Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 960 (28.9.1921)
- Date
- 1921-09-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-rr. 96G Wien Miltwocy Inland. Wiener Mrorsenzeirnnn 28. September 192k Seite 3 Wiener Mrorsenzeirnnn Die Kreditaktion. Die Lsierreichische Regierung hat sich an din Wiener Vertreter eine- Entenlestaales unter Hinweis auf die Lage und die wachsenden Besorgnisse der Bevölkerung mit der Bitte gewendet, bei« Vklkerbnnd in Genf unverweilt auf die intensivste Beschleunigung der Kreditaktion hinzuwirken. Im Anschluß daran solle die Regierung ermächtigt wnden, die Bevölkerung Uber-die mittels dieses Schuttes zu erreichende Be chleunigung der Hilfsaktion und über deren nächste Leistungen zu unterrichten. Oesterreichisch-tschechische Wirtschaftsverhandlrmge«. Prag, 27. September. „Narodni L'sly" erfahren, daß brr den für Oktober anberaumten österreichrsch-tschecho-slowatischen Brrbandlun^en über die Durchführung einzelner Bestimmungen deS Wirtschaftsabkommens, die diesmal in Wien stat!- finden werden, auch d e bisher unerledigten F i n a n z a n- Gelegenheiten geregelt werden sollen. Graf Orstai — italienischer Gesandter in Wie«. Genf, 26. September. Zeitungsmeldnngen aus Bern' zufolge wird der dortige italienische Gesandte Orsini m gleicher Eigenschaft nach Wien versetzt werden. _. Öberösterreichischer Landtag. Linz. 27. September. Nach längerer Unterbrrchung ist heute wieder bcr oberöstlrreichische Land ag zuiamruengetreren. Landeöhaupimann Hauser verwies auf die.neue Teuerungs. welle. Der Landeshauptmann spricht 'iorann von oer öffentlichen Bewirtschaftung der Lebensmittel. die irr Obrrösterrerch länger als in den anderen Ländern ausrechterhaltrn werden nmnte Damit r>as Land nicht vollständig ausgeplündert werde, sollen schon in nächster »seit Beratungen mit den betreuen* ten Bundesministerien ftattftnden. Bei dieser Gelegenheit kön^e Redner nicht verschwelen, daß ras Verhältnis zum Bunde nicht dasangenehmstesei. Er zählt verschiedene Beschwerde gegen den Bund auf, so sei die H o l z» ansfuhrabgabe nicht bewilligt worden und viele Landesgesetzt beanstandet. Er werde dre Beschwerden des Landes der Bundesregierung unterbreiten. Dre Ausführungen deä Vorsitzenden fanden auf allen Se-tm die lebhafteste Zustrmmnrtg. ■ - >? Der Brtrgenlsmd-Kosrflikt. Das Ultinratuin der Botschafterkoufewnz an Ungorn läuft am 3. Oktober ab. Es hat bereits, die Wirkung gehabt, daß die ungarische Regierung in einem Geheimzirkular ihrer Presse die. Einstellung der Hetzartikel gegen Oesterreich aufgetragen hat. In der Krise selbst ist ein Stillstand ein getreten. Die Verhandlungen -z>v!schen der großen und kleinen Entente und Ungarn dauern fort. Minister Benesch hat die A.^schläge- Bairfsys nach Paris und London weilergeleitet. Diese Vorschläge haben im wesentlichen die Abtretung Oedenburgs und seiner Umgebung zum Inhalt; die Kompensationen werden.ausschließlich auf wirtschaftlichem Gebiet^ liege»; im weiteren verpflichlet sich Ungarn zu dein Zwecke, um auch die Tschecho-Slowakei nicht leer ausgehen zu lassen, zu eitler umfassendem wirtschaftlichen und politischen Annäherung auch an diesen Staat.' Grpresinnge» an den Inden. In Oberpullendorf wurde der jüdischen Bevölkerung voll den magyarischen Insurgenten eine Abgabe in der Höhe von 81.000 Kronen auferlegt, die innerhalb eines Tages gezahlt werden mußte. Die Betyaren verschleppe« österreichische Gendarmen. Wiener-Neustadt, 27. September. In Du am Leithaberg wurden neun Gendarmen, die in Ruhestellung lagen, während sich ihre Kameraden auf Streifung befanden, von ungarischen Banden überfallen und verschleppt. Wie dem Telegraphen-Korrespondenz-Bureau mitgeteilt wlrd, hat die österreichische Regierung sofort energische Schritte eingeleitet, um die Freilassung dieser auf altösterreichischem Boden überfallenen Gendarmen zu erwirken und Sühne für diesen Zwischenfall zu erlange^ Prag» 27. September. (Tschecho-flow. Preßbur.) In der heutigen Sitzung des Äußenausschusies des Abgeordnetenhauses gab Ministerpräsident und Minister des Aeußern Dr. Benesch eine Darlegung der durch die Ereignisie in Westungarn entstandenen Situation, um, wie er anführte, die in der Oeffentlichkeit lautgewordenen Befürchtungen, daß aus der gegenwärtigen Lage irgend eine große Gefahr entstehen könnte, zu zerstreuen. Dr. Benesch rekapitulierte kurz die letzten bekannten Ereignisie in Westungarn wo es zu einer magyarischen Reokkupation kam, obwohl die Alliierten versuchten, vor der Uebergabe des Landes und nach der Reokkupation eine gütliche Beilegung des 3»$« zwischen Oesterreich und Mägyarien herbeizuführen. Redner erklärte, man könne konstatieren, daß die Haltung der ungarischen Regierung verschuldet hat. daß die Frredensbedingungen nicht erfüllt wurden. In Genf habe diese Frage sehr wesentlich dazu beigetragen, daß Magyarien überhaupt keine Hoffnung hatte, in den Völkerbund ausgenommen zu werden, und schließlich sein Ansuchen auch zurückzog. Der Minister erwähnte sodann seine den Alliierten übersandte Note und führte aus, daß in der letzten Woche. Mittwoch, ein magyarischer Politiker privat bei ihm erschienen sei. der auch an den früheren Verband?uigen, besonders den wirtschaftlichen, teilgenvmmen hatte und während des Gespräches über Westungarn Dr. Benesch privat ersuchte, ob nicht die tschecho-flowakische Regierung ihr Interesse der gütlichen Lösung der Situation in Westungarn widmen wolle. Ich Antwortete, erklärte Dr. Benesch. daß ich es für meine Pflicht halte, überall zu wirken, wo es sich um den Frieden handelt, insbesondere deshalb, weil, falls die westungarische Angelegenheit nicht friedlich gelöst werde, es zu Zwangsmaßnahrnen kommen werde, an denen wir direkt interessiert wären. Unser Staatsinteresse würde erfordern, in dieser oder jener Form an den Maßnahmen mitzuwirken, wenn die Alliierten sich über diese einigen. Die hauptsächlichste Bedingung jedes Handelns von unserer Seite ist die G e l t e n d M a ch u n g der Friedensverträge und die Uebergabe des Territoriums in die Hände der alliierten Generale. Dör Delegierte teilte sodann einige Einzelheiten der magyarischen Forderungen mit und ersuchte, Dr. Benesch möge sie Oesterreich vorlegen. Dr. Benesch versprach, nach Informationen beim österreichischen Kanzler Schober zu antworten. Ich meine, erklärte Dr. Benesch, daß im Hinblicke darauf, daß wir ein eminentes Intereffe an einer raschen und friedlichen Lösung haben, ich mich vor allem über die Situation informieren, nach dieser Information einerseits mit den Südslawen, andererseits mit den Rumänen und mit den Alliierten ins Einvernehmen setzen muß und dann erst einen b estimmten Standpunkt einnehmen kann. Ministerpräsident Dr. Benesch erwähnte sodann seine Verhandlungen mit dem österreichischen Bundeskanzler Schober, desien Standpunkt er der ungarischen Regierung mitgeteilt habe. Bei seiner Zusammenkunft mit dem ungarischen Außenminister Grafen Banffy habe er darauf bestanden, daß die erste Bedingung die Erfüllung der Note der Alliierten zum festgesetzten Termin oder die Lösung des Konfliktes durch ein rasches Einvernehmen sei. Dr. Benesch verwies darauf, daß er den interessierten Regierungen alles mitteilen werde, worauf sich Oesterreich und Ungarn geeinigt hätten. Graf Banffy habe ihn darauf aufmerksam gemacht, daß es nicht wahr fei, er hätte die alliierte Note abgelehnt, im Gegenteil, er habe der Botschafterkonferenz bereits bekanntgegeben, daß er die Note der Alliierten erfüllen wetde. Er habe aber erklärt, daß die Banden in Westungarn eben jene schwierige Frage bedeuten, für die die ungarische Regierung bei den heutigen Umstanden nicht verantwortlich gemacht werden könne, beziehungsweise wolle. Der Zweck des friedlichen Vorgehens wäre, zuerst in irgendeiner Weise diese Frage zu bereinigen. Er (Dr. Benesch) habe hmzugefügt. daß die westungarische Frage, obwohl sie ernst f e i, niemals eine solche gewesen sei, daß eine Kriegsgefahr drohte. Sie enthalte aber eine bedeutende Gefahr, weil durch die in Westungarn hervorgerufene Anarchie der rechtlose Zustand verlängert, der Verkehr zwischen den einzelnen Staaten unterbrochen und dadurch die Wirtschaft der Nachbarstaaten geschädigt werde. Eine unmittelbare Kriegsgefahr habe in den vergangenen Tagen nicht b estanden. Er hoffe, daß es auch weiter zu keiner solchen kommen werde. Dr. Benesch betonte sodann, daßdietschecho-slowakischeRegierung niemandem ein Ultimatum gesandt habe und daß niemals von einer Okkupation des Landes tschechischerseits die Rede gewesen sei. Die tschecho-slowakische Regierung sei im vollkommenen Einvernehmen mit Jugoslawien und Rumänien vorgegangen. Nach einem Bericht von ungarischer Seite bestehe kein Zweifel, daß die ungarische Regierung der Botschasterkonferenz bereits geantwortet habe, daß sie die Bedingungen der alliierten Note erfüllen werde. Falls es bis zum 4. Oktober zu irgendeiner gütlichen Vereinbarung oder einem definitiven gütlichen Uebereinkommen. kommen sollte, bleibe die Frage der Banden und Freischärler in Westungarn offen, die der einzige schwarze Punkt der Situation sei und auch die österreichischen Versuche verhindern werde, nach der Evakuierung des Gebietes dasselbe in seine Verwaltung zu übernehmen und dort die Ordnung wtederherzustelley» Man könne also erwarten, daß. wenn auch die ungarische Regierung evakuieren würde, die Schwierigkeiten mit den Banden und Freischärlern bestehen werden und daß unter solchen Umständen die Unordnung für eine gewisse Zeit in W e stungarn sortdauern werde. Es sei daher möglich, daß seitens ^er Alliierten eingeschritten würde und daß entweder die ungarische oder die österreichische Regierung durch Zwangsmittel sich dieser Banden entledigen. Abgeordneter Dr. C z e ch (deutscher Sozialdemokrat) verlangte gleich seinem Vorredner Aufklärung darüber, wie die westungarische Frage gelöst würde, wenn dem Ultimatum bis zum 4. Oktober nicht entsprochen würde. In seiner Erwiderung erklärte Dr. Benesch, es fei im Intereffe Ungarns und insbesondere im Interesse gewisser Beoölkerungsschichten in den Nachbarstaaten, daß diese Frage ehestens erledigt werde. Es werde, falls es sich als notwendig erweisen sollte, z u energischen Mitteln geschritten werden, damit Ruhe und Ordnung wieder hergestellt würden. Es muffe aber alles getan werden,- um den ganzen Konflikt in gütlichem Einvernehmen und rechtzeitig zu beenden. Dazu müsse auch die Tschecho-Slowakei helfen. Auf Anfragen der Abgeordneten Dr. E z e ch und Dr. H a j a über die Bedingungen, unter denen ein Einvernehmen erzielt werden könnte, erklärte der Minister, daß die magyarischen Forderungen und der Standpunkt der österreichischen Regierung ihm vertraulich mitgeteilt worden seien und er sich verpflichtet habe, diese Mitteilung vertraulich zu behandeln. Aus eine Anfrage des Abgeordneten K o u d e l k a erklärte der Minister, daß selbstverständlich jede Aktion militärischen Charakters einzig von dem Beschluß der konstitutionellen Körperschaften diktiert wäre. Das Exposä des Ministers wurde zur Kenntnis genommen. A«matze«der Ton der Horthy-Preffe. Der Trlanon-Vertrag. kein Heiligt»«». — Beschimpfungen der «leine» Entente. Budapest» 27. September. Die Blätter erwarten von der Begegnung Banffy-Benesch eine für Ungarn günstige Lösung der westungarischen Frage. Der „Pester 2fiionist|scBie »last «ft srlx «» m für O H « ei^lBL Heute den 28. September 1. ]., 7 Uhr abends, findet im Sophiensaal, III., Marxergasse 17, eine l l «l 840 statt Redner: Wladimir Jabotinsky Mitglied der Exekutive der zionistischen Organisation Oberrabbiner Br« H. P* Chajgs Präsident des Grossen Aktionskomitees der zionistischen Organisation Dr. Isidor Schallt Vizepräsident der österreichischen zionistischen Organisation Restliche Karten im Bureau dee Zionistische» Landeskomitees, II, Zlrkusgassa 83, an der Kasse der »Wiener Morgenzeitung-, U., Taborstrasse 1-3