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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-21 · Heft 953 (21.9.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 953 (21.9.1921)
Date
1921-09-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ffegnff- •; Wien Mittwoch . bchchtz..,t».ie beide wirklich die Absicht haben, den. Hungernden,zu helfen, und nicht andere Zwecke unter Vorwflnd der Hilfeleistung verfolgen. " Die jüdischen Flüchtlinge. ftomtto, 18, September. (Iüd. Korr.-Bm.) Hier erngetcosienen Nachrichten aus Rußland zufolge ift die Lage^ der 800 jüdisch-lettischen Flüchtlinge, die sich in I e nä t sichai sk, einer Stadt des russischen. Hungergebiets,^ besindcu, eine verzweifelte. In dem Appell, den sie an ihre. Brüder im Auslände gerichjet haben, heißt es. daß..-wenn die dringend notwendige- Hilfe bis zum Winter nicht kommen sollte, niemand von ihnen r c* sein Heim und seine Freunde sehen wurde. , Telegramme. Die Negierungskrise in Bayern. Kahr erledigt. i München, 20. September. (Südd. Korr.°Bur.) Die ^.Mmrchsner Post" schreibt zur Ablehnung des Herrn v. Kahr: »Zum ersten Male hat sich Herr D. Kerne um Bayern und um das Reich ein Verdienst erworben. das auch wir rückhaltlos anerkennen. Damii u't zur Lösung der bayrischen Regierungskrise der erste Schritt getan. Zugleich ist damit auch einer.Be'rstundigung mit der Reichsregierung in der schwebenden Streitfrage der Aufhebung des Ausnahmszustandes in Bayern der Weg geebnet. Kahrs' Wiederkehr wäre für die innerv o U i j f ch e '.P.n t w i ck l uA g Bayerns v e r- 1) ü n 3 ii t 5 d ö I I gewese lt Sie hätte eine Fortsotznno der bisbenarn K ata st r o p h e n p o l i t i k bedeu^r und letzten Endes zum Bruche mit dem Reiche Ähren können. Nach dem mannhaften Entschluß des Herrn von Kahr ist die Bahn freigemacht für öie.Hefnnduyg. der innerbayrischen Politik wie auch nir ‘ 'öle^Kchaffung eines beide Teile befriedigenden Verhgstnrsfcs zwischen" Bayern und dem Reich. Me ^Bayrische Staatszeitung" schreibt: Heute srüb ttat die Fraktion der bayrischen Bölkspartei zusammen, unr über die Frage der Regierungsbildung zu beraten/ Mit ziemlicher Bestimmtheit wird nunmehr eine Persönlichkeit genannt, die bisher nicht in den Vordergrund trat. Es handelt sich um einen ehemaligen osyrischen Regierungsoeamten, der zurzeit im ReichsdieNst steht, um einen bekannten Mann mit gutem Namen von gutem Klang, doch ist es noch keineswegs durchaus sicher, ob er den Parteien schneßtich präsentiert werden wird. §ch erdenrann für eine Koalitionsregierung. Berlin, eo. September. (W-oljf.) Auf dem Görlitzer Parten ag-- hielt . Abgeordneter S ch ei h e m a « n eine viel bemeriw Rede.' in der er unter anderem ausführte: '-,^Zch brauche keru 8eorr darüber zu sagen, daß die Republik i n? ach-r <i ft und bleiben wird, ioeim es uns nicht ^celuax.-oer.- 'Reaclioll das Handwerk zu legen. Bewundernd schauen-, alle -Ncakti'.n.:är7-..auf den Heiligen der Rrakt i o!l>- H < r ich Y, und ihr Streben ist es, bei uns ebenidlche lchr'iäirde-. cha'l'eizuäihreu,. um -aus D-entschlmrdein Ungarn za rneachel^-.' Li? wissen genau, was auf dem Spiele - steht. Republik muß gesichert werden. Die Verordnung des Rei-hvjeräÜEiew darf nur ein. Hilfsmittel sein. Wrr brauchen raehr..:ivi>.-brguchrn ganze Arbeit. Wir brauchen eine Justizre-oritt... dis Tenakratiaerung der Verwaltung, eine Reform da- Lchiuwrfens-u-ttd der Universitäten. Universitäten wünschen wir q.is? Stritten - der L-ifserrschaft zu erhalten, aber nicht als ru.istüL.^e-n der Reaktiv n. Eine Aerchemng ist aber rruc möglich-, wk'.m -wir Sozialdemokraten ,ms freimachen Lau allen Schlaqwvrten, wenn wir gewillt sind, mit-realen Tatsachen > zu - rechnen. (htufe: Sehr .richtig!) Wir dürfen üae-.a laa^ nicht durch ehre Parole auf lange Dauer sestlegÄir. (i-:- darf picht gesagt werden: Wir gehen unter kehren Umnünöen unt. dchür oder jener Partei in. die Regieruntz. tamlirioneu snch vergänglich, unvergänglich bleibt das tzüjiamin.:u^ebörlZleLtsgesühl des arbeitenden .Volkes. Deutschlmrds ».mb der ganzen Welt." (Beifall.) . ... 0;m Lause der Debatte erklärte sich eine Anzahl 'Redner dagegen, - mit . oer deutschen Bölkspartei in eine Koalitio-t einzuh eter'. Insbesondere sprachen sich Markwald (Frankfurt) und Eckstein. (Breslau) dagegen aus. - Für ein eventuelles «Zusammengehen sprachen sich Dr. kwtf (Hamburg) und Eggerstedt (Kiel) aus. Görlitz, 20; September. Dem Parteitag wurde non Hermann Müller eine Resolution zur Frage der Außenpolitik vorgelegt, die unter anderem besagt: Die deutsche Sozialdemokratie ist gewillt, mit allen Mitteln die Reaktion niederzuhalten, um die Republik gegen jeden Ansturm zu sichern. Sie wird dafür' sorgen, daß den Reaktionären durch eine fortschreitende Demokratisierung des gesamtstaatlichen und öffentlichen Lebens das Handwerk gelegt wird. Das T r e.i b'e n der deutschen Nati o n a listen schädügt das Ansehen des neuen Deutfchl a n 'ü in derg a n zen Welt und lähmt im Aus? lande dw- Arbeit der Freunde der Revision des Friedensvertrages. Nur als eine friedliebende, zur Zusammenarbeit mit allen Dölkem bereite deutsche Republik.kann Deutschland nach dem Ergebnis dieses durch, die Ächuld des deutschen Militarismus verlorenen X reges foLtbejtehen. Wiener MorgenZeLtttttg ' Die Verfolgung' der Mörder Erzdergers. München. 20. September. Die Untersuchung m der Mordsache Erzberger ist nunmehr soweit beendet, daß die badischen Gerichtsbeamten nach' Offenburg Zurückkehren Konnten. Sechs der Verhafteten, darunter auch Killinger, sind nach Offenburg gebracht worden, fünf bleiben in München in Gewahrsam. Die weitere Untersuchung wird in Offenburg geführt, die Einvernehmungen ’ wegen Scheimbündeiei dagegen in München. * Verurteilung eines bayrischen Abgeordneten. München, 20. September. Der LlUidtagsabgeoidneie Fischer aus Nürnberg, der in. einer Versammlung der thialr dangigen die angeblich bevorstehende Uuseuiuna der Republik Franken angekündigt hatte, , wurde aus Grund des Hochverrats-' varagraphen zu . einem Jahre und drei Monaten Festung verurteilt. Die Ausnahme Litauens in den Völkerbund. Genf, 20. September. Die sechste Kommission beschloß gegen.die Stimmen Polens und Rumäniens der Versammlung die Ausnahme Litauens in den Völkerbund zu empfehlen. Jugoslawien enthielt sich hiebei der Abstimmung. Der polnisch-litanische Konflikt vor dem Völkerbundrat. Genf, 20. September. Die heutige Sitzung des Völkerbundrates, in der die Diskussion des Hymansschen Verständigungsvorschlages im p o l n i s chlitauischen Konflikt fortgesetzt wurde, gestaltete sich sehr lebhaft. Die Vertreter beider Parteien ließen es an der temperamentvollen Verteidigung der Standpunkte ihrer Regierungen nicht fehlen. Balfour faßte die Lage dahin zusammen, daß sich Polen um die Ratschläge des Rates bisher einfach nicht gekümmert habe, was einen peinlichen Eindruck machen ^müffe. Bourgeois (Frankreich) schloß sich der Ausfaffung seines Vorredners an und forderte die Parteien auf, sich zu verständigen. Diese beharren jedoch auf ihren Standpunkten. Der Äölkerbundrat beschloß sodann, das Projekt Hymans in der Versammlung zur Diskussion zu stellen. Zeichnet ÖSTERREICHISCHE BAU-LOSE Jährlich 2 Haupttref f e r von je K 6,000.000-- Jedes Los gewinnt Sämtliche Gewinste vollkommen I abzugs«u.einkommensteuerfrei Kein Legitimationszwang Zeichnungspreis: K 1220.- für ein ganzes Los u. K 305.- für ein Viertellos Völkerbund und Blockade. Genf» 80. September. Die dritte Kommisston lehnte die Ueberprvfvngder Regel n^d er Seeblockad, mit dem Hinweise darauf ab, daß der?.Völkerbund keinen Krieg tühre und die Staaten untereinander diese Frage zu regeln haben. Es wurde weiters auf die ErgebniSlostskeit aller bisherigen Versuche einer Einschränkung der Rüstungen außerhalb MütelruropaS hingewiefen. Der britische Delegierte erklärte, daß England der Konvention von Saint-Germai« beitreien werde; so lange aber die Vereinigte« Staate» die- «lcht tun, sei dies oh«e praküschen' Wert. — DaS Gerücht, daß di« Parteien Griechenlands mm die Vermittlung de- Bölkerdnudes ««gesucht hätten, bestätigt sich nicht. Die serbische Thronfolgefrage. Beli;rad, 20. September. (Funkspruch). Amtlich wird verlautbart, daß die in ausländischen Blättern verbreiteten Gerüchte über ein Offenhatten der Thronfolgefrage nicht den Tatsachen entsprechen. Prinz Georg hat keine Ansprüche auf den Thron gestellt; Prinz A r f e n, der Bruder des verstorbenen Königs und der Sohn des Prinzen Arsen waren die ersten, die dem neuen König den Treueid leisteten. Das neue polnische Kabinett. Warscharr» 19. September. Ministerpräsident P o n ix o w s k i teilte einem Mitarbeiter der^Rzeczpospolita" mit, daß bisher folgende Ministerien besetzt wurde«: AeußereS — S k i r m u n t, Krieg Sosnkowfki, Handel — R a c L v »s k H Justiz — S o b o l e w s k i, öffeuttiche Arbeiten J 21. September 192,! . . Nr. 988 —1 Narntowski. Nach Blättermeldungen wurdm die übrigenMinisterien wie folßt besetzt: Inneres — Tardowski, Finanzen — Dr. M i ch a l s k i, öffentliches Gesundheitswesen — C h o * T o, Eisenbahnen — Stelmachowski, Bersorormg — S t o x n?! t;' Krasfin in Berlin. Berlin, 20. September. Der russische Volkskommiffad K r a s s i n ist gestern ans Moskau hier einaetroffeu. Er wird sich mehrere Tage hier aushalten und sodann nach London Weiterreisen. Sein Aufenthalt gilt vor allem der Besprechung mit ofsiziellen deutschen Persönlichkeiten sowie verschiedene» Fmanzinstituten im Zusammenhangs mit W a r e n k a u f e n. Kämpfe in der französischen Sozialdemokratie. y Pari», 20. September. Der ZentralarrSschuß deS Allgemeinen G e w e r ks ch a f t S v er b a « d eS ist gestern zmn ersten Male nach dem Lrller Kongreß zusammengetreten, um einige Bcschlüffe über die DiSzipl-n innerhalb der Gewerkschaften zur -DurchfShr»ma z« bringe» nnd die Rc«wahl des Vorstandes vorznnehmen. Die Anhänge, der MehrhertSpartei «nd die Extremisten »ahmen bei der gestrige« Sitzung gegeneinander Stellung. Bei der Abstimmung Aber dm Antrag, der für die streikenden Arbeiter des Lrller Industriegebietes Stellung nimmt, erlangte der Generalsekreiär Jonhavx, besten Wiederwahl von den Extremisten heftig bekämpft wirdeine Mehrheit von 12 gegen 51 Stimmen. Für einen „aflyrisch-chaldäischeu- Staat. Paris, 20. September. (Tel.-Komp.) Der »Temps" meldet: Die a f f y r if ch-ch ald 8is ch e D e le-- 0 a 11 o it in Paris richtete an die ftanzöstfchei Regierung eine Denkschrift, in der sie das R^cht m! Anspruch nimmt, im nördlichen Messop^ t a m i e n einen autonomen assyrisch-; ch a l d S i s ch e n Staat unter französische« Mithilfe zu schaffen. Das Memorandum erinnert daran, daß dem affyrifäi-chaldäischen Volke wieder-i holt während der Beratungen des Obersten Rates und-' auf der Konferenz von San Remo das Selbst» b e st i m m u n g s r e ch t zuerkannt wurde.; (Es scheint sich hierum eine franzöfische Mache zw handeln, welche eine »affyrisch-chaldäische"' Delegation vorschiebt. Von einem affyrisch.chaldäischm Volke hört man hier jedenfalls feit Jahrtausende« zum ersten Mal! Bisher wußte man nur, daß es eine vorderasiatische christliche Religionspartei gibt, die sich »Chaldäer" nennt und trotz ihrer Vereinigungl mit der römisch-katholischen Kirche an manchem: orientalischen Brauche festhalt.) Streik der irischen Transportarbetter. Londo«, 20. September. fTell-Komp.) Infolge Loh»--' Herabsetzung um sechs Schilling pro Woche für Maga-mSarbeiter sind die irischen Transportarbeiter in dm Streik getrete». D« EisenbahngrseÜschasim haben sich geweigert, mit dm Vertreter», der irischen Transportarbrüer Verhandlung« anmkuüpse». Eine Korruptionsaffäre im Prager Eisenbahnministerium. Prag, 20. September. Wie das „Pilsener Tagblatt^ meldetwurde in den letzten Tagen k«. Prag.eine KorruptionK» affäre aufgedeckt, in die er» hoher Funktionär des Gisa»bah»- minrsteriums und andere Beamte der staatlichen Eisenbahnverwaltung verwickelt sein sollen. ES handle sich »m mißbräuchliche Inanspruchnahme von Frachtbogüirstfgnnge» für Privatzwecke der genannten Funktionär«., Demonstrationen in Brün«. Brünn, 20. September. (Tschecho-slvw. Pveßbttr.)f Gestern abends rotteten sich! vor dem Stadttheateri ungefähr 2000 Personen, größtenteils Leute aus dem Vorstädten, z-usammen nnd verlangten, baß die bentsche; VorsteMmg rm Stabttheater nicht stattfinde. Die Menge versuchte, in das Theater einzndringen, wurde jedoch, von der städtischen Polizei nnd einem Gendarmerie^ anfgebot daran verhindert. Hiebei wurden sieben Wachq leute verletzt. Die Vorstellung wurde um */$ Uhr unterbrochen. Erst nach 10 .Uhr zerstreuten sich die! Demonstranten. Ein kleiner Hanfe wollte zum Deutschen! Hans gelangen, wurde aber von der Polizei zerstreut.! Prag, 20. September. Nach einem Bericht der! ,^ohemia" über die Demonstrationen in Brünn ser der Anlaß dieser Kundgebungen die Zurückhaltung ge-( wesen, die die dortigen Deutschen bei der Begrüßung des Präsidenten Masaryk beobachteten. Die Tschechen; halten beanständet, daß an dem Hause der Svnntagschen^ Apotheke eine rot«-weiße Fahne angebracht war und) ihre Einziehung verlangt.- Die Demonstrationen gegen; den Besitzer setzten ein, kaum nachdem Präsident Masaryk? die Stadt, verlassen hatte. Die Demonstranten drangen» durch die Fenster der Apotheke in die ün Mezzanin! gelegene Wohnung ein: Gewalttaten konnten nur ver-' hindert werden, indem die Polizei b«n Magister Sonntag! mit einem Automobil in Sicherheit brachte. Mit großen^ Kundgebuilgen gegen die Schristleitung des „TageKboten" und gegen den Abgeordneten Baeran fanden die Demonstrationen ein vorläufiges Ende,' wiederholten sich jedoch am Abend vor der Sormtagschen Apotheke.! Gefunkener Dampfer. 20. September. (Funkspruch.) Im Karische» Meere sank auf dem A-ege nach Archangelsk der Dampler drr sibirischen Farschunpskxvedition e n i f f f i" iusolge »jvsammeustoßes mit einem schwimmenveu Eisberae. Eiu Trü der Urwaununa kannte guetl^ werde».

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