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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-20 · Heft 952 (20.9.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 952 (20.9.1921)
Date
1921-09-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Rr. 952 Dien/ '^.euZtag Wiener Morgeu-eitung 20. Seplemver IW Seite A Der Terrsr -er Horthy-Bnn-iten 1« Budapest. $ BerP»üsel««g der StratzeuPnAeMte». Daamtliche Wiener Korrespondenz-Bnree» meldet a«S Budapest vom IS. d. M.: Wie die Blölt» melden, kam e3 gestern mittags und »achmittapS anvrrschiedenenStellen der Stadt z» wiederholte« StraHrnexzesst«. An- Kaffcehäusern in der BolkStheatekgaff^ vurdm die Gäste auf die Straß« gejagtund insultiert. Bei den Prügeleien wurden mehrere Personen verletzt. Rach* mittags ereignete» sich m der Rahe der Redaktion der „Nepszada* Exzesse, doch wnrde» sie durch herbeigeeelte Polizei sofort »nterdrückt, wobei 14 Verhaftungen vorgenomme» wnrde«. In de« Abendstunden kam er in der Tabakgaffe und in der Rombachgaffe z« Prügelszenen, ohne daß jedoch schwere Verletzungen zu verzeichnen gewesen wäre». Selbstverständlich handelt ti sich wieder «ui Jndenhetzm dG^Erwachenden^. Der Bericht der österrrichitchrn amtlechen MrrcsPondevz-BureauS verschweigt diese- Faktum s«S bestimmten Gründen der Liebedienerei zu Horthy und ist daher sehr wortkarg. Wenn eS um die persönliche Reklame der Horthy-Gaunrr zcht, ist das österrerchische Depeschenbürea« viel redseliger. Das Horthy-Negime bleibt aasrecht. Bredapest, iS. September, (klug. Tel.-Korr^-Bur.) Der »Pefier Lloyd" meldet: Gegenüber den in parlamentarische» Kreisen vnd in der Preffe verbreiteten GrrÄchte» über weitgehende Veränderung«« im Kabinett, beziehnngweise über die Möglichkeit einer totale» Regierungskrise erfährt das Blatt von zuständiger Stelle,daß jetzt weder eineRekonstrnktion de- Kabinetts noch ein Rücktritt des Gesamtkabi«ettr in Aussicht genommen sei. Obwohl man die Schwierigkeiten nicht verkenne, die sich einerseits aus der Finanzlage, andererseits a«S den Unstimmigkeiten zwischen den beiden großen Koalitionsparteien und auS der Korrsptionsaffäre ergeben, sei man der Anstcht, daß bei der internatiooalen Lage und namentlich mit Rücksicht auf die noch immer i» Schwebe befindliche westnngarische Frage dermalen alle innerpolitischen Differenzen zurück-esiellt und Erschütterungen, die eine Rekonstruktion deS KablmttS oder vollends der Rücktritt der Gesamtregierüng i« Gefolge haben könnte, tunlichst vermieden werden. Magyarische Demonstratio»«« gegen eine Grenzbestimmnngrkammission. Gr«z, IS. September. Die „Tagespost* meldet au- Laibach, die GrmchestimmungSkommission für die Bestimmung der Grenze szwischen Jugoslawien und. Ungarn sei auf ihrem Wege an die ^nördliche Grenze in Muraszombat eingelangt., Die dortigen magyarischen Agitatoren hätten aus diesem Anlaß eine große Menge magyarischer und maoyarenfreundl cher Bauern in der iStadt versammelt, um eine Demonstration vor der Jnüralliierten Kommission z« veranstalten. Da viele der 'Bauern bewaffnet warm, sei ihn?« Gendarmerie ^tgegengetzelrn. die ihnen den Weg znm Hotel wo die Kommission abgestiegen war, versperrte. Da die Bauern — etwa 2000 an der Z rhl — die Gkn^armeriepalroMe zu überwältigm drohten, sei Militär auf dem Platze erschienen, daS, nachdem die Versammelten auf Aufforderung nicht zurücksehen wollten, eine Salve in die Luft abgab, worauf sich die Demonstranten zerstreuten. Verwundet sei niemand worden. Die interalliierte Kommission habe sich hieraus ohne weiteren Zwischenfall an die nördliche Grenze begeben. Die Rädelsführer der Demonstration seien verhaftet worden. Der „Tempo" gegen Ungar«. Pari-, 18. Sept. (HavaS.) In Besprechung ta Frag« der westungaiischen Komitate sagt der „Tempö*, die Alliierten könnten wohl bei der österreichischen Regierung darauf dringen, sich zu direkten Verhandlungen mit Ungarn bereit zu erklären, doch könnte dieweder rechtlich noch tatsächlich den Bev» zicht oder auch nnr die Aufschiebung der restlose» Durchführung der Verträge be» deuten, die vo« den Alliierten den früheren feindlichen Mächten als Schlußfolgerung ihrer Niederlage auferlegt worden eien. Der Wunsch Ungarns, bei den Verhandlungen mit Oesterreich zur Sicherung seiner Jntereffen ein Pfand in dev Hand zu haben, sei mit dem Grund'atz der restlosen Durchführung der Verträge schwer in Einklang zu bringen. Jede Abweichung von diesem Grundsatz könnte für den in Europa durch dir Verträge geschaffenen «enen Stand der Dinge ernstlich« Folge« habe«. Die magyarische« Beamte« i« West- «ngar«. Die Budapest» Regierungsblätter veröffentliche« eine offenbar inspirierte Mitteilung Uber die Bevorzugung der westungartschen Beamten für de» Fall, daß sie znr Auswanderung gezwungen werden, gegenüber de« geflüchteten Beamten auS den übrigen ehemals ungarischen Gebieten. In dieser offiziösen Meldung wird nicht ohne Absicht der Gegensatz zwischen den Beamten und den Anffländische« betont. ES heißt nämlich in dieser Meldung: Die Flucht auS Wrstnngarn hat -roch nicht begonnen. Die öffeniliche« Angestellte» find auf ihren Posten geblieben und erfüllen ihre Pflicht. AuS den bisherige» traurigen ®iiahiurgen muffen wir jedoch die Folgerung ableitr«. daß der Ausstand die Zahl der Flüchtlinge vermehren wird. Bis Ende Oktober ruht übrigens wegen WaggonmangelS die Repatriierung auS den übrigen besetzten Gebüten, von welchen sich letzt nur hie und da ein, zwei Flüchtlinge melden, deren Familien bereits hier find. Die westungarischr» Flüchtlinge werden jedoch mat rirü in eine günstigere Lao« kommen alg big Der Bundesinmister für Inneres D'r. Wa b e r sitzt noch immer im Amte und fährt fort, seine grotesken Optionsablehnungen gegen alle menschliche und politische Logik und entgegen dem Sinne des Friedensvertrages auf Grund des K 60, wie ihn Her? Waber deutet, in die Welt zu setzen. Di« Fälle derartiger Ablehnungen mehMn sich, und auf unsere Auffächerung an das Publikum, uns das bezügliche Material zur Verfügung zu stellen, sinh zahlreiche Mitteilungen eingelangt, aus denen deutlich hervorgeht, was yhnchjes jeher Ver? nünftige von vornherein wissen mußt«, daß nämlich Wabers Verfahren sich zu einem öffentlichen Skandal ausgewachsen hat, der eine Rem«dnr dringend erforderlich macht. Es wird auf keinen Fall angehen dürfen, daß derartige WiNkÜrerschsinungen Rechtskraft erlangen, und haß der deutschnationale Politiker Waber das Recht haben soll, hen klaren Sinn internationaler Abmachungen zu trüben, sich über den Brunner Staatsvertrag hinwegzusetzen und die natürliche Zusammengehörigkeit v vn Familienmitgliedern willkürlich zu trennen. Aus den an uns gelangten Zuschriften geben wir einig« wieder, welche bas Unheil befürchten sollen, daS Herr Waber kaltblütig anzustiften beabsichtigt. Dr. P. T. schreibt uns: Ich bin in Dentschböhmen geboren, besuchte hie brutsche Volksschule, das Gymnashum und bie' Universität in Wien, legte hier meine 'Staatsprüfungen ab unb erwarb das juristische Doktordiplom. Ich.lebe seit 20 Jahren in Wien und bekleide hier eine Stellung als Bankbeamter. Außerdem ist mein hier lebender Vater in Wien Heimat berechtigt. (Das Gesuch würbe mit der bekannten Formulierung abgelehnt.^ Ein anderer Fall: E. L., geboren in Göding in Mähren, besuchte die deutsche Realschule dortselbst, eine Staatsrealschule in Wien; seit 1912 in Wien wohnhaft, wurde abgewiesen, wogegen di«Elternnnd acht Geschwister die Staatsbürger schaft zuerkannt erhielten. N. B. wohnt seit 35 Jahren in Wien, besuchte die Wiener Universität und ist nach Unterbrechung seiner Hochschulstudien seit 30 Jahren Privatbeamter. Sein Gesuch ist bisher nicht erledigt. Von seinen vier Töchtern, die sämtlich in Wien geboren sind und hier Volks--, Bürger- und Handelsschule absolviert haben, ist das Gesuch seiner ältesten Tochter kürzlich positiv erledigt worden. Hingegen wurden die Dokumente seiner zweitäktesteu Tochter, die dem Gesuch des Vaters beilagen, diesem entnommen, zu einem besonderen Akt gemacht und trotz der gleichen Nachweise wie die der älter«« Schwester, abschlägig beschieden. O. W'., seit 1914 in Wien, für bedeutende Wiener Fabriken als Alleinverkäufer und Vertreter für Polen tätig, Exporteur Wiener Fabrikate ins Ausland, hat das Gewerbe in Wien ordnungsgemäß angemeldet nnd ist Ste»lerzahler. Dem Optionsgesuch wurden bie nötigen Dokumente und ein Zeugnis d«r deutschen Staatsgewerbeschule Bielitz beigelegt, ferner deutsche Schulzeugnisse der Tochter, welche überhaupt nur Deutsch spricht. Dieser abgelehnte Optant hat dem Ministerium tnes Innern die Empfehlungsschreiben einer amerikanischen Firma, einer bekannten grnerikarii« scheu Bank und eines ersten Wiener Bankhauses vvrgetegt, worin dgoguf hingewiesen wich, haß der Betreffende als Exporteur kunstgewerblicher Wiener Erzeugnisse mit Erfolg tätig ist, und ih.m daher im allgenwiNey Interesse «ntgegcng«tpmmvn werden sollte. Außerdem weist er daraus hin, daß durchs seine Arbeit viele Heimarbeiter in Wien lohnende Beschäftigung finhen und diese Tätigkeit behütend ausgestaltet tverden könnte, lvenn er hi« nötigen Sicher« heiten hatte. W. B. in Graz. Kaufmann, in Kroatien g«. byreu, seit 2 0 Jahren in Oesterdeich wohnhaft, ist abgewjeseil worden- Zu gleicher Zeit wurde die Option seines G e s ch ä s t s d i e n «r s, eines südsteirischen Slowenen, der vermutlich ein bis zwei Jahre die Südmarkschule absolviert und damit anscheinend den Nachweis seines Vollgerinauentunrs erbracht hat, zu Recht erkannt. M. F, Prokurist einer Aktiengesellschaft, in Wien geboren, wo er jahrelang lebte, nach dem frühverstorbenen Pater nach M Buk-awtna zuständig, hat ausschließlich! deutschen Schulunterricht genossen. Er soll am 1. Oktober die Vertretung einer Firma in G-'az übernelnnerr, kann jedoch dort ohne Zuständigkeit lein Gewerberecht erhalten. Er weist darauf hin, daß ihm Rumänien die Zuständigkeit verweigert, und baß er in Wien geboren und erzogen ist. S. W., Angesteltter. schreibtl" Ich bemerke, daß sowohl ich als meine Frau und meift-A Kinder alle in Wien geboren sind, noch ni^r von hier fort waren und außer her deutschen keine andere Sprache verstehen. Ich wen« daraus hin, daß' meine drei Brttber a-ch Ossterreicher und inzwischen hiev zuständig wurden, während ich ä)gewissen wn'.-s. A. ^G-, seit 190 1 in Wi^n, hsutfchs Schulzeugnisse, wurden -abgewiefen. Im Minij-srrnm ihm auf seine mündliche U;rfrage bedeutet, Jsras- Uten würden zur östecreichischen GtagjsbürgLrsch.isj nicht zu ge lassen-! Ä. Sch-, seit 1902 ununterbrochen in V'eu, gHfosvierte hier die Volksschule, das Oüorgymnafiun; u'ch das Lehrerses.linar Md ist seit 11 Jahren an' Wie VoMschulen als R«ligiynskeh'rer tätig. zum Armen ra! gewählt und vom B ü" g e r m e ist §1 bestätigt, Sachverständiger bei ei n«m Wiener Be irksgs icht- Unsere Liste ist paiürlich noch lange nicht e -schöpft. Was wir hier biete i, sind nur Einige Sttchprob-n, welche die Wabersche Praxis beleuchten sollen. Wir bitte» alle adgewiesenen Optanten, welche unserer Aufforderung bisher nicht »achgeLymme» sind, uns das bezügliche MarerraL schriftlich zukomme» zu laffe», um so ei« tückeutoses Aitd gewinnen zu können. Herr Waber wird mit seinem Versuche, die Raffeuhetze vo» Staats wegen zu legitimieren, kein Glück habe«, nnd es wird kein Mittel unversucht gelassen werden, um bas Recht an bie Stelle der Willkür zu setzen. mmmm Flüchtlinge aus anderen besetzten Gebiete». Die geflüchteten Beamtrn erhalten nämlich jene Beckge. in deren Besitz sie m Leit der Besetzung auf ihrem Wirknngkorte waren, die letzthin bewillichn Tenerung-wlagen hingegen nicht. Die wrstnngqrischen öffentlichen Angestellten jedoch haben die Teuerungszulagen bereits erhalten und werden m ihrem Genüsse auch dann dlsilen, wenn st.' an- Westungant zu flüchten gezwungen sin< Telegramme. Die Riederlag« der Grieche«. Konftautiuvpel, 19. September. Nach de« letzten Nachrichten von der Front wurde die Stadt Sivri-Hisfar von den Türken nach erbittertem Widerstand der Griechen genommen. Der Fe nd wich zurück und hinterljeß viele Gefangene und «ine grvße Menge von Schieß^rdarf. ES scheint, daß die Griechen eine Verteidigungsstellung zwischen Said Ghast und Ghumnhpinar vyrbrre'ten Ihre Verluste sind enorm. London, 19- September. (Reuter.) Nach Zeitungsnachrichten wollen die griechischen Abgeordneten Schritte unternommen haben, um die Bermrttlung de» Völkerbundes in dem grieckischtürkischen Streiffall zu erlangen. Die Nachricht, die neck der Nirderlage der hellenischen Krasse rintraf, wurde vul erörtert. Die Zeitungen find der Ansicht, daß man bald einen Weg zur Brrständigung durch Bermi'tlun, deS PölkerhundrateS finden werde. 8«leh*fcfe»- Restanrant Armin Biel FrOihiHIckstnbe und Drlfkatesacnhrmdlang der IL, & T, PlO^Dütl V«rstfahr<k Wien, I., Schottenring 14 Telephon Nr. fO-7-48 10SB1 |9p»cklWMi rdM AuftBbalttplaUM, Plliae, Urquell U. vystzy^hr»« vym B "w «aawa)n«w—«w StratzeaKLmpfe in Belfast. London. 19. September, (Tel -Komp.) Nachrichten aus Belfast zufolge haben gestern große Pempust-asionen stättgefunden. Kalholckrn und Protestanten haben sich mehrere Stunden m den Straßen beichos j e«, so daß die Posizer ge» zwyngen war, mit Maschinensewehrm eipzngrriftn. Eö wurden zahlreiche Hav-Hnrch'nchnnsen vyrgenomme« nnd mehrere Personen verhaftet. Paris, 19. September. (Havaß.) Nach einer Meldung des „Petit Parisi^n" aus Bel säst sind dort neue Unruhe^ aasgebrochen, woher drei Personen verwuniwt wuroen. Fortsetzung -es kommunistischen Felds znge» gegen tzen Zionismus. Riga, 17. Septembe?. (Iüd. ^orr.-Bm.) Die in Minsk styttgefundme Konferenz der jüd,- s ch e n Sektionen der weißrussischen kommunisüscheu Partei nahm eine Befolution an, in der die schärfste Bekämpfung des Zionismus beschlossen wurde. In derselben Weise müssen die »P o a l e Z i o n", die die kommunistische Partei als Kleine bürgerliche, die normale Entwicklung des jüdischen Proletariats hindernde Organisation betrachtet, und auch der ^B u n d", ähnlich wie die ^Menschewiken^, bekämpft werden. A Bartzn UngevA-Sternberg vor Gericht. M'Skan, 19. Seph.mber. (Fzinksprpch.) ÄarSn Ungern- Stern barg wurde dem sibirffchrn revolutionäre,, Tribunal übergeben. Die Anklage lautet aus Massenmord russischer Bauern und Arbeiter. Getragene Pelze aller Art sowie Kleider kauft &« horrenden JÄC08 UN AVER Prelsaa das Kleid»- «d PsUbacs a^'£SKÄ,V,aEiS

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