Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 946 (14.9.1921)
- Date
- 1921-09-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sekte 2_ Men. W^ner MsrgenzerLüng 14. Sepremoer l921 Nr. 9M J Die Pflichttreue der Delegierten ist, musterhaft. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle noch hier und folge« mit regster Aufmerksamkeit den Erörterungen im Plenum und in den Ausschüssen. Das Schützenhaus ist noch immer überfüllt und an den Abenden, die schon recht kühl geworden sind, Kanu man kaum " ein freies Plätzchen finden. Die vom Kongreß angenommenen ' Resolutionen der Keren-Hazefsod-Kommisfion, die am Montag abends in der XXl. Sitzung, von dem Referenten Dr. Artur H an d tk e ootgelegt und vom Haufe beschlossen wurden^ lauten: Die Zertifikatinhaber des Keren Hajeffod eines Landes oder, einer Ländergruppe mahlen Vertreter in den C o u n e i l des Keren Hajeffod. Die Zahl der Vertreter eines Gebietes wird bestimmt nach der Höhe seiner Beitragsleistung, indem die an das Direktorium überwiesene Geldsumme in der Landesvaluta durch den für das betreffende Gebiet bestätigten Min imalb eitrag geteilt wird, der zur Ausstellung eines Zertifikats erforderlich ist. Bei der Wahl eines Vertreters eines Landes in dem Council hat jeder Zertistkatinhaber eine Stinune. Das Direktorium des Keren Hajessod soll aus sechs bis zehn Mitgliedern bestehe», von denen die eine Hälfte auf Grund einer P r o p o r t t onal w ah l vom Council, die andere Hälfte von der Exekutive der zionistischen Organisation zu bestimmen ist. Die zionistische Organisation und der Council haben das Recht, die von ihnen ernannten Mitglieder des Direktoriums abzuberufen und zu ersetzen. Der Council wählt auch die Z e n t r a l Kommis s i o it, die aus zehn Mitgliedern bestehen soll, denen das Recht zusteht, jederzeit die Tätigkeit des Direktoriums zu prüfen und über das Ergebnis dem Council oder der Oeffentlichkeit zu berichten. Bis zu dem Zeitpunkte, wo die Zertifikatinhaber organisiert sind und den Council gegründet haben, soll die zionistische Organisation provisorisch alle Stellen des Direktoriums besetzen und provisorisch einen Teil oder alle Mitglieder der Kontrollkommission ernennen. Der Zusammentritt des Councils soll Ende 1922 eingeleitet sein. Die vom Direktorium des Keren Hajeffod befchloffenen Arbeiten und Unternehmungen in Palästina werden durch die zi o n i ft isch e O rg a n i s a ti o n durchgeführt. Die Verwendung der Mittel des Keren Hajeffod wird dahin festgesetzt, daß, abgesehen von den dem JüdischenNationalfonds reservierten20V», 50V. für nationale Anlagen, und das regelmäßige Palästina-Budget und 30V» für wirtschaftliche Anlagen verwendet werden sollen. Der Keren Hajeffod ist durch Abgabe von Vermögen und Einkommen auf Grundlage des Maaffer vufzubringen. Das Direktorium soll nach Anhörung des Landeskomitees des Keren Hajeffod bte Ausführungsbestimmungen festsetzen und hiebei ein maässersreies Minimum bestimmen, um die individuellen Verhältnisse zu berücksichtigen. Der zwölfte Ziouistenkowqrsst wendet sich an das ganze Mische Volk mit der Aufforderung» durch den Keren Hajeffod die Grundlagen für den Anfba« der jüdischen Heimstätte i« Erez Israel zu legen und den Keren Hajeffod z» einem allgemeinen jüdischen Fonds zu machen. Der Awölfte Zionistenkongretz erklärt die Erfüllung der Maaffer-Forderung für die Obligatorische Pflicht jedes Zionisten. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, Maßnahmen zu treffen, um die Beschlüsse wegen der M a a s s e r l e i st u n g in der zionistischen Organisation zur strengsten Durchführung zu bringen und alle erforderlichen und geeigneten zionistischen Arbeitskräfte für den Keren Hajeffod zu mobilisieren. In der Sitzung wurde noch folgender Antrag Dr. R o f e n b l ü t h s angenommen: Der Kongreß spricht seine Meinung dahin aus, daß Zionisten, die ihrer Maafferpflicht nicht Nachkommen, keinerlei Ehrenämter in der zionistischen Organisation bekleiden dürfen. Ferner wurde heute nachmittags noch folgender Antrag nach der Erledigung des Budgets angenommen: Das Direktorium oes Keren Hcheffod, beziehungsweise die Exekutive der zionistischen Organisation ist ermächtigt, von dem Keren - Hajessod-Eingang des nächsten Jahres zunächst das regelmäßige Budget zu decken und erst dann alle weiter einlaufenden Beträge für die übrigen Verwendungszwecke des Keren Hajeffod zu reservieren. Die Annahme dieses Antrages erfolgte mit 68 gegen 48 Stimmen. . Außer dem vom Hause zum Beschluß erhobenen Palästina-Budget wurde auch das .Budget der Londoner Zentrale angenommen, welches eine monatliche Ausgabe in der Höhe von 2860 Pfund gleid} 34:200 Pfund jährlich i vorsieht. Dieses Budget wird folgendermaßen spezifiziert: Gehalte 2100 Pfund, Subventionen 160 Pfund (110 Pfund monatlich für das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris), sonstiges Bureau 390 Pfund, unvorhergesehene Ausgaben 200 Pfund, insgesamt 2550 Pfund. Am Abend begann die Sitzung nach 10 Uhr. Dem Kongreß liegt eine Menge Resolutionen der Subkommission für das Intmigations wes e n vor. An deren Spitze befinden sich die folgenden Forderungen: 1. Der XII. Zionistenkongreß fordert die freie und uneingeschränkte Einwanderung der Juden nach Palästina als die wichtigste Vorbedingung zur Erreichung des jüdischen nationalen Heims. 2. Die Regulierung der jüdischen Palästina-Wanderung im Einklang mit dem Streben des jüdischen Volkes nach Palästina und den wachsenden Entwicklungsmöglichkeilen des Landes hat durchdie zionistischeOrganisation im Einvernehmen mit der palästinensischen Regierung zu geschehen. Unter den Delegierten des Kongresses befindet sich eine dreigliedrige Abordnung jüdischer Bauern aus Transsylvanien, welche sich mit dem Direktorium des Jüdischen Nationalfonds in Verbindung gesetzt haben und den Abtransport von 300 Familien nach Palästina verlangen. Es sollen in diesem Jahre zunächst zwanzig Familien abgeschoben werden. Die Bauern erklären, daß sie Vieh, Inventar und Futter mit führen und auf jede Subvention durch die zionistische Organisation verzichten. Sie wollen alle auch die Einrichtung des Schulwesens aus ihren eigenen Mitteln bestreiten. Sie verlangen nur die Ausbringung des nötigen Bodens. Der Jüdische Nationalfonds wird eine Aktion in Amerika für die notwendige Unterbringung der Bauern in Palästina einleiten. Die Debatte über den Keren Hajeffod. XIX. Sitzung. Vorsitzender Mozkin. Die OrganisationsOebatte wird fortgesetzt. Nach Beendigung der Abstimmung verliest der Referent Dr. Märgulies die folgende Zn-, schrift des provisorischen Ausschusses des Gesamtverbandes der zionistischen Beamtenschaft: 'Dir Gefertigten stellen das hölliche Ersuchen, dem hohen Kongreß folgendes zur Kenntnis m bringen: In der Versammlung vom 8. d. M-, welche von Beamten der verschiedenen üvmstischrn Organisationen und Institutionen zahlreich beschickt war, wurde die Gründung eines „Gesamt» Verbandes der zionistischenBeamten* be» schloffen. Der Verbind hat die Vertretung der Interessen der zionistischen Beamtenschaft zmn Zweck- DieRrgrlung ihrerStelluna rst rm eigenem Interesse der zionistischer Organisation selbst gelegen. Der brshm-e Zustand, wonach die B-etätigmrg als zionistischer Beamter für bte meisten eme Episode, nicht aber Lebensberuf war. ist angesichts der.^rvßen Aufgaben, weiche die zionistische Organssation beim Aufbau Erez Fisracls z« erfüllen bat, unhaltbar geworden; denn der ewige Beamtenwechsel stört die nötige Kontinuität der zionistrsche« Arbeit aufs empfindlichste. Eme Aevderung dieses Zustandes ist nur denn möglich, wenn planmäßig für die Schaffung eiuec ständigen, tüchtigen Beamtenschaft gesorgt wird, welche ihre Stellung als Lebmsbernf auffaßt. Um dirsrs Ziel r« erreichen, erscheinen folgende Maßnahnrrn nötig: 1. Die planmäßige Vorsorge für die Heranbildung und Fortbildung der zionistischen Bmmtcn. 2. Die Besoldung aller hanpthrrufüch tätigen zionistischen Beamten, der Abschluß formtller Dienstverträge mit ihnen nach einer gewissen Probezeit auf Grund von Gehaltsskale» und die Regelung der Pensionsberechtigung. 3. Dre Betrauung der OrganisattonS» bevartemmtS der zionistischen Exekutive mit der Evidenzhaltung aller zionistischen Beamten and ihrer Dienstverhältnisse. Diese Stelle hat auf die Vereinheitlichung der Dienstverhältnisse unter allen zionistischen Jnstilutionen hinmwirken. Der Kongreß wird ersucht, diese Erklärung zur Kenntnis u nehmen und zu beschließen: „SDie zionistische Exekutive owie alle zromsti'chen ffnftnutione« haben sich mt Durchführung der (obigen) Vorschläge des GesamtvervandeS der zionistischen Beamtenschaft «it dessen Ausschuß ins Einvernehmen zu setzen." Der Referent beantragt, den Inhalt her Zuschrift zur Kenntnis zu nehmen, lieber Antrag Ko llensicher wird beschlossen, von der Exekutive die Vorlage eines Beamtenrechtsentwurfes an die .nächste Jahreskonserenz zu verlangen. Delegierter Doktor Krämer beantragt, , daß alle Beamten stellen im Konkursweg ausgeschrieben und ihre Besetzung öffentlich Lekanntgegeben werde. Delegierter Salzmann beantragt, baß alle Beamten hebräisch zu sprechen haben. (Großer Lärm.) Delegierter Y^llin: Sogar Herbert Samuel hat hebräisch lernen müssen. Delegierter Scheinkin: Me Einwanderer in Erez Israel sprechen nach einem halben Jahr hebräisch. Die- Anträge werde« angenommen. XX. Sitzung. Dr .Handtke referiert über die Anträge der Zseren-Hajessod-Kommission. Nappaport (Misrachi): Der Kern»; Hajessod'' hat im Volke sticht bin Unklang gefunden, wie.eszn erwarten war. Mchasser wird wohl kommen, aber täuschen Sie sich nicht — der jüdische Kaufmann wird nicht zehn Prozent' seines Geschäftes flüssig machen, um Maasser zu zahlend Wir dürfen keine Wortpolitik treiben, sondern, müssen uns auf die realen Tatsachen einstellen. Man hätte das religiöse Gefühlsm om ent zu wenig beachtet. (Beifall rechts, RW links: Sprechen Sie vom Keren Hajessod!) Der Zionismus hat die Religion zur Privatsache gemacht. (Unruhe, Gelächter, Rufe: Schluß! Schluß!) Wer uus nnniöglich macht, das sind die zionistischen Führer, die alles mit Füßen treten. (Lärm. Große Unruhe. Ru^: Lüge! Schluß!) Wir verlangen Freiheit und Toleranz. (Rufe links: Richtig!) Die letzten Worte des Redners gehen rm Lärm unter, Herr Fischer: Mein Standpunkt in der Keren- Hajessod-Frage nähert sich in der Frage der Investitionen der sogenannten amerikanischen > Anschaltung. Dr. Ringel: Das Problem des Keren Hajessod ist zum Zentralproblem für den Wiederaufbau Palästinas geworden. Die Agitation für/den Keren Hajessod ist zu regeln. Ich bin der Meinung, daß,- wenn wir auf den Maasser warten, die Eingänge sehr gering sein werden. Ich schlage daher vor: Bei den jüdischen Gemeinden gibt es seit Jahrhunderten fromme Stiftungen, die nicht mehr aktuell sind, die bei den Regierungen verschimmeln. Der Keren Hajessod soll ein Archiv aller Stiftungen der Mischen Gemeinden anlegen und trachten, dje Stiftungen in den Keren Hajessod überzuführen. Man müßte auch Mäzene, Stifter für Bibliotheken,, Museen, Schulen usw. zu finden wissen. Redner appelliert an die jüdische«. Frauen, ihren Schmuck zu opfern und dem Kleiderluxus zugunsten des Keren Hajessod zu entsagen. (Beifall.) Er legt eine in obigem Sinne gehabten^ Resolution vor. Redner hält es ftir verfehlt, daß.inan die Idee der Volks an leihe fallengelassen hat und bringt eine Resolution vor, in welcher die Exekutive aufgeArdert wird, die Sache zu studieren. Redner denkt, daß die jüdischen Gemeinden die Garantie tzeZ Zinsendienstes übernehmen sollen. Der Vorsitzende stellt den Antrag zur Abstimmung. Julius Simon: Ich bedaure, daß die Keiken- Häjessod-Debatte erst heute zur Sprache kommt urch verwahre mich gegen die vorgeschlagene Drosselung dev Debatte. Naiditsch erklärt, daß das Keren-Hajessod- Direktorium für Redefreiheit ist. Vorsitzender stellt trotzdem den Antrag. zur .Abstimmung. s Schluß der Debatte wird mit 84 gegen, 72 Stimmen angenommen. Unruhe. Die .Abstimmung wird bezweifelt. Mozkin schlägt vor, daß in .Anbetracht der geringen Majorität die Debatte noch eine halbe Stunde fortgesetzt werde. (Atigenommen.) s Kaplanski: Es erscheint nötig, die Direktoren des Keren Hajessod durch dnr Kongreß wählen zu lassen, um ihnen größere Autorität zu verleihen. In bezug auf die Gellbverteilung kann rnan einverstanden sein, doch müsse die Verantwortlichkeit der Direktoren gegenüber dem Kongreß festgestellt werden. Wir sehen im Keren Hajessod eine große Hoffnung für Palästina. Es ist aber nötig, baß der Keren Hajessod den Wünschen und Bedürfnissen der jüdisch en Arbeiter Rechnung trage. Wir begrüßen die Erklärung, daß das Direktorium des Keren Hajessod der Arbeiter bank 10 0.000 Pfund Vorstrecken wird. (Beifall.) Dr. Hoffmann: Wenn in dieser schweren Stunde die Opferwilligkeit des jüdischen Volkes versagen würde, wäre die Balfour-Deklaration ein leeres Papier. Das Direktorium des Keren Hajessod müßte das Vertrauen der religiösen Bevölkerung zu gewinnen trachten. Ich appelliere an die Exekutive, die begonnene Verständigung zu fördern. Schassen Sie in Palästina eine wahrhaft jüdische Atmosphäre, und Sie werden sehen, daß die Orthodoxen in Schären zu uns stoßen werden. Ich habe, in den breiten Volksschichten die Bereitschaft vorgefunden, für den Keren Hajessov beiMtragen. ' 1 Redner legt int Namen der Misrachi .folgende Resolution vor:! In den von der zionistischen Organisation erhaltenen Institutionen ist im öffentlichen Leben anf: Sabbatruhe und Kaschru t h zu sehen, andernfalls ist die Unterstützung zu entziehen. (Rufe links: Schluß! Schluß! Abzug!) Beifall rechts.) Redner erklärt, daß die Misrachi ihre Unterstützung des Keren Hajessod von der Annahme dieser Resolution abhängig machen. (Lärm.) S im o n nimmt das Wort zu einigen prinzipiellen Fragen. Gr erklärt, auch im Namen de Limes zu spreche«. Er erklärt: Durch die, Vorschläge GÖotto-1 HandtkeA verzichtet die zionistische Organisation eich- H., PratWStniSM Nfi 9 «MMN »•# rsiohliaHle« Lager von Seal-, " Eflgros-Abteilmg: .«und HUtlMntBllI SOWifl MtpSlM U. FfilZSSkkOS Hm Pf<ltftf$tf8SS6 11 . -.Blau-,Polar-u.Mask&'FQohsen B$7D