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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-25 · Heft 957 (25.9.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 957 (25.9.1921)
Date
1921-09-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Mr, wr* OfiXn Vonmag Jüeft haben wir eine ähnlich« Erscheinung gesehen? Es ist keine Mode, kein Jugenddrang, uns es ist in der beschichte noch nicht vorgekommen, daß Tausende von jungen Leuten sich selbst zu solcher Zwangsarbeit verurteilen. Das ist eine einzig da stehlen de Erscheinung aUs der ganzen Welt. Und' wenn wir überhaupt eine Hoffnung habdir. unser Leben zu verbessern mrd es menschlicher zu gestalten, so beruht diese Hvfftlun'g ausschließlich auf Unserer Jugend. Vielleicht werden sie die ersten sein, die den Traum der besten Menschheit verloirklichürr werden. Was nicht durch die Gewalt geschehen konnte, Vas wird durch sie im stillen vollbracht.- 'Und ich! bin überzeugt, daß sie auch bisse Tat echt jüdisch! vollziehen werben. Es »st für sie keine Pose, kein S die f. Sie haben zn diesem Ideal der Arbeit das- ^lbe Beichaltnis wie das alte Judentum zu den Geboten der Thora. Es ist für sie eine Rettgisrr» ein K«^»s der Arbeit. Und diese neue Religion hstt uns Palästina durch den Kapoel Hazarr und seine besten Vertreter, wie den Mgen Brenner und seine Genossen, gegeben. Diese Bewegung wurzelt tief in den religiösen Gefühlen unserer Jugend, ohne daß sie es vielleicht, iöeiß oder zu geben wi ll. Und einst wird in Palästina, eine neue Religion entstehen, die Religion dev Arbeit, und diese Religion werden wir ebenso treu halten, wie wir die alle Thora gehalten haben. Mer die Vertreter der Linken sollten nicht die Rechte geringschatzen oder sie gar verachten, Vielleicht ist es die Kechte, die bis jetzt treu die Ideale der Thora aufrechterhalten hat, Diejenige, die Ihnen diese Ideale überhaupt ermöglicht hat. Die Orthodoxie hat tpru das einzige Dokument bewahrt, kraft dessen wir unser Pculd verlangen. Unser einziges Dokument aus Palästina ist die Thora. Wäre nicht das fromme ^udentunu wer weiß, ob Sie überhaupt so weit gelommen waten; ob Sie gerade Palästina gewählt hätterr >ln!> ob . Sie gerade in Palästina die Rettung Ihrer l^eele und der Seele des ganzen Volkes gesucht hcüten. Düs./Zentrum aber, diejenigen, . die auf beiden Stühlen sitzen, die das sine zwar tun, aber auch das. andere nicht lassen möchten, die sich , als g'o.ie Rechenmeister betrachten und Palästina nur nach kühler Berechnung bauen wollen, frage ich!: Wo wäret ihr mit euren Rechenkünsten vor 20 Jahren? Hübet ihr damals nicht berechnet, was uns dis Geulah jährlich kpftet, was euch die Ansiedlungs- und Uebersiedlungs-' schwierigieiten kosten^ Hättet ihr vor 20 Jahren berechnet, was der Krieg und die Revolution .gekostet haben, ihr hättet euer Vermögen nach Palästina gerettet Und wäret nicht gezwungen, Delegationen nach Amerika zu schicken, um dort bei den reichen Juden zu betteln. Uber nicht mit Geld werden wir Palästina. Lauen, Wie wir es auch nicht mit derti Schwert bauen werden. Genau so wie beim Bau des Tempels der Klang des Eisens nicht ertönen durfte-, weil Eisen Vernichtung« Bringt, wahrend der Tempel Versöhnung hertzeiführen muß — genau so sollten wir bei dem Bau Palästinas nicht den Klang des Silbers vernehmen. Weder der Klang des Eisens «och der Klang -es Silbers — der Klang des Arbeiterliedes wird PalLstina aufbauen. Ihr gebt den Arbeitern nur Geld, aber sie geben euch eure Ehre. Sie waschen die Schande des' Parasitentums von euch ab- und' machen euch' wieder zu einem Volke der Arb eit, das auf seine eigene Kraft vertrauen kann. - Und nun möchte ich' ein paar Worte unseren' -Führern widmen. Wir haben sie gewählt und haben ihnen unser Vertrauen ausgesprochen. Wir müssen sie aber bitten» daß sie, genau so wie das Volk zu ihirw vertrauen' hüt, auch' zum Volke Vertrauen hüben. Das Volk wird' sie nicht im Stiche lassen'. In der Stunde der Not mögen sie sich an bas Bott wenden, das sich hinter sie stellen wirb. Das wirb' aber mrv dann geschehen, wenn wir dem Bott ein neues Ideal geben werden, wenn wir nicht nur schlechte Nachahmer von kleinen Völkern sein werden. Das Frmd'hmeut unserer Wiedergeburt muß ein hohes Ideal werden, eine bessere Lebens sonn als die, in der sichj inner Volk befindet. Wenn wir uns aber nicht von, di rsein hohen Ideal leiten lassen werden, wird Gott nicht in unserer Mitte weilen. Bei dem Auszug aus Ueghpien, in der Wüste, aus dein Wege nach Palästina, gingen diePriester voran, das Bott folgte ihnen, iu Stämme geteilt, jedoch' von einem Führer geführt. In der Mitte aber über allen erhob sich die Bundeslade, in der sich' die Tafeln des Gesetzes befanden. Auf unserer jetzigen Wandirrung müssen wir uns neue Tafeln geben, ans denen ein neues Lebensideal geschrieben steht. Und nur dann wird bas Bott deni Führern folgen. Im Kampfe mit Amalsk stand' MoseF ans dem Berg« und stützte seine Hände auf Aron und E>-ur. Aron ist das Symbol des Priestertums, Chur das der Kunst und des Gewerbes. In unserem' jetzigen Kampfe müsseir sich unsere Führer ebenfalls auf die Thora und auf die Arbeit stützen; bann ist unser Sieg licher. 5©ic«ei MVrgeRzerr««A »i»«“” - . - ... ...... . sind die Mittel des Jüdischen National fonds durch die grossen Bodenkäufe der ■an Tausende Dunams gehen H s in Palästina verloren wenn sie der Nationalfonds nicht für unsere Zukunft rettet! Gedenket zu Rösch haschanah und Jom Kipur des Keren Kajemeth FJisrael! (Jüd. Nationalfonds) „ Wien, II., Taborstrasse 59. 3m Für 1000 K erwirbt der Jüdische Nationalfonds 50 Quadratmeter Land in Erez Israel Spendet Land! Spendet für den Jaar Austria! Politische R««dschau. Die Ergebnisse -es XU. Zisniste«- kongrefses. Eine Unterredung des ,TimeS' -K»reestw»ndente» mit Dr. AZeitzm««». Die ..Times^ veröffenlüchm ei« Gespräch ih'.es Spezial» korrespon^uic« m Karlsbad nnt dem Präsidenten Dr. W e i tz» m sn» «ach Schluß des Kongreßes. Dr. Writzmann führte unter anderem aus: Die zwei grnndhgentze« politischen Fragen, über welche der Kongreß schlüssig zu werde« hatte, waren die Stellung der Regiernng zu Palast um und unsere Beziehungen z u r a r a b i s ch e n Bevölkerung im Lande. Trotz unseres guten Willens, an dem nicht geziveffrlt werden kann, «na der offenkundigen Geneigtheit der britischen Regierung und ihres; Vertreter». Sir Herbert Samuel kann man darüber nicht hin' weggehe«, daß unsere Chaluzim noch mrmer aus ihrem Wege aus . große Hindernisse stoßen. Die Hairpturstche hiefitr ist der zu langsame Uebergang von d:r Militärverwaltung zur Zivilverwaltnng. Ich bin trotzdem von der Hoffnung erfüllt, daß diese Hindcrniffe und Schwierigkeiten alsbald beseitigt sein werden. Was oie arabischen. Bewoburr betrifft, deren Erregung e^ne Folge der über unsere Absichten ausgestreuten Gerüchte rst, hat aus de« Kongreß nach einer Kundgebung der aufrichtige« Freundschaft und nnsereS guten Willens, m der gemeinsamen Arbeit mit den Arabern di« Grundlage unserer ganzen Arbeit zu erblicken, in dieser Frage volle Emmütigkett geherrscht. ES kann kein einziger Fa ll angesührt werden, rn dem ein Araber in Palast,na in irgendeiner Weise «nter der Entwicklung und de« Fortschritt der Juden za leiden hätte. Gleichzeitig hat aber der Kongreß ganz klar gezeigt, daß er «icht gewillt ist, durch Uebersalle welcher Art i«mer sich abschreckeu zn lasten und vor ihnen zurückzuweichen. Der Kongreß — sagte Präsident Writzmann weiter ~ werde eine Abordnung nach Palästina entsenden, durch welche alle unsere Ansichten über die Lage und über den gan.ru Komplex der Fragen « Palästina. der dortige« Regierung zur Kenntnis gebracht werden solle». Die wichtigsten Punkte des vom Kongreß einhellig angenommenen Arbeitsprogramms bestehen darin, daß aut Grund eines bestimmten Planer große Boden fläche« behufs intensiver Kolonisation durch Verpachtung kleinerer Parzellen angekauft werden sollen. Der Kongreß habe ferner die Errichtung eiuer Hypothekenbank «nd anderer Kreditinstitute in Palästina beschlosten «nd festgelegt, daß dieJüdischrKolonialbank als da« zentrale Finanzmstitnt der Bewegung zn dienen habe. Fiumes Schicksal. F i n m e im September. Am 12. September jährte, sich! zum zweiten Male der Einzug d'Annun z ios und der Seine« tu Fiume «nd zugleich zum ersten Male die Proklamation der „Reggenza del Caruaro". Resümiert nutit die Wirkungen der d'Aununzianischen Epoche, so kommt einem.' ihre, de« Interessen Fiumes ganz eatger engesetzte Tendenz ganz klar zum Bewußtsein, so sehr sie auch Italien, zu negieren versucht. In Jugoslawien, beut Hinterland Fiumes, wurde der politische. Haß gegen Fiume durch die Verfolgung der hier ansässigen Kroaten entfacht und spricht noch heute unversöhnlich' aus den kroatischen Zeitungen. Die dauernde Unterbindung des Eisenbahn- und Schiffahrtsverkehrs mit Jugoslawien hat den Wohlstand des Fiumaner Kaufmanns- und Bürgerstandes vernichtet, ansehnlicher städtischer Besitz wurde an „Patrioten" verschleudert, die Stadtkasfrn für d'Anmmziosch« Zwecke gelehrt und schließlich hat die Kriegskomödie im Dezember 1920 nicht wieder gutzumachende Zerstörungen angerichtet. Das mit d'Annunzio herbei- _ 2ö. veptemver ISN Hetze - geströmte Aberrteurervott hat hie Stadt derart demoralisiert, daß eine gesunde Fortentwicklung auf Jah^e hinaus unmöglich erscheint; die Geschlechtskrankhmien haben eine schreckenerregende Berbreitrmg erlangt, die aus Italien eingeschleppte Kokainmauie blüht und ein stadtfremdes Verbrechertum gefährdet Besitz «nd Leben der Bürger. , , Von italienischer Seite 'geschieht nichts, um der Regeneration Fiumes zn Hilfe zu kommen, dessen Elend in Permanenz bleibt. Nicht nur, daß der Stadt jegliche finanziell« oder sonstige wirtschaftliche Hilfe verweigert wirb, auch die gewählte Konstituante kann nicht in Funktion itteten, während man jetzt andererseits die numerisch sehr schwachen Faszisten, welch« die italienischen JnstresM. hjer auf ihre eigen« Weis« vertreten, durch 'einr. geradezu rührend« Toleranz in ihrer terroristischen Tätigkeit (Bombenwerfsn, Uetzerfäll« auf Andersgesinnt« nswJ unterstützt. So liegt denn die bedauernswert«, aller Hilfe entblößt« Stadt inmitten des Hasses zweier Staaten, deren keiner ihr verzeihen will, daß sie nidjt sdin eigen werden Lorrnte und wollte. Die Nettorganisation der eaglische« Kolonie«. Das englische Kolonialamt ist mit. «irrer Reorganisation der Vsrwatttlng in den K r 0 n^ ko lonien und Pro Lektoraten beschäftigt, di« auf ein« weitgehende Reform abzielt. Der Schritt ist zurück-' zuführen auf zahlreiche Denkschriften, die aus' den Kronkolonien ein gegangen sind. Es hat auch ein« umfangreiche Korrespondenz zwischen den Gouverneuren der einzeli^n Kolonien und' dem Staatssekretär über di« zukünftig« finanziell« und administrative Stellung der Kolonien stattgeftmden. Außerdem^ haben verschieden« Gouverneure die Fragen, um die es sich' dabei handelt, unter sich oder gelegentlich ihrer Anwesenheit in London mit dem Kolvnialsekretär Churchill besprochen. Die wichtigste Reform wird darin bestehen, daß die verschiedenen Kolonien nach ihrer geographischen' Lag« gruppiert und unter Obvrkommifsär« zusammengefaßt werden, die die jetzt dem Kolonialsekretär zufallend« Verantwortung für di« Ernennungen und di« Lösung der Finanzprob lerne zu tragen hätten. Mo» verspricht sich überdies von dieser Regelung bedeutend«! Ersparnisse im Etat des Kvlonialamtes. Die. OberZommissäre sollen die Kontrolle über alle militärischen und Seestreitkräfte des^ Reiches in ihrernk Bezirk haben. Besonders bemerkenswert ist der Plan,., den Oberkommissüren einen Rat zur Seit« zu stelleir,, der aus gewählten und von den wirtschaftlichem Interessengruppen ernannten Mitgliedern bestehen soll. Die Rechte dieser Rate sürd bis jetzt noch nicht Umschrieben. Auch ist die. Frag« noch' nicht geklärt, in welcher Ausdehnung die- Eingeborenen in ihnen vertreten sein werden. -- (Diese geplante Neuordnung bezieht sich n rchr auf Palästina, welches in die Kategorie der Mandate fällt. Allerdings war seinerzeit m der Oeffentlichkeit davon di« Rede-, daß an di« Angleichung dev palästinensischen Bertoaltuug an die> der Kronkolonien gedacht werde.) ' Ungar» kommt nicht i« de»' Völker« b««d. Der heftige Widerstand, hen die Kerne (ETtfente gegen die Aufnahme Ungarns in den Bötterbund erhoben hat, erllärt sich teils aus dem' politischen Antagonismus zwischen diesen Staaten, teils aber aus der inneren Konstruktion des magyarischen Staates mit! seinen angeblichen Rechtsgarantien.!Cs ist erfreuliche daß uns das unappetitliche Bild der Zugohörigkeitz des -Horthy-Staates zur Liga der Völker erspart bleibt^. Nach einer Meldung der Schweizer Deveschenagentur hat nämlich Ungarn, um nicht ab gelehnt zu werden, sein Aufnahursgesuch zurückgezogen. Der Kathollke»ko»greh ln Pole« »nd die Jude». Der vor furjent in Warschau abgehaltene poluischs Katholiken ton lgaoß beschäftigte sich auch «it der Jude»- frage, über wüche ein Referat erstattet wurde. Ar welchem Geiste van diesem Kongreß, der sich ja mit Frage« Kath olizismus abgeben sollte, die Juden frage betrachtet wurden geht ans dem vom „Karjer Warszawski" vrröffenttichteu Resolutionen über diesen Sßimft hervor, zu benot wohl 'jeder Kommortar überflüssig ist. Sie Lauten: 1. Die Judenstage bedroht de» pdlrnscha» Staat mit einer großen Gefahr. Der Katholikenkongreß wmdet sich daher an die hochwürbige .Geistlichkeit^ fie möge nntei gleichzeitiger Warnung der breiten Massen vor Ansbridchor die Losung „Swoj do swiego" <,Lieder z» de» Seinen") verbreiten. 2. Mit Rücksicht gus den wachsende« Einfluß deS Judentums uiü> seinen verbrecherische« Kampf, welcher darauf übzielt, die Mell durch das Sturzen 'des Kreuzes zu beherrschen und der direkt das katholische Polen bedroht, beschließt der Kongreß, daß jeder polnische Katholik direkten Anteil an jeder Action nehmen soll, wükhe bot Zweck hitch. JSl WS im S'arenihiaus EllSSfCf 3dllffSTI3S10 II.,Taborstrasse 48» En gn» Telephon 47179 «. E» rfefajil

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