Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 943 (11.9.1921)
- Date
- 1921-09-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-;nr, BW _Wen, Vonnras fori anwendbar seien und deren Derrvkrklichrrrrg einzig von den Regierungen abhSrrge. Eine Rede des österreichischen Delegierten Mensdorff. Genf, 10. September. Als erster Redner sprach heute M en S d o rff, der, von der Versammlung mit Beifall begrüßt, folgendes in französischer Sprache ausführte: Ich ergreife das Wort über jenen Teil des Tätigkeitsberichtes des GeneralfekretariatS, der sich mit der finanziellen und wirtschaftlichen Ausrichtung Oesterreichs befaßt. Sie finden im Berichte dce Vorschläge und Verhandlungen, die zur Aufstellung eines Programms geführt haben, das auf einer radikale» Fiuanzreform in Oesterreich einerseits und auf der Erlangung von Krediten des AusandeS andererseits basiert, für die österreichische Regierung ausreichende Bürgschaften gibt. Die Idee dieser Kollaboration wurde bei uns rückhaltslos angenommen uud ich lege Wert darauf, festzufiellen, daß die österreichische Regierung alle Anstrengungen gemacht hat, um ihre» Teil des Programms zu erfüllen, indem sie die Steuern bis zur äußersten Grenze erhöhte und die Ausgaben lnrabsetzte. Dies genügt aber nicht, denn der zweite Teil deS gemeinsam rn Programm-, wirksame Hilfe durch dieAuslandSkredite.harrtnochderErf ü l l u n g und ich halle es für meine Pflicht, auf die äußerste Dringlichkeit dieser Kredithilfr hinzuweisen, die wohl im Prinzip beschlossen ist, deren Durchführung aber bei unS mit steigender Besorgnis erwartet wird. Daösterreichische Volk hat allen seinen Mut, seine Kraft und Hoffnung auf das friedliche Ziel seiner wirtschaftliche» Aufrichtung gerichtet. Tiotz deS Mangels an Lebensmitteln, trotz eines allgemeinen Elends hat sich dieses Volk zu keiucr ernstlichen Störung der Ordnung verleiten lassen und' in dm kritischesten Augenblicken seiner Existenz einen Geist der Ordnung und Klugheit und einer mutvollen Entsagung gezeigt, der, wie ich glaube, allgemein anerkannt und geschätzt wird. Redner gibt sodann eine Echilrerung derunheilvollenFolgenderGeld« « » t w e r t n n g, der gegenüber die Regierung trotz enormer Steuerbrlasturig und trotz aller Versuche, durch Deckung ihrer Ausgaben die Inflation aufzuhalten, wehrlos ist. Redner schildert sodann die Entwicklung der Hilfsaktion seit der Koliserenz der Ententemächte in London za Beginn dieses Jahres. Das österreichische Volk verfolgt alle Phasen dieser Aktion mit der größten Aufmerksamkeit. Alle Welt hat den Wunsch, nn§ zu helfen — sagt Redner — und dennoch, wie durch ein Verhängnis wird die Durchführung dieser so dringend notwendigen Hilfe noch verschöbe n. Ich brauche wohl nichk «och einmal ans die äußerste Gefahr hinzuweisen, die dieser Ausfchub verursacht. Jede neue Geldentwertung bringt eilte neue Teuerung, neue Forderungen nach Erhöhung der Löhne und Gehülter mit sich und alle auf Ersparung und Reform gerichtete Arbeit wird aufgehalten. Von der Idee des Völkerbundes durchdrungen, habe ich den unbedingte« Glauben an feine Sendung für den Frieden und den Wiederaufbau, uud wenn ich den Mut hatte, die ehrenvolle Misston anznnehmen, mit der mich meine Negitinng betraut hat, so geschah es in der Hoffnung, daß meine Begeisterung für die Prinzipien des Völkerbundes in gewiffem Maße bei mir dir h uv »nagenden technischen und fachmännischen Kenntniffe ersetzen lonn e, die so viele unserer Kollegen aus» rcichnen. Ich glaube, der Dolmetsch der dankbaren nud verteanensvollen Gefühldes österreichischen Baller für den Völkerbund.zu sein. Es glaubt und hofft, daß er eS aus der Not der Gegenwart retten und ihm die Grundlage einer ehrenvollen und glücklichen Zukunft geben wird. Die Versammlung spendete der Rede lebhaften Beifall. musik zusamnzenhäflgt, wir finden die charalleristis->e Pause vus Len guten Taktteil, und so ist der jüdische Grundcharakter der Melodien recht wahrscheinlich. — Das Problem der Melodienbegleitnng hat'Wolfsohn so gut gelöst, als es heute eben möglich ist: .Er vermeidet nach Tunlichkeit die sonst übliche, aber prinzipiell verfehlte Harmonische Begleitung, «amorttlich die harmonischen Beziehungen von Tonika und Dominante und versucht durch mehr an gedeutete Akkorde und Passagenwerk die Melodie zu stützen, ohne eine allzu. Raffinierte Begleitung in den Vordergrund zu drängen. — Auch int Formenban legt sich Wolssohu eine erfreuliche Zurückhaltung auf. Er mag nicht den Osscr auf den Pelion türmen, ein Motiv über das andere bauen, komplizierte Durchfuhr,mg und thematische Arbeit leisten, sondern wahrt die einfachsten Formen: Mitunter charakteristische Ei,Leitungen, dann kommt das Thema, welches, da und dort durch Zwischensätze unterbrochen, in Steigerungen immer wiederkehct. So hält.Wolfsohn wohl ganz unbewußt an dem, wie mir scheint, richtigsten Konstruktionspcinzip, der freien Variation, fest. — Der Stimmungsgehalt der Stücke ist ein reicher und wechselnder. Auffallend ist namentlich' der rasche Umschwung von der Freude zur Trauer im Mahlzeitlied und Hochzeitlied sowie das Hineinspielen des Tempelrezitativs, das wohl bas ständige Ringen des Juden mit seinem Gotte versinnbildlichen soll. — Neben dem sittlichen Gehalt haben die Konzertparaphrasen auch einen praktischen Wert: Sie sind unschwer spielbar und gleichwohl dankbare, effektvolle Konzertstücke. i Ich möchte nochmals betonen, daß. es. sich bei WolfsvhnS Konzertparaphrasen lediglich um einen ersten Versuch handelt, eine Brücke von der jüdischen Volksmusik zur Kunstrnilsik zu schlagen, aber der Weg, den Wolfsohn betreten hat, scheint nur gangbar. Nicht mit den symphonischen Kolvssalbaulen des .Abendlandes, sondern Ast den Wmsten Forme», Unter Verwendung nationaler musikalischer Motive, heißt es beginnen, und nur eine allmähliche Ejntwicklung vermag jene musikalischen Formen und Ausbrucksmittel zu finden, hiss dem Mische^ Weilte. immanent sind. . MM Slklb.LL. M Wiener Morgerrzeitimg Leo Pitzker, VII., Mariahilf erstr. 86 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in ess Pelzmänteln, Stadtpefzen, Fttchstn, Stolas aller Arten za besonders billigen Messepreisen. Selchwaren- Restaurant Armin Biel Niederlage der L Ü Tt PlOftHffi Wurstfabrik Frühstückstube und Delikatessenhandlung Wien, I., Schottenring 14 Telephon Nr. 60-7-48 1066 Spezialität: Feine Aufsohnlttplatten, Pilsner Urquell «. Psohorrbr&u vom Fass Die Entente und Angarn. Das ungarische Regierungsorgan „Nemzeti Ujsag" veröffentlicht eine Unterredung mit einem in Budapest residierenden Ententediplomaten, der, wie das Blatt hervorhebt, persönliche große Sympathien für die ungarische Nation hat und das Pariser Friedens- Werk in vielen Beziehungen für verfehlt hält. Die Aeußerunaen dieses Diplomaten über di; westungarische Frage beleuchten, wenn sie richtig wiedergegeben sind, die ganze strittige Angelegenheit sowie das Verhältnis der En'ente zu Ungarn und zu Oesterreich in lehrreicher Weise. Der Gewährsmann führte aus: Ich sehe, daß die ungarischen Politiker und durch sie die ganze ungarische öffentliche Meinung die europäische Lage noch immer .falsch beurteilen, indem sie glauben, daß durch die Erlangung des Wohlwollens der einen ober der anderen Großmacht die Aendexung des Trianoner Vertrages herbeigeführt werden könnte. Davon kann jedoch keine Rede sein, weil dt; Antastung des einen Vertrages - zweifellos auch den Zusammenbruch der anderen Verträge nach sich ziehen rirüßte. Keine einzige Großmacht kann sich dem aussetzen, daß durch Schaffung eines Präzedenzfalles ihren Verbündeten das Recht eingeräumt werden soll, Aenderungen durchzuführen oder zu beantragen, welche ihrer eigenen Auffassung und ihren eigenen Interessen, zuwiderlaufen. Was Ungarn betrifft, so wundere ich mich nicht, daß es, da jeder sein eigenes Leid und seine eigenen P-e-; fchwerden als die wichtigsten ansieht, gegen die alliierten; Großmächte erbittert ist und ungeduldig wird. Wenn schon nicht das gwße Publikum', so hätten die führenden Politiker schon längst darüber ün reinen sein müssen, daß für den Obersten Rat die ungarische Frage im Verhältnis zu den übrigen, die Großmächte unmittelbar berührenden Fragen von vollkommen n n t e r g e o r dneter Bedeutung ist. So war es 1919 und so ist es auch heute. . Ungarn hat eigentlich nicht mit der Entente, sondern mit jener: unmittelbaren Nachbarstaaten zu tun, denen infolge des Trianoner Vertrages ungarische Gebietsstücke zugefallen sind. Diese Länder klammern sich eifersüchtig an jeden Buchstaben des Vertrages und fordern die Durchführung seiner sämtlichen Bestimmungen. Die Großmächte wieder sind, selbst: wenn, sie der Meinung wären, daß Ungarn ein Unrecht zugesügt wurde, nicht in der Lage, vom Vertrag abzuweichen, weil sie durch ihre U nt er schrist gebunden sind und sich nicht den gerechten Vorwürfen ihrer kleinen Verbündeten aussetzen können. Auch das nngarnfreundliche Kabinett kann nichts anderes tun, als den einzelnen Regierungen in vertraulichem Wege Mäßigkeit und den Weg der Vereinbarung Zn e,np fehlen, was bereits in mehreren Fällen geschehen ist. ' . In der weftungarischen Frage sind die Verbündeten sogar um einen Schritt weiter gegangen, als sie im Wege der Botschafterkonferenz Oesterreich zur Herbeiführung eines freundschaftlichen Ausgleiches anffyrderten. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich an- -nehme, baß die Entente auch dann zu gestimmt hätte, wenn Oesterreich dem ihm Zngesprochenen Gebiete völlig entsagt hätte. Es ist daher für die heutige unangenehme Situation nicht der Entente die Schuld zuzuschreiben. Was die Zukunft betrifft, so muß die ungarische Ration sich vor Augen halten, daß an dein' Trianoner Vertrag ohne Zustimmung der unmittelbar interessierten Parteien insolange nichts geändert werden kann, als nicht die ganze europäische Lage einer Revision unterzogen wird. Unbedachte Experiment« können Ungarn nur schaden und seine Kraft schwächen.! Italien tritt energisch ans. Rom, 10. September. (Funlipruch.) Die gesamte Presse labt dm über italienische- Drangen unternommenen en er gisch enS ch r i t 1 i n Budapest, der Ungarn zwingen wird, dir Grenzverletzungen e'mzusiellen, die einen neuert Krieg in Mitteleuropa enkstffel» können. ,Co r r i e r e d ell a S e r a" erfährt, daß das Außevamt seinen Verirrtem i» Paris and in Budapest energische Instruktionen habe zukominen laffen, als deren Folge der itastemsche Vertreter in der Botschasterkonserenden Kollektivschritt bei der I ungarischen Regierung verlangte. Die rmgavffche Regierung scheint sein, j& to 11. September 1921 Seite £ gy.,.;....—, .. - > ..... ... --— MilttSrische Aktion der AMerte«. London, 10. September. Der diplomatische Berichterstatter: des „Daily T e l e g r a p H" teilt mit, daß die an amtlichen Stellen aus Budapest eingetroffenen Nachrichten sehr eircnst 'eien. Die Krise habe eme solche Zuspitzung erfahren, daß die Möglichkeit einer militärischenAktion an der Donau, vvn den AMerten nicht langer außer acht gelaffen werden rönne.' Mobilisierung in Ung&tn? Wie die in Wiener»Neustadt gestern eingctroffemn Flüchtlings erzählten, plant man tn Ungarn die Moblistcrung der vier jüngsten Jahrgänge. Deshalb flüchten die jungen Leute ans.Wcst« ungam, um nicht zwang-wnse in dir ungarische Annee emgereiht zu werden. Ein MormrchWscher Aufrmf. Zürich, 9. September. Wie die „Neue Züricher Zeitung* meldet, ist im Ordenburger Gebiet durch Maueranschläge ein Aufruf verbreitet worden, in dem es beißt: „Horthy und seine Minister bringen Unheil, da der Verweser Prorestant und sein Kabinett habSbnrgfeindlich ist, während der Ausbau Ungarns nur durch die Wiedervereinigung mit' einem monarchisiischrn Oesterreich und mit Deutschland möglich ist. Dazu ist der erste Schritt die Bekämpfung und der Sturz der Republik Oesterreich und die Wiedereinsetzung des rechtmäßigen Monarchen in Wien, Nach', Wiederherstellung der Doppelmonarchie muß ein Bündnis mit dem nmerwachten Deutschland geschloffen werden, um den alten magyarisch-germanischen Kampf gegen die zerriffenen Slawen und die degenerierten lateinischen Völker wieder aufzunehmen? EnLhaftVNg dee ungarischen SpioKL. lieber Verfügung der Regierung wurden die 47 Hotthh- Agenten, die von der österreichischen Gendarmerie im Burgenland: seligen ommen wurden und im Wiener Landesgericht in Hast waren,', gestern entlassen. Eine Konferenz des VmrdeskLrrZLers mit der GeNerKlskSMMi?sioK. Wie wir erfahren, findet heute auf Wunsch der Oedenburger inieraltiierteu Grneralskommission eine Konferenz dcs Bundeskanzlers Dr. S ch o b e r mit den Ententcgenerälen statt. VerhsstLMg DSU Horthy-AgentLN irr Kaschsu. . 10. September. (Tel.-Komp.) Aus Kaschan erfahr! man Einzelheiten über einen geplanten ungarischen Putsch gegen bic TZchecho-Slowakei, Südslawien und Rumänien. Der Putsch, sollte gleichzeitig mit der Aktion im Burgeyland durchgesi'chrt. werden, doch ist er durch in Kaschau vorgenommene Verhaftungen verraten worden. Wie die ^Lidovö Nov'mh" hiezu melden, ist der wegen Beleihgung an diesem Putschversuch verhaftete Abt BöröS über Intervention des Kaschauer Gespans nunmehr aus dem Gefängnis entlassen worden, jedoch wird di: Untersuchung gegen', ihn wei' ec geführt. Keine Ansnahme Nngnrns in den VSLKerhWnd. Prag, ly. September. (Tschechs-slow.Preßbur.) Der ständige Mitarbeiter des „P r a v o Lid n“ in Genf hatte dort mit dem Minister des Aeußern eine Unterredung. Der Minister erklärte, Ungarn werde in den Völkerbund nicht anfgenonimenwerden, dafastallemaßgeüeudeu Staaten und allerdings auch die kleine Entente dagegen seien. Die Ungarn Hütten in btn letzten Wochen bewiesen, da') sie die F r i e d e n § v e r t r ä g e nicht e i « h a l t e », was von vornherein jede Diskussion über ihre Aufnahme in den Völkerbund ausschlreße. Der Mmister glaube, daß sie schließlich vor der Entscheidung ihr Ansuchen zurstckziehen werden. Damit fallen auch alle habsbnrgischen Kombinationen. 1 Rücktritt des polnische* Gesa«i- , ministeri««». -i Warschau. 10. September. (Fmikipruch.) Das Kabinett W i i o s ist ziirückgetretcn. . . * 1 Die Demission des gesamten Kabinetts Witos murre nn«. vermerdlich. als seine polnische VelkSpartei und dir ihr nabe», stehenden Gruppen den Beschluß faßten, daS Kabinett möge demissionieren. Den Anlaß zur Demission deZ Kabinetts bildeten die Debatten in der Budgctkommifsion, welche zeigten, daß man von der Finanzpolitik der Regierung eine Deffernug? der Finanz- und Wirtschafisnot nicht erwarte. Im Hirltergmnde! des ^iücktritts aber stehen auch emerseirs die gcriugen außcnpol tlscheü Erfolge, scrucr der Ansturm der N e ch t Zp a r t e i e n, wrlrhe knapp vor den Wahlen den Wahlapparat nicht in den Häntcn der auf die feindlichen Bauernparteien gestützten Regierung Witos lasten wollten. Ueber das neue Kabinett verlautet noch nichts Bcstimmtts? Es heißt nur) daß WitoS dcr neuen Regierung angehörcn werde; ob als ihr Chef oder als Reffortmiuister, ist ungewiß.' Wahrscheinlich dürfte bis zu den Parlamcntswahlen ein Fachmänrierkabinett, das heißt eine Beamtrnregierung gebildet werden/ die wohl daS Terrain für eine auf Grund verstärkter Mandatszahl im neuen Parlament gebildete RrchtSreginung vor-' bereiten soll. Jüdisch bei der polnische« Volkszählung zngelasse«. Warschau» 9. September. (Privat.) In den „Erklärungen zu» Gesetz über die Volkszählung^, welche im statistischen Hauptamt in Warschau heransgegeben wurden, wird znm 8 16 deS Gesetzes folgender Kommentar gegeben: , j »Kn der Rubrik 14des BolkSzählungsbogenS ist dis