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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-11 · Heft 943 (11.9.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 943 (11.9.1921)
Date
1921-09-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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KM"« Men. Sannlag Wiener 11. September It£tf Das VerhSltai» zwischen Ingoslawien n«d Stumänien. r Aus Budapest wird uns berichtet': Der jugoslawische Gesandte in Bukarest äußerte sich eine»:.' Journalisten gegenüber über die innerpolltischen Verhältnisse in Jugoslawien und das Verhältnis zwischen Jugoslawien und Rumänien wie folgt: Der Tod König: Geiers hat, abgesehen von der tiefgehenden Trauer, die er in dev gesamten Bevölkerung ans gelöst hat, ine Staats leben keinerlei Störung hervorgerufen, da. König Alexander, dessen Gesundheitszustand sich tag. täglich bessert und' ihm in kürzester Zeit die Heimreise in sein Land ermöglichen wird, bereis feit einigen Jahren die souveränen Rechne aus übt und im ganzem Lande sehr beliebt ist. Die innere Lage ist, nachdem t ie Verfassung votiert ist, durchaus befriedigend. D'ie ausgestreuten Meldungen, baß es in Jugoslawien« separatistische 8^wegungen gebe, muffen mit l§nfischieden heit als unwahr bezeichnet werden. Hingegen ist es xvahr, daß föderalistische Bestreb unn c n vorhanden sind. Die Verhandlungen der jugvsla-- wischen Kommission mit der rumänischen, behufs An- Näherung der beiden Staaten arreinander, haben zu sehr befriedigenden Ergebnissen geführt, Die Grenze zwischen den beiden Ländern ist nur eine provisorische und die Delegierten der 'beiden Regierungen arbeiten gegenwärtig an der Festsetzung der endgültigen Grenzlinie. Die auf rumänischem Gebiete verbliebenen Serben und umgekehrt die auf jugoslawischem Boden lebenden Rumänen genießen auf Grund' der Reziprozität die iveitestgehenöen Rechte. Auch die Lage der mazedonischen Rumänen ist eine gute, es wurden Verfügungen getroffen, daß diese ihre Kirchen, welche während des Krieges geschlosst» wurden,, wieder eröffnen können. Der Sitz -es PrSstdi««s der D«da« pester Repar«tio«skommissioir iuWien. Aus Budapest wird uns berichtet': Die von der Entente eingesetzte Reparationskommission hat dieser Tage ihre Tätigkeit begonnen. Sie besteht vorläufig' dar tu, daß die einzelnen Mitglieder her Kommission in den verschiedenen Fachministerien Informationen! e; nho len. Bon Interesse ist, was der „B n d a P e sti Hirlap" über bas weitere Verfahren der Reparatiottskommission auf Grund' authentischer Informationen^ zu berichten weiß. .Präsidium und Mitglieder der Rcparationskonrmission, heißt es in diesem Bericht, sind behüfs Inangriffnahme ihrer im Trianonve Vertrage vorgesehenen Tätigkeit nach- Budapest gekommen, werden sich jedoch in wenigen Tagen wieder nach Wien, beziehungsweise ' Paris zurückbegeben. Das Präsidium wird seinen Sitz in Wien haben,' weil man nicht will, baß der ungarische Staat durch die ständige Anwesenheit einer größeren Kommission, deren Kosten Ungarn zu tragen hätte, belastet werde. In Biwapest verbleibt bloß eine sechsgliedrige Subkonttnission. Diese Subkommissio« wird den Verkehr zwischen dem Präsidium rmb den ungarischen Behörden üi«W D..Taberstr.1-3>i.8t. Möbelfabrik J. SPIRA Wien, M. AeZEMW 1 a Grösste Ataswaltl .2 «19 ediegener Erzeugnisse aufrechterhälten und all jene Arbeiten versehen, welche im Sinne des ^ßnonev Vertrages zu leisten sind'. > Unabhäng^keitsfrier im GrotzMgl Libano«. Aus Beirut wird dem ,SemH* telegraphiert :> Die Jahreswende der Prsklamieruna.der Unabhängigkeit des Grvßstaates Libanon bildete für Beirut und alle S'andschakS den Anlaß für ofsijielleFc i e r l ich k e i ten und BolkSbeluftigüngr«, an denen die Bevölkerung «it großem Enthusiasmus triluahm- Sämtliche Blätter stellen mit Befriedigung fest, daß der Großlibanon sich politisch in demokratischem Sinne frei entwickle. Die LandelSbezrebunzen «it Älexandrette, Aintab, Djirbelir, Deir-Esior sind wieder hergcßellt. In dem druüschen Djsibel wurde wohl eine Revolte zugunsten desE«ir A b da llah versucht, ist jedoch völlig mißlungen. DaS Blatt stellt fest, daß Abdallah ein ähnliche- FiaSko »litten habe wie Faisnl i« Jahre 1S2-. 0 _______ Vatikan attb Qnirtnal. Au- Rom wird berichtet: I« jüngster Zeit wird »on EStbolischer Geste wieder dw Versuch gewacht, dar Verhältnis zwischen dem Vatikan und dem Ouirinal einer befriedigenden Regelnng ruzuführe». DaS Signal hiezu wurde durch eine» Artikel des »Ofservatore Romano" gegeben, in welche« sich eine auffallend versöhnliche Stimnrnug knetzgibt. In politische» Kreisen Roms wird versichert, daß die italienische Regierung bereits an einem nene» Projekt arbeite, anf Grund deffen der Verkehr zwischen der italienischen Regierung «nd dem Heiligen Stuhl einer friedlichen Losung zugeführt werbe» soll. Diese freundschaftliche Neuordnung.wird ganz besonders von F ra » kreich unterstützt, welches sich bekanntlich in letzter Zeit mit dem Vatikan avSgeföhnt hat. Ministerpräsident B o « o m i soll erklärt Hab«- daß er bereit sei, gemeinsam mit dem Minister des Auswärtigen und dem Sirgelvrrwahrkr er» di-kutechle- Projekt in Behandlung zu ziehe». . - -? . . Eine ukrainische Feststellung. Das Organ der wrstukraiuischen Regiernng.»Propor" stellt gegenüber den Meldungen einiger Wiener Blätter fest, daß die westukrainische Neuerung M auch der Ratioualrat jeder Aktion Z h (HrzhgMMHelH^.<.r.«' ..'M Devorsteheude Matzna^^u^segt» -ie M-schr/it««?-» p. spekukatium. A, :r Die Thristlichsvziale Partellorrespondmz schnitzt: SÄGst BmidtSkauzler G ch ober als auch der Odman» der ChristlW sozialen Vereinigung Dr. Seip el sowie der ChrisUichsogkch Arbeiterkougreß und heute die Wiener Ehristkichsozialr P«keV leimng haben b:e O r g i e n d e r B a l « t en s p e k « l « «t e< schstrssteus verurteilt nutz anf die dadurch vrp »'sachte ungeheure- Schädigung da chrkich «beitendenBedölkcruuf sowie auf die Borschubleistimg zu diesen Treibereien durch shflematischr AuOrermug parlamentarischen Falschmeldungen hiw gewiesen. Zu letztere« gehövttzM «nzweifethaft «nck die Behauptung dev o-*r g e«*Dpdaß Uiüanzmiuista Dr. Grimm unmittelbar «ach seiner Rückkehr die DP Mission üb ettci che« »erde. Da um» Dr.Grrm« -nrückgekehrt ist, muß festgestellt »erde«, daß «irma«E mehr von dieser frechen Erfindungüberrascht ist aler selbst. Tatsache ist, daß Dr. G eirnm weder P Paris noch in London oder Genf die Absicht geäußert Hab vom Amte zurückzntntm; seine Verhandlungen ergaben auck nicht einen A «ge «blick die N .eiuf derartige Absicht auch nur erkennen z« laffen. , :h Die Meldung des »Morgen" war miffKnkbig ^an n» letzten wahnsinnigen valntmhanffe, gleich ihren Borgängerinner diente sie auch klar erkennbar anSfchließlich deren Zwecken. Sie iß mrr das letzte Glied einer Kette von F 8 l sch n v g e n und politischen Giftmischeprie«, r«S««ßetz gewisseuloser Gpeknlanten. TS^ kaW, «ichs verwundern, daß infolgedeffm der Wunsch mmrr kräft^r la«j> wurde, die B vrse a»f «ind esteuS zwei Wochev zu schließe« und auch sonst ihre Handlang« kaltznstellew Damit allein dürfte jedoch de» Faiseur« «ch ihr« vorgrschM den« harmlosen Deckmänuern nicht genügend beirukomme« sdw Aach der Gt a atSrnwalt «aß Eingreifen, dev Urheber« der systematischen Mkeßmacherrieu zwecks Hiuanft ichranbnng der Devisenkurse muß da« v e r br-e ch e r h o » d^ werk ge 1 t.$t werden. Dir-^erlangd davitals Interesse aller ehrlich SiernrnfB« Erwerbenden. tl>: ntHwve cheMdl Wh des o: steht. ftttche Oesterreichs-H Berst««gex de» VSlkerS««drates. Genf, 16. September. Zu der zwetteu Ko»<s misstou (technische und finauzieLe Frage«) erstattete A d a r (Schweiz) eine« Bericht Übes die Arbeiten der WirtfchastSuud Fimmzkvmmisfion, die sich mit «ugemöhuttch delikate« Frage«,Wieden\nt er«« Ilona len Kredite« ««d der Aufricht««- Oesterreichs, zu Lefaste« hatte. Die WirtschaftS- ««d Fiuanzkounnissta« habe Lösungen v »rg es ch läge«, die sovas Idealste an Damen- und Rerrenstoffen MMaaMM I.. AeMMUK. 10/12 und I /UcklergazzeF Betrachtungen über jüdische Kunstmufik. <A,ilu-jlich des ErschemerrS von Zuliu'S Mollsöhns Paraphraseu über, altjüdifche Volksweisen für Klavier, U-niversal- Edition Nr. 6931-6932.) '; Als Begründer der neuen jüdischen Musik darf wohl Sätonwiie Rosfl «mjgesehvr werben, der berühmte Mische Musiker, der um die Wende des 17. Jahrhunderts am Hofe von Mantua wirkt« «nb bork inr Jahre 1820 sein« ^Lieder Valomos" «f hebräisch« Texte herausgab. In bat letzten Jahrzehnten wurde in KulzerS „Schir Zion" und anderes liturgischen Sammlungen der Versuch gemacht, di« jüdische (Lynagogalmusik festzulegen, i vereinzelt vermochten auch jüdische Melodien in die Kunstmufik «inzudringen, wie m Goldinarks „Königin von Saba", in Bruchs „Kvl Nidre", oder ueuestens in Rädels hebräischen Gesängen. Mit brm'Erstarke«! des nationalen: Gedankens innerhalb des Judentums und mit dem Wachserchen Alteress« für allgemein« musikalische Volkskiilido hat «amerrtkich in den weiten Gebieten der Ostjllden eine rege SammeKSIigkeit eingesetzt und wir besitzen bereits einzeln« hübsche Melodiensammümgen, die freilich nur einen winzigen Bruchteil der tm Volke lebende« Lieder und Gesänge enthalten. Nun 'hat der trefflich« Pianist Julius Wolfso hn den Versuch gemacht, Melodien seiner vstjüdischen Heimat für den konzertmäßigeu Klävtervortrag zu bearbeite« und sie so in die Zdmstmustk überzuletten. Es sei gleich festgestelkt, daß bi« verdienstvolle Arbeit Wolfsohns kediglich als Versuch M werten ist. Mr besitzen wohl eine« reiche« Schatz von SynagogalgesängeN «nd jüdischen BÄkSmelodie«, deren strenge Prüfung anf eine« etwaigen fremdvölkschen Einschlag einer späteren Zeit Vorbehalten bleibe« muß, hingegen ist die jüdische Kunstmufik vordcrhaiid etwarecht Problematisches, denn wir besitzen noch kcilk Kriterium jirvjschen Kunstschrrfftus. -- Ich habe bereits einmal darauf hingewiesen, daß die innere Struktur der jüdischen Melodi?, das Ge sch der gegenseitigen Abhängigkeit ihrer Intervalle, noch nicht erforscht ist, baß wir also noch nicht imstande find, eirre Mische, verimNtz^jh nicht harmonisch intendierte, Melodie ümstgerecht zu begleit». Weit schwieriger K. tzik, Frage te&8Ü9ß&f£t... Verwendung jüdischer Melodien, attfes Betbehaltrmg der abendlänbifchen Kuristformen, zu einem jübischeu Kunstwerk gelangen können, ob nicht vielmehr, wie jede Zeit, so auch jede Rasse sich die ihr eigenartigen Kunstformeir selbsttätig schassen muß. — Puccini vermochte in der ,Madanie Butterfly" durch Verwendung japanischer Motive keine japanische Oper zu schaffen und es' ist unwahrscheinlich, daß es ein irr abendländischer Kunsttechnik geschulter Japabwr imstande gewesen wäre! U-ird nun gar df« Symphonie, die repräsentative KunstsoE des Abendlandes, die sich langsam und stetig aus kleinsten Anfängen zur höchsten Stuf« der Vollendung in Beethovens Fünfter »der Neunter aus abendländischem Geiste hinäufgebildet hat. Hier finden wir^ wie in den Meisterwerken Goethes, Rembraudts vder Michelangelos die Krönung geistiger Arbeit von Jahrhunderten. Ob es wohl mißlich ist, diese dem Geiste des Abendlandes abgerungene Kunstform durch' Verwendung jüdischer Mtive, jüdischer Rhythmen, eventuell jüdischer Instrumente mit jüdischem Geist zu erfüllen! W'aS wissen wir denn überhaupt vonr Geiste der jüdischen Musik? Wir wissen nur, daß sich die jüdisch« Musik in der fernen Zeit der jüdischen Könige-zu einer Hochblüte ent», wickelt hatte, bereu späteste Ableger wir noch' in der jüdisch«» Tempelmusik und namentlich' im gregorianischen Ghoral b«' wundern. Wie anders sind doch diese. Melodien gebarct als di« unserer abmdländischeu Musik! Ltzeüre harmonische Frmdierung, keine entwickelte Mehrstiminigkeit, kein starres Festyakten an unserer diatonischen Wkirla, sondern Haupt- und Nebentöne mit »ns fremd klingenden Kadaijzen, reichste Auswahl von verschiedensten Tonhöhen innerhalb der Oktave und damit im Zusammenhang unendliche Mannigfaltigkeit des melodischen und rhythmischen Ausdruckes, wie sie sich' eben uur im Rahmen der durch' kein« Nebenstimrnen gehemmten Einstimmigkeit ausleben kann. Cö ist der spezifisch' morgenländische Melodienbau, wie .pt den Völkern des Orients, trotz aller Verschiedenheiten ,im einzelner, wesentlich ist. — Auch die musikalischen Formen deS Orients sind ganz andere alS jene des AbeiLdlandeS. Der ebenso gigantische alS logisch straffest gespannte Bau der syrnphsnisihe« Um« liegt dem phautastischon Wetzen d«S Orierwakeu gLiLz svwre. und sei« ^Rüster ohm« Ende", und' tz» etwa iw der Musiv sei« Zkvnstruktionsprinztp der freie« Bcwiatüyr.!8o besitzt di« Jahrtausende alte indische: MustkAtsiwe eÄ«e große Anzahl von Mlodietypen — RagaS dar Kornponi immer wieder umgestaltet. Reue Melodiew erfmdet er veem«V aber den alten Melodien iunnttl anb«! abzuzwmgen. Ms mir der indische Dichterfürst Rabmdvanc Dagoro gelegentlich seines Mener Aufenthalte- «gare Ver^ tonungen feiner Gedichte vorsang, waren <S mir längst ve^ kannte iirdische Mielodiethpe», die er frei variierte. — Die hochstehende siamesisch« Zdunstnmstk besitzt edr ünnpliziertr^ Orchester mit herrlicher ZtzlangfaiSe« und der ganz eigens artigen Mehrstimmigveit der ,Heteropho»ie", in der eich Thema gleichzeitig mit seinen Bariatbonr« zum Klingen! gebracht wirb; auch ihr ist bas Prinzip' der Berbindung verschiedener Motive, ihrer Zerpfückung und! Dnrchführrcug volltzänbig fremd'.. ' ' ' Die jüdische Musik war einst aits' mvrgMländischemd Geiste geboren, und m diesem heißt eS festhaltm,, wenn macr den «ationalm Vharakfer der jüdischen Musik wieder belebe« will. Zum Kern der jüdischen Melodie gilt es, die passende Hülle, die cmgemessme musikalische Form zu finden, und da erscheint es mir ebenso gefährlich, die höchststehende« abendländischen Klmstforinen mit den so gMz anders gearteten Mischen Melodien zu verquicken, alS diese Melodien durch harmonische Bearbeitung im Geiste des Slbendlandes z« verfälschen. * Jylius Wolfsohn scheint sich all her Schwicrigkeitecki bewußt gewesen zu sein, die der llebernahme jüdischer M:lodiLw in die Kunstmufik unter Wahrung des jüdische» GharakterK entgegenflehe» und hat gleichwohl gerade bicrch Maßhalteu ür der Form und in den technischen Mitteln äußerst Berdierrstvollcs für die jüdische Musik geleistet. Scho« die Auswahl der in- Ohr gehende» prägnanten Melodien ist citue recht glückliche; wir begegnen immer wieder gewissen Sttteigentünilichkeiten her jüdischen Musik, wie Pralltcillern und Borsihlägen über der übermäßigen Sekunde, Verwendung von! harmonischen Tonleitern, übermäßige» Jntervallar und! Nhromatik, die wieder mit, hem eigenartigen Hüwuszieheuj

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