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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-27 · Heft 959 (27.9.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 959 (27.9.1921)
Date
1921-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9SS Wie». Dienstag - —- " — - - -- - Wiener MlvrgLirzeitNNA 27. September 1921 Sekte 8 „VolkMhrer", deren politische Debattierkunst sich in dem Geistesblitz „darrr Jud'l" konzentriert. Nun hat gerade dieses „verjuxte Rathaus" eine Arbeitsleistung hinter sich, die in der ftnanZiellen Grundsteinlegung zum Bau der Wasserkraftwerke einen geradezu triumphalen Höhepunkt erreicht hat. Während die österreichische Regierung noch immer keinen sichtbaren Erfolg, ihrer Kreditaktion zu verzeichnen hat,, ist es -dem jüdischen Kopfe des städtischen Finanzruinisters B reitu er gelungen, Wien »so weit finanziell, zu sanieren, das; die Gemeinde die Unterstützung eines . Bankenkonsortiums gefunden hat, die es ihr ermöglicht, die industriellen UnLernehinungen Wiens von der Kohleneinfuhr und damit auch, von so viel politischen' Demütigungen zu emanzipieren. Diese Leistung hat auch das einmütige Lob der Redner aller Parteien im' Gemeinderat bei dessen außerordentlicher Sitzung am Freitag gefunden. Sobald , aber die Sittlich-Religiösen und Germanisch-Idealistischen zu ihren Wählern, sprechen, klingt ihre Kritik über, die u b e nwirischast" Niesentlich 'anders. Und das läßt es den Sozialdemokraten bedenklich erscheinen, für die in tausend Röte geratenen Staatsantiseiniten die Kastcurien - aus dem F-euer zu holen. Woraus jedem ehrlichen Patrioten, der in diesen Tagen der Rot ein Zusammenfassen aller.zur Verfügung stehenden Kräfte für bas einzige Rettungsmittel des schwer ringenden Staates hält, die ganze Gefährlichkeit der antisemitischen Demagogie erst in ihrer ganzen Furchtbarkeit klar wird, diese. Gefährlichkeit, die mehr noch als in' der eigenen Impotenz der Hakenkreuzritter in der Brachlegung jener Kräfte liegt, die dem Staat und der Menschheit noch etwas zu bieten Latten. Die Rücktrittsabstchte» des Finasrz- Ministers. Die Staatskorrespondenz meldet: I« einem Wiener Msntagblatt w»>de behauptet, Firiauzumnstec Dr. G r i m m sei znr Demission rntschloffm. Gelegentlich einer Besprechung, die im Laufe drs Tagebeim Bundeskanzler statrsand, wurde von den Vertreter« der Mehrheitsparteien Aufklärung über diese Gerüchte verlangt. Der Finanzmimstrr erklärte, er trage sich allerdings mit dem Gedanken, sei« Porlefmille zur Verfügung zu stellen. Die Verzögerung der Kreditaktion, insbesondere die Aufschiebung der Pfandrechte, laste es als nicht ausgeschlossen erscheinen, daß die Rrgiermrg aus sozialen und politischen Gründen dv« dem Grundsatz, daß neue SiaatsauSgaben durch gleichzeitige Erhöhung der Einnahmen zu bedecken feien, abgedrängt werden tömtie. Er selbst wäre aber nicht in der Hage, diesen von ihm anfgestellten Grundsatz zu verlassen. Jedenfalls aber erachte er es als seine Pflicht, die Vorlagen über die Sitzverlegung der Anglobank uridLänderban! sowohl im Finanzausschuß als auch imPleuumdeSNationalrateS zu vertrete n, da ihre Erledigung in der nächster Zeit feiner Ueber-;e«gung nach aus zwingendsten staatsfinanziellen G r ü n d e n g r b o t e n ist. Die Vertreter der Parteien nahmen diese Aufklärungen zur Kenntnis. Sie stellten fest, daß kein Anlaß vorlirge, sich schon im gegenwärtigen Zeitpunkt mit der Frage eines Rücktrittes des FlnanMinisterS zu befassen. Christlichsozialer Parteitag. Der weitere Parteirat der Würur Christlichsonalea hielt am 24. d. M. unter dem Vorsitz deS ObmanneS Präsidenten Dr. W e i S k i r ch n e r eine Tagung ab. Abgeordneter Dr. Seipel erstattete einen Bericht über die politische und wirtichaiiliche Lage, in dem er besonders eingehend die bürgen l ä v d r s ch e F r a g e, die Maßnahmen gegen die V a l u t «s p e k « l a r i o n erörterte, die Forderungen der öffentlichen Angestellten » « d Arbeiter nach einer Notstandsaushilfe besprach und schließlich de» Stand der Kreditaktion dariegte. Das neue tschecho-slowakische Kabinett. Dr. Benesch — MinisterprLfidsrtt.! Prag, 26. September. (Tel.-Komp.) Die endgültige Zusammensetzung der neuen tschecho-slowakischen Regierung, die erst in den Abendstunden bekannt wurde, -stellt sich nunmehr folgendermaßen dar: Ministerpräsident und Außenminister: Doktor B e n e s ch (Nationalsozialist). Minister des Innern: Czerny. Nationale Verteidigung : Udrzal (Agrarier). Finanzen: Bankdirektor Nowak, bisher Ober» Direktor des Bankamtes des Finanzamtes. Ohne einer politischen Partei anzugehören, steht er in Beziehung zu den Nationaldemokraten. Handel und Verwaltung des Amtes für Außenhandel : Ing. Nowak (Nationaldemokrat). j Ackerbau: Stanek (Agrarier). Eiseübahnen: S ch r tf m e k (Volkspartei). Minister für Unifikation: Derer (slowakischer Sozialdemokrat). Ernährungsamt: S r b a (Sozialdemokrat).. Gesundheitspflege: Vrbensky (Nationalsozialist). Soziale Fürsorge: H a b r m a n (Sozialdemokrat). ' Oeffentliche Arbeiten: T u ch y (Sozialdemokrat). Kultus: 6t o b a r (slowakische Nationalpartei). Justiz: D o l a n s k y (Volkspartei). Minister für die Slowakei: M i e u r a. Die Kreditaktion. Eine amtliche Darstellung. Wien, 26. September. Das amtliche Korrespondenz- Bureau meldet: Da über den Stand der Kreditaktion wieder Gerüchte verbreitet wurden, die beunruhigen können, wurden auf der heutigen Börse über den wahren Stand der Tatsachen im Aufträge des Finanz- Ministers folgende Mitteilungen gemacht: Gegenüber der Behauptung, daß S ü d f l a w i e n und Rumänien sich weigern, ihr Generalpfandrecht zurückzustellen, wird auf die offizielle Erklärung des Völkerbunds hingewiesen, wonach einzig und allein die Erklärung der V e r e i n i q t e n Staaten von Amerika Bedingung dafür ist. mit der Durchführung des Programms des Völkerbunds einzusetzen. Auch die Meldung, daß Frankreich seinen Beitritt neuerdings von der R e g e l u n g. d e r Couponrück stände der österreichischen Staatsschulden abhängig machte, ist nicht richtig. Dieser Gegenstand wurde allerdings nochmals dringlich von der französischen Finanzverwaltung urgiert, doch hat sich die Urgenz mit ausführlichen konkreten Ergänzungen gekreuzt, die die österreichische Regierung zu ihren früheren bezüglichen Darlegungen und Anträgen nach Paris hat gelangen lassen, und die mündlichen Verhandlungen über den Gegenstand, die in der nächsten Zeit in Paris beginnen, werden ihn vollends bereinigen. Ferner sollen die Regierungen Frankreichs und Englands oder die Leitungen der Banken von Frankreich und von England die Annahme des Länderbankgesetzes und des Anglobankgesetzes zur Bedingung der Kredithilfe gemacht haben. Es ist richtig, daß die diplomatischen Vertretungen der genannten Länder wiederholt di.e Wichtigkeit der beiden Gesetzentwürfe für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Oesterreichs nachdrücklich heroorgehoben haben, und daß die Bank von England, die um die Kreditaktion besonders freundschaftlich sich bemüht, an den beiden Gesetzentwürfen lebhaftes Interesse nimmt, ist bekannt. Es sei aber festgestellt, daß ein Junktim zwischen der Sitzverlegung der beiden Banken und der Kredita k t i o n von keiner Seite formuliert worden ist. Auch sonst liegt keinerlei Nachricht vor, die den Stand der Kreditverhandlungm ungünstig zu beurteilen gestattet. «amm Telegramme. Dt« jüdische Emigrativnskonferenz i» Prag. Prag, 25. September. (Tel. der „Wr. Moigenztg.'.) Heule nachmittags wurde im hiesigen jüdischen Rathaus eine Vorkonferenz der hier zur Ernigrationskonserenz eingelangten Delegierten unter dem Vorsitz M o z k i n s abgehalten. Bisher sind auf der Konferenz 25-Organisationen vertreten. Für die Jüdische Welthilsszentrale sind M o z k i n, T e m k t n und Efroikim als Delegierte anwesend. Das Palästina-Amt Konstantinopel wird durch Dr. T e m k i n und M e r i m s k y vertreten. Die \ a s* (Amerikanisch-jüdisches Hilfskomitee für Einwanderer) durch Held und S h e l w i n. Es sind ferner anwesend: Iochelmann und G o l d e n b e r g für den Ukrainerverband in London, für das jüdisch-argentinische Hilfskomitee Maash, Dr. K r ä m e r für die ukrainischen Hilfskomitees in Czernowitz und Wien, weiters Gurewitfch, Grünberg (Paris), Nurok (Riga) für den jüdischen Gemeindebund in Lettland, für Prag Oberrabbiner B r o d y und Kauders, Weinfeld (Bratislava), vom Jüdischen Nationalrat in Polen L e i s e r p w i tz und Dr. G o t t l i e b, P e r l m a n n (Ukrainer-Komitee in Polen), Nissenbaum (Jüdischer Emigrationsrat in Warschau), Tschernowitz (Soz.), G o m e l s k i für den Flüchtlingsverband Warschau, Dr. Bernhard Kahn (Hilfsverein der deutschen Juden), Berger (Arbeitersürsorge in Deutschland), Dr. Klee (Jüdische Wohlfahrtszentralstelle Berlin), Kreinin, Bartholdi-Latzky (Berlin), Edel (Bukarest), Pomeranz (Reval), Julian (Venedig), Rosenbaum (für den Jüdischen Nationalrat Kowno), Dr. B r u z k u s 65 (Quadratkilometer?a!ast!naboden konnte 6er Nationalfonds mit seinen bisherigen Mitteln loskaufen. Dss Geld zum Erwerb von weiteren tausenden von Duaams, die ihm zum Ankauf angeboten werden, fehlt noch. Schafft es herbei durch reiche Spenden zuRosehliasehanah und Jom Kipur für den (Jüd. Nationalfonds) Jüd. Nationalfonds II., Taborstrasse 59 Oesterreich hat bisher erst 4 Millionen Kronen für den Jfid. Nationalfonds gespendet; auf unser Kontingent fehlen noch 3,500.000 Kronen I Spendet zu Rosch-haschanah! Helft dem Jüd. Nationalfonds! 9198 (Petersburg), Finkelstein für die Zionistische Weltorganisation. Die feierliche Eröffnung hat Montag vormittags um 10 Uhr stattgefunden. Sin neuer Appell an Präsident Harding gegen die Arrtiimmigratio« Bill. Nerv-Bork, 23. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Der jüdische Kongreßmann Sigel wandte sich in einem Schreiben an den Präsidenten Harding mit der Bitte, das Arbeitsministerium zu beauftragen, die Antiimmigration Bill nicht in voller Strenge anzuwenden und mit den über die Prozentnorm bereits auf amerikanischen Boden gelandeten Emigranten milder zu verfahren. Mr. Sigel appelliert an Harding, er möge die neuerliche gewaltsame Trennung der Eltern von deren Kindern und umgekehrt, nachdem sie einander im Landungshafen bereits begrüßt haben, verhindern. Die Leiden der jüdischen Emigranten in Kuba. Nsw-Bork, 44. September. 5Jüd. Korr.'Bur.) Die „HinS" entsendrte einen Delegierten nach Kuba, um die Lage der dort auf dem Wege nach Nordamerika steckengeblirbknen jüdischen Emigranten zu studieren und ihnen nach Möglichkeit zu helfen- Diese Emigranten befinden sich infolge deS Einlaßverbotes in die Vereinigten Staaten in größter Not. Die jüdische Gemeinde von Havanna tut zwar ihr Möglichstes zur Linderung der Not dieser Emigranten, aber die Gemeinde sei zu klein an Zahl und zu arm an Mitteln, um ausgiebige Hilfe erteilen zu können- Ksnserenzen des polnischen Ministerpräsidenten mit dem jüdischen Land- Lagsklrrd. Warschau, 26. September. (Privat.) Ministerpräsident P o n r k o w s l i hielt gestern eine Konferenz mit den Mitgliedern deS jüdischen Laudtagsklubs ab. Er erklärte unter anderem, daß er dir eisprießliche Lösung der jüdischen Frage als emr Hauptbedingung der Konsolidierung der Verhältnisse ansehe, und lud d'n Klub ein, eine Denkschrift, dir seine Forderungen enthalten würde, auszuarbeiten. Das Attentat auf Pilsudski. Wnrfchs«, z6. September. (Frmlfpurch.) Das Attentat auf den Marschall Pilsudski winde von einem gewissen Stanislaus F e d a t ausgesührt. Dieser ist Hörer der Technik und Sohn eines Direktors der ukrainischen Bank. Im Zusammenhang mit dem Anschlag wnrde eine Reihe von Verhaftungen vorgmornmen. Die Lage der jüdischen Kolonien in Südrntzland. Londw, 24. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Zusolgehier emgetrofsonen Nachrichten aus Moskau befinden sich die jüdischen Kolonien in Südrußland in einer schrecklichen Lage. Infolge der Dürre stehen die Kolonisten vor dem Hungorbode, die Kolonien selbst vor einem vollständigen Ruin. Nach aus dem Jahre 1919 stammenden Ziffern gab es damals in Südrußland 36 große jüdische Ackerbaukolomen mit einer Einwohnerschaft von über 6 0.0 0 0 jüd je scheu Bauern, die zirka 340.000 Acker bebauten- Mit Rücksicht auf die m anderen Teilen Rußlands herrschende Hungersnot, scheinen die Bemühungen M der Moskauer Zentralregiericng um eine Hilfsaktion für die bedrohten Kolonien keine Aussichten aus Erfolg zu haben. Der „O-R. T-" (Gesellschaft zur Verbreitung von Ackerbau unber den Juden) hak daher an sätntliche ausländischen Organisationen eine?' Aufruf fgetraffSife Pelze aller Art sowie Klatder karft za horrenden Preisen das Eieidernad Pelzte JACOB MAYER II.,3?sv'borsti*£Lsae44 und IS., Grosuse Td. 4l.fi. 34 Lv»rI»s»»«2S NU.48-0-21

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