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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-21 · Heft 953 (21.9.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 953 (21.9.1921)
Date
1921-09-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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VNkr 2 Wien, Mlttwochi ..—►.------ ' _..- Potttisch^Rundschau. 2-stitut sür jüdische Wirtschafisforjchung. Das Institut für jüdische Wirtschaftsforschung hat vie Erforschung der wirtschaftlichen und soziologischen Grundlagen des jüdischen Volkes zur Aufgabe. Es soll sen Gruudstockck für die natioualökonornische Fakultät der Universität in Jerusalem bilden. Das Institut besitzt drei Sektionen: 1. Die Mi gratis ns sektion, in der das gesamte Material über die jüdischen Wanderungen systematisch geordnet für die Zwecke der Praxis verwertet wird. 2. Die tvirtschafts-wissenschaftliche Beratungsstelle, die theoretische und praktische Ziele verfolgt. Von der Beratungsstelle wird die Förderung und Konzentrierung der jüdischen wissenschaftlichen Arbeit wirtschaftlicher Natur angestrebt und im Anschluß an die zuständigen Ressorts Auskanftserteilung über rentable Erwerbsmöglichkeiten für Privat- Krpital in Palästina betrieben 3. Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Volkswirtschaft ler, die die Aufgabe hat, die zerstreuten 'Kräfte ans dem Gebiete jüdischer Wirtschaftswissenschaft zu konzentrieren. Erteilung von wirtschaftswissenschaftlichen Gutachten ist in Aussicht genommen., . Die Borbereitungsstelle des Instituts ist im JÜUNer 1020 aus Anregung von Dr. Artur Nuppin begründet und wird von Dr. KäplüN-Kvgan, Breslau, geleiret. Nachdem die notwendigen Vorarbeiten geleistet sind, tritt die VvrbereitUngsstelle anläßlich des zwölften Zionistankongresses an die Oeffentlichkeit. Es werden Schriften und Mitteilungen' des Instituts für jüdische Wirtschaftssorschung herausgegeben. Jede politische Betätigung ist ausgeschlossen. Das 'Institut verfolgt rein wirtschaftliche Zwecke. Der Arbeiksgemeinschift jüdischer Volkswirtschaftler gehören u. a. an: Adolf Böhm, Dr. Georg Halpern» Dr. Kaplun-Ko ga n, Doktor Artur Ruppin, Dr. Schipper, Dr. Julius Simon, Davis Triet sch. Der Jahresbetrag für außerordentliche Mitglieder beträgt 1.00 Mark. Die Adresse der Vorbereikungsstelle ist Breslau 16, Aai,>rstraße 82. (I. P- Z-) ' Der Völkerrechtskongreb über die Balkanfragen. Aus Genf meldet man uns: Der Völkerrechtslorrgreß beschäftigte sich in einer Sondersitzung mit den atinellen Fragen auf dem Balkam Nach eingehender, stellenweise erregter' Debatte wurden mehrere Beschlüsse gefaßt, und 'zwar:- -1. Der -Völkerrechtskongreß anerkennt, daß die Bemühungen der Mazedonier auf Schaffung eines selbständigen, unab- ' hängigen mazedonischen Staates eine Notwendigkeit darstellen, deren Verwirklichung geeignet wäre, den Zwistigkeiten der Balkanstaaten ein Ende zu setzen und den Friede» auf dem Balkan herzuftellen. Der Kongreß beschließt ferner, zur Sicherung der Heimkehr der nach Bulgarien, Albanien, Rumänien und der Türkei geflüchteten mazedonischen Emigranten unter dem Schutze des Völkerbundes die erforderlichen Schritte zu unternehmen: In den Fragen Smyrnas und Thraziens» die zur Fortsetzung des Krieges im nahen Osten Anlaß geben, stellte sich der Kongreß auf den Standpunkt des Selbstbestimmungsrechtes der Bevölkerung der umstrittenen Gebiete und fordert, daß die griechischen Truppen, da das griechische Element sich in diesen Ländern in der Minorität befinde, sich von dort entfernen. In dieser Frage hat der Kongreß überhaupt einen gegen die Griechen gerichteten Standpunkt eingenommen und fordert in diesem Sinne den Völkerbund auf, in Athen dahinzuwirken» baß bis zur erfolgten Räumung die Metzeleien in diesen Gebieten aufhören, die griechische Regierung aufzufvrdern, daS Recht der ethnischen und konfessionellen Minderheiten zu respektieren; es wurde ferner beschlossen, im Wege des Völkerbundes auf die griechische Regierung einen Druck auszuüben, damit diese die friedlichen Modalitäten der Erledigung des Konflikts akzeptiere, denen die Türken bereits zugestimmt haben. Die ostgalizische Frage vor de« Dülkerbundrat. In der zehnten Plenarsitzung des Völkerbundrates 13. September hielt der'kanadische Finanzm l.u ifter und Chef der kanadischen Delegation beim Völkerbund eine längere Rede, in der er die rasche Entscheidung der ostgalizischen Frage forderte und darauf hinwies, daß im Februar lausenden Jahres der Völkerbund rat im Besitze zah lreicher Petitionen der ukrainischen Bevölkerung Ostgaliziens war und zum Entschluß kam, dieselben dem Obersten Rate, der durch die BotschafterKonferenz repräsentiert ist, vorzulegen. Er halte es für zweckmäßig, daß die Versammlung den Wunsch aussprlcht, diese Angelegenheit rasch zu erledigen. Kanada habe eine große Anzahl Ukrainer, die an dem Bau des kanadischen Staates mitgeholfen haben und auf deren Mitarbeit es nicht verzichten könne. Die kanadischen Ukrainer haben sich mit der Bitte an ihre Regierung gewendet, diese möge die maßgebenden Faktoren aufmerksam machen, daß ihre Brüder in der Heimat mit größter Ungeduld auf die Enticheidung ihrer.nationalen und politischen Stellurig warte». _Wiener Ärorsenzeinms Oberst Lehar von den Insurgenten gefangengenommen. Lafnitz. 20. September. (Tel-Komp.) Die „Grazer Tagespost" meldet nach einer aus Minkafeld eingetroffenen Nachricht, daß Oberst Lehar, als er sich in Begleitung feines Adjutanten» des Oberleutnants O srv k l v, im Auto von Steinamanger nach Oberwarth begehen wöttte,. von ungarischen Frei chäriern gefangeng e n o m e n wurde. Oberst Lehar wird vorläufig im Stuhlrichtevamt von Oberwarth gefarrgengehaltett. Wie die Horthy-Vanditen im Burgenland Hausen. Ein englischer Bericht. London, 19. September. Die „Timet" veröffentlichen die Eindrücke ihres Somerbelichterstalters von einer Reise an der uicd^ösle:re!ch!sth-s1eirisch-buraknliivdffchen Greme.Der Schreck nsurstand an den Gr-iiztN sei nüdrrsi' wette-nd. Nichi nur die Nüchtlitfti iMs dein BurmMM» 8000 allän >n Wi ner-Nmstrdt sondern alle Glcnzdervv'mer warten. Tao und Nacht fiir ihr Leben fürch'en. In manchen Gemeinden verlassen die Einwohner ihre Wohnungen vor Nacht inbruch and stellen sich und ihre Habe unter dkü Schutz des Bundeßheeres. das eine Grenze von über 10'> Meilen sichern soll. Das tätliche sieben sei auf das schwerste gestöit. Die jungen Männer sind au! d m Bmgenland ans Furcht vor ungarischen Zmaiwör.-klumnikigen g flüchtet, Burgcnländ sche Bauern und Gewerb.ireibende, du vor kurzer Zeit vöch sehr wohlhabend waren, s ien beute Bettler, weil ihr B t* s i tz t'n m von den ungarischen Banditen auszeplünd.rt wurde. Zwangsüttlrihen von f-0.rö ungarischen Kronen und mehr muffen ans d r Grelle erlegt werten, tottfi wird der Besitzer grsmaeugescht. Errrwohnrr, die sür öste relchs-eunelich g ltrn, werte r in K e t r e n Ab a e f ü h r t und mit Kotbenschlag'N und Fufir'tten inisrhandelt. Selbst vor der Mißvandlung voN^ Frauen tutb Kindern schrecken die ungarischen Bnnc nr uichr zurück. Der Sonderbrrichterstaiter -.1er „Tinies" schildert hierauf ausführlich die Le den des Müll rs K a r a c s o n anS Budentor', der feinen Be>foftern entkommen tonnte und dem es nachher gelang, einen'der b kanntefim Bandeniiihr r» D'.E.prn, geiangenmnehm n. dev sich nun m Wiener-Neustadt in Untersuchung befindet. weil er auf österreichische Gendarmen geichoste« hatte. D:e Opferdep lehterr unbirrl'chen Bauten-Ueberfäkle s'ien Übel zugeriel't't. Nicht nur wahrend, lbnttrn auch nrch dm Kämpfen -vcrlib'n. die -Üügar-n! wrch'bare GrausamkIren» so hrnttrn sie ünier anderem eirfen yste'rrichrsch'en Wdbnuann». den sie äesimgei'tzensutm n-hfittUk Md üttstivten rhu klS'Z elschkibe: D-ü Leche konnte erst nach dem Abzug der Banden geborgen rv rdrw Uttgarn wirÄ rrlcht w den Völkerbund KUfMNSMINrK. Paris, *^Ö. September. (Fünkspruch) „Pellt Parisien" erfährt, daß der Völkerbund morgen seine Vollsitzungen wieder aüfnehmeri werde und daß das Ansuchen Ungarns um Zulassung wahrscheinlich ab g ew ies e n w e r d en w ir d. Inland. Die Forderungen der Arbeiterschaft. Abgeordneter De. Bauer über die Wirtschaftslage. Montag abends tagte im Ottakringer.Arbeiterheim eine Wiener MrtraUeNsmänmrversammlnng. In seiner Erö'fnustgsrede kam Abgeordneter Doktor Otto Bauer auf hftHachutestspekulation zu sprechest und bemerkte: , Man fordert, daß der Staat kontrolliere. Uber ist es denn nicht derselbe Staat, der der eigentliche Urheber dieses Spekulativ ns treibe ns ist? Der Urgrund des Uebels ist die Tatsache, daß der Staat j^re Woche zwei Milliarden und nrehr Banknoten in Umlauf setzt. ■ Da ist'es unvermeidlich, daß j>ck^ einzelne Banknote von Woche zu Woche weniger wert wird. Wenn aber jemand sagt, daß man von heute auf morgen die Banknoten presse stillegen könne, daN« ist er entiveder ein Ignorant oder ein Schwindler. Das ungeheure. Defizit ist die Folge des Krieges, des Zerfalls unseres Wirtschaftsgebietes, des Mißverhältnisses zwischen dem, was wir konsumieren und produzieren, dessen, was wir aus dem Ausland beziehen und was wir ins Ausland aus führen. Dagegen von heute auf morgen Abhilfe zu schaffen, ist unmöglich. Aber das besagt nicht, daß es unmöglich sei, durch eine planmäßige Arbeit Schritt für Schritt den Haushalt in Ordnung zu bringen, das. Defizit allmählich zu reduzieren, bis es möglich ist, biefc Banknvtenüberschwemmung einzubämmen. Wenn man ein so ungeheures Defizit hat, müßte man zuerst unnötige Ausgaben vermeiden, müßte man sparen. Wir haben durch den Friedensvertrag ganze Eisenbahnlinien verloren, die" Nordbahn, die Franz Josefs-Bahn find in - der Tschochv-Slowakei. Nur hie Direktoren sind uns geblieben. Dort sitzen woch die Hofräte beisammen fünf Hofräte auf einen Kilometer. Wir haben leinen Hof mehr, aber die hofärarische Verwaltung existiert noch. Der Krieg ist vorüber, aber ein liauidier?ndes Kriegsminisieriinn haben wir; dieses ulöchie liquidieren bis zun: Jüngsten -Tag. Wenn ein 21. vepttmvtt 1921 Kr. 955 Staat in solcher Not ist, muß er auf überflüssige Ausgaben verzichten. Ohne energische Besteuerung des Be. fitz es geht es nicht. Jetzt hat die iLevanlagung der Vermögensabgabe begonnen. Der schönst« Teil der Abgabe wird auf bk Kosten aufgehen. Vor allem muß man den Gedanken in den Vordergrund rücken, den wir immer vertreten haben, baß dem Staate nicht mit Papierkronrn geholfen ist sondern mit Sachwerten: Gratisaktien und Hypotheken. Ein anderes Beispiel: Man hat in dem Getreidebewirti. schaftungsgesetz den Landwirte.» den Weltmarktpreis für das Getreide vom Frühjahr 1921 an zu gesichert. Das heißt heul« das Zweihundert bis Vierhundertfache des Friedenspreises. Das wäre eine sehr bescheidene Forderung, daß die Bauern und GroßgrundSefitzev auch an Grundsteuer wenigstens das Hundertfach« von dem, was sie im Frieden bezahlt haben, bezahlen. In Wirklichkeft bezahlen sie nur das Zweieinhalb fache. Gewiß kann man den Staatshaushalt nur durch jahrelange planmäßige Arbeit sanieren, aber man kann es, wenn man ernsthaft will. Zur Verminderung des Defizits ist gar nichts geschehen. ' DaS Resultat ist d'e ungeheure Leuerungswellir infolge des fortwährenden Anschwellens der Bauknvtsnflut. Wir können nicht ruhig zuschaueN» wie. di« Herren alles laufen lassen und nichts tUU, weil nicht nur der Staat, sondern wir selbst dabei schließlich zugrunde gehe«. Bisher habt, ihr gesagt» unsere Methoden seien falsch.' Ihr habt jetzt ein Jahr Gelegenheit gehabt, es besser zü machen. Wir treten jetzt vor euch» im Namen der halben Million Arbeiter Wiens Und der halben Million in den Bundesländern: Wir legen euch ein-sn Fü anzplan vor, nicht Phra en und Demagogie, sondern ein System von praktisch» Maßnahmen, die in wenigen Jahren dmchzuführen sind. Wir verlangen von euch im Nnnten der Arbeiterschaft und gestützt auf ihre Kanlpsentschlossenheit» daß ihr zusammen mit den Vertretern der Arbeiterschaft die Maßnahmen beratet und durchführt. Wir wollen sie fragen, ob sie einverstanden sind, daß wir gerade jetzt. >vv alles nach Hilft ausschaut» irr diesem Sinne einen Vorstoß machen zu einer t aktive!! Finanzpolitik. Es besteht die Gefahr, daß die furchtbar« Teirerung, bi« die Arbeiter zrrr Verzweiflung treibt» von. der ^Reaktion sür ihre politischen Zwecke aUsgenützt werde« .könnte. . > Die VertraUenstttaNtt«rversammlNng nahnr dann eine vom Abgeordneten Dr. Bauer beantragte Res v tu t io n au, worin «s tti a> heißt: Die Vertraiiensnrüirner det organisierten Ärleiiepschaft fordern den Pürteivorstattd, den Berba'nd der sozialdemokratischen Abgeordneten Und bi« Gew«rkschaftsbommission auf, selbst die Nichtlinien eines all« Zweig» des Staatshaushaltes und der Volkswirtschaft umfassettderr großen Finanzplanes zu eNtwerftu» sie der Negftvung im Nanien der organisierreu Arbeiterschaft vorzulegen und. auf die Kraft und den Kampfwitten d«s Proletariats gestützt, zu verlangen, baß auf dieser Grundlage unverzüglich Verhandlungen mit den Vertretern der organisierten Arbeiterschaft eingeleibet werben, der Finanzplan im Einvernehmen mit den Vertretern der Arbeiterschaft ftstgestellt und mit größter Beschleunigung durch geführt werde. Den aussichtSlosen unb PrrnetnschMiichen Versuch, den öffentlichen Haushalt ausschließlich auf Kosten der arbeitenden Volksmassen zu sanieren, lehnt die Arbeiterschaft mit. Entrüstung ab. Ohne sich darüber zu täuschen, daß ein attmkhlicher'Abbau der Staatszuschüsse zu den Lebensrnittelpreiftn. unvermeidlich sein wirb, erklärt die Dertrauensntännerv«rsammlung,. daß ein solcher Abbau nür in solcher Weise erfolgen bann und darf, baß der Reallohn der Arbeitet dadurch keine Kürzung erfährt. Die BertraueNSmännerversaMMlung erklärt daher die von der Regierung beabsichtigt« sprunghafte Erhöhung der Brot- und Mehlpreise und die Abschaffung der erhöhten Ration für die Schwerarbeiter für schlechthin unannehmbar. Die VertrauensMänNerversamrnlrmg Mtt fest, daß di« Arbeiterschaft bisher aus Rücksicht auf bi« durch die Angrifft der kriegerischen magyarischen Konterrevolution bedrohte Lag« der Republik große Kämpft,die der karlistische» Derschwörungwttlkvmmene Gelegenheit bieten könnten, vermieden hat; sie erklärt aber, baß auch die Regierung und die Nntrrnehmer die notwendigen Opfer bringen müssen, werrn solch« Kämpft auch weiterhin vermieden werden sotten. Die österreichische Kreditaktion. Genf» 20. September. Der Völkerbundr a t genehmigte den Bericht Über die Tätigkeit der Wirtschafts- und FinanzkommMon, der sich auch mit der 8 st e r r e i ch l s ch e n K r e d i t a k t i o n befaßt. Der Bericht kommt vor die Versammlung. Ausschütz für Aeutzeres. Der Ausschuß isir AeußereS hüll morgen um 11 Nbr vor' mllta-s eine Sitzung ab. Tagesordnung: Bericht de» Bundeskanzlers über Westuugaru. ... « Gin Aussta«d {« der Ukraine? Rom, 20. Sevtent^cr. tFunksßrrrch.) Nach Warschauer Meldungen ser in der Ukraine ei« Aufstand gegen die bvlschervrki'che Negierung ausgebrochen; bie roten Truppen jeitn verjagt worden.

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