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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-27 · Heft 959 (27.9.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 959 (27.9.1921)
Date
1921-09-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Witntv MprAemzetrmrg «*nr» Mm, Menstag gerühtet, m welchen er unr die notwendige tzilfe zur Rettung bei: Mischen Siedlungen vor dem.Untergänge bittet. . -; - Die arabische Delegation bei« Erzbischof vo« Westminster. London, 24. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Die vaiästinmsisch-arabische Delegation hatte eine Unterredung mit dem Erzbischof von Westminster, in deren' Versaufe sie ihm über ihren Besuch beim Papst berichtete nnd ihre Forderungen in bezug auf Palästina derlegte. De-r Erzbischof drückte seine.Sympathie mit den Arabern aus und bedauerte, baß die mit der Frage der heiligen Stätten in Palästina betraute Kommission ihre Arbeiten noch' nicht durchgenrhrt hat. Albanisch-serbische Kämpfe. .£»»*»«, 26. September. (Funkspruch.) Zwischen albanische» ni'.d serbischen Truppen ist t§ bereits zu Z u s» vr m e ritt v ß t v gekommen. Die serbischen Truppen sind znrückgewichen Mh haben Gefangene, darunter auch Wraugrl'SskdatW, i» de» Händen der Albaner gelassen.. Die ««garische Landwirtepartei und die Königssrage. . Budapest, 26. September. (Ung. Tel.-Korr.-V«r.) Wie die Blätter melden, erstattete heute der Staatssekretär im Ackerbau» Ministerium Johann Mahr, einer der Führer der kleinen Landw-rtepartei, in seinem Wahlbezirk eine» Rechenschaftsbericht, worin er' sich gegen die Anschuldigung, die Partei wolle eine Dauerndiktatur einführcn, verwahrte. Sodann kam er aus die Königssrage zu sprechen, wobei er folgendes ausführte: Unsere Partei-will das Prinzip der fre en Königswahl nicht bis aufs äußerste trüben. Wir lrugnrn nicht, daß wir einen gekrönten König haben, der die Hoheitsrcchte gegenwärtig nicht ausübe» kann. Das Symbol der heiligen Krone wollen wir nicht verdunkeln; allein wir können nicht anßer acht lasten, daß sich sehr viel ereignet hat, ''eit Karl JV. da- Land verlassen hat. Solange die Hoheitsrechte «nd die Berfassungssragen nicht im Wege der Gesetzgebung ge. regelt sind, wollen wir nns mit der Personcnfrage nicht beschäftige». Zunächst müssen die staatsrechtlichen Fragen geklärt werde» und erst dann kann von der Personensrage die Rede sein. Die Höchster Farbwerke von der Arbeiterschaft besetzt. Höchst a. M., 26. September. (Wolff.) Die Höchster Farbwerke sind gestern von der Arbeiterschaft besetzt worden. Lebenswichtige Betriebe werden von der Arbeiterschaft aufrechterhalten. .Der französische Kreisdelegiertr hat an die Arbeiterschaft einen Aufruf erlassen, worin er sagt, daß er sich i» den Streit der Arbeiterschaft mit der Direktion mcht rinmschen wolle. Er ersucht die 'Arbeiterschaft, jeden Gewaltakt zu vermeiden. Proteste der Bukowinaer Jude« gegen die Schulpolitik. . Czerrrowitz, 24. September (Jüd. Korr.-Bur.) Das monistische Landeskomitee sowie die jüdische Sozialdemokraten" Patte; der Bukowina haben in den im jüdischen NativnalhauS abgehaltmrn Massenversammlungen gegen die jüngsten Der" rügtlngen der rumänischen Regierung und des Generalsekretärs Ta &•: Bukowina geaei das jüdische Bolksschulwesen energisch ir genommen. Alle Redner verwiesen daraus, daß die gieruno viel versprochen, aber nichts durchgeführt hat. ES wurde herborgchoben, daß durch die letzten Verfügungen behufs radikaler, Rumänisterung des jüdischen Schulwesens ein Attentat auf ■ das nationale Schulwesen der Juden O'dtbt wurde. Diese Versammlungen faßten scharfe Protestresolutionen gegen das Vorgehen der Regierung, insbsondere i>rs Generalsekretärs T » m a r a g e, ' der oft schwerwiegende Entscheidungen.auf eigeneFaust ohne Vorheriges Einvcinehmsn mit der Bukarester Zentralregirruug der jüdischen Br* volk'.runq aufzwingt. Kleine Nachrichten. Rom, 26. September. (Funkspruch.) Die Revarationskommiinon bewert« die von Deutschland vordem 1. Mai 1921 abgelirserten Schiffe mit 745 Millionen Mark. Der Tonnengehalt d:e>er'Schiffe beträgt zusammen 2,153.407 Tonnen. Genf, 26. September. Die mit der HüngerSnot in Rußland üesaßte Unterkommission nahm zur Kenntnis, daß die Reglrrungeu nicht m der Lage seien, Kredite für die russische Hilfsaktion zu gewähren. Paris, 26. September. (Funkspruch.) Die Unterfertig«»- des italienisch-russischen Handelsvertrages ist neuerlrch verschöbe» worreu. Lonvo«, 26. September. (Funkspruch.) In Simla (Indienkam es zwischen Soldaten nnd Basarkauslruten zu einem Kampfe; Polizei mußte eiuschreiten. Hiebet wurden zwei Personen gerötet und zwei verwundet. Genf, 26. September. lHavas.) Am 19. Oktober beginne» dier die Beratungen der interparlamentarischen Konferenz. London, 26. September. (Funk'pruch.) Ei» Zyklon hat in Lissabon erheblichen Schaden angerichtet. Aoru, 26. September. (Funkspruch.) In Maffana verursachte ei« Erdbebe« emigen Sachschaden. Bier Perso»rn wurden verletzt. 27. September 1921 . j Nr. 959 Heute den 37. September!. J# um 7 Uhr abends im Saale des Hotel Post, L, Fleischmarkt 24 öffentliche Es werden sprechen: losef Sprinzak (Palästina) Ing. Sch. Kaplänski (London) Berl Katzenelson (Palästina) L. Kaplan (Men) m Washington, 26. September. (Funkspruch.) Der Cunarddampser „Carmama" übeirannte bei New-Nork den Schoonrr »John Anton". Von der Bemannung konnte niemand gerettet wrrden. Washington, 26. September. (Funkspruch.) Auf de« Flugfeld von Oklahoma stürzte der Fliegerlentnant Emerson Bet dem Versuch, das Flugzeug in der Luft z» wechseln, ab «ud blieb tot liegen. - . v Tagesbericht. Jüdische Arbeit unter de« Wiener Sephardim. Den Mittelpunkt der jüdischnationalen Tätigkeit mifet den Sephardim bildet der akademische Verein d«r spaniolischen Juden in Wien, „Esperanza", ein-Verein, der sich aus sephardischen Hochschülern aus allen Balkanländern und dem sephardischen Orient - zusammensetzt. Seine Gründung fällt noch vor dem I. Zionistenkongreß. Der Verein beschränkt sich nicht nur auf die Tätigkeit innerhalb der Mitglieder, sondern ist sich auch seiner .nationalen Avsklärungsarbeit innerhalb der jüdisch-spaniolischen Kolonie bewußt. Aus all diesen Gründen bildet die „Esperanza" die zentrale Organisation für das. geistige Leben der Sephardim rn Wien. In der letzten Versammlung wurden über 100.000 Kronen für den Jüdischen Nationalfonds aufgebracht und außerdem beschlossen, im „Jaar Austria" auf den Namen der. Sephardim in Wien einen' Garte» zu spenden. Die letzte, große Versammlung fand im heurigen Sommer im Tempelgebäude, Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse, statt, bei welcher Herr Oberrabbiner Dr. E h a j e s und die beiden hervorragendsten. Vertreter des bulgarischen Zionismus, die Herren Oberkvmmissär Prefsiado Rvmano und Alberto Romano, sprachen. Oberrabbiner Dr. Chajes " sprach über das Wesen und die Bedeutung des Keren Hajessod, von dessen Gelingen das Schicksal deS jüdische Volkes abhänge. Herr Pressiado Romano skizzierte pt seiner Rede kurz die allgemeine Lage des; Judentums, wies die Notwendigkeit der Mitarbeit der Sephardim beim Aufbau Palästinas nach und forderte die Anwesenden auf, sich als produktiver Teil in chie GcsamtarbeiW des Judentums .einzufügen. Herr Alberto Romano, die herauf zu Worte kam, gab der Ueberzeuching Ausdruck, daß mit dem Gelingen des Keren Hajessod das Ende der jüdischen Tragik , und Mrrzellssigkeit verknüpft sei, und schloß mit einem Appell, die Sephardim Wiens mögen sich an dem begeisterten Opfermut ihrer bulgarischen Brüder ein Muster nehmen. Nach den Erfolgen dieser Versammlung zu schließen, wird das sich nun bildende, Keren-Hajessod-Komitee der Sephardim Wiens sicherlich jene Tätigkeit entwickeln, die den Wünschen und Hoffnungen der Redner entsprechen wird. Heute, halb 7 Uhr abends, findet eine sephardische Versammlung in der Synagoge, Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse Nr. 22, statt, auf welcher M. Ja biotinjkh und David El necave (Koustantinopel) spreche)» werden. Horthy-Juden. Im »Becfi Magyar Ullas" geißelt Josef H a l m i nicht mit Unrecht jenenThvuS der widerwärtigen jüdische» Assimilanten, den er mit „Horthy-Juden" bezeichnet. Anlaß hiezu gibt ihm ein Attckel im „Mult 6s Jvvö", in welchem ein gewisser Randor Szekely über das Verhalten der Horthy-Armee in der Varanya und besonders in Fünskuchen überschwängliche Loblieder singt. ' Er tut die§, obzwar ihm bekannt sein mußte, daß. wag auch, in diesen Blättem verzeichnet wurde, in Fünfkirchen an den Juden die niederträchtigste« Erpressungen begangen .und. eine Anzahl Juden grundlos verhaftet und mißhandelt wurde, daß die „Befreiung" in M o h a c § Z2 Jude«, unter ihnen auch Oberrabbiner Dr. Amin F l e s ch, in den Kerker geworfen hat. daß man in S i k l o s die Juden mit der Hundspeitsche zwang, für Privatzwecke der nationalen Armee enorme Summen auftubünge». und dergleichen Dinge mehr, welche sicherlich das Loblied des Juden Szekely auf die Horthh-Osfiziere in einem jüdischen Blatte gewiß rechtfertigen. In Ungarn ist der Horthh-Jude kein unbekannnter Typus. Es gibt in Horthy-Ungarn Ungarn nnd Horthh-Magyaren, Juden und Horthy-Juden. die streng anseinandergrhalte» werde» müssen. Halmi führt einige dieser zweifelhaften Gestalten an. Der enorm reiche Weiuhändlrr Landau wird vo» de» Horthy-Offizieren ermordet. Seinem Sohn, der auch ermordet hatte werden sollen und vor seinem sterbenden Vater de» schwersten Folierungen ausgesitzt wurde, gelang es. «ach Wien zu entkommen. Er ist der einzige Zeuge dafür, auf welche Weise und durch wen sein unglücklicher Vater ermordet wurde. Dieser Mord wurde bisher nicht gesühnt. Der Sohn hält sich in Wie» aas »nd könnte ruhig sprechen, aber er spricht nicht. Er halt Aeußerungen «och für verfrüht, weil er in Geschäfts- «ngelegenheten noch häufig nach Budapest reist. Einer der Landau-Mörder wurde, sokange er noch m Budapest war, v o » rinemjüdischenAdvokaten verteidigt, er entkommt noch Wien nnd hier ist eS wieder e r n j ü d i s ch e r Adv o!»t aus Ungarn, der alle Anstrengungen machy, das Landesgericht zu übeizeugen, daß der Mörder kein Mörder, sondern ei» wahrhaftiger chrrstlichrr Gentleman ist. Unter den Horthy- Spitzeln gibt es Juden. Unter den L i e f e r a n t e n der Horthy-Armee gibt eS Juden, ungeachtet dessen, daß die von ihnen belieferten Soldaten bei ihrer Einquartierung i« der Peoviuz den jüdischen Schankwirt «nd de» jüdischen Greißler mißhandeln orer gar ermorde». Genau so gibt eS unter de» Journalisten Horthy-Juden, die für die blutrünstigste« Blütter der ^Erwachenden" schreibe«. Leider steht die Sache so, daß Halmi nicht zu sehr übertreibt, wenn er die niederschmetternde Feststellung macht, daß in Ungarn 80*/» der Israeliten Horthtz- Jude» sind. __ Die Verwendung der amerikanuische» Hilfsgelder in Ungarn. AnS New-Jork wird uns berichtet: Dr. Snnm Miller, ein New-Iorker Arft, ist vor kurzem von einer Luropa-Rcise zurückgekehrl, i« Verlaufe welcher er auch in Ungam weilte, um dort im Auftrag einer jüdischen Hilfsorganisation festzustellen, wie dir von amerikanischen Juden a« das Bürgermeisteramt von Budapest gesendeten M i ll i o n e » b e t r a g t verwendet wurden. In einem New-Iorker ungarischen Blatte be* spricht Dr. Miller nun seine in Ungarn gesammelt» Erfahrungen «nd bestätigt hiebei die Berichte über dk schrecklichen Verfolgungen, dene» die Jude» in Ungar» ausgeirtzt sind. Auf die Frage, waS die »«garischa Regierung und der Budapestrr Bürgermeister mit dr» groß» amerikanische» Geldspenden, die fast ausschließlich von Jude« stammen, gemacht habe, antwortete Miller, er habe sich Überzeugt, daß A r b e i t e r und I « d ein nicht einen Cent davon bekommen haben. DäS „Relief Committee of Hungaria» SufferorB* hatte eine Million Sronm nach Budapest geschickt. Ueber die Verwendung dieser Spende berichtete Dr. Miller: erfuhr in Budapest, daß Emil Z e r k o w i tz lder, wie bekannt» das Vertrauen der Horthy-Regiemng besitzt und in Amerika fü» den gegenwärtigen magyarischen Kurs tätig ist — Red.) 100.002 Dollar aitä Amerika gebracht habe, konnte jedoch auf Grund verläßlicher Nachforschungen seststellen» daß davon kein einziges Proletarierkind, weder ei« jüdisches noch rin nichtjüdisches, auch nur einen Hell« erhalle» hat.* Das Trelde« der Brlga«te« in Westungar«. Ans Wiener-Neustadt wich n»S gemeldet: Dir ungarische» Insurgenten, welche sich in Lackeubach festgesetzt haben,, drangsalieren die dortige Bevölkerung in einer bereit- ««er»-! traglich gewordenen Weise. Namentlich die Juden der beiden! Gemeinden KoberSdorf und Lackenbach suchen sie sich a!S Opfer! ihrer Freibeuterei aus. So verlangten sie vo»! einem Kausmanue in Lackenbach namens. Komi«^ die Lieferung eines Quantums Getreide und weck der Genannte sem^r Lieferungspflicht nicht sofort «achkam, verhaiteten sie! den Oberrabbiner K r a u s von Lackenbach, einen?vjährigen Greis, und setzten ihn gefangen. Die Freischärler verlangte«? ein Lösegeld von ll 80.000 für den Rabbener und gaben ihn erst frei, bis sie den verlangte» Betrag erhalten hatten. Täglich treffen zahlreiche Familien, welche vor den Verfolgungen d.er Insurgenten flüchten, hier ein. Oedenburg, 26. September, (llng. Tet.-Kon'. Bw.) Ist Eisenstadt zogen gestrrk, 400 Aufständische ei« und besetzten diese Ortschaft. __ Die Baisse - Spekulation de« Herr« Irlliuek. Mit einer sehr seltsamen Schirberangelegenheit beschäftigt sich die Polizei. Der 2lj8hrige Sekretär einer Möbelfirma aus dem Alsergrund, Charles Jelckinek, l., Nibelungevgasse 8 wohnhaft, hat drei Wiener Privatbanken einen Schaden von mehr als sechs Millionen Kronen zugefügt. Besichtiget die exquisiten Modelle des .» Pelzhauses 0. J. Pipersberg in den Schaufenstern der Firma; XI«, Fratersir« 9—11 (Konkurrenz des W• Wr«Tagblati**) Der unverkauft gebliebene Rest der Modelle, welche während der Messe im Marschallsaal der neuen Hofburg ausgestellt waren, ist äussei*st preiswert abzugeben

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