Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 942 (10.9.1921)
- Date
- 1921-09-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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m 942 SBUit. Samstag Wiener MorgenzeitunA 10. September 192) Seite & Die Mittel dafür find von dem'größten Freilnd PaliiflrNLs, dem Baron Edmund Rothschild, zur Verfügung gestellt worden, der damit aufs neue feine Siicbe für Palästina bewiesen hat. Das Regierungsland besteht aus Sümpfen und Sanddünen, welche für die Bearbeitung untauglich sind. Es ist möglich, durch Gntsumpfüntzsarbeiten auch diesen Boden der Kultur zu erschließen, abe-r es ist sehr fraglich, ob in. diesem Falle die Kosten der Entsumpfung nicht ebenso hoch oder höher sind wie der Kaufpreis guten Badens.' Wir haben ferner damit zu rechnen, dast im Heiligen Lande viele Religions genossen schäften als Käufer von Boden austreten, daß« die aus Amerika mi( Geld zurückkehrenden christlichen Araber ihr Geld mit Vorlie.be in Boden anle-gen und dadurch die Preise in die Höhe treiben. Der Bodenerwerb wird aus diesen Gründen für uns immer eine sehr schwierige Sache sein. — Was den Poden in den Städten aKlangt, sohat der jüdische Besitz durch größte Käufe her P.L D'. C einen solchen Zuwachs erfahren, daß für uns in den Städten Jerusalem, Jaffg, Haifa und Liberias Bauplätze für etwa 12.000 neue Häuser vorhanden sind. Damit.wird zugleich der Spekulation ein wirksamer Niegeb-vorgeschoben. Ich will noch einen Pyste-n erwähnen: die Gründung der Arb eiterban k. Diese Bank, an der sich die zionistische. Organisation mit 40.000 Pfund und die Arbei'.er vorläufig mit 10.000 f funb beteiligen, soll den Arbeiterndie Möglichkeit geben, int Wegs genossenschaftlichen Zusammenschlusses große Arbeit in jeder Art im Ak kd r d zu übernehmen. Die Bank - hat bereits bei den öffentlichen Arbeiten/ der. Reg'ornH' -eine > wichlge-'Dolle^eshiellv und wird hof^e./tlich dlMInstrument werden.' La> den Arbeitern erlaub:,, .sich^mst-gulen technischen Hilfsmitteln auszurüsten. i -.j i ’-f,- v. . i: SchlieMch' lvill ich noch'ansühren,. daß die Drrbandluugen:he-s-,.Ingenieurs Rutienborg für eine Konzession MBeifützung der'Aüdscha für dieKräftgcwi'ntiung dem ssA ü s ch l n ß nahe sind. Mit den Arbeiten zur Durchführung' dieser Konzession kann schon in der nächsten Zeit begönne:: werden. M Festhalten Oesterreichs an der Souveränität im Burgenland. soll Ordnung schaffen. Die Entente ILIaM.1-M.St, Ein Pazifist im Völkerdundrat. Genf, 9. Sevtcinbrr. In der heute fortgesetzten Diskussion fiherbctt Tätigkeitsbericht fce-J Obersten Rates t ergriff der Pazifist Lafontain e das Wort. Er entwarf unter allgemeiner Aufmerksamkeit der Versammlung ein Bild der ällgeme'mey z e rr ii 11 e t e n S n g x E u r o p n s. Ueberall herrsche Elend, in Kt tnoiun writ: noch der Krieg. Daneben se: das m: vergangenen I.ahr voU'ührt:' Werk des B ö l k e r b u n d c S klein. Der Rtdrer bemängelh daß der Tätigkeitsbericht von alldem nichts nrihalte. Betchänünd fei die Langsamkeit, mit der das Statut des Internationalen Gerichtshofes angenommen wurde, dessen obligalorffche Klausel bis heute nur von 12 Staaten unterzeichnet worden fei. Tees se» die Folge nicht des Mißtrauens der Völker und - der Pr.ffel' sondern der Negierungen, die so zögernd an d.e Vcrmirktlchuug dieses hohen Werkes schreiten- Zum K.iprtel „A b nl st n n g" schildert der Redner die Schreck, n des' letztest Krieges deffen Opfer im Grunde die unschuldigst u Menschen gewesen seien. Nicht die hohen RüstunzS« Iviien, sondern das Schicksal der Frauen, Kmdrr. und Greise ^üssr eudl'.ch zur Einlclir si'chren. Der Völkerbund habe große ■^.tvab.n, Er muffe sich mit der Ausgleichung der ungeheuren S ch u l d c n, und zwar zu Lasten lener Staaten, die am luciiißfieu gelitten haben, befaffcn. D,e Zollgrenzen ne u ff t e n s ä l l e n. die heutige. Auffassung von der st a a tl \ ch c n S o u v c x änität vkrschwiudm. die reichen Länder i e.r •mmnt. helfen. l§s muffe eine Solidarität des E l c n d s -geschaffen werden. D e Versammlung' nahm die Aus ührnngm Lafontaines m t Stillschweigen ans. Umso lebhafter begrüßte sie A a n s e n. der über die Lage in R u ß l a n d sprach, dessen Problem beute das größte der Welt sei. Er bedauerte, daß dev Bericht hierüber nichts sage. Tvler^ 9. September. Die österreichische Regierung hat der interalliierten GeneralLommission in Oedenburg zur Kenntnis gebracht, daß sie mit Rücksicht . auf die' Ueberfälle auf die Gendarmerieposten Zagersdorf und Agendorf und die sich täglich wiederholenden Angriffe auch auf die übrigen Gendannerieposten sowie mit Rücksicht aus das Verbot, andere Kräfte zur .Sicherung des B ui genlandes z u octrocn d e n, si ch gezwungen sieht, d i e . ö st e r r e i ch i s ch e G e n d atmcti e aus dem V u r g e n l a n d nach u n ö n ä ch b i s a n d i e a l t e L a n d e s g r e n z e zurückzuziehen, um die nach einem undurchführbaren Uebergabsplan zur friedlichen Besetzung ins Land gerufenen Gendarmen nicht weiteren Gefahren auszusetzen. Die österreichische Regierung hat von dieser Absicht auch die in Wien akkreditierten Vertreter der Ententemächte und die österreichischen Gesandten in London, Paris und Rom verständigt. Die. österreichische Regierung wird auch die ungarische Regierung von dieser Sachlage mit dem Beifügen. in Kenntnis setzen, daß Oesterreich an seiner seit dem 26.Juli 1921 bestehenden Souveränität über das B u r g e n I a n b feierlich f e ft** hält und e u n garrsche Regierung für jede Unbill verantwortlich macht, die einem b u r g e n l ä n d i s ch e n Bürger für sei ne Sympathien für Oesterreich etwa zugefügt werden sollte. Nach den der Negierung zugekommenen telephonischen und sonstigen Informationen sind die Mächte nach wie vor fest entschlossen, Oesterreich zu seinem Recht zu verhelfen. Sie haben bereits angekündigt, daß Mittel und Wege werden gefunden werden, die Durchführung des Friedensvertrages zu erzwingen. Horthys Anschlag gegen Oesterreich. Der BttdaPester monarchiftische Amsturzplan. Prag, 9. September. Der „PragerPress e" wird von ihrem Wien»r Privatkorvespondenlen gemeldet: Der bereits angekündigte Plan, der Budapester Machthaber, einen Hauptstoß gegen Oesterreich zu führen und einem monarchistischen. Umsturz in Oesterreich die Wege zu ebnen, scheint heute in Fluß zu fein. Ich, er? fahre aus gutin formierter Ouelle: Allen maßgebenden Persönlichkeiten ist es heute, klar, daß die Magyaren einen Coup planen, der, die ganze politische .Konstellation in Mitteleuropa erschüttern und in seinen Konsequenzen noch nicht absehbare Folgen haben kann. Die Lage ist sehr ernst, und es liegen unwiderlegbare Beweise vor, wonach Magharien einen militärischen Schlag gegen Ster ermark und. gegen das niederösterreichische Industriegebiet plant. Die magyarischen Banden,, kriegsmäßig ausgerüstet und von aktiven ungarischen Offizieren geführt, haben dort folgende Ausstellung: Etwa 8000 Mann stehen an der steirischen Grenze, des Befehls harrend, >«»««»0»« «»««« « » » MB B ' 'S ■ 0 n n » B 1 B B Hilfe für Autzland. MoSba«, 9. Scptenlber. (Funkspruch.) Die amerikanische Hilfsaktion hat in Petersburg eine Kamlei eröffnet und Vorratsrwgr-ni: angelegt. Gre übernimmt die Ausspeisungvon i n bcr n von 3,ü^ t3 Fahren. D.e allgememe französische Arbeiterkonferenz sammelte für Raffland 100.000 Francs. In Bulgarien wurd«» im ganzen Lanoe, qhne .Rücksicht ans Partei und Klasse H il fsk.s m i t e e s fijr Rußland gegründet. Die italienische W Vfl i er u n g :beschloß, sofort einen b t sondere n v c fc i t de^i. italienischpr Roten Krens für Rußland m be» w en, u>. d fickte die vom Kriege zurückgebliebenen Vorräte an tOi b famcntcn und Saniiü'smnterial der Hrlfsaltivn zur Ver» sügung. c. BQJKO Wien, I.» Kärntnerstr.34 Maysedergasse 2 Bl Vo r f ü h r u n g der auserlesensten. Original Pariser und eigenen Modelle in Toiletten, Kostüme» Mänteln Pelze» in reichster Auswahl TäglichvonlObisl und3bis6Uhr 129 :> __ ... in Steiermark einzusallen und das dortige Industries, gebiet zu besetzen. Parallel zu dieser Aktion sollen^ 15.000 Mann magyarischer Banden aus dem Raum! von Oedenburg vor stoßen, und das Wiener-Neustädterl Industriegebiet besetzen. Die Aktion hat folgenden Plan:! 1. Eine Panik in den Industriegebieten hervor-! zu rufen und .Oesterreich' wirtschaftlich zu schwächen; .i 2. erwartet man dann in Budapest eme Bewäff-! nung der österreichischen Arbeiterschast (die inan nichts, fürchtet), um in Paris.und London darauf hintoeiseir) zu können, daß es tatsächlich österreichische Kommu-s nisten sind, die ins Burgenland einmarschienen wolltew und gegen pie sich die Bevölkerung zur Wehr sctzt^ 3. hofft man, durch die Besetzung che scheu Industriegebietes, die sozialdemokratisch schasr schachmatt zu setzen und den reaktionären menlen Luft zu machen. Dieser beispiellos verwegene Plan entspricht so« der Horthyschen Genialität. §)aß selbst in Oester», reich die Lage als sehr ernst 'betrachtet wird,'ersieht! man daraus, daß die ganze, zur Verfügung stehende Heeresmacht an den Grenzen zusammengezogen wird'. Dies ist aber viel zu wenig, tveil die Zahl dev jetzt operierenden Banditen ans mindestens 25.000» Mann geschätzt wird, nicht mitgerechnet die regulären ungarischen Truppen, die hinter den Banditen Aufhellung genommen haben, und die eigentliche Reserve bilden. Die große Entente ist von der Sachlage heuts! genauest informiert worden. Dies , genügt aber nichts Es ist. keine Uebertreibung, wenn erklärt wird, daU die vitalsten Interessen der ganzen kleinen Entente! durch die Horthhsche. Vabanqne-Pvlitik bedroht erscheinen. Ein politisches und . wirtschaftliches Ehaoe^ in Oesterreich könnteauch' nicht ohne Rückwirkung auf die Tschecho-Slowakei bleiben. Darum spricht man' es in ganz nüchterner Beurteilung in Men heute schon offen aus, daß die kleine Entente nicht weiter? ruhig zusehen sollte, wie Budapest in dieser ernftLN- Frage Mitteleuropa herüusfordert.. Magyarische Erpreffungen. Bekanntlich verüben die Magharm im Burgenland Ränb) und Plünderung und alle Arten der Erpreffung. Ans Fürstenfeldj wird der folgende krasse Fall magyarischer Erpreffung gemeldet^ Der Besitzer der zwischen Fchring und Jennersdorf gelegenen! Klementmühlr war den Magyaren ösierrrichfrenudlicher Gesinnung! „verdächtig", was die Magyaren veraulaßte. da sie seiner! selbst nicht habhaft werden konnten, seinen einzigen Sohn zw verhaften und forlzufchlrppen. Dem Vater ließen die Magyaren? milteilen,. daß er, wen« er seinen Sohn lebend »vieder sehrw wolle, ein Lvsegetd von einer halben Million, Kronen zahlen muffe. Der Klementmüllrr war glücklicher"! Werse in der Lage, dieser Erpressersordernng zu entsprechen itrt^ die halbe Million an den Bandensührer za zahlen. Darauf^ hin ließen die Magyaren den Sohn des Klementmülleri wieder ftei.! Graz. S. September. In dem deutschungarischrn Ortej Rndersdors bei Fmstenfeld brach gestern eme Patrouille vonj .Insurgenten ein und erpreßte vom Orlsnchter K 200.000' und vom Fabriksbtsitzer Satcker 100.000. Die Insurgenten^ patrowlle, die über ein MaschHengewehr verfügt» hält den^ ungarischen Grenzort besetzt. ' Weitere Verhaftung in der Fehringep tzochverratsaffäre. Fehring, 9. September. Unter dem Verdacht der Mitschuld! am Hochverrat wurde hier , der provisorische Gemeindeadjnnkt Mac ko verhaftet. Ferner wurden unter dem Verdacht der Spionage der Hauptmann i. R.Carrossh und der von de^ Landesregierung bereits im Mai d. I. von der Dienstleistung enthobene BerirlSkommiffär Rudolf Steuer verhaftet, der dem Personalstand der steiermärkischen politffchen Verwaltung nicht angehört bat und der als Flüchtling von der politischen Verwaltung in der Bukowina zur Dinestleistung zur Verfügung gestellt worden war. Der italienische Stan-pnnkt.^ Budapest, 9. Sevtember. ..Magyar Hirlap" verösfenrüchk tinc Uni«vcbimß 'fiuS Wiener Berichterstatters mit einer hervor^ ragenden Persönlichkeit der Wiener italienischen Gefaudtschast, di^ sich unter anderem folgendermaßen äußerte: Es ist rin Irrtums den scharfen 'Ton der Ungarn überreichten Ententenote blost Italien zumschreiben. Bei der Umredigirrung der müde lautende^ Note svielte eine -weite Großmacht keine kleinere Rolle. Bezug-! lich des -um Ziele führenden Weges sind die Mächte vielfach ver-> schiedcncr Meinung, doch ist ihr Ziel ein gemeiusanies, daß nämlich allf Grund der süengen Einhaltung der Friedensorrträg« Emopa endlich zur Ruhe komme'. Der entschiedene Ton der Rot« 11.. Praterstrasse Nr. 9 '■pw* ** '' - Lager »on Seal-, Maaivurf- Engros-Abtellang: ««und NlltriamäntGllI sowie StadtpBlZSD D. PfilZSikkOS 11., Prakstrasse 11 KolcssalellvsvaU in Silber-, Blau-, Polaru.Mtska-Facb&uj i 1605 223