Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-09-17 · Heft 949 (17.9.1921) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 949 (17.9.1921)
Date
1921-09-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980028--08832-2995020
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

>U. a4o »OlCtl, wUltUliU^ ■%rW V«tv X I - WV,V.l>«iUtt liJ~. v^cuer«» GARL-THEATEl^: Heute Samstag den 17. September 1921, 3 Uhr nachmittags x""-s7t'bü"^ ,H A R U A e H“ DIREKTOR KALI CH Lied » . . m ■ ■ Die Karten sind erhältlich: An der Tageskasse des Car {-Theater, Buchhandlung R. Löwit. I., Rotenturmstrasse, und an der Kasse der „Wiener Morgenzeitung“, II., Taborstrasse 1—3 T*mesbericht Die Eingänge der Keren Hajessod. Di'- Zentral« de? PalästümNufbanf^nds „K c r it Hajessod" hat dem Kongreß einen 93 Seiten starken Berichjt Vvrgelegt, welchem einige interessante Daten zu entnehmen sind. Der Keren Hasessöd hat vamk. Beginn seiner Tätigkeit nach! der Registrierung im Oktober 1920 bio zum 10. August 1921 aus 23 Lände;n 192.291 Pfund ein genommen. An der Spitze stehen die Bereinigten Staaten mit 103.791, Kanada mit 18.048, Deutschiland mit .13.127, Polen mit 12.415, England mit 8147, Bestarabien mit 6165, die Tschjecho-Slowakei mit 3755, Holland Mit 3449', Jugoslawien mit 1806 Pfund. Die interte-rritorialezionistische Frauenorganisation hat 1527 Pfund zum Keren Hajessod beigest?uert. Die Ausgaben und Investitionen des Keren Hajessod betrugen bis zun« Bilanzschluß 108.368 Pfund, davon wurden 79.500 Pfnnd für -Investitionen in Palästina verwendet. Für die zu begründende H y p v t.hekenbankin Palästina wirftber Keren Hajessod 100.000 Pfund aus, welche in der Jüdischen Kolvnialbank deponiert werden. Er hat auch die Garantie für weitere 100.000 Pfund übernommen. welche die Jiidische Kolonialbank der Elektrifigiermigsnub Bewässerungsgesell'schaft in Palästina (Projekt Ingenieur Ruthenberg) zur Verfügung stellen. In Palästina hat der Keren Hajessod vvm Hilfsverein der deutschen Juden zwei 'Schulgebäude in Jerusalem um 14.000 Pfund erworben, welche bis 1. Mai 1922 zahlbar sind; die erste Rate von 3000 Pfund ist bereits erlegte Die Zentrale hat ferner 300 Pfund der Misrachi--Organisation für misrachiftische Chaluzim und Kleinhändler in .Palästina zur Verfügung gestellt, ferner 2000 Pfund für analoge Zwecle. Die Propaganda - Ausgaben betragen bisher 6476 Pfund. (Aus diesen Zifftrn ist ersichtlich, baß die Spannung zwischen den gezeichneten und den ein gezahlten Beträgen noch immer sehr groß ist.) Die jüdische Siedlung in Hebron bedroht. Der Jerusalemer Korrespondent der dArw-Aorker .(Jewish Gazette" berichteseinem Blatte über die Lage der jüdischen Siedlung in Hebron und führte unter anderem aus: Die jüdische Siedlung in Hebron ist unter leinem glücklichen Stern geboren. Hebron, die älteste Stadt Palästinas, der gkuheort unserer Erzväter, tzie Stadt, welche mit Jerusalem, Sased und Liberias zu den „Arba Arzoth Hachajim" gerechnet wurde, nahm noch vor 200 Jahren eine bedeutsame Stellung im Hetzen der Juden Palästinas ein, hatte damals ehre ansehnliche jüdische Bevölkerung, währeird zugleich in Jerusalein nicht die Spur eines jüdischen Fußes zu finden war. Aber Hebron hat Lein Glück. Die Blüte des jüdischen Lebens dvrtselbst wurde unterbrochen und entwickelt sich nicht weiter, wie dies in Jerusalem, Sased und Jaffa der Fall ist. Seit langem schon schttnmkt das jüdische Leben in Hebron zwischen Leben hnd Tod, und nun ist es soweit gekommen, daß seine Tage gezählt sind, tvenn ihm nicht ein neues Lebenselexier zugeführt wiH. Die Ursache des Untergangs der jüdischen Siedlung in Hebron liegt darin, daß keine neuen Kräfte, keine neuenEinwanderer hinzukommen, obwohl Hebron vorl hunderten arabischen Dörfern umgeben ist und sich in der Nähe von Ber-Seba befindet, obwohl es ein reines, gesundes Klima besitzt, großen Obstreichtum bat und nahe von Jerusalem liegt. (Die Autoreise dahin dauert ettvas über eine Stunde.) Und doch entwickelt sich dort keinerlei städtische Wirtschaftsform moderner Art, weder Industrie noch Handel, durch welche Hebron gehoben werden könnte und nicht bloß eine Durchreisrstadt für ein paar Stunden zum Zwecke des Gräberbesuches wäre. Bor Kriegsbeginn begann man Versuche, um die jüdische Siedlung Hebrons zu.beleben. Die Anglo- P ale st ine Cv mpan y errichtete dort eine Expvsitur ünd unterstützte jüdischen Handel und Gewerbe und juchte der jüdischen Bevölkerung neue wirtschaftliche Härifante zu geben. Andererseits begründete derLubvwitscher Rabbi eine Jeschitvah, durch deren Frequentanten die Hkbroner Judengemeinde vergrößert wurde. Durch den Krieg ging die Jeschitvah ein und die Anglo-Palestine Company mußte ihre Expositur schließen. So begann der Todeskampf von Hebron. Hebron hat schon deshalb eins gewisse Bedeutung, weil es die erste Stadt in Palästina war, wo sich -i i chte n a zische Inden ansiedelien, als e* eine aschkenasische Siedlung in.Jerusalem und Liberias noch nicht: gab. Die heutige Siedlung in Hebron ist an die zweihundert Jahre alt. Aber die Alten sterben aus und die Jungen sind in alle vier Winde verstreut. Der frühere Direktor der Hebron er Expositur der Anglv- Patestine Company hat aus den Untergang der jrrdifchjen Siedlung in Hebron in der palästinensischen Presse aufmerksam gemacht und einige , Geschäftsunter-- uehmnrlgen in Vorschlag gebracht, welche in Hebron Erfolg haben könnten, so de Errichtung einer Glasfabrik, einer Ziegelei, einer Weberei usw. Durch sic könnte der Stadt neues Leben zugeführt und damit auch die alte jüdische Siedlung erhalten bleiben. Große Spenden für den Zaar Anstria. J»r drn letzten Taym wurden für den Jaar Austria, der nunmehr endgültig als Kolorriewald der Kolonie O e st e r r e i ch nMiirleßt. rve.den soll, eine Re'che größerer Svendru beim Jüdischen NatiunaliondL,!!., Taborstraße 59, erlegt. Besonders bervorznheben ist eine neuerliche'Ueberwnsüng durch H<r rn Dr. Rieß, Wien, VIII,, der Höhe von fast K 11.000, ourch die der Dr Rieß-Hain im Jaar Austria ans über! 10V Bäume gebracht wurde. Die Sammlung wird fortgesetzt. K lo.OoO spendete Herr Julius Flaschner, Wim. XVIII., zur Tti tung eines Gartens von 100 Bäumen auf Namen seines Vaters W/thclm Flaschners, K 10.000 übergab Herr Josef Hirschfeld für einen Garten »Depositenbank" iw Harn zionistischer Bankbeamten, L 10.000 spendete ein Mitglied'des Aktions- Komitees anläßlich der ersten Weltkonscrcnz des Jüd scheu! Nationalfonds in Karlsbad, K iü.OGO die Firma B. & B , (curcb den Beznkskommrjsar Ellbogen, Wien, ferner ücsergab meck. Verständig über 31.000 als Ergebnis einer S a m m l « » g für den Dr. Rieß-Hain Bei dieser Gelegenheit werden alle Sammler und Spender neuerlich gebeten, die begonnene» Gärten möglichst rasch zu komplettieren, da ab 1. Oktober Baumspeudenunter K 500 nicht mehr entgegengenommen werden könnten. Die erste Lemberger Oftmeffe. Man meldet uns: An: 25. d. M. wird die erste Ostmesse in Lemberg eröffnet. Auf dem riesigen Messegelande wurden zwanzig .Eisenbetonhallon und Pavillons errichtet. Sämtliche Industriezweige werden in 26 Gruppen repräsentiert sein? In Berücksichtigung des Charakters des Landes sowie der - östlichen und siidlichen Nachbarn hat die Messeleitung auf die landwirtschaftliche Abteilung besonderen; Wert gelegt. . Das große Wettpflügvn mit Dampf--- und MoimpstLgön svtvie die Demonstrierung aller landwirtschaftlichen Maschinen im Betriebe wird den Landwirten ermöglichen, die neuesten Erru-ngvrftchaften auf diesem 'Gebiete.kermsn zu lernen. Die Aussteller repräsentieren folgende Länder: Polen, Oesterreich', Frankreich, Danzig, Ungarn, Tschechv-Slowakei (im eigenen; Pavillmr), Deutschland. Einläuferanmeldungen sind überaus zahlreich. Die Sowjetrepublik entsendet zu den ersten O st m e s s e n offizielle Vertreter sowie Delegierte ihrer Kooperativen. Die Kaufmannschaft des Westens sowie Rumäniens, Bulgariens, Jugoslawiens und Griechenlands hat i« großer Anzahl ihre Ankunft angemtzlbet. Spezielle Züge ab sämtlichen Grenzstationen. Paßekleichterungen, eigenes Zollamt am Messegelände, tvelches die Verzollungen an Ort »md Stelle vornehmen wird, Nadiv-- stativn, Bankexposituren am Ausstellirngsplatz usw. werden den Transport mid die Kommunikation erleichtern. Die feierliche Eröffnung der ersten Ostmesst erfolgt am 25. b. M. in Anwesenheit des Präsidenten Pilsudski, sämtlicher Minister, der Mitglieder des Landtages, der Vertreter sämtlicher Staaten, von Repräsentanten aller Behörden und Hochschulen, der Stadt, der Handels-- und Geirervekammer und andere«. Der Dank des christlichen Kurses an die jüdische« Patrioten. An der Uudapester Universität ist die erste Phase der Inskriptionen, wie uns von dort gemeldet wird, bereits abgeschlossen. Die Rechtfertigungskoinmissionen haben ‘ ihre Arbeit beendet. Das Verfahren war heuer bas gleiche wie im Vorjahre. Jeder Student hatte seinem JnfkriptionsgesuchL auch ein politisches ZVohlverh altungszeugnis beiz ulegen, burch welches bestätigt werden sollte, da ß er während der Räteherrschaft keinerlei antinattonale Tätigkeit entfaltet hat. Der Rum erus clausus hat auch diesmal seine Opfer gefordert. Nach einer öffiziösen Aufstellung wurden an der medizinischen Fakultät 400, an der philosophischen 71, an der pharmazeutischen 49 und am Polytechnikum 550 Gesuche abschlägig erledigt. Auf der juristischen Fakultät dürfen nur $ Pro zent der Hörer Juden sein. Als Jllustrationsfaktum dafür, wie her christliche Kurs seine Dankesschuld den Juden gegenüber erfüllt, verzeichnet Mag" tat folgenden Fall: Am 2. Mai 1919 ist in Wy-ngySS die Vegenrevvl>^iorl ausgübvochsn. an deren Spitze Hauptnrauu Ladislaus Ci.i pietz und der jübiM Kaufmann Ignaz Welt st^ldsii. Nachdem die Rote» die Gegenrevslutvon niedergebrochen hatten, wurden Cfipkey und Welt vom RevolutivnStribunal zum Tode verurteilt und' gehenkt. Nach dem Zusammenbruch der Kommune hat die M. O. B. 'E. (Ungarische Landesschutzliga) bas Andenken diestr beide»« Patrioten durch' eine Gedenktafel geehrt. Die dankbare Nachwelt hat diesen Märtyrer des jüdischen Patriotismus offenbar vergesset, denn der Sohn des Ignaz Welt, Artur Welt, der das katholische Gymnasium in Gyönghös mit Vorzug äbsotvierte, und sich der landwirtschastlichen Laufbahn widmen wollte, wllrde von der landwirtschaftlichen Akademie in Debreezin als Jude der Aufnahme in diese Anstalt it n w urdi g befunden. Wettfahrten der Auswandererschiffe- Die Folgen de- QnvrengesetzrS. Aus New-Iork wirb uns gesch'riebvn: Das sogenannte Ouvtengesetz, auf Grund dessen die Zulassung von Au § w a n d er e r n nach einom> beftumn^n Schlüssel für jede Nation bestimmt wird, hat, da die Quotenziffer allmonatlich festgestellt wird zwischen den Dämpfern, welche hauptsächliche AuZlvandever nach Aärerika bringen, ein wahres Wettfahrsn verursacht, weil jeder Dämpfsr, besonders gegen Ende des Monats noch' rechtzeitig aukonrmen will, bevor die Q'note für die Nation, welcher die Passagiere des Dampfers angehören., erschöpft erscheint. Bezeichnend ist, daß Ende 'August i-n einer solchen Wettfahrt ztvischen einem frartzösischen und englischen Danrpfer der französische inh Hintertreffen blieb und daß der Kapitän des französischen Schiffes bei seiner Landung die Schuld feiner „Niederlage" der preußischen „Reparationskohlc" zuschrieb, mit welcher der Danlpfer geheiz-t wurde. Welche Verwirrung übrigens diese auf die Dauer unhaltbare Oüotenwirtschaft anrichtet, zeigt, am besten der jüngste Vorfall in Polen. Da hat das Ministerium des Aeußerrr die- Ausfolgung von.Pässen nach Amerika mit der Begründung eingestellt, daß laut Mitteilung des arnerikanischerl Konsulats die für polnische Einwanderer festgesetzte gesetzliche Norm bereits Äberschritten sei. Das Warschauer amerikanische Konsulat verlautbart, daß sich diese Feststellung als irrig erwiesen habe und noch e i ni.ge tausend Emigranten, wenn sie sonst den Einreisebedingungen entsprechen, zugelassen werde» könnte;!, ergab sich nämlich', daß erstens ungefähr dreitausend. fPersonen, welche das amerikanische Visum erhielten, on den» selben keinen Gebrauch machten intb nicht ans - wal'derLen, zweitens viele Emigranten, welche als polnische Staatsbürger gezählt wurden, bei ihrer Landung in Amerika als russische Staatsbürger gebucht und auf das Konto Rußlands gesetzt wurden, drittens eine große Anzahl Frauen und Kinder, die ihre.:' Gärten, beziehungsweise Vätern nach Amerika nachfuhren, in Polen auf Konto der Prvzentnvrm gebucht, in Amerika aber nicht zur Last dieser Prozentnoru»- gezählt wurden. In ainerikanischen Kreisen der Gegner der Einwanderungsbeschränkungen ist man der Ueberzeugung, daß die Praxis alsbald' die Undurchführbarkeit des komplizierten und zu vielen Ungerechtigkeiten führenden Eurwanderungsgesetzes ertveisen und die Aeuderung der Bill noch vor Ablauf ihrer Gültigkeitsdauer herbeiführsrr wird. Wiener Messe. Di« Geschästsabschlüffc. Ueber die bisher bei der Wiener Messe ab ge-, schlvssenen GeschÄfts läßt sich nur schwer ein Ueberblick gewinnen, da eins sehr große Zahl von Geschäftsabschlüssen noch nicht beim arntlichen Messedienst angemeldet wurde, andererseits aber in den einzelnen Branchen voneinander sehr ab weichende Resultate erzielt wurden. Soweit man diese bisher beurteilen kann, haben namentlich die Papier-, die Ledergalanterie--, die Schuh-, die Maschinen-^ Metall- und Elektrizitätsin dustrr e sehr erfolgreich' gearbeitet — diese Industrien konnten in den letzten Tagen vielfach nur Aufträge, auf lange Lieferfrist annehme-n — aber auch die Konfektions- und Wüscheiudustrie, das Kunstgewe. rbe, die G l a s-- und To ir waren Industrie ist mit den erzielten Erfolgen im allgemeinen sehr zufrieden. Weniger befriedigt ist rnan in einzelnen anderem! Branchen. Eine wirkliche genaue Uebersicht über den Erfolg der Wiener Messe wird sich wohl erst einige Tage nach. Wschluß derselben geben lassen. Schluß der Wiener Messe. Samstag um 6 Uhr abends. Di: W ener Jniernotivoale Mostermuffe wird ötfiit'.ttv;«< jüiarUciji« Gcbäuden, und 4ttau Rowudr, Mch'rpalsst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.