masse Großes zu leisten hat, das wird von ihr gefordert. Sie hat es heute wieder gehört. Nun wird sie., zu zeigen haben, wa? sie vermag. — Nachstehend der Verlauf der Der- , sammlüng: Abg ordnrter Stricker, Präsident beS LandeSkomit^S, jjon dem dir Versammlung rmberuien worden war, b g üßt die -Erschienenen und bie anwesenden Mitglieder der Exekutive, die. Herr » I a b o t i n s k y und Dr. H a! p e r n. Und erklärt d!e Versammlung Uhr eröffnet. Das Wort erhält, mit herzlichem Beifall beg'.üßt, Oberrabbiner Dr. Chajes, der -auSführt: Wenn wir dir Bedeutung und de Arbeit» des XU. Zwn stenkongrcffes lich'ig ein'ckätzm wollen. wÜNen wir uns den Un e schied zwischen unserem Kongreß und jedem anderen Parlament vor Augen halten, der darin besteht, daß e? bei, uns kein-n Zwang g>bt, sondern fieiwllige A>ben, Männer auS den versetiedrnsten Ländern, Id enki eise, Jnt> reffen und Programme zusamnunführt. Der letzte Zion stenkongr.ß gab noch richtiger als seine Vorgänger das B ld des gesackten Judentums wieder. Es waten ungefähr eine Million Echektzahler v rtreten, waS mit Errechnung der heutigen Verhältn sie in Rußland und Amerika ungefähr der Hälft: de» Jndenheir entspr cht. Die extrem rechtsstehenden und die extrem» linksstehenden Parr ien Hab n sich freiwillig zu schwerer Arbeit vereinigt. Und wenn wir all dies und die achtjährige Pune, da der Konarev n cht tagte und wahrend welcher sich das ganze G.lo der zionistischen Arbert verschoben hat, in Betracht ziehen, so können wir sagen: Kein anderes Parlament hätte bester und intensiver gearbeitet als unseres^ Die wichtigsten Ergebnisse dieser ernsten Arbeit deS Koneffcs sind: Die Schaffung einer vom Volkswillen legalisterteu Vertretung. W r haben jetzt eine Vertretung, welche den Machten und dem jüdischen Vccke gegenüber mit vollem Recht als Vertretung res Volkes gelten kann. Der Kongr ß hat ferner zur B al'v ur- Deklaration Stellung genommen und sie m würdiger § o r m angenommen.- Wir haben nicht für ein Geschenk sondern dafür red.mkt, das unser unverjährbareS Recht anerkannt wurde und habcn zum Ausdruck gebracht, daß die Frage der jüdischen He mstätie m Palästina eine Frape ter Befreiung nicht bloß eines kleinen Volles,, kontern der Men'chhtlt und deö menschlichen Geistes ist. Der Kongreß hat in einer Enunzialion, welche die jüdische Auffasiung der Balfou- Teklarairon darlegt, mit den Worten Englands un Ajandatsentwurf zum Aussmck gebracht, daß die Mandatarrnacht verpflichtet ist, m Patästma solche politische und wlrtschattliche Bedingungen zu schaff», daß die Eirichtunq des jüdischen Heims möglich ist. Der Kougreß ^at sich fern» Mit der Araberfrage oefaßt uud zum Ausdruck gebracht, daß wir in freundschaftlichem Verhältnis zu den Arabern unter Aufbauwerk tun wollen. Aber wir mußte« gleichzeitig feststelle«, daß Palästina in der Balfour- Drklarat on und i« de« offiziellen Erklärungen Englands und seiner Verbündeten nicht den in Palästina augenbl-cklich lebenden I u d e n. sondern dem ganzen jüdischen D o l k e gegeben wurde. Das ganze jüdische Volk. daS mit se'nem S.hncn und seinen Träumen mit Paläst na verbunden ist, ist keine Minorität. Die Araber haben in Palästinanreihr Zentrum g°seheu und nie mrricht, eS dam zu machen; sie haben jetzt d>e Möglichk ie, ihre alten Zentitn Bagdad, Damaskus usw. a«f«"ckt.'n und es liegt kein Gl und für sie vor, eine Vor iebe für Palästina zu haben, dir sie durch -wölf Iihrhundette Niemals gezri t habe«. Ww wollen ihnen weder heute noch jemals spät r in Palast na ttn A ns» leben nach ihren Wünschen und Bedürfnisse« v rweigern. Aber Palast r« muß das sagen wir offen ein j ü d t s ch e S Land wüten, daS jüdifche Kul'ur, ein jüdisches nat onaleS Leben und eine indische Majorität hat. In der Grenzfretgs PalästlnaS, mit welcher sich die.Kommissioneck des Kongresses beschälgten, handelt ks sich im Pr nzip um d'e Schaff.-ng eines Paläst naS, das in absehbarp Zeit d a S nat onale Heim der Juden weiden ioll; d isür muffen alle Siedlung Möglichkeiten tze^chaffett werden. Der Kongreß hatte sich auch mir der in Amerika und in Zentralenrova viele, Liierten Frage der Galuth-Politik zu befassen, und von dem Grundsätze ausgehend, daß die Zukunft und g ist'ge Entwicklung Palästinas »vn der Erst hang uusercr Jugend a'^iängt und daß zn O v f e r n für Palästina Ntir der Jude fähiä ist. der tot Volkstum wurzelt, hat der Kongreß seerl'ch die Notwendigkeit der nationalen Erziehungsarbeit in alle« Ländern, wo Juden wohnen, wiederholt. Z m ersten Mike tourte auf diesem Kongreß in voller Schä'fe die Frage des Verhältnisses zur jüdischen Tradition auf. U >d da ist es rm ömbl-ck auf d e En w'ckurigkwege. die das Judentum bisder gmommen^ Hit, von Wer', daß der Kongreß klar fest» g.-stellt Hit, soweit es sich n m ö t f e n t I i ch e Hand» l u n g e n ln Palästina handelt, m die Organisation vnpst'chtet, «o lange es keinem anderen Weg -gibt, den Weg zu gehen, den das Jud.ntum dwch Jahrtausende tze» gangen ist. Schließlich hat der Kongreß m einem Manifest das jjrdische Volk darauf hin ew'e en, daß auS Träumen Wi klichkeit wurde, daß aber die Anstrengungen, die blskiet grmickt wurden, um unserer Pflicht zu ml'preckien, nicht >m emse>Nt sten aus« reichen und nicht im enr»erntest n den Möglichkeiten deS jüdischen Volkcs enisprechen. Die Welt bat «ohl kein Recht, von dem Volke der zwei'au endjähr »gen. Zerstreuung in zwei Jahr n Wunder zu verlangen. Lb r wrr müffen von unS da5 Un rliAueste verlange«, damit wir er»eichen, was wir seit Jahrtausenden rrtränmrn. Jetzt, da wir das Wunder vor Äug n Hab n, müffen wir bew isen, daß. wir daS Wunder vr»mö: n. J der muß darüber Nachdenken, wis er Unerhörteiür das Volt leisten kann; wenn wir das Unerhö-te, das von unS verlangt wird, wollen, können wrr eS möglich Machen. Von. lautem Beifall beg-Üß', er riff hierauf Dr. Schalit das Wort und füh'te aus: Das Volk, dem daö Wunder immer alles war, verlangte vom XU. K.-.n->.reß Wunder der Erfüllung. Er hat d ese Wund v nicht gebracht, aber er hat p l a n m ä ß i g p e a r b e r t e t und Richtlinien gezogen für den Aufbau Palästinas. In dieser wirlichen, realen Arbeit hat oer Kongreß GioßeS geleistet. Tö handelte stch zunächst um B eile g u n n.g des Zwistes mit den amerikanischen Brüdern. Hinter den äußerlichen Diffcr nzm v ri-argen sich zwei Weltausckauuugen. nämlich, ob die zionistische Organ anou nur ein jüdisches H i l f Sw e r k oder das nationale Instrument des jLdlfchen Volkes in srivem Ningm um d e nationale Ex'sten; sei. Der Kongreß hat durch seinen B schluß in der palästinensischen S ch u l f r a g e und durch die Präsisierung deS Bethä>tn»ffe» der zionistischen Organiiation zum PariserKomtteedrrjÜdischen Delegatronen in letzterem Sinne en schieden. Rach der Drrlegung der volitichen Arbeit für die Regelung der G r e n z f r a g e geht der Redner zu den p o l i-. lischen Fragen in Palästina über, welche den Koug-eß beschäst-g'en und befaßt sich mü d.r Tätigkeit Herbert Samuels. GegenSamuel, der mit stolzm Hoffnungen in Palästina empfängen wurde, kam starke Mißstimmung znm Ausdruck infolge fem-r Rachgebigkeit gegen gewillt Skömungon der briti'chen Militärvnrtei. Der Konareß hat beschloff^n, eine D e l e g a l t o n zu Samnel zu entsenden und ihm die Beschweiden unb Forde ungeU. der Organisation vorzuligen. Wir v e 11« « fl t n von ihm nicht anderes als die restlose DurchfUhrunq der Balfonr-Deklaration. Ten Arabern muß die Unertchllterlichkeit der Balsour- Deklaration zu Bewußtsein tze rackt werten. Und wir hatten daran fest: Wir wolle« das L-'Nd Nicht erobern, 'andern zur höchstenStufe der Zivilisation bringen. So hat auch d'e politische Komm sstvn dieser Stimmung ' es Kongr,ffeS Folge tragend, die L e g i o n s f r a g e d:r Exekutive üb ran'wortet, damit die e in voller Beraniwortung der brit icken Regierung vorlege, was zu geschehen hat, um Leben und Sicherheit der Bew8h> er Palästinas zu schützen. All' di-se Arbe-t des Kongreff s war getrag n vom Kiaslbewußti-in und von der Stärke des jüd-schen Volkes. D ese Kiast ent e t auö 29 September 1921 m.961 ■ Schenket 5 suRosch haschanah i ■ grosse Beträge dem S Ketem Kajmeth VIsrael 5 (Süditchet Sfationatfonde) £ aoftviftftf 6uo*6t&9Qi>tK*kiuto4oJ06oooo9äöaoooo*Maoaa&fioao*oao6boM*»o' { Er erwirbt dafür weite Ländstrecken in j Eres Israel 1 H dem jüdischen Volke! | £füd Sfationalfondi IL% fSabortiritsse <5$ ■ DaS vudget deS M. NaÜonalfondS für 1928 beträgt * 580 000 Pfand Sterli«ch S das ist über ein Viertel de^anze« ziottistifche« BiidgetS i dem eherne« W llen der G sacktheit. Don ihm wird — komme, was da wolle — unsere Idee stets getragen ftin. Rah diese« mit starke« Biliall a«sgenomcke«rn Ausführungeu trat, ckck Spannung r>wal,et. Iabotinfkrtz ans Rednerpult. Minutenlange Ovai vnen begrüßten ihn. Seine Rede, w lebe die Schwierige ten der jüdischen Ausbauarbert r» z igte, und mit der eindrucköv llcn, gerade u mimi chen Geste malte, wurde von der Der ammlung buchstäblich atemlos an ehört. Und als d >s Gebäude d s Dortiages durch den Schlußsatz ge röm wurde, daß alle Schwierigkeiten des Aufbaudoch genug seien für ein Volk, das den Ausbau seines Lindes schon e>nmal durch die Krait seines Will.ns vollzogen hat und daß wir diese T a t wlcd rholen w rsen und muffen, da brauste ein erlösender Bcifallssturm du ch den Saal und erst, bau» konnte Abgeo dne er S t i icker bit Versammlung mit deck Ausdruck des -künkes an die Redner uu^d. insbesondere an Jabotlnskh schließe«. W»r bringm dre Rede Jabot nstyS, welche daS Aüfba«- Problem sozusagen mit dem zionistüchen Horirvnt verknüpfte, ihrer Dcdeutui'g wegen anuhrlich in der «ächste« Rumcker. Inland. Bor einer neuen Kabinettskrise? Ver^öqeruttfl der Kreditaktioa. Rücktritt des Finanzministers. — Scheitern des Finanzplanes. E§ scheint, daß die Kabinettskrisd, die bereits seit vierzehn Tagen als bevorstehend bezeich-net würde, in den nächsten Stunden zum Ausbruch kommen wirb. Bunbesitnanzminister Dr. Grimm wirb unter yll^n Umständen noch im Laufe dieser Woche aus dem Amte scheiden, und es steht zur Stunde noch nicht fest, weü sein Nachfolger werden wird. Die Hauptursache des beschleunigten Rücktrittes Dr. Grimms ist darin zu suchen, daß die Kredituktion nicht den Berläüf nimmt, den die Regierung erhofft hat, baß w^iiere Verzögerungen voraussichtlich sind und daß die zw'ischenweiligen Vorschüsse, die in. der Höhe von zwei Millionen Pfund erwartet worden sind, bereits flüssig gemacht worden sind, aber nicht in der erwarteten Höhe, sondern nur im Betrage von '500.000 Pfund, das sind vier Milliarden österreichischer Kronen. Dieser Betrag deckt kaum den Bedarf des Staates für eine Woche, und ez bedeutet dies daher so viek alsl ein Schei'ern des auf die zwischenweiligen Vorschüsse 'aufgebauien Finanzplanes dsz Bundesfinanzministers Dr. Grimm- Der geringe Betrag dieser Vorschüsse bringt es mit sich, daß die Regierung nichtz in der Lage ist, die den Beamten in der Vorwoche zngestandenen anderthalb Milliarden zu bedecken. Es stellt -sich heraus, daß die in Aussicht genommene Erhöhung der Monopole und Tarife einen ungangharen Weg darstellen, weil man im Hinblick auf die jetzige h o rr e nd e T e u e r u n g das Experiment einer neuerlichen Neberwälzung auf die konsumierende Bevölkerung nicht wagen, darf. Der Bundesfinanzminisl^r ist daher nicht mehr imstande, sein Versprechen einzuhalten, weitere Belastungen des Staatshaushaltes nur im Falle, der ordentlichen Bedeckung zuzugesiehen. Er sicht sich aus. diesem .Grunde genötigt, seinen sofortigen Rücktritt zu verlangen. Das Baliklontrollg>:,'etz, das die Gwßdeulschen vorbereitet haben, wurde gestern dem Finanzminister überreicht, der sich dazu nicht mehr geäußert hat. Gelingt es, in Form eines Junktims zwischen Kontrollgesetz und dem L.änderbankgesetz eine Wehr« Heit im Plenum zu finden, so wird es sich vielleicht vermeiden lassen, daß eine Gesamtkrtse im Kabinett eintritt. Die Entscheidung über die Frage, ob Gesarntkrise oder nicht, wird in einer Konferenz fallen, die 'heute Moderne Herbststofffe für Anzüge und Kostüme Info’ge alten Vorrates noch sehr preiswert Karl Schwarz ft VI., Winclmülilgasse Nr. 2