Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 941 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 941 , / . Wien Freitag veranttvortUiMvolle Menschen als Ihre unb unsere Führer, di-e - nicht bie Notwendigkeit des Zusammenwirkens der Ärahec uub der Zionisten kennen, haben versucht,'die lokaleir Schwierigkeiten cnlszub^nten, die uotwendige^veise in Palästina irr beit ersten- Entwicklungsskadietr chn serer Bewegung entstehen müssen. Einige von ihnen haben, wie ich fürchte, den arabischen Bauern Ihre Wünsche und den jüdischen Bauern unsere Wün.sche in einem falschen Lichte gezeigt, mit dem Erfolg, daß. die hieran interessierten Parteien Kapital aus'h^nt geschlagen haben, was sie unsere Orfserenzen.nennen. Ich möchte Ihnen meine volle. öebcrzeügung anssprechcn, day diese Differenzen nichtün.MMpielleu Fragen, sondern in Detailfrage.n bestehen und solcher Art sind, wie sie unvermeiLilich. bei jeder Berührung benachbarter Völker vprLo'mmen müssen ujid durch beiderseitigen gichen Willen leicht beseitigt werden können. Sicherlich werden bei.genauerer gegenseitiger Kenntnis fast all: Mißverständnisse schwinden. Ich Und mein Volk sehen einer Zukunft entgegen, in her Sie uns und wir Ihnen helfen werden, so daß die Länder, an denen > wir gemeinsames Interesse Haben, 'aufs neue ihre > $btfe in'der Gemeinschaft der Kulturvölker der Welt spielen, ' . (gez.) Faisul." ' Die Konferenz sprach den Führern Dr( Weitzmann knd Sobolvw e>u Dankes- und Vertrauensvotum aus Und Lestätilgte-sje als Vertreter der Zionistischen Organisation, ber^der.'Friedenskonferenz. Es. fanden lange Diskussionen ,ü^r'die Vorschläge statt, wobei allgemein die Meinung ' q-stSgesprochen wurde, daß die Forderungen nicht .weitgehend genug seien. D'r. Weitzmann erklärte), daß in einem späteren' Stadium Aenderungen Und HinzüfügunMM;möglich sein würden, daß es aber nötig gewesen" sei, ver Friedenskonferenz Forderungen vorzulegen,' die Aussicht auf Annahme, hatten. Die Auffassung gründe--sich-auf den Rat maßgebender Stellen. Man -habe die -zionistischen Führer dringend ersucht, ihren Einfluß dcchin geltend zu machen, die Konferenz zur M äßig irmg. ihrer Forderungen zu veranlassen. Ausdrücke? wie.„jüdisches Gemeinwesen" und „jüdisches Palästina", würden aus hem Grunde als nicht wünschenswert'erachtet, weil sie angesichts des verhältnismäßig kleinen Prozentsatzes der derzeitigen jüdischen Bevölkerung.Palästinas verfrüht sein und dazu führen würden,-.die ohnehin .schwierige Ausgabe der Mandatmächt noch, zu komplizieren. Sie seien daher gebeten worden, h'ie zionistische 'Konferenz, dringend' zu ersuchen, Mäßigung, Geoulo, Bertranen zu zeigen und praktische Vorschläge vorzulegen, statt das Tempo zu forcieren. '.- - ' / -_ Die Beschlüsse des allweltlichen zionistischen Stu-ententages. Dcr -zfonistische S-ud rNtnkongreß, welcher vom. 28. bis AI. Anglist in Karlsbad t.igte und von 50 Delegierten aus allen Ländern besucht war-, beriet über dir Grundlage, Aufgaben und Ziele dcs im Jahre192 > in London geschaffenen allweltlichen zionistischen Studentenverbandrs und über d/.e Möglichkeiten eine, Mitwirkungder z oyistischcn Studeutrnschaft.am Ausbau Palästinas. Die Konferenz nahm folgendes Arbntsvrogramm an: Der Kongreß fordert die Exrkn'ive auf, bei ihrer Ärbcil insbesondere auf folgende, Punkte, zu achten: I. Maßnahmenzur Erleichrnung von Fachstudien paläüi' nenüscher Probleme zu treffen sowie zur Ausbildung und Aus« Übung von Berufen» welcher Palästina - und bie zionistische WeUvrgamsation besonder? bedürfen. Dazu geboren: ») Gegenseitige Mitteilungen über Au?l"ldungsmöglichkeilen in dermtigen Berufen und gegenseitige Häie ter Landesverbände mr Ail-nütz»nsl dieser Möglichkeiten (zum Beispiel Ausbildung englischer Bx.irrer. Fachexkmsionen nach Palästina). d) Mitteilungen über 'reit BtiufSstellen (Herausgabe eines MitteiltrngSblgttlS, Statistik über Berufswahl «nd freie Stellen in Palästinas II. Arb eN für dir hrbrä"'che Nn vrrsiiät und andere wissenschaftliche Institut: Palästinas-, msbesoiidcre für die Universitätsbibliothek. . i III. Prin iviclle Anerkennung der zionisti'chen Dienstpflicht, Mitteilungen über Erfitzrungen bezüglich de.- Dienstpflicht zur Verrichtung ziomftiichrr Arbeit unter Ueberlaßung der Erziehungsmaßnahmen und AüS ührnng an die einzelnen Verbände entsprechend den Anforderungen der lokalen zionistischen Organisationen. IV. Austausch von Erfahrungen, welch: de einzelnen Landesverbände auf den'Gebieten der Erziehung und des UutcrrlchtS jüdischer Studenten, machen. V. Die Gründung c-mr zionisti'chen Studentenzeitschrisk ist in die Wege zu le»trn:' vor deren Erscheinen ',st durch informatorische Mitteilungen ' die'Verbindung mit den Landesoeibänden aufttchizuerhaltrn. " Vl Intcroeutz>)''tu, wo indischen Studenten Studieamoglichkeiten verkürzt odr^-^knommcn weiden. Vll. Nnterlüchuttg der Möglichkeit, die sachlichen Palästina- Exkursionen tüieder/anfMnclnnrn, .eveütuell hiefür in Betracht kommende Studenten.aus kür-ere oder liingere Zeit nach Erez Israel zu senden. .: VlN. Allmählicher Ausbau der Organisation zu einem all» gemeinen zionistischen Jpgeudverbande unter Hinzuziehung nicht» akadxmuchkr Iugendvetbände. .IX. Söitge ujn die und edingle Durchführung der Hebräisierung jrer zionistischen Studentenschaft. -Den'Verbänden, m denen eine intensive Hebräisch-Arbeit noch nicht ungeietz't hat, wird deren sofortige Aufnahme-dringend, nahegelegt. Die Exekutive hat über die Durchführung der Arbeit zu wachen und alle Maßnahmen m jö»dm,, dn birsem Zwecke dmckch sem Hmttu. Wiener MorgenzeitnnH 9. September 192! Momentaufnahmen vom Kongreß. Goldberg (Amm!a). Seite 3 Gezeichnet von Hachma.' n. m 7 l Lipskq (Amerika). ' X. Durchführung der praktische!, Hi'fsaktion für die Chaluz-Gruppen m Erez Israel durch die zionistische Sludentrnorganisarion. Diese geschieht dadurch, daß das Chaluz-Komitee der Exekutive die Name« der Chaluzim den einzelnen Organisationen zukommen läßt, mit denen, die Mitglieder korrespondieren und ihnen Bücher. Zeitschriften usm. znkommen lassen sollen. Webers wurden folgende Thesen zum Erziehungsprogramm alreptirrt: Die Erziehungsarbeit des zionistischen SludeutenweltverbandcS besteht darin, die in dm enntlnen Landesverbänden zum Dienst am jüdischen Volke bereitst ehenden Kräfte aus der zionistischen Studentenschaft zu 'ordern und regelnd zu leiten. Die eigentliche Erziehur.gSa-.beit bleibt den einzelnen Landesverbänden überlassen und - kann nur daselbst in engeren Krescn geleistet werden. Füc die Eichung und die Arbeitder Exekutive bildet die Grundlage die Auffassung des Zionismus als idealistische Bewegung, um deren Ziel zu verwirklichen es auf btt verantwortungsvolle Tat jedes einzelnen Zionisten aukommt. Für die Erziehungsarbeit der Landesverbände empfiehlt der Kongreß folgende Grundlagen: - -1 Engster persönlicher Zusammenschluß und Gemeinschaftsleben derjenige», welche diese Erziehungsarbeit z» leisten bereit find. 2. Schaffung fester Formen und allgemein bindender Gesetze als Rahmen für diese Erzirhungsgemeinschaften. 3. Werbearbeit, stärkste Erfassung und Disziplinierung der Neugewonnenen durch Unterricht und Arbeit für die Verbindung« späterhin durch Heranziehung zur zionistischen Anßenarbeit, besonders Keren Hnjcssod. Nationalfonds, zionistische Organisation, Chatuz-, Jugend-, Mutelschulbewegung. 4. Leitung dcr gesamten Erziehung unter der Idee der festen Ve pflichtung und unbedingten Unterordnung unter Me nationalm Notwendigkeiten. * Hierauf wurden von dm vorliegenden Antiägen Resolutioncn betreffs Schaffung eines Inoendverbandes und bezüglich obligatorischer Teilnahme an dcr Keien-Hajessod-Aktion angenommen« Bei der Wahl rn.die Exekutive wu den gewählt: Zum Leiter O l i tz k y (Berlin , der mit zwei kooptierten Kollegen die Arbeiten in B e r l i n zu leiten hat. Frrner zu Mitgliedern der Exekutive Ing. B a w l y (Holland), Dr. K i w e (Wien), Dr. Laute r- P a ch t (Ostgalizien), Dr. Jakobson (Frankreich). * Eirre Aerztekonferenz. Karlsbad, 8. September. Im Kongreßgebäude hot Dienstag abends eine Konferenz der zionistischsn Aerzte stattgefnnden, welche beschloß, eine<Sionderkommission für den Kongreß zw bilden. In der Konferenz wurde mitgeteilt, daß . die Errichtung eiwer medizinischen Fakultät in Jerusalem eine beschlosseiw Tatsache fei, und daß für diesen Zweck 300.090 Dollar zur Verfügung stehen. * Vorlesung Lia Rosen. In der grvßm Reihe künstlerischer Veranstallungeu, die. sich um den Rahm-n des Kongnfses gruppirren, bildete der gestrige Voitragsabend L > a R o s e n s dm Höhevnvtt. Die Künstlerin, die bcim Kongreß nach l.mgrr Zeit zum ersten Male wieder am Vorlesetisch crschien, entfaltete ihre b.karwte edle Sprachgewalt, um die Vision drs jüdischen Le'c-cns aus der Bibel vor dem geistigen Auge der Hörer erstehen zu lassen. Jhie Vorlesung klang in die poetische Wiedetgabe des großen Bildes Ezechiels von der Auferstehung Israels ans, welche ans die Zuhörer tiefste Wirkung üble. Selchwart». Rntaanit Armin Biel Frühslückstube und Delikatessenhandlung Niederlage der Lt & T« PlO^Gfl Wurstfabrik Wien, I., Schotten ring 14 Telepltou Nr. 60-7-48 10*8] Sputallttt* Fab« AufhehalttptattM, PHtnar Ur^nati ■. Paaboritrta vaa Fosa Der Brandherd. F. Wien, 9. September. '; Die Völkerbundoersammlung ist vor einigen Tagen zum zweiten Male zusammengetreten. Sie ist durch schwungvolle Ansprachen eröffnet worden, man hat befriedigt konstatiert, daß die Zahl der Teilnehmer gewachsen ist, und ein ausgedehntes Arbeitsprogramm oorgelegt, zu dem auch gewisse Aenderungsvorschläge . des Statuts gehören, welche die Festigkeit dieser Staatenvereinigung steigern sollen. Denn noch ist der VölkerbMd bloß eine Vereinigung der Staaten und nicht der Völker und seine Autorität vorläufig mehr moralischer als physischer Art. Es ist die; Schuld der großen Mächte selbst, jener, die mehr oder weniger willig bei der Gründung des Völkerbundes Paten gestanden, daß aus ihm bisher nicht das geworden is^. was seinen Initiatoren vorschwebte: das faktische Welttribunal, das sein starkes Wort in die Wagschale wirst, um Differenzen friedlich zu schlichten und jeden Versuch kriegerischer Austragung von Konstikten im Keime zu ersticken. . Mehr als zwei Jahre Völkerbund haben es , nicht zu verhindern vermocht, daß die Nationen unbe- - kümmert wie einst zum Schwerte greifen und. an die Gewalt als ultima ratio appellieren. Noch herrscht in der Welt kein Friede und jeder Tag birgt die Möglichkeit neuer Konflagrationen. In Marokko haben die Aufständischen an Spanien den heiligen Krieg erklärt, in Indien tobt der Aufstand der in Aufruhr geratenen Massen, in Rußland kämpft das Volk infolge der Politik des Stacheldrahtzauns gegen den großen Würger Hunger, Kleinasiens Wüsten sind der Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen Türken und Griechen, in Syrien zündelt immer von Zeit zu Zeit die Bewegung gegen den französischen Mandatar empor, - in Irland herrscht seit Jahr und Tag Kriegszustand mit allen seinen Begleiterscheinungen und in Deutschland ist alles, was republikanisch ist, von einer tiefgehenden . Erregung erfüllt, die durch die Hetze der immer kühner.; auf den Umsturz hinarbeitenden Reaktion ausgelöst wurde, welche nur die Haltung der Westmächte und vor allem Frankreichs indirekt gestärkt hat. Alle diese Erscheinungen aber gehen letzten Endes auf die nämliche Ursache zurück, auf das Fehlen einer höheren Gewalt von unbestreitbarer Autorität und allgemeiner Geltung, die - das europäische Chaos bändigen und die Welt m Ordnung zu bringen vermöchte. Der Interessengegensatz der Großmächte wirkt lähmend auf die allgemeine Weltlage; Frankreich, die gegenwärtige Vormacht auf dem Kontinent, treibt seine eigene Politik und sieht ' alle Vorgänge durch die imperialistische oder anti-- deutsche Brille und die Existenz des- Obersten Rates ist dem Ausbau des Völkerbundes hinderlich, obgleich auch jener, wenn es nicht gerade dem gefährlichen Gegner ' Deutschland gilt, seine volle Autorität eingebüßt hat unb geschehen lassen muß, was zu hindern er zu schwach ist. Weder die Westmächte noch der von ihnen entworfene Völkerbund haben bisher zu einem Einvernehmen mit Amerika zu gelangen verstanden und an diesem Zustand krankt die gesamte bisherige Konstruktion des Völkerbundes. Amerika hat die Position des beobachtenden Außenseiters in allen Fragen bezogen, die seine Interessen nicht unmittelbar tangieren, es hat auf den Versailler Traktat mit der neuerlichen Betonung des Grundsatzes der Nichteinmischung, der Monroedoktrin geantwortet und füc den Herbst eine Abrüstungskonferenz einberufen, zu der nur die wenigen Großmächte geladen sind. Der tschechische Außenminister Dr. Benesch bemüht sich, im Völkerbund die Annahme eines Statuts durchzusetzetr, laut welchem Sonderbündnisse einzelner Staaten mit diesem in Einklang gebracht, ja v«r ihm geMett «erde» WW i i i- *r ■ D