Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 956 (24.9.1921)
- Date
- 1921-09-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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WSHP Wie», Samstay bvm Zaren: ^Die deinen wvVen euch retten. Aber es ist ihnen mißlungen. Wir müssen euch jetzt löten!" Er hebt den Revolver und schießt den Zaren Ln die Stirn, welcher wie vom Blitz getroffen fällt. Das ist das Signal zur allgemeinen Schießerei. Jeder Mörder wählt sich sein Opfer. Der Jrche hat sich den Kaiser und den Thronfolger reserviert. Der Tyron-!fvlger ächzt noch schwach. Aouvowski bringt ihn durch einen weiteren Schuß zum Schweigen. Die Großfürstin 'Anastasia ist nur verletzt. Sie schreit und fleht um Mitleid. Sie fällt unter Bajonettstichen. Anna Dernidowa ist dank den Kissen, hinter denen sie sich wersteckt hat, nur verletzt. Sie wälzt sich durchs Zimmer und stirbt unter den Hieben der Mörder..." Wie man sieht, eine gut gemachte Schauergeschichte, ganz danach angetan, die guten Pariser mit Mitleid und Gruseln, aber auch mit Abscheu gegen die jüdischen Mörder zu erfüllen. Und die genauen Details! Förmlich mit dem Metermaß ausgemessen.' Wie ist Gilliard, der eingestandenermaßen nicht in Jekcue.inosiaw war,, zur genauen Kenntnis der Einzelheiten gekommen? Der vorurteilslose französische Leser kümmert sich wenig darum. In kleinem Druck wird vermerkt, daß die Schilderung des Tatbestandes von Aalimow („oh zwar erleu gnet, dabeigewesen zu sei n") und einem gewissen Proskourinkow, der nicht dabei war und dem ee andere erzählt haben, stammt. Wirklich ein gründliches Verfahren. Aber, wie schon bemerkt,' das tut der Wirkung keinen Eintrag. Ein halbes Jahr lang werden die Zeitungsjungen auf den Boulevards die Greueltaten der jüdischen Mörder ausrufen. Dann wird vielleicht der Schwindel enthüllt werden und ein neuer Gilliard wird ein neues Buch schreiben. Inland. Dr. Berresch vermittelt in der westungarischen Frage. Die durgenlänhische Angelegenhcir hat in den letzten Tagen eine Z « spltz » ng eifahren, «eiche die Grahr eines b e» wafsneten Konflikts unter den Sukresnonsst iaten in b e d r o h l i ch e N ä h e rückte.^ Auf die Vorstellungen der Staaten der kleinen Entente hat Ungarn mit Mobilisterungsvorbereitungen geantwortet. In dieser Situation entschloß stch der tschecho slowakische Außenminister Dr. B e n e s ch, der österreichische« Regierung einen Vorschlag zu unterbreiten, der anscheinend auch die Billigung des «nganchen Ministers des Arußein gefunden hat Bundeskanzler Schober hat gestern die'rn Vorschlag zur Berichterstattung an den Auswärtigen Ausschuß de- Nationalrates übernommen. Dem Vernehmen nach proponiert Dr. B e « e s ch: Ungarn räumt das ganze Burgenland gegen die Berpfllchtung Oesterreichs, Oldenburg und Gebiet an Ungarn abzurreten. Für die Einhaltung der letzteren Bedingung würde die Ttchecho-Slowakei garantieren. Die Parteien des Nationalrates, deren Führer im Auswärtigen Ausschuß gestern stundenlang debattierten, stehen dieser neuen Pha'e der burgenländischrn Frage ziemlich ratlos gegenüber. Die Großdeutschen meinen, ohne O e d e y b u r g sei das Burgruland ein Torso, der Verzicht auf dieses Gebiet würde uns überdies kaum die magyarischen Sympathien wieder verschaffen. Die Sozialdemokraten regten eine Variante zu dem Vorschläge Dr. Benesch' an, wonach über die Zugehörigkeit von Oedem b u r fl und Umgebung eine Volksabstimmung entscheiden solle. Dir Ansschußsttzung brachte keine einheitliche Anita s s n n g der Parteien. Unter diesen Umständen hat man die Entscheidung auf heute verschoben. Vielleicht gibt es der Herr den Seinen i« Schlafe! Gcrüchte wollten gestern wissen, daß der Vermittlungsversuch Dr. Bene s ch' letzten Endes auf rin U l t i m a t u m znrückzuiühren sei, das dir Tschecho-Slowakri mit Zustimmung Pastc' in der burgenländischen Frage an Ungarn gerichtet habe. Dieses Ultimatum laufe heute ab. Daraufhin habe der ungarische Außenminister Be!hlen Dr. B e n e s ch ersucht, der österreichischen Regierung den oben skizzierten Vorschlag zu unterbreiten. Die amtlichen Mitteilungen über die gestrigen Beratungen sind wortkarger, als der gewiß heikle burgenländrsche Konflikt eigentlich erwidert. So verlautoart die „Swatskorrespondenz*: Der Ausschuß jür AeußereS setzte gestern um 3 Uhr nachmittags seine Beratungen fort unv nahm den Bericht des Bundeskanzlers Schober über seine Unterredung mW dem Minister Doktor B e n c s ch entgegen. Au die Ausführungen des Bundeskanzler schloß sich eine Debatte, in der die Abgeordneten S e i tz, Doktor Renner, Dr. D i n g h o s e r, Dr. M a t a j a. Doktor Seipel, Dr. B a u e r, M i k l a S, Leuthner und Bundesmrnister V a u g o i n sprachen. Im Lanfe der Debatte stellte Dr. S e i p e l den Antrag, die Sitzung des Ausi'chuffes bis morgen vormittags zu vertagen. Die'er Vertrauensanlrag wurde mit Stimmenmehrheit angenommen. Nächste Sitzung heute, 10 Uhr vormittags. * Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Dre Zm immrnkunft zwischen dem tichrcho-slowakischen Minister des Aeußern Dr. B c n e s ch und Bundeskanzler Schober fand heute vormittags in H a i n b » r g statt- Der tschecho-'lowakrsche Minister des Aeußern traf in Hainburg aus Preßburg ein. Die Konferenz begann um ®/<10 Uhr vormittags. In den Besprechungen der beiden Minister wurden neben den Fragen der allgemeinen Politik die westungarische Frage und di-> Möglichkeiten einer ra'chen, die Ruhe und den F r i e d e n in Mitteleuropa verbürgenden Lötung eirrgeheud erörtert- Wiener Morgenzeitttng Die Konferenz dauerte bis gegen 1 Uhr nachmittags, worauf der tschecho-slowakische Minister des Aeußern nach Prag zurückfuhr. « Wie Havas melb't, überreichte die Botschafterkonferenz gestern dem ungarischen Bevollmächtigten Praznovszky eine Note, worin Ungarn ««'gefordert wird, doS Bnroenland binnen kurzem zur Gänze zu räumen. Im Falle einer Weigerung wären die Verbündeten gezwungen, Zwangsckaßnahmen zu ergreifen. Eine Befristung der Aufforderung tst, wie a«S dieser Inhaltsangabe hervorgeht, nicht erfolgt. Der österreichische. SeltionSchef Dr. D a v y hat seine Stelle als Mitglied der Ententekommisston in Oldenburg «ieder» gelegt, weil seine persönliche Sicherheit nicht flarantiert werden konnte. An serne Stelle tritt Generalkonsul Dr. Hein, während Davh Verweser der BurgenlmrdrS bleibt. * Die Bandenbewegung an der ungarisch - österreichischen Grenze ist im Zunehmen begriffen. Im Raum von Steinamanger ist eine starke Armee unter Kommando des Generalmajvls K r a t o cd w i t versammelt, welche Front gegen Westungarn hat. Eine Armee steht bei St. Gotthard mit Front gegen I u g rv s l a w i c n, eine bei Straß-Sommerein zum Eilmarsch in die Slowakei. In Csornaund Kapuvar ist Artillerie aufgefahren. Generalstabschrf 'st Pronai. Bei P a.r n d o r s sind vorgestern von Jnlurgenten die Schienen amgerissen worden, so daß der Eisenbahnverkehr zwischen Budapest und Wien unterbrochen ist. Was geht i« Westungarn vor? Budapest, 23. September. „Budapest! Hirlav" meldet, daß d'e chrlstl'chnationase Partei beschlosten habe, m t Bezug auf Wkstungarn'an die Regierung gewistr Forderungen z« stellen. In Ausführung dieses Beschlusses se-en gestern die Abgeordneten Gras Julius Andrassy. Stefan Ralovszly. Prinz Windischgratz und Lingauer beim Min'sterprästdenten erschienen, um ihm die Forderungen der Partei mitzuteilen und die. Aufmerksamkeit deS Ministerpräsidenten „auf g e w r f s e Erscheinungen und das Bor ge he n ge w i s s e r P e r s o n e n in West- Ungarn z u l e n k e n, was diePart-i mit Bedenken erfülle". Der Ministerpräsident habe becnhlgende Erklärungen abgegeben. Die Interpellationen über Westungarn zurückgezogene Budapest, 23. September. Wie „Magyaroiszag" meldet, ließen die Abgeordneten, die in der westungarn'chen Angelegenheit Interpellationen angemeldct halten, aus Ersuch-:« des Ministerdes Aeußern Grasen Banffy diese Jnterpellatlvuen streichen. Reised es Bundespräsidenten nach Graz. Wien, 23. September. Bundespräsident Dr. Hamstch begab sich cheute abends zu der Samstag früh sssatfind ndcn fe-erlichen Eröffnung der Grazer Messe. In se ner Begleitung befinden sich Vizekanzler B r e i s k h in Vertretung des Bundeskanzlers Scho i 'i r, der durch die Beratungen des Ausschusses tür AcußereS rn'WW festgehalten ist, und der Vorstand der Prästd^ntschaftskanztei Sektiovschef Dr. Löwenthal. An der Erössnung der Messe, werden auch der anläßlich der Beratungen des östnrerchiichen Reichsbauernbundes in Graz «eilende Ackerbaum'.nister H e n n e t und Handelsministec A n g e r e r teilnehmen. __ Telegramme. Die Sanktionen. London, 23. September. Das Reutersche Bureau erfährt, daß die Verhandlungen zwischen Großbritannien, Frankieich und Deutschland, bezüglich deS Termins, on dem die wirtschaf'l chen Sanktionen aufgehoben werden sollen, noch andauern. Die deutsche Regierung habe einige Mißverständnisse schon ausgellärt. Obwohl noch einige technische Emwände der Regelung harren' bestehe kein Zweifel, daß bald ei» Weg gefunden werden wird, um die Entscheidung des Obersten Rates vom letzte« Monat durchzuführen, »Mach die wirtschafilicken Sanktionen durch Bürgschaften gegen eine unterschiedliche Behandlung der Untertanen der Alliierten ersetzt werden sollen. Ungarische Nationalversammlung. Budapest, 23. September. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Abgeordneter H a d h a z y unterbreitete den Bericht des Jmmunitätsau-'chusses wegen Suspendierung des JmmlmilätSrechteS der Abgeordneten Andreas Gal, Zeöke, Pakozdy und Z a k a n y, die der Teilnahme an dem Delikt der ÄmtSbesteckung bezichtigt weiden. Der Antrag des Re erenten, den Bericht dringend auf die Tagesordnung deS HauseS zu stellen, wurde angenommen. Hierauf folgte die Verhandlung deS Gesetzentwurfes, betreffend die Abänderung des BudgetprovisorinmS. Referent Abgeordneter Ernst beantragte die Annahme deS Gesetzentwürfe», der der prekären Lage der Staatsbeamten abhelfen solle. Zur Deckung der außerordentlichen Unterstützung der Staatsbeamten solle übergangsweise der Ertrag der Vermögensablösnng in Anspruch genommen werden, da dastaatliche Noteninstitnt ermächtigt werden soll, dem Finanzminlster zur Deckung dieses Bedarfs m Staatsnoien einen Kredit gegin zum öffentlichen Verkehr geeignete verzinsliche Staatsschnldverschrrrbungen zu liquidieren. Nachdem noch einige Redner gesprochen hatten und auch Mmisterpiästdent Graf Bethlen für die Vorlage eintrat, wurde dieselbe mi allgemeinen angenommen und die Spezialdebatte begonnen. Der erste Artitel wurde mit Abändrruugeu, die «briaeu uuveräuderl m zweiter Lesrma auaeuommen. 24. September 1921 Nr. 569 . . ' , ii..r .. Die arabische Delegation appelliert an Harding. New-Vork, 21. September. (I8d. Korr.-Bm.) Die in London weilende palästinensisch-arabische Delegation wandte stch auf telegraphischen Wege an den Präsidenten Harding mit der Bitte um moralischen Beistand gegen die Bestimmungen des Pal äftina-Mandats, das von der britischen Regierung dem Völkerbund unterbreitet wurde. Zn dem Appell an den Präsidenten Harding befindet sich unter anderem der Passus: »Rette uns vor der jüdischen Gefahr!* Ein Protest des Warschauer Gemeinderates. Warschau, 23. September. (Funklpruch.) Der Gemeinderat der Stadt Warschau hat in emer Entschließung gegen die durch dm Völkerbund verfügte Regelung der Wilnaer Frige Einspruch erhoben und dre polnische Regierung ausgefordert, durch entsprechende Schritte zu erzielen, daß d'e Wilna« Frage nach den Wünschen der Bevölkerung geregelt werde. Die Ratifikation der Friedensverträge in Amerika. Washington, 22. Sept mber. (Reuter.) Rach der Sitzung deS SenatSausschustrS für auswärtige Angelegenheiten suchte der Obmann deS Ausschusses Lodge den Staatssekretär Hughes ans, um ihm witzute len, daß die Ratifikation der Friedensverlräge Mit Deutschland. Oesterreich und Ungarn gesichert sei. Enthaftete Pogromhetzer. Manchem, 23. September. (Wolff.) Der Vorsitzende der nat onalstischrn Arbeiterpartei Adolf Hitler, der unter dem Verdacht, die Verteilung der antisemitischen Flugblätter während der letzten Tage organisiert zu haben, verhaftet worden war, ist >m Laufe des gestrigen Taaes wieder aus freien Fuß gesetzt worden. Auch die verhafteten Zettelverteiler wurden wieder freigelassen. Exkaiser Karl. Basel, 23. September. (Tel.-Komp.) De« „Basler Nach» richten" zufolge ist dcr schweizerische Bundcsrat neuerdings bei de? spanische« Regierung vorstellig geworden, um die seit zwei Monaten ausst-hende Antwort aus die Anfrage, betreffend den Aufenthalt Exkaiser Karls in Spanien, zu eihalten. Die spanische Regierung hält mit ihrem Bescheid wohl deshalb so lange zurück, da außer finanzi-llen auch «och mehrere andere Fragen zu regeln sind, bevor stch Spanien rntschrrdet. Aus Palästina. Die Ausarbeitnag der Konstitution für Palästina. Jerusalem, 21. September. (Jüd. Kon.-Bur.) Der Leiter des Iustizwesens, Mr. B e n t w i ch, ist für zwei Monate nach London bemfen worden, um dort bei der Ausarbeitung der K o n st i t u t i o n mitzuwirken. Die Regierung hat bekanntlich gleichzeitig hier ein Komitee von arabischen (christlichen und mohammedanischen) Notabeln einberksen, die ihr bei dieser Frage beratend zur «Seite stehen sollen. Von seiten der Juden ist bisher kein solcher Komitee einberufen worden, vermutlich weil die Regiemng den W a a d H a l e u m i als Repräsentanten des organisierten Kschub ansieht. Unterzeichnung der Audscha- Konzesfion. London, 22. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Ingenieur Ruttenberg verständigte soeben telegraphisch die Iaffaer Stadtverwaltung von der ordnungsmäßigen U n t e r z e i ch n u n g der Audscha- Konzession durch die Londoner Behörden. Diese Audscha-Konzession bezieht sich bekantlich auf den vom Ingenieur Ruttenberg ausgearbeiteten Elektrif i z i e r » n g s p l a n für den Iaffaer Distrikt. Ingenieur Ruttenberg drückt seine Zuversicht aus, daß die Realisierung dieses Planes die Entwicklung des Jaffa-Distrikts fördern und zum Wohlstand aller seiner Einwohner beitragen wird. Die arabische Presse «nd Ruttenbergs Elektristzierungsplan. Jerusalem, 20. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Die atu bsschr Zeitung „Phalastin" erklärt i« bezug auf die Erricktung elektrischer Kraftanlagen, daß. obwohl sie den g r » ß r n V o r t e i l, der daraus für den Wohlstand deS Landes erwächst^ anerkenne, sie doch die Hand zurückweffen müsse, die „unter dem Deckmantel der Hilfe unS unterdrücken will*. Das Blatt meint, wenn dcr Plan durchgeführt wird, werde die palästiuensischc Bevölkerung in der Vtacht der Zionisten sein. Orgavisteruvg einer Mufierpolizei in l Palästina. Jerusalem, 21. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Die von der Regierung beschlossene Organisi-ruug einerneuen Musterpolizei (Selected Police) ist in vollem Zuge. Die Polizei wirb aus Reitereskadronen, eirier KameleSkadrvn und zwei Fußeskadronen bestehen; die Zusammensetzung soll in der Mise erfolgen, daß Juden und Araber in gleicher Zahl (zirka 175) ausgenommen werden. Außerdem soll eine Unzahl Tf.ch.erkc ssen ausgenommen werden. Die Reiter.