Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 957 (25.9.1921)
- Date
- 1921-09-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette L Wien, Sonntag Telegramme. Ungarische Nationalversammlang. ' Die bestechliche» «b-e»rd»ete» — Westungckr«. — Sie Zensur. Budapest, 24. September. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Budgetprooisonmns» wird in dritter Lesung angenommen. Sodann wird der Bericht des Jmmunitätsausschusies über die Aufhebung des Jmmunitätsrechtes der Abgeordneten Andreas Gal, Pakosdy, Zeöke und Zakany unterbreitet, die von seiten der Budapester Oberstaatsanwaltschaft in Verbindung «it der Affäre der Ausfuhrbewilligungen der Teilnahme an dem Verbrechen der Bestechung bezichtigt werden. Nach längerer Debatte wird die Aufhebung des Jmmunitätsrechtes befchloffen. Abgeordneter Rakovszky interpelliert über das Schicksal Dr. Emmerich Egans. Ministerpräsident Graf B e t h l e n erwidert, er werde die notwendigen Aufklärungen erst dann erteilen können, wenn die diplomatische Lage geklärt sein werde. Er wünsche jedoch, bis dahin seinen Standpunkt schon jetzt festzulegen. Die Zone A könne nicht als österreichisches Gebiet betrachtet werden, solange Ungarn das Uebergabsprotokoll nicht unterzeichnet habe. Dieses Gebiet sei noch ungarisches Gebiet. Mit Rücksicht jedoch auf den Umftastd, daß die Regierung die ganze Brachialgewalt, also sowohl Militär wie Gendarmerie und die übrigen Formationen, aus diesem Gebiet zurückgezogen habe, sei sie n i ch t in d e r L a g e, mit den Machtmitteln des Staates wem immer gegenüber auszutreten und könne keine Garantie dafür übernehmen, was dort seitens der Bevölkerung und der Insurgenten verübt werde. Die Regierung werde keinen Augenblick säumen, um die Freilassung^ der unrechtmäßig verhafteten ungarischen Staatsbürger ehestens zu erwirken. Abgeordneter R a s s a y interpelliert in Angelegenheit der Ausfuhrbewilligungen und fragt die Regierung, ob sie bereit sei, in Zunkunst die Erteilung der Ausfuhrbewilligungen im Wege öffentlicher Ausschreibungen vorzunehmen. Ministerpräsident Graf B e t h l e n erklärt, daß die jüngst entdeckten Mißbräuche strengstens geahndet und im Laufe der Untersuchung weder eine Partei noch Personen berücksichtigt werden würden. Ei» Attentat. Budapest, 24. September. (Ung. Tel.-Kvrr.-Ärir.) Im Verlauf der heutigen Sitzung der Nationalversammlung feuerte, als gerade Interpellationen verhandelt wurden, ein unbekanntes Individuum von der dritten Galerie fünf Schüsse in btn Sitzungssaal ab. Die Geschosse trafen zum Glück niemanden. Eine Kugel bohrte sich neben dem Sitz des ehemaliger Präsidenten des Abgeordnetenhauses -Stephan. Rakovszkh in di; Bank. Der Vorfall verursachte begreiflicherweise große Aufregung. Der Borsitzende .Vizepräsident^ Bela. Kerrez bennüii'te jedoch seine Ruhe und sagte: Dieser «Zwischenfall mag ein Angriff auf die Souveränität der Nation fein, kgnO aber di; Verhandlungen der Nationalversammlung nicht bei;i iiottn. Die Nation wird ewig leben. vir': Erklärung des Vorsitzenden wurde mit lebhaftem B.nfat! ausgenommen, worauf die Sitzung untrrbvoch'm wurde. De'' Täter wurde in der Quäftur einem Verhör unter- .w.:;!«. wobei er an gab, Ibrahim Georg Köver zu heißen. Er sei!>> Jahre alt und früher Obecleutiumt gewesen. Köver inawt den Eindruck eines nicht ganz zurechnungsfähigen Men'cben. Ans die Frage, weshalb er das Attentat begangen imbe. . antwortete er: ,K)eil die Herr««' abermals v r i c fl haben wol le n i" Er erzählte dann, er habe au Stephan Rakovszky, der der grüßte Kriegshetzer sei., einen Briei gerichtet und ihn einen Feigling genannt. Wie festgestellt wurde, hat Rotovszky diesen Brief tatsächlich erhalten, iet'-.ni) in den Papierlorb geworfen, weil er ihn für ein anoimmes Schreiben hielt. Kvver wirrde verhaftet. Die AufhebuNg der wirtschaftlichen Sanktionen am Rhein. London, 24. September. Der diplomatische Berichterstatter des „D a i l y T r l eg r a p h" schreibt: London, Paris und Rom scheinen endlich ein vorläufiges Uebereinkommen in der Frage der Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen am Rhein erzielt zu haben. Dieses Uebereinkommen wird die Gestalt einer Mitteilung an die deutsche Regierung tragen, daß sie die von den Alliierten eingesetzte Sonderkommission zur Ueberwachung der deutschen Ein- und Ausfuhr annehmen muß. Wiener Morzenzertung ZugoflaVisch-italienische Verhandlungen. Prag, 24. September. (Privat.) Wie aus Belg r a d gemeldet wird, steht in kurzem eine Zusammenkunft des Ministerpräsidenten P a f i e mit dem italienischen Ministerpräsidenten B o n o nti bevor. Der Zweck der Zusammenkunft ist die Regelung der Grevzsrage in Albanien. Der amerikanische Senat für die Ratifizierung. Msshinglon, 24. September. (Ttt -K«mp.) Die Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Senats hat gestern mit n e u n g e gc'n ei ne Stimme f fi r dre R a t ifiziernn g der FriedenSverträge mit Oesterreich. Deutschland und Ungarn gestimmt. . " .<};■] V Franzoseitfeindliche Kundgebung in Venedig. 9Rittfanto, 24. September. (Tel.-KompF Nach der kühlen Allfnahme in Mailand ist die französische Militärmissto» mit Marschall Fach o l l o und dem Botschafter B a r r e.r e an der Spitze bei ihrer Ankunft in Bene d i g ausgepfiffen worden, obwohl sie vom italienischen Kriegsminister Gasparotti und General Draz begleitet war. Die Menge stieß feindliche Rufe gegen'Frankreich ans mck rin Demonstrant, denBanere in seiner Erregung festhielt, nahm gegen de« Botschafter eine drohend^ Haltung e>n. Kriegsminister Gasparotti mrd General Diaz hielten beschwichtigende Ansvrachen an die Menge, die sich schließlich beruhigte.: Die Mission mußte von der Polizei in ihr Hotel geleitet werden. Der Zwischenfall erregte großes Aufsehen. Ein Stadtratskandidat iw GefSngnis. Paris, 24. September. (Tel.-Komp.) Morgen findet im Stadtteil E h a r o n n e die Ersatzwahl eines Stadtrates statt. Me sozialistischen Organisationen haben sich auf die Kandidatur Audr6 M a r t y s geeinigt. Das Merkwürdige hiebei ist die Tatsache, daß Marty im Gefängnis sitzt und deshalb nicht gewählt werden kann. Marty ist jener ftanzösische Seemann, der den Aufstand aus dem Schwarzen Meer- Geschwader leitete, um ein Eingreifen her französischen Flotte gegen Sowjetrußland zu verhindern. Die Wahl in Ehäronne soll eine Kundgebung zm Frage der Abrüstung darft ellen. Nusliefernng Machnos gefordert. Moskau, 24- September. (Funksprnch.) Dü Volk-- kommifsärc für AmßereS von Eowjetrnßlavd und der Ukraine, Dschitscherin und Rakowskr, haben an die rumänische Regierung eure N » t e gerichtet, worin sie die Auslieferung deS a« 28. August nach Beßarabieu geflüchtete» Bandenführers M a ch n o und seiner Spießgesellen verlangen. Machno hat sich in Rußland und in der Ukraine vieler Verbreche« schuldig gemacht, weshalb seine Auslieferung als gemeiner Verbrecher verlangt wird. Antikatholische Kundgebungen in Laibach. Graz, 24. September. Der Grazer ^Tagespost", wird auS Laibach gemeldet: Heute kam es hier zu großen antiklerikalen Kundgebungen, Da sich die katholische Geistlichkeit anläßlich deS 40. GedächtnisjageS. des Todes Königs Peters geweigert hatte, eine Gedenkoreffe abznhalten, wurde von der orthodoxen Gastlichkeit eine Gedächtnisfeier unter freiem Himmel veranstaltet. Es versammel'.cn sich mehrere hundert Personen, die gegen das Vorgehen der katholischen Geistlichkeit sowie gegen den Bischof und den Papst demonstrierten. Die Polizei konnte weitere Ausschreitungen vor dem bischöflichen Palais und der Redaktion des klerikalen Organs verhindern. Görlitzev Parteitag Annahme des »r»c» Progvomms. Görlitz. 24. September. Der Führer der Opposition Ströbel pKermsierte gegen de« vorliegenden «e»enProgrammentwurf. Die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters sei nm ein Drittel herabgedrückt worden. Es bleibe als ei«ziges Mittel kein, anderes übrig als die S o z i a l r s i e r u n g. Abgeordneter Stampfer erklärt, dir große Gefahr der Sozialisierungstheorie sei, daß die Ideen nicht marxistisch sind. Wohin man komme, wen« man in G e s chwrn d i g fett' sozialisiere, habe sich in Rußland gezeigt. Die folgenden Ausführungen Otto B r a u n s waren eine Polemik gegen die'Rede Ströbels. Hierauf sprachen Markwald (Franksurt) und Adolf Braun, der den Programmentwnrf vertrat «nd dessen Annahme empfahl. Eduard Bernstein erklärte, es könne keine Rede davon sein, daß der Entwurf ein Abweichen von den marxistischen Lehren darstelle. Der. gewesene Minister Dr. Eduard David fährt aus, das jetzige Programm sei vorsichtig «nd zurückhaltend. Bevor sozialisiert werde, müsic man die Gewißheit haben, daß die 25. September 1921^ Sk. 857 Produktion nicht leide, sondern dadurch gefördert, werde. j Reichstagsprasident L o e b e (BreSlan) lieft hierauf das Schlußwort. Er hob hervor, daß die Opposition nicht vergewaltigt worden sei, und appellierte an die Versammlung, der republikanische« Partei dnrch das Programm eine neue republikanische Fahne, z« geben, die ihr voraulenchte. Der Plvgrammentwurf wurde sodan« mit alle» gegen fünf Stimmen angenommen. Konferenz der jüdische« Kaufleute ij Polens. Warschau, 23. September, Md. Korr.-Bur) Auf Initiative des Lemberger jüdischen kaufmännischen Vereines wurde für den 27. und 28. September l. I. eine allgemeine Tagung aller jüdischen kaufmännischen Organisationen in Polen einberufen, um gegen die von Staats wegen betriebene systematische Ausschaltung der Juden bei der Anknüpfung der Handelsbeziehungen^ mit R u ß l a n d zu protestieren. Sturwkatastrophe in Spanien. Madrid, 24. September. (Havas.) Durch die Stürme i» dev letzte« Tagen ist i« verschiedenen Provinze» bedeutender Schaden angerichlet mordet Die Ernte ist vollständig vernichtet, zahlreiche Brücken find zerstört vud etwa t0 Häuser eingestnrzt. Eine Menge Vieh ist ertrunken. Etwa tausend Personen sind obdachlos. Die Ortschaft Qnintamar bet- Reh ist gänzlich zerstört. Fliegertod. Kopenhagen, 24. September. Auf dem Flugplatz bei Malmö ereignete sich heute nachmittags ei« Fliegeruri glück. Balo nach dem Aufstieg eines Flugzeuges, i« de» sich zwei Flieger« ofsizirre befanden, explodierte daS Fl»gze«g und stürzte m Flamme» gehüllt zu Bo^xn. Beide Offiziere wurden a«f der Stelle getötet. Ihre Leichen wurden verkohlt uuter dem brennende« Flngzeug hervorgezogen. Christlichfozialer Reichsba«er»tag. Graz, 24. September. Auf de« Hl. christlichsoziale» Reichrba«erntag sprach Bundeskanzler a. D. Dr. Mahr über di, Fragen der äußeren und innere« Politlk. Der Redner beleuchtete eingangs seiner Aussührungen, die Ursachen, die de» Umsturz in Oesterreich herbergeführt habe». Wenn Oesterrreich auch nicht mehr in der Wellpolitik mitsprechen kan», so m«ß eS doch die Entwicklung der große« «ab kleine» Weltproblem« iorgfAtU verjolgeu. Der Finanzpla» der sozialdemokratische» Part« werde vo«, de» bürgerlichen Parteien «it alle» Ernste geprüft werde», und sie werden einer Zusammenarbeit gewinicht tm§ dem Wege gehen. Aber dieser Finanzpla» dürfe mcht die Absicht verfolgen, den redlich erworbe»eu Besitz i» Wege der Steuer» gesetzgebnng zu sozialisierrn «rd die Produktion g» erdrossel» Er lam daun ans die Anschlnßbeweg»»- r» sprechen und erklärte, jeder wahre Freund deS Anschlüssemüsse ein Gegner «ünützer Demonstrationen sei», der »nr der Sache selbst schaden. In Besprechung der dringende» Anfgabe» der nächste» Zukunft verlangt der Redner eine» energische« Abba» des B e a m t e u a p p a r a t s. Der Abba» der Mlliarde»- zuschüsse für LebenSmittel sei notwendig. In der Sektto» für Genossenschaftswesen «nd Berns-Vertretung sprach Minister für Ackerbau H e» e t t Üb« zeitgemäße genosienschaftliche Fragen. Name,NS des BnndeSministm'nms für BoNsernähnmy sprach Ministerialrat M a.z a n e c über konsumgeuosfenschafttiche Frage«/ Bundesrat Sturm erstattete eine« Bericht über die Fortschritte, die die Schaffung einer bänerlichenIntern o i i o n a I«' in der letzten Zeit gemacht habe- Nachrichten ans Palästina. Beginn der Arbeite« in EmeK Israel. Zerusalem, 23. September. (Jüd. Korr.'Bur.) In Anwesenheit des Diftriktsgouverneurs von Nazarech nahmen 2VV jüdische A r b e i t e r die als| Nuris bekannte Landfläche in EmeK Israel! formell in Besitz, welcher Boden bekanntlich vom! Jüdischen Nationalsonds gekauft wurde. (Es handelt sich, hier, wie bekannt, um einen ausgedehnten Bodcnkomptex von fast 50.000 Dunam, durch dessen Erwerbung der Besitz des Jüdischen Nationalfonds auf einmal verdreifacht wurde.) * Die indische Ges e l l s ch a s t für die Erforschung Palästinas entsendet dieser Tage die erste Kommission unter der Führung von Dr. S l o « s ch z in die AuSgrabunaSflätten, nm d,e Ausgrabungsarbeite» anfzu» nehmen. * In Jerusalem wurde der galizische E h a l u z Friedrich Braun von einem Automobil überfahren und g e t 5 t c t. In B e r r u t erschien die erste Nummer emeS hebräischen L'vchenblaties „H a o l a m H a j r s r e l \u, das demnächst itt eine Tageszeitung umaewandelt wcrden soll. Das Blat! wird vom scphardischen Schriftsteller Salim Max redigiert. Besichtiget die exquisiten Modelle des , Pelzhauses O.J. Pipersberg in den Schaufenstern der Firma, XI«, Praterstr« ©—11 (Konkurrent des ^W.Wr.TagblatP) Der unverkauft gebliebene Rest der Modelle, welche während der Messe im Marschallsaal der neuen Hofburg ausgestellt waren, ist äusserst preiswert abzugeben