Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 946 (14.9.1921)
- Date
- 1921-09-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis 2B Kronen fff”«11"1"1 ■■ .. pränumerntionspreise >m> i c lt: Zum '.'ibliultn in tei Cxpcdiilo», 2. Äk-Irk, Taborllrahr 1 biv 3, oder lit rinn i’crltli^ciftfuilc (Sraftf): Monatlich. Krönet« 13«.— Mit Postversand für Wien und Oesterreich: Monatlich . Kronen 180.— Tschechv-Slowakei: Monatlich . . Kronen 18.»- ^iertrljahrlich , L4.— in tlchecho-ilowakischn Währung «tngaru r Monatlich. Kronen 70.— «Uterteljälirlich . tfltt.— in unkiarijcher Währung Jugoslawien: Monatlich. . Dinar 18.— <.rsrtei tuhrltch „ UV,— KONGRESS-AUSGABE Einzelpreis 2 tsch. Kr »IIWAUi. t«>M» Pränumerationspreise; Pole«: Monatlich. . Mark MOr« in polnisch« ilSWmnß _ Deutschland: Monatlich. . . Mark HU* _ Frankreich: Monatlich. . . gttuti Italien: Monatlich.... pßre 0»— _ Nnniiinikn: Monatlich. ... Lei D6— Schweiz u. daübrige AuRland Monatlich . . . Ar-ane» Redaktzonu.ALurinistrirttoa Wien, S.« ez., Taborstr. 1—S Telephone: 4402«, 4SS1S ai» « Uhr abendS Sir. loSttl Vostsparkasientonto 1L0.6A Ar. 946 MwwMPiMawwiiiMiii mi i, i io7mmKammmmmmmemKam0ßmammmmmmmKmamaaammammmaammmm^aartmmta^memmmmQtammmaBBm Wien, Mittwoch den 14. September 1921 3. Jahrgang Von 'unserer Karlsbader Redaktion. K a r l s b a d, 12. September. (Infolge der Tclephonslöruu.-, berjpätet.) Die Situation des Kongressesist bis zur Unentwstrbarkeit zerfahren. Es find drei Krisen entstanden, deren jede einzelne genügen würde, den Kongrest in Atem zu halten. Es besteht eine Krise d cr. Leitung, , eine Jakotinsky-Krise und eine politisch-religiöse Krise. Es sei zunächst eine historische Darstellung der Vorgänge versucht,, die alle in den Kommissionen spielen, deren erste und schwerste Folge aber die ist, daß seit gestern das Plenum vollständig ins Blaue hinein berät.. Der Permcmenzausschust hatte seit gestern nachmittags, um die Kräfteverhältnisse - genau festzustellen, über alle zur Wahl in die Leitung vorgeschiagenen Personen eine Probeabsüinmung durchgeführt, welche zur Einigung auf die folgende Liste für. die.Exekutive führte: Lo n d o n e r Exekutive: Weitzmann, Sokolow, Iabotinsky, Cowen, Min. Solowejtschik, Kurt BlumeMld. Palästina: Professor , Pick (Misrachi), Aronochicz, Ruppin, Ussischkin, Dr. Eder, Dr. Aosenblätt.ft Cs waren also Halpern, Dr. Lichtheim und' der/Misrächi-Kandidat Herr Berlin unterlegen. Herz, Iabotinsky, der die lebten Tage sich reserviert.MHalM'Mj^ zvtz nun aus Muer Nonnnierung die KostsHuMz, s'W ec.wieder hewottrat und die L -e g i d n s f rWss^H^r^ man auf allen Seiten ein,ehreft.volles. Begräbnis„bellten wollte, in. die Diskussion .warft -Es saüh >'inx.Sitzung der. Leitung statt, in ' welcher ' itt Ä b w e s e n h e i t R.u p p i n s und Ussisch k i n s, der' . beiden schärfsten Gegue.c der Legion, beschlossen "wurde, von der politischen 'Kommission die Bestätigung des ■ Prager Beschlusses über ' die Aufstellung der Legion zu verlangen./Doch soll dieser Beschluß im Geheimnis des Kömnüffionszimmers bleiben und deyr Plenum des Kongresses nicht mitgeleilt werden. Dieser etwas sonderbare Vorgang rief nun die größte Erregung auf seiten der Gegner des Legionsgedankeys hervor. Dr.. Btt b e r protestierte und kündigte an, daß seine Partei nunmehr die ganze Sache vor das Plenum des Kongresses bringen und nach einer Deklaration ihres Standpunktes den Kongreß verlassen werde. Fast zur gleichen Zeit war in der Palästina- Kommission von den Misrachi unter geschickter Ausnutzung einer Zufallsmehrheit der Beschluß durchgedrückt worden, daß die Arbeiterküchen in Palästina, wenn sie nicht rituell geführt würden, aus öffentlichen Mitteln nicht subventioniert werden dürfen. Beide Beschlüsse kamen vor den Permanenzausschuß, der nun nach einer scharfen Debatte erklärte, es sei eine völlig neue Situation geschaffen worden. Der Ausschuß, der bereits in die Beratung über die Liste der Aktionskomiteemitglieder eingetreten war, sah sich außerstande, seine Arbeiten sortzusetzen, und griff auf den in der „Wiener Morgenzeitung" vom Abgeordneten Stricker gemachten Vorschlag zurück, von dem designierten Präsidenten der Organisation Herrn W e i tz mann die Vorlage einer Kabinettsliste zu verlangen. Zu allem kamen noch die Misrachi. die die Ablehnung ihres Exekutioekandidaten Herrn Berlin sehr peinlich empfanden, und forderten kategorisch die Wiederholung der Abstimmung. . Auf das Plenum hatten diese Vorgänge eine sehr tiefe Wirkung. Schon gestern war es infolge der Abwesenheit aller Parteiführer, die in. den Kommissionen sestgchaltcn sind, zu einer Verwirrung gekommen. Die Abstimmungen über die Vorlage des Organisationsausschusses, betreffend das neue O r g a n i s a t i o n sstatut die Bezeichnung „Verfassung" hatte man lallen gelassen -*• kamen nicht vom Fleck. Da die Linke und die Rechte geschlossen vorgingen, wurde dcr Block der allgemeinen Zionisten konsequent ui.'dcrgcsümmt. Schließlich verließen gegen 12 Uhr nachts die Mitglieder den Saal. Der Obmann des P^mauenzausschusses Abgeordneter Stricker rettete die Situation und erjuÄte den Kongreß, die \ | Beratung abzubrechen. Die Sitzung wurde also geschlossen. Heute begann um 12 Uhr mittags die XIX. Sitzung. Es ergab sich, als man die Abstimmung fortsetzen wollte, daß einige der Bestimmungen noch nicht verhandlungsreif waren, und zwar jene, die sich auf die Zahl und Kompetenz der Leitung bezogen. Man wußte ja nicht, in welcher Art der Permanenzausschuß die Leitung zusammensetzen werde. Die restlichen Bestimmungen wurden im großen ganzen gemäß den Verschlagen des Organisationsausschusses angenommen. Als dies geschehen war. benützten einige Delegierte die Gelegenheit, ihre Anträge dyrchzübringen. Es wurde beantragt'und beschlossen, daß die Mitglieder der Exekutive, daß die Beamten hebräisch sprechen mühten usw. Die Demonstrativanträge der Linken aus Berücksichtigung des Jüdischen wurden abgelehnt. Es gab Lärm und Aufregung. Die Ruhe trat erst wieder ein, als man zur Debatte über die Anträge der Keren- Hajesiod-Kommiffion überging. Herr F e i w e l leitete die Aussprache ein und am Nachmittag hielt Doktor H a n d t k e sein Referat. : , K.a r l s b a d> 3,3. Septembers ' Der K t x-t-n H a j uftb das e r ft e/ o r d e n t bi ch e B u d ge t. sind unter Dach . und Fach .. / :■••,:/ Mit ■ schöner Einmütigkeit' hat der Kongreß die äußere 'Organisation des Ausbaufonds festgestellt und die alte Volkssteuer des Maaffer als obligatorisch erklärt. Alan hat gleichzeitig die Uebernahme eines Ehrenamtes' in der zionistischen Organisation an die Erfüllung der Abgabepslicht gebunden. Der Kongreß setzt große Hoffnungen in die Wirkung seiner Beschlüsse. Die Erledigung dieser Frage erfolgte gestern nachts und der Kongreß trat sofort in die Beratung des Budgets ein, die er heute vormittags unterbrach, um zu den Anträgen der Misrachi Stellung zu nehmen, die darauf hinüusliefen, daß keine Institution in Palästina gefördert oder unterstützt werden dürfe, die nicht den Forderungen der Tradition entsprechend geführt werde. Es kam wieder zu einer erregten Auseinandersetzung. Alle Parteien machten mobil und der Antrag /der Linken auf Uebergang zur Tagesordnung führte zur ersten großen Kraftprobe. Es wurde namentliche Abstimmung vorgenommen. Die ganze Exekutive war anwesend und stimmte, geschlossen — auch Iabotinsky — für die Misrachi. Das Resultat der Abstimmung war. daß mit 155 gegen 144 Stimmen der Uebergang zur Tagesordnung beschlossen wurde. Eine stürmische Applaussalve auf der Linken und erregte Ruse auf der Rechten waren die nächste Folge. Die Misrachi ließen sofort durch Herrn Struck die Erklärung abgeben, daß sie das Budget ablehnen und auch die Mitarbeit am Keren Hajeffod einstellen. ......... Die Herren Weitzmann und Sokolow bemühten sich, den Brand zu löschen, und leiteten eine V e r m i t t l u n g s a k t i o n ein. Am Nachmittag führte man die Budgetdebatte durch. Der .Kongreß ist durch die. schwere Arbeit, die hinter ihm liegt, so übermüdet und überreizt, daß es unaufhörlich zu Explosionen kommt. Herr Halpern, der das-Referat führte und stundenlang auf der Tribüne stand, geriet durch die sich häufenden Mißverständnisse in Zorn und legte vor dem offenen Hause das Referat nieder, ließ sich, jedoch Meder besänftigen« Der stärkste Konflikt ergab sich beim Kapitel S ch u l w e s e n im Palästina-Budget. Der Referent. hatte 90.000 Pfund beantragt, Herr Mossinsohn verlangte 100.000 Pfund und drohte mit einem Streik der Lehrer. Herr S-i m o n replizierte, daß diese Drohung schon einmal gegenüber der Reorgänisationskommission ausgesprochen worden ' sei und daß Herr Mossinsohn den Lehrern damals rnm Streik geraten hecke,. doch hätten » - die Lehrer es damals abgelehnt, eine derart verräterische Handlung zu begehen. Herr Mossinsohn antwortete mit dem Vorwurf der Unwahrheit. Die Abstimmung, die Satz für Satz vorgenommen wurde, ergab den Sieg der Kommissionsa n t r ä g e, doch wurden Erhöhungen außerhalb des Budgets beschlossen, für deren Aufbringung die neue Leitung zu sorgen hat. Die Misrachi bewiesen ihre opositionelle Stellung dadurch, daß sie gegen jeden Punkt des Budgets stimmten, sie blieben aber! überall in der Minorität, auch dort, wo sie die 600 Pfund für das orthodoxe Lehrerinnenseminar bekämpften. Die neue Leitung ist noch immer nicht gebildet.' Die gestern ausgestellte Liste besteht nicht mehr. Die Herren B l u m e n s e l d und S ö l owejtschik haben erklärt, keine Berufung annehnien zu wollen, und matt wird wahrscheinlich die a lt e Ex e k u t i o e wiederwählen. Der Permanenzausschuß mußte feine ganze Aufmerksamkeit der I a b o t i n s k y - F r a g e widmen, in der die Gegensätze heute durch ein Kompromiß befestigt wurden. Die angenommene Formel beauftragt die Exekutive, Mittel und Wege zur S r ch e r u n g von Leben und Eigentum der Einwanderer in Palästina zu ergreifen.' Die Vermittlungsaktion zwischen f der Rechten und der Linken bezüglich der Jnstitutioneir in Palästina' wurde gestern in die Wege geleitet. Am Schlüsse der Nachmittagssitzung, als die Abstimmungen über das Budget vorbei waren, ergriff O b e r r a b b i n e r D r. C h a j e s das Wort zu eurer Erklärung, in der er sagte: Heute mittags hat mich ein italienischer Freunds der dem Kongreß zum ersten Male beiwohnte, gefragt, ob ich in meinen Kongreßerfahrungen ein ähnliches Bild in Erinnerung habe^ Ich sagte: Ich habe Uganda erlebt, was aber heute vorging, war keine Tragödie, sondern ein Mißoer st ä n bn i s. Ich., glaube, daß man rechts und. links weiß,, daß ich ein Mann bin, der gegen jeden Zwang auftritt. (Lebhafter Beifall.) Daß der Zionismus einen Schaden erleide, dürfen wir nicht dulden. Ich habe gegen den Utbtt* gang z u r Tagesordnung gestimmt, weil ich der Meinung bin, daß eine Aussprache^ nötig ist. Meine Freunde von der Linken, Sie kommen in ein L a n d, w o seit I ah r t a u s e ndeu eine gewisse Tradition herrscht und Sie müssen dies respektieren. Ihre persönliche Freiheit soll nicht angetastet werden. Aber in den öffentlichen Institutionen dürfen keine Verstöße gegen die Tradition Vorkommen. Ich stelle daher. folgenden Kompromißantrag: In den öffenttichen Handlungen der von der zionistischen Organisation, geschaffenen, erhaltenen und subventionierten Institutionen darf nichts geschehen, was gegen die jüdischen Traditionen verstößt. Die zionistische Organisation hat die Durchführung des Beschlusses zu überwachen. Nach ihm ergriff Präsident Dr. Weitzmann das Wort und führte aus: Ich glaube, daß die Kompromißresolution beiden Seiten akzeptabel erscheinen kann. Ich erkläre feierlich, wir werden unter keinen Umständen zulassen, daß ein Eingriff in die p ersönlich e Freih eit erfolgt. Im Namen der Linken Mtwortete Delegierter Schweizer: Wir achten die Ueberzeugung und die Freiheit jedes Menschen, wir nehmen aber dagegen Stellung, daß die jüdischen Arbeiter einem religiösen Gewissenszwang unterworfen werden. Der Redner schlägt vor, die Abstimmung zu verschieben, damit die Parteien beraten können. Der Leiter des Kongreßbureaus. Delegierter I u l i u s B e r g e r, weist darauf hin, daß der Kongreß seine ursprünglich ins Auge gefaßte Dauer bereits um zwei Tage überschritten habe. Die technischen Anordnungen für die Abreise der Delegierten sind hinfällig geworden und man muß schließen. Weitzmann: Der Kongreß muß morgen ende n, gleichgültig, ob nachmittags oder spät nachts. Uebermorgen muß alles vorbei fein. Der Kongreß soll also tatsächlich geschloffen werden. Außer der L e i 1 u n g s f r a g e, die noch immer nicht geklärt ist, hat er aber noch eine ganze Reihe von zurückgestellten Llntragen sowie die ges a m t e Ein m a n der u v g s ftr y g t M erledigen.