Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 943 (11.9.1921)
- Date
- 1921-09-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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«eite * Wien, Sonntag WLerrer^Msrserrzertttng. 11. Sept ber 192L Nr. KS k«f benützt wird; eS sind alle Sprachen zulässig, welche benützt werden, daher auch dre weißrMsche uud j ü d i s ch e S v r a ch e (Jargon); eS ist möglich, auch zw e i tu tt er sp r.-a ch e n anzugeben, wenn man sie faktisch benützt-^ Damit ist das Jüdische als eine der offiziellen Sprachen bei der BolkSmhlung anerkannt; was die Möglichkeit der Angabe zweier Muttersprachen aulangt, so ist das eine Erlaubnis, die zu Unkommlichleiten führen kann. Denn es gibt bekanntlich nur eine Mutteriprache. Es sollen daher alle Inden in Polen, um Unklarheiten zu vermeiden, nur e t« c Muttersprache. angeben; diese ist ja tatsächlich in etwa 95°/« aller Fälle das Jüdische. Fsrderttngerr der d.errLschen SoMldemokraten. Für eine sozialistische Einheitsfront. Frankfurt, 10. September. (Trl.-Komp.) Der große Berttamnskörper der sozialdemokratischen Partei Groß-Frankfurts faßte g'stern einstimmig folgenden Beschluß: Die Vertrauensleute der S. D. P. Groß-Frankfurts focbetn. dm sofortigen Austritt brr sozialdemokratischen Partei aus der Reichsregierung, falls nicht unverzüglich folgende Forderungen erfüllt werden: Aufhebung der bayrischen Bestimmungen über den Ausuahmsz ustand, Entlassnng aller monarchistisch g e s i n « t e n O f f i z i e r e der Reichswehr, B.trrlignng des Reiches am Eigentum aller industriellen und kommerziellen Großbetriebe sowie am landwirtschaftlichen Großgrundbesitz, Brldung eines mit de« ReichZkabinett konformen Ministeriums in Preußen. Die Vertranensleute der S. D. P. GroßfranklnrtS billigen die Haltung der Parteileitung der U. S. P. und K- P. D. gegenüber. Sie halten die Emhcitsfront für unbedingt notwendig,- um d'.e Reaktion niederznrmgrn. Sie erwarten aber von diesen bilden Parteien, daß diese auch ihrerseits alles vermeiden, was die Einheitsfront stören könnte. Die Vertrauensleute geben der Hoffnung Ausdruck, daß ans her jetzigen Einheitsfront recht bald die organisatorische Einheit deS Proletariats erwachsen möge. Der Kampf zwischen Berlin und München. München, 10. September.. (Wölff.) Nach der „München» Augsburger Abendzeitung" hat der Minister'at gestern in später Abendstunde beschlossen, daS von Berlin vorgrschlagene Kompromiß drin Landtage zur Annahme nicht zu empfehlen. Heute nachmittags tritt der ständige Ausschuß deS Landtages zusammen, in welchem die Regierung cme entsprechende Erklärung abgcben dürfte. Offtziersverschwörung in Rußland. Kopenhagen, 10. September. (Wolff.) „Berlingske ödende" meldet aus Helsingfors. daß in der r » s s i s ch, e n O fl f e e f l o t t e eine neue Verschwörung kncdeckc worden sei. Vierhundert Offiziere seien verhaftet worden- Eine Osfiziersver chrvörung sei auch in Kiew entdeckt worden. Hier seien 180 Personen verhaltet worden. Weiters seien in M o s k a n 150 Personen leftgenommrn wvrd'n, die mit dem lürzllich aufgelösten allrussischen Hilfskomitee in Becbmdung standen. Irr Rußland 35 Millionen Hungernde. Moska«, io. September. (Funkjpruch.) Nach Angabe Nansens beträgt d:e Zahl der Hungernden in dem russi'chen Hungergrbiete 35 M r l l r o n e « Menschen. Da die Sowietre»ieiu'ng zwei Millionen Tonnen Lebensmittel zu liefern beabsichtigt, meint Nansen, daß eS genügen werde, noch vier Millionen Tonnen Nahrungsmittel drizusielstn. Diese Hikr müßte aber sofort einsetzen, da die Eisenbahnen nach. Eintritt des Winters nicht mehr in der Lage sein werden, die au sie durch den Transport gestellten Anforderungen zu bewältigen. Trotzkij in der Ukraine. Wien, 10. September. Der Ukrainische Pressedienst meldet <ws Lemberg: Trotzkij ist in Begleitung eines großen Stabes in der Ukraine eingetroffcn. Nach kurzem Aufenthalt in Kiew begab sich Trotzkij nach Kameuetz-Podolsk, wohin auch das 17. Korps der Cowietarmee dirigiert worden ist. Die ncueingetroffenrn Truppen besetzten die Zbrucz-Linie. Rückkehr Grey» ins politische Lebe«. London, 10. September. (Tel.-Komp.) ES bestätigt sich, daß dcr gewesene Außenminister Lord Edward Grey demnächst in das politische Lebenwiederkehreu wud, und zwar rechnet man mit der Möglichkeit, daß er an Stelle Asqmths die Führung der Liberalen übernehmen werde. Das erste politische Wiedrraustretm Lord Edward Grrys nach der Heilung von seinem schweren Augen übel wird für die kommende Jahresversammlung des liberalen Nationalverbandes angekimdigt, die im November in Newcastle stattfindet. Arbeitsl»se«Kr«»aSe 1« England. London, 10. September. (Tel.-Komp.) In Liverpool, Dundee und Manchester fanden »«erlich große Arbeitslosenkrawalle statt. Tmisende von Arbeitslosen zogen unter lärmenden Kundgeöunge» durch die Stadt« Zahlreiche Schaufenster wurden zertrümmert. Beletagen aller Art sowie. s.onstige bankmässige Transaktionen übernimmt' “ " ‘.u.B.Friedmann&Co. WIEST, I., WIPPLINGERS TB ASSE NR. 16. (Eingang Scliwerlgaass S) Telephon: 61-6 SS inteiaiban. Strümpfe und So ©Isen transit und für Export Leo Snssmanny Wien,!., Wipplingerstraße Ü6 (Eingang Scitwerigaste 2) 477 Die Renaiffanee der türkische» Indeahett. Konstantinopel, 7. September. (Jüd. Korr.-Dnr.) Die Vertreter der türkischen Judenschaft arbeiten angestrengt an der Vorbereitung einer neuen emhciilichen und auf solider Basis aufgebauten Organ i f a t i o n d e r j ü d i f ch e n Gemeinden in der Türkei. Diese Arbeit steht in Zusammenhang mit den Rechten, in deren Genuß die türkische Judmschaft nach Jukrkfltfcten des- Fricdensverirages mtt der Türkei gelangen soll. Jugoslawien protestiert gegen die HerabdrLckrmg des Dinarkneses. Graz, 10. September. Die „Tagespost" mlldet auS Belgrad: In feiner letzte« Sitzung beschäftigte sich der M i n i st e r r a t mit der Frage der Notierung deS Dinars an der Züricher Bö t s e. Der Finamminister 'erklärte, daß einige Schwerer Banken mit dem Schweizer Bankverein cm der Spitze mit' Spekulationen den fiktiven Kurs des Dinais an der Schweizer Börse bestimmen. Der Minifierrat hat bejchloffen, bei der Schweizer Regierung gegen diese Spekulationen energisch zu p r ö t. r st i e r e n und im Falle emes Mißerfolges die Notierung deS Schweizer Franken an den jugoslawischen Börsen zu verbieten. Tagesbericht. Die SnltnreUe Lage der Inden in Rußland. Der Jaffa« Korrespondent des „Haavez" hatte eine Unterredung mit dem aus Svw^atrußlarid in Gesellschaft anderer bedeutender Misch« Dichter entkommenen Schriftsteller I. K. Rawnitz.ki, welcher ihm üb« seine Erlebnisse interessante Mitteilungen machte. , SHawrlitzki sagte «nwr anderem: Ich und meine Gekvssen hatten die Absicht, Rußland zu verlassen -und gedachten seinerzeit, mit dem Schiffe „Rußlands abzureisen. Vielerlei Umstände hinderten unS jedoch! daran. Nachher kam die Bolschewikenherr schüft und an eine Auswanderung war nicht zw denken. Wohl haben auch damals Leute Rußland verlassen und die Grenzen überschritten, ab« dies geschah auf illegalem Wege und die Auswanber« mußtr» ihre, ganze Habe zurücklassen. Wir''jedoch, feimte« unmöglich aus unsere Manuskripte und die Matrizen d« bereits gesetzten Druckbogen 7— auf diesen geistigen Dollsschätz, den der jüdische Geist im Laufe der letzten Jahre unt« großen Qualen und Leiden geschaffen hat — verzichten, Die BoIsche» wiken waren schon längst da^ als ein nichtjüdisch« Schriftsteller in Privatangelegenheiten nach Moskau fuhr. Der Schriftstellerverband in Odessa sandle durch ihn ein Schreiben an Gorki, in dem die schwere Lage der jüdischen Schrtftstell«, die Verfolgungen, beeren die hebräische Sprache durch das strenge Verbot der Drucklegung hebräischer Merke und Zeitschriften ' ausgesetzt ist, geschildert wurde und baten, ihnen die Auswanderung zu ermöglichen. Gorki versprach, zu intervenieren und auch Lenin und d« Gehilfe des Kommissärs für auswärtige AngÄegenhetten billigten die Bestrebungen Gorkis. MS der «wähnte nichtjüdische Schriftsteller nach Odessa zurückkehrte, brachte « die Mitteilung, baß die Mege bereits geebnet seien und daß, wenn Bialik persönlich sich' nach Moskau begeben würde, die Erlangung' «in« AuSwomderrrnZZbewMgung gelingen könnte. Bialik und Kleinmann begaben sich' hinauf nach Moskau, um für srchzshn hebräische Schriftsteller die Auswandermigsbervittignng durchznfttzen. Die Moskau« Regierungsstellen weigerten sich jedoch, der ganzen in Vorschlag gebrachten Grikppe die Bewilligung zu «teilen und erst nach langwi«igen Interventionen und Vorstellungen konnte die Bewilligung bloß für zwölf Personen «reicht werden. Als Bialik nach dreimonatigem Msenthalt in MoZkM nach Odessa zurückkehrte, beabsichtigten die jüdischen Schriftstell« und Führer d« Odessa« Judenschaft, ihur einen solennen Empfang zu bereiten, an dem sich, auch die russischen Schriftsteller beteiligen wollten. D« Tag dies« Ehrung war bereits festgesetzt und laut dem festgesetzten Programm hätten auch Gorki «itb Lunatscharski. Reden halten sollen. Als dies bekannt wurde, richtete die „Jewsekzia", die jüdische Abteilung der kommunistischen Partei, ein Schreiben an Lunatscharski, in welchem es mrter anderem hieß: „Wohl ist Bialik ein groß« und angesehen« Dicht« und all« Ehren würdig. Doch muß bedacht werden, daß ex Dichter der Bourgeoisie ist, gegen' lweühe die Bolschewiken den Kampf, führen. Ein feierlicher Empfang Bialiks toStÄ geeignet, den guten Ruf der kommunistischen Regierung .zu schädigen. Wir können wohl die Sache nicht verbieten, wir fordern bloß, daß . Sie in Ihrer Lobrede auf Dialik als Dichter nicht vergessen, auch auf die andere, anfechtbare Seite seines Wesens hinzuweifen." Aus dem Begrüßungsabend wurde nichts, Gvrkr gab seiner ErreMng und Erbitterung Ausdruck, als er.hievon erfuhr und meinte, es sei einfach unverständlich, wre Inden so sprechen Eünneit. Die Schriftsteller erhielten die Erlaubnis, alle ihre Manuskripte, ihre Bücher und den vorhandenen D'rucksatz ihrer Werke mitauszusühren. In Odessa mutzte dieser ganze lit«arische Schatz die Militärzensür passieren. Bei ihr« Abreife wurde die Schriftstellergruppe, d«en Auswanderung großes Aufsehen in- Odessa «regte, von einer großen Menge bis zum Schiff begleitet und sehr viele beneideten ' die Glücklichen, die bas Land der Schrecken verlassen konuterr. In Konstantinopel wurden wir drei Tage nicht zur Landung zugelassen. Die Behörden wollten es nicht glauben, daß wir unverd ächit-ig seien, da wir mit Erlaubnis dev Bolschewiken das Land verlassen hatten. Es war auch bereits beschlossen, die ganze Gruppe nach Rußland zurückzuschicken und nur dank dem Eingreifen des englische« Gesandten, der die Berantwortnng auf sich nahm, wurde rmS schließlich die Weiterreise gestattet. Ucber die Lage der. Juden in Rußland befragt, bestättgte Rawnitzki, baß nicht nur die Tätigkeit der 'Zionisten.,^ sondern überhailpt jede j ü d i s ch n a t i 0 n a l e Arbeit durch, die „jüdische Sektion" unmöglich gemacht werde. Nach außenhin nehmensie Partei für die jüdische Sprache; hres geschieht jedoch nur zum Scheine. Sie sinken von Stufe zu Stufe und lassen immer mehr auch dis letzten Reste des Nattanalismns vermissen. Ihre scheinbare Unterstützung ■ der jüdischen Sprache geschieht nur deshalb, weil dadurch die hebräische Sprache verdrängt und die Dahn. geebnet wird, um dia Juden der russischen Sprache näherznbringen. Die Abteilungen der „Jewsekzia" (jüdische S^ki-ioir - D'. Red.) ließe« das BethauS „Fab ne" sperren,nur deshall', weil Dr. S.apir in diesem BethauS am Peßachfest eine Rede hielt. Trotzdem die Regierungsstellen die Schließung für ungesetzlich erklärten, weil ihr nicht ein Verbot zur Haltung b« Rede vorangegangen sei, bestand die „Jewsekzia" auf d« Durchführung und Aufrechterhalttmg dir Schlleßung des Bethauses. Dasselbe versuchten sie auS dem gleicherr nichtigen Grunde mit d« Broker Synagoge zu tun. Einige Tage vor d« Abreife d« Schriftsteller aus Odessa wurde in diesem BethauS zu Ehren d« Abreisenden ein Äbschledsgvttesdienst vttrmstaltet. D« Borsteh« b« Synagoge Doktor Himmelfarb hielt zu Ehre« DialikS eine Ansprache und ein. Teil d« anwesenden Gemeinde begann die ^,Tikwa h" z« singe«. Wir vttkießen bald nach diesem „Zwischenfall" Odessa und so wissen wir nicht, ob die Synagoge wirMch geschlossen wurde. Außer der zionistischen Zentrale besteht - i« Odessa muh d« Verein „Tarbutt^, der alleS, was in seiner Macht steht, zur kulturellen und nationalen Rettung d« Inden inmitte« dieser« verderblichen Chaos tut. Er «hält vier Sch n l en mit einem außerordentlich großen Budget. . : Unsere Landsmannschastliche Kolonie. In den Rahmerr d« großen Arbeiten, die d« eben tagende Kongreß, ber nrit Recht att „Aufbankongreß" bezeichnet werden kSnnte, zu leisten hat, fällt auch die Inaugurierung neu« großzügig« Unternehmungen des In d i - scheu Nationalfonds. In b« Erkenntnis, daß mit d« Aufnahme ein« wirllichen Massenkolonisation ganz andere Gammel- und Besiedlungsmethoden auch für den Jüdischen NattonalfondS gefunden werden müssen, hat sich die eben! zu Ende gekommene: Weltkonferenz d«S Jüdischen Nationalfonds dazu entschlossen, mtt d» Ausführung der großzügigen Pläne la ndsmannschaftltcher Kolonien, wie sie in letzter Zeit vielfachventiliert wurden, zu beginnen. Die Kolonie Oesterreich" wurde von d« Welt'- Lonfvrenz genehmigt. .Ein völlig neues Prinzip d« Siedlung, ab« auch b« Sa mmlung für den Jüdischen Nationalfonds ist damit festgelegt worden. Während es sich bis jetzt i« großen und ganzen imm« bloß darum gehandelt hat, von den Freunden und Förderern deS Jüdischen Nationalfonds Spenden für dessen allgemeine Zwecke zu verlangen, ohne baß dem Spender selb' Irgendwelche Einflußnahme auf die spezielle Verwendung der Geld« gewährt worden wäre, soll nimmehr eine innigere Beziehung zwischen' Spende und ihrer Verwendung hergestellt w«deu. Es ist mit Sichttheit zu erwarten, daß durch diesen Vorgang die Anteilnahme an der Tättgkett des Jüdischen Nationalfonds viel stärk« werdenwird als bisher. Das Streben all derer, die sich mit der Arbeit füt unseren Volksschatz befassen, wird es nun nicht mehr fciotj können, bloß Rekordzifsern anznstteben und die stete Uebertrmnpsung dieser Rekorde zu v«suchen, sondern es wirb' eine wohl ernstere Anfsossung d« Nationalfondsarbeit Platz greifen müssen, in d« richtigen Erkenntnis, daß' dieser Fonds daS vornehmste Kolonisationsinstrnment unserer Bewegung barstellt. Bon nun an wird die Fordttnng vielmehr etwa die sein: Soundsoviele Juden sollen in diesem Jahr in Palästina angesiedelt werden. Zu dies« Anzahl hat das jüdische Volk in Oesterreich infolge seines prozentuellen Anteils gn der Gesamtvolkszahl soundsoviele Ansiedler gus settier Mitte beizustellen, für die Beschaffung betkpötigen DodenS, seine Ameliorierung, die Bell.f Praterstrasse Nr. 3 Lai« von Ssai-, Maulwurf- Eopswang: and. sowie strttpeiz&n u. Pelzsakkos H»; PratwslrasgB 11 ." -,Rsii-, roin-ilMM-fM8«i 291894 962103 8750638898