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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-25 · Heft 957 (25.9.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 957 (25.9.1921)
Date
1921-09-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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tSÄre 4 'ftttten, SonMag Wiener Morgenzeitrmg 25. September 1V21 Nr. 957 dÜ» Gebiete des geistige« polnischen Lebens vom jüdischm -tnsluß zu befreien. US. Zufolge der stetig wachsenden Angriffe des dem scheu Staate feindlichen jüdischen Elementes, welches Polens nationale t^istenz untergräbt, beschließt der Kathiolikenkongreß, die Regierung aufzufordern, sie möge sofort aus den Staatsgrenzen alle ungesetzlich, zugereisten Juden entfernen. _________ „GleichberechLiguirg" in Lettland. Dor kurzem erließ die lettische Regierung eine Dervrdnung, die den Handel in den Grenzzonen verbietet. In Ausführung dieser Verordnung wurden in der Gegend von Schönberg 32 jüdische und 7 lettische Geschäfte gesperrt. Die Eigentümer wandten sich jedoch an das Innenministerium mit der Bitte um die Erlaubnis, ihre Geschäfte wieder öffnen, zu dürfen, woraus sie folgenden Bescheid erhielten: „Mit Riicksicht auf die diesbezügliche- Entscheidung der Ortsbehörden von Schönberg ordnet das Innenministerium an,.daß zwei jüdische und sieben lettische Geschäfte in Schönberg wieder eröffnet werden können. Eine Konferenz des nenen polnischen Ministerpräsidenten mit Abg. Dr. Thon. Warschau, 23. September. (Privat.) Heute wurde Doktor Thon zu einer Konferenz zum neuen Premier Ponikowski eingeladen, die über eine Stunde dauerte. Einleitend bedauerte der Premier, daß er wegen der Abwesenheit des Abgeordneten Dr. Thon, der Mitglied des Seniorerrkonvents des Parlaments ist, nicht zu gleicher Zeit wie mit den anderen. Klubs auch.mit dem Repräsentanten des jüdischen Abgeordnetenklubs konferieren konnte. Der Premier wünsche mit dem Klub in Kontakt zu treten. Er erklärte, sein Bestreben sei, daß innere und äußere Ruhe im Lande erweicht werde. jZum inneren Frieden gehöre auch die L ö s u n g d e r I u d e ns r a ge. Es werde das Bestreben des Premiers sein, daß die Konstitution nicht nur ins Leben, sondern sozusagen..auch ins Blut des Volkes übergehen solle. An knüpfend an diese Erklärung unterstrich Dr. Thon-, daß die Juden nichts anderes wünsche« als die Ausübung der Konstitution, das heißt die faktische, völlige Glerchberech tigung, die sie bisnun nicht hchben. Weiter besprach Dr. Thon noch eine Reihe aktueller Fragen, welche das Fremdenprvblem, die Durchführung der Agrarreform, die Kontraktskündigung an jüdische Pächter von Staatsboden, die Angelegenheit der Nichtbestätiguug von'jüdischen Kaufverträgen über unbewegliches Gut tu Posen, die Pflege des jüdischen Schulwesens, die Autonomie der Gemeinden und schließlich die Legalisierung der zionistischen Organisation beträfen. Der Premier notierte sich die von Dr. Thon angesührteri Punktt und versprüh, nach Studium dieser For- C. Bojko Wien, I., Kärntnerstrasse Nr. 34 (Mayeedergasse 8) Vorführung der auserlesensten Original Pariser und eigenen Modelle in MM- und cagMden». Kostümen, Mänteln und Pelzen in reichster Auswahl täglich ron 9 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr berungen sie günstig zu erledigen. 'Herr Ponikowski wendete sich dann an Dr. Thon mit dem Appell, daß auch die andere Seite einen Schritt zum Ausgleich machen soll. ' Darauf wiederholte der Abgeordnete Thon die Erklärung, die seinerzeit dem gewesenen Premier Skulski abgegeben wurde: Die nicht zufriedenen Bürger erfülle ihre Pflicht aus Zwang,, die zufriedenen dagegen tun für den Staat, was in ihren Kräften liegt. Zum Schlüsse bat der Premier, daß die jüdischen Abgeordneten ihm. ein Memorandum mit ihren Wü scheu verlegen sollen. Die neue Leitnng der Misrnchi- Weltorganisation. Nach Kongreßschluß fand in Karlsbad die letzte Sitzung der Mrsrachr-Weltkonscrenz statt, auf drr die neue Misrachi-Leitung gewählt wurde. In die palast-nenstsche Misrachi-Exekutive wurden gewählt: Professor P i ck, Rabbiner F i s h m a tt. Rabbiner Dr. 8 chönfeld und H. R i w k i n d. In da- Aktionskomitee -de- Misrachi wurden gewählt: Sir Stuart Samuel, die Rabbiner Kowalski, Tertelb au«, R u s s e n b a u m. Doktor Nurol, Dr. Landau, Lvwrnthal, G. Schmrlkrs, S ch a p i r a, N e« f e l d. Z i t r o n und die Herren Hirsch, S p e er sowie Madaye y r kist, Inland. Der Burgenland-Konflikt. ttoftav« will «icht vfittwcn. — Kämpfe bet Bruck a. L. DaS Ultimatum der BotschafterLmftrenz an Ungarn, das mit zehn Tagen befristet ist, hat nach Pariser Blättermeldupge» bereits eine Antwort Ungarns erhalten. Ungarn erklärt in einer Note, baß Westungarn unter den jetzigen Verhältnisse« aus Gründen der inneren Politik nicht herausgegeben werden könne. Die, Abtretung würde die Gefahr mit sich bringen, daß sich Ungarn in mehrere Gouvernements auslöse. Um sich in den Augen des Lanoes zu rechtfertigen, verlange die ungarische Regierung die Entsendung einer aus drei Enten ^Delegierten zusammengesetzten Kommission in die an Oesterreich abzutretenden Kdmitate, die die amtliche Mission hätten, ne ne Grundlagen fü r ein Abkommen ausfindig zu machen. Diese Note schlägt also neue Verhandlungen vor mrd schafft eine für Oesterreich insofern günstige Position, als dieses sich jetzt aus der Debatte zurückziehen kann. Die Entente muß selbst sehen, wie sie dem Vertrag von Trianon zu seinem Recht verhilft. Der österreichische. Ausschuß für AenßereS hat seine Besprechungen zu Ende geführt, und die folgende Resolution beschlossen: Der Ausschuß für Aeußeres nimmt den Bericht des Bundeskanzlers über den Stand der burgenlänbischen Frage zur Kenntnis und billigt bas Verhalten der Regierung. Der Ausschuß ermächtigt die Regierung, auch we'terhin alle ihr erforderlich erscheinenden Schritte zu unternehmen, damit endlich der von üngarn unter^den Augur Europas verletzte Rechtszustand hergestellt, das Burgenland von seinen Qualen erlöst und der ständigen Beunruhigung der österreichischen Urenzbeöölkerung ein Ziel gefitzt werde. Diese Resolution'kann nur dann eine die Situation erleichternde Wirkung haben, wenn sich Oesterreich aus den: Streit der Entente mit Ungarn aus sch altet. Am Dienstag wird eine neuerliche Besprechung des Kanzlers Dr. Schober mit dem tschechischen Außenminister Dr. Benesch stattfinden. Hoffentlich wird er bei dieser Gelegenheit das vollste Desinteressement Oesterreichs erklären. ' Ungarn hat inzwischen seine Osftnsive fortgesetzt. Gestern früh rückten ungarische Banden in Kiralyhida ein und zur Stadt Bruck vor. Die Reichswehr, die alarmiert wurde, stellte sich ihnen entgegen und es entspann sich ein heftiger Gewehrkampf. Die Ungarn wurden von ungarischen Eisenbahnern geführt, gegen den Harrach-Park zu geleitet und wollten durch' Umgehung des Harrach-Parkes jn die Stadt Bruck eindringen. Doch gelang ihnen dies nicht und sie mußten sich auf den Leithadamm, den sie zurzeit besetzt hatte«, zurückziehe«. Auf österreichisch« Seite sind Tote und Schwerverletzte zu beklagen. Infolge dieses unerhörten UeberfalleS sind zahlreiche Einwohner aus Bruck an der Leitha ge. Feder kommt drauf dass man w’Irklich QualitAts-Anzugnnd Kostümstoffh einzig und allein zu noch billigen Preisen nur in der Stadt-Restenmesse kaufen kann. 1060 t-U Mbwgj. 11-12,1.. Adlers. S „Die Weisen von Zio«". Dialog tu bet Redaktion eines antisemitische« Blattes. Chefredakteur: Was haben Sie denn? Sie sehen ja ganz zerstört aus! Der neue Mitarbeiter (stammelnd): Ich bin noch ganz fassungslos!... Es ist sitsetzlich! Wir sind verloren ..: Man wird uns auslachen, verhöhnen . . . Ein -mrchtbares Unglück... Das Blatt ist verloren... Chefredakteur (nervös): Na, hören Sie, wenn Sie nicht endlich mit der Sprache herausrücken, nur weiterstammeln und stottern, reißt mir endlich die Geduld... Was ist geschehen? Der neue Mitarbeiter: „Die W tsen von Zion" sind als eine Fälschung entlarvt! Man wird Uns nur noch die „Narren von Zion" schimpfen! Chefredakteur (kühl): Sv? Entlarvt! Ist das also hen Juden gelungen? Der neue Mitarbeiter (starrt seinen Chef an): Und das läßt Sie so ... so ruhig? Die furchtbarste Waffe, mit der wir das Judentum bekämpften, ist uns aus der Hand geschlagen worben. Die ganze antisemitische Presse — und wir voran — haben seit Jahr und Tag durch die Enthüllungen der ,Meisen von Zion" die Gefährlichkeit der Juden für den Staat, für die christliche Gesellschaft nachgewiesen! Wir sind mit Begeisterung' für die Echtheit und Wahrheit dieses Buches eingetreten und nun stellt es sich heraus, daß es bas erlogene, schamlos-freche Machwerk eines Bctrn-'.rs ist — und das läßt Sie so ganz kühl? Chefredakteur (lächelnd): Lieber Freund ... was die Juden sagen, behaupten, meinetwegen was die Juden beweisen. .. was in irgendeinem Achenblatt steht, bas ist doch ganz gleichgültig. Das braucht uns doch nicht aufzuregen. Das schadet uns doch nicht. Der neue Mitarbeiter (verblüfft): So? Wirklich? Das schadet uns gar nichts? Aber (greift sich an den Kopf) ich habe in meinem ersten Schrecken vergessen, zu bemerken, daß nicht ein „Judenblatt", sondern die „Times" es ist, die nachweist, die Protokolle, die in den „Weisen von Zion" als die authentischen Protokolle eines in unseren Tagen in Basel abgehaltenen ZionistenlongresseS veröffentlicht wurden, ftien ein Plagiat aus einem im Jahre 1864 Pc'iuphlet des Publizisten Maurice Füll)! Das Buch tjr unter dem Titel „Gespräch in der Hölle zwischen Machiavell und Montesquieu oder die Politik MachiavellS im 19. Jahrhundert, von einem Zeitgenossen" erschienen. Es ist furchtbar... diese Blamage! Chefredakteur (nachdenklich): So... so... die „Times"! Schade, schade! Und wir haben unseren Lesern immer die antisemitischen Neigungen des Blattes gerühmt. Der neue Mitarbeiter: Aber um HimmelswMen, was werben wir gegenüber der Enthülümg der „Times" tun? Chefredakteur (nach einem Moment der Uebvrlegung): Hm... Wir könnten vielleicht einen schneidigen Artikel schreiben, in welchem wir gerade durch den Artikel der „TimeS" den Beweis erbringen, wie herrlich wahr die in den ,Meisen von Zion" aufgestellte Behauptung ist, daß das Judentum seine ungeheuren Geldmittel dazu verwendet, seine Weltherrschaft durch Gewinnung und Beeinflussung der großen Presse vorzubereiten und zu begründen. In erster Reihe —> bas hat Juda erkannt und in feinen geheimen Sitzungen auch bekannt — haben die Feinde des Christentums daran gearbeitet, baß die Presse in die Hand der Juden gelangt und daß Juda auf diesem Wege zu immer neuen großen Erfolgen gelangt. Das ersieht man — leider — auch an der „Times", die sich, zweifellos sich vor dem jüdischen Mammon beugend, nun dazu hergibt, daS von drr ganzen autilemltischen Presse kritisch auf seinen unerschütterlichen Wahrheitswert geprüfte und beglaubigte Büch „Die Weisen von Zion" als ein — Plagiat zu bezeichnen. Jn unserem Artikel könnte daun. deS weiteren ausgeführt werben, daß die „Times" sich die Sache gar zu leicht gemacht habe und durch ihren plumben Versuch, die'Juden aus einer für sie bedrohlichen Lage zu retten, ihnen eigentlich nur mehr schadet. Wer hat — fragen wir — das angeblich im Britischen Museum befindliche einzige und letzte Exemplar des Jolyschen Buchegesehen? Aber nehmen wir an, es befinde sich dort ein solches Buch, ja, geben wir auch zu, baß auf seiner Titelseite als das Datum' feines Erscheinens das Jahr 1864 zu lesen ist. Was beweist das? Wer Judasatanische Kniffe, wer JudaS unerschöpfliche Arglist kennt, Ut&i Fallstricken das harmlose christliche Gemüt so leicht zum Opfer fällt, der wird leicht erraten, daß die Jude» durch eine« ihrer beliebten „Drehs" einer eventuellen Enthüllung Vorbeugen wollten. Die tödliche Angst, ein böser Zufall könnte einmal ihre gehcimen Protokolle ans Licht der Oeffentlichkeit ziehen, brachte sie auf den schlauen Einfall, diese einem scheinbar anti,'emitijchen Pamphlet einzuvcrl.-ibcn. Daß für Juda, das über so viele ausschließlich von den ciiiQCmcUjtcftcn Juden geleitete Druckereien verfügt, die Anfertigung eines beliebig datierte« Buches eine Kleinigkeit ist, braucht wohl nicht erst gesagt zu werben, daS führen wir in einem Artikel aus... Damit wäre die Enthüllung der „TimeS" gewürdigt und — erledigt. Dev neue Mitarbeiter: Ja..., ja..., kl, erinnere mich..., ich habe in solcher Weise schon öfters in unseren Blättern jüdische Behauptungen widerlegt gefunden. Aber ... Sie verzeihen..man weiß auch bei «ns, baß di« „Times" über sehr, sehr große Geldmittel verfügt, und man wirb vielleicht stutzig werden, wenn man hört, daß jüdische Bestechungsgelder... Der Chefredakteur (wo.hlwollend): Da haben Me vielleicht nicht ganz unrecht. Vielleicht läßt sich auch die „TimeS" nicht so ohneweiterS derlei, wenn auch natürlich mit großer Vorsicht auSgestreute AnspRegelungen gefallen. Hm.». da haben wir ja auch noch eine zweite, ausgezeichnete, SiSher noch immer bewährte Art, momentan scheinbar etwaunbequeme ZeitungSattacken abzuwehren. Wir ignorieren einfach den Artikel der „Times" und unsere wackeren Anhänger und Leser erfahren auS unserem Blatte mit keinem Worte davon, daß die „Times" sich mit den Meisen von Zion" beschäftigt hat. Wir können, um Ihnen, mein Lieber, gefällig zu sein und zugleich unserer heiligen Sache zu nützen, noch ein weiteres tun. Wir konstatieren ans Raumrücksichte« nur in einer Notiz, aber fettgedruckt, wahrheitsgetreu die Tatsache, daß die „Times" in einem Artikel auf die hohe Bedeutung hinweist, die in dem Kamps gegen daS Judentum den „Weisen von Zion" zuerkaimt werben muß. Der neue Mitarbeiter: Ja..., ja..., die „Times" lesen unsere Leute allerdings nicht. Aber — Icker — die- Jubenblütter lesen sie noch immer. Und wenn sie dann finden, daß die „Neue Freie Presse", das „Neue Wiener Tagblatt" usw. den Fall ausschroten, vom Morgenblatt bis zum Abendblatt unö mit blutigem Hohn überschütten, wenn ste... Chefredakteur (lächelnd): Lieber Freund, da können Sie ganz mhig sein. Die ,Andenblätter" haben nur eine Sorge: daß man sie nicht für „Jubenblätter" halte. Das scheuen sie wie die Pest... Und um diesem Verdacht zu entgehen, werden sie uns nicht verhöhnen, MN willigsten blutig verhöhnen; sie werden auch von dem Artikel der „TimeS" aus demselben Grunde nicht viel Aufhebens machen. Sie werden ihn kaum registrieren oder, wenn sie es schau tun, m einer Mise, die knuem. uirfaux Getreuen auch mir

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