Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 941 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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yfflf TP Men, Freitag Degrützungstelegramm der englischen Regierung. In der Abendfitzung, welche um 9 Uhr begann (Vorsitzender Mozkin), beschloß der Kongreß, eine Begrüßungsdepesche an Baron Edmund Rothschild zu richten, in welchem ihm der Dank für sein großes Werk in Palästina ausgesprochen rvird. Sodann verlas Präsident S o k o l o w unter stürmischem Beifall des Kongresses eine . BegrStzrmgsdepesche der englischen Negierung, welche lautet: Ich bitte» dem Kongreß die herzlichsten Wünsche der Regierung Sr. Majestät zu übermitteln, die das Vertrauen hat, daß es Ihnen gelinge« werde, Palästina wieder anfznbane«. Die Juden «nd Araber werden in einem glücklichen Lande vereint sein. In der Debatte erklärte Ingenieur Körner, die Vereinigung der jüdischen Ingenieure, die sich in Karlsbad konstituiert hat, Halle es für wünschenswert, daß die in Palästina durchzuführenden Projekte von einer Ingenieurkommission überprüft werden. Den Einkauf von technischen Materialien ebenso wie die Verteilung sollten, was leider nicht geschieht, Sachverständige vornehmen. Es darf nicht sein, daß Herr Dr. Ruppin über alles entscheidet. Redner verliest eine Resolution der zionistischen Ingenieuroerbände, in der unter anderem für die Durchführung des Aufbaues des jüdischen Landes die Errichtung eines technischen Zentralamtes gefordert wird. Kaplanskh: Der Agronon Dyck hat gestern meinen Ramen kn Verbindung mit der Kooperative in Merchawjah gebracht und behauptet, daß ich zy den Arbeiterführern gehöre, die die Arbeiter zu kommunistischen Methoden geführt haben. Dyck sagfe, es wäre kommunistisch, daß die Arbeiter in Merchawjah bei individuell ungleicher Leistung gleiche Löhne haben. Der Redner, nimmt dagegen Stellung und meint, daß dort Arbeiter gleicher Qualität beschäftigt sind, daß er übrigens stets für die Bezahlung nach der Leistung eingetreten sei. Trietsch: Ich war . wenig damit zufrieden, daß Doktor R u p p i n meine und S o s k i ns Vorschläge in seinen Schutz genommen und sie empföhlen hat. Da er scheinbar nicht sehr daran glaubt, kommt alles kleinlich heraus und die Sache gewinnt den Anschein eines Verlegenheitsprojekts. Wie sehr Sie bei Doktor R u p p i n einer Suggestion unterliegen, wie sehr Sic an Wissen glauben, wo völlige Weltfremdh e i t vorliegt, beweist seine Erklärung über das Regierungsland. Er sagt, es würde uns genau so viel kosten wie gekauftes Land und vergißt, daß wir im Regierungsland jüdische Siedler beschäftigen können, im anderen Falle den arabischen Großgrundbesitzern Geld geben. Für Ä u p p in bietet das Land Hinderniste, anstatt daß es ihm die Bolksmöglichkeiten zeigt. Die sozialen Auffassungen Ruppins gehen darauf aus. sozusagen besitzlose Arbeiter zu schaffen.. Ruppm. vertritt die unmögliche K o l o n i s a t i o n s z i f f e r von 1000 bis 2000 Pfund. Ich glaube nicht, daß wir damit jemals, eine nennenswerte Kolonisation durchführen werden. Kaisermann (Kanada, spricht jüdisch): Der Kongreß muß sich dem Einwanderungsproblem in weitestem Maße zuwenden. Die Paläftina-Aemter haben Vorbereitung s° schulen für Auswanderer zu schaffen, in denen diese zu praktischer Arbeit erzogen werden. Der Kongreß muß seine Stimme für die freie Einwan d e r u n g in Palästina erheben. (Lebhafter Beisall.) Dr. Lutte häll ein längeres Referat über die heb räifch e Kulturbewegung. Nach ihm nimmt Dr. Schmarjah» Lewin das Wort. 11 Uhr nachts. Die Sitzung dauert fort. Aus dem politischen Bericht der Exekutive. Die zionistische K«rif«<e»r im Frühjahr 1919. — G«n Rrmo. ■ Die erste zionistische Konferenz seit dem Ausbruch des Krieges fand in London am 23. Februar 19.19' und den darauffolgenden Dagen statt. Es ioaren zio-' nistische Vertreter aus Palästina, Amerika, Rußland,' der Schweiz, der Tschecho-Slowakei und anderen Ländern - zugegen. ' Die Misrachi und die Poale "Zion waren ebenfalls vertreten. Drei oder vier Wochen vörher hatten 75.000 erwachsene Juden und Jüdinnen Englands eine’ Petition an die Friedenskonferenz' unterzeichnet,' in. der die Schaffung v.r.ec nationalen Heimstätte für da» jüdische Volk in Palästina unter einem britischen Mandat gefordert wurde. ZOO jüdische Jusii!'ii'/.nren hatten MÄÄ-i. Resolutionen angenommen und 130 hervor- Wisner Mörgenzeit»«- \ —-—-—^ r~~.. .. ragende Männer Englands hatten eine Sympathieerklürung mit den jüdischen Bestrebungen unterzeichnet. Die Konferenz erwählte die Herren Dr. Weitzinann und S o ko lv w zu Vorsitzenden. Sie hatte jedoch kaum ihre Arbeit begonnen, als die Anwesenheit dieser Herren in Paris dringend notwendig wurde. Man hatte erwartet, daß die Beratung der jüdische« Forderungen erst nach. Abschluß der. Friedenskonseenz folgen werde. Mr. Ba^fömr hatte sie jedoch auf d ie Agenda .der Sitzung-' vom '18. Februars gesetzt und der englische Sekretär deq Friedenskonferenz wies die»zionistischen Führer darauf.hin, daß ihre Anwesenheit jederzeit notwendig werden könnte. Man bemühte sich ans telegraphischem Wege, die Sache zu'derschieben. Das Ergebnis war, daß die Behandlung der jüdischen Frage ans das Ende der Woche, in der die zionistische Konferenz begann, anberaumt wurde. Die Konferenz verbrachte die Woche mit kritischen Diskussionen über die Vorschläge des Entwurfs, die bereits der Friedenskonferenz unterbreitet worden waren. Herr Dr. Weitzniann, Herr Svkolow und Herr Ussischkin fuhren am 26. und 27. Februar nach Paris und am Donnerstag den 27. Februar nachmittags wurden sie von der Friedenskonferenz empfangen. Dr. Weitzmann berichtete der zionistischen Konferenz am Mittwoch den 7. März über den denkwürdigen Vorgang. Sein Bericht sei hier zum größten Teil wörtlich wiedergegeben: „Ich möchte, soweit es möglich ist. einen genauen Bericht über den Vorgang bei der Friedenskonferenz tgeben ... Wir erhielten eine telephonische Mitteilung, daß die Vertreter der Zionistischen Organisation anr Donnerstag um.3 il.hr nachmittags vorgeladen tverden würden,. daß Herr Sobolow und ich gebeten werden würden, die Zionistische Organisation, und überdies Mr. I.- de Haa s, - bi«; amerikanische Organisation zu vertreten, daß ferner M Andre« Spire als Vertreter der französischen Zionisten und M. Silva in L e v i als Sprecher der ganzen französischen Judenheit geladen werden würden. . Wir tele, phonierten sofort, daß Unsere amerikanischen Freunde nicht' vor Freitag würden kommen können und daß wir ferner wünschen, daß Herr Ussischkin als Vertreter der russischen Judenheit emgeladcn (verde. Schließlich fragten wir, wessen Vertreter M. Levi sei. Es wurde unsgeantwortet, daß die Friedenskonferenz nicht bis Freitag warten könne und daß Silvain Levi als. Vertreter der französischen- Judenheit erscheinen werde. 8kn selben Abend suchten wir M. Levi auf, er war aber in der Oper. Es wurhe uns mitgeteilt, daß '-man Mittwochs früh macht Mr. 'd e H « a s telephonieren" werde". "/Ich" "dg; Erkundigungen ein, ob Mr. de 'Haas ' per' -Aeboplan herüberkommen könnte. Man.sagte ftnir, es fdi-möglich, wenn die Witterungsverhältnisse -es gestatten, - Das Wetter war aber am Donnerstag schlecht . im-bso konnte man keine Vorkehrungen treffen, - ihn kommen zu lassen. - .. Wir beschlossen, daß Herr- Sok o lolv mit einer französischen Rede beginnen und eine Erklärung, über den ersten Punkt unserer Vorschläge — unsere historischen Anrechte auf Palästina — abgebett solle. 'An. zweiter Stelle konnte ich dann ander« Punkte: unserer. Vorschläge besprechen. Danach; sollte Ussischkin die Vorschläge der russische^ Judenheit in h e b-r äi ßch e r Sprache unterstützen. Schließlich sollte M. Andre« Spire sprechen, über dessen R^e man sich einigte. Die Konferenz begann um yo4 Uhr. M. Clemen ce a n ging nach einigen Minuten weg und M- Pi,chon übernahm den Vorsitz.' Es waren zugegen: Mister Balfvur und Lord M i lne r als Vertreter Englands, Tard ieu und Pich 0 n für Frankreich Lan sin g und White für Amerika, SoyniNv für Italien und ein Vertreter Japans. Herr So ko low erwähnte in einer kurzen Mde, daß alle Regierungen uns Erklärungen gegeben hätten. Er umschrieb dann die Rechte des jüdischen Volkes ans. Palästina. ' Als Herr S o ko lo w geendet hatte, übersetzte der offizielle Uebersetzer, .ein Jude, seine Rebe und legte Gefühl in sein« Worte. Danach sprach i ch. Meine Rede wurde ins Französische übersetzt. Dann kam Ussischkin. Er hatte die Auswahl zwischen dein Russischen und dem Hebräischen, und er entschied ' sich natürlich für das letztere. Seine Erklärung machte einen tiefen Eindruck auf die Konferenz. Änbree Spire sprach dann im Namen der französischen Zionisten. Er appellierte an 'Frankreich, das Land der Freiheit, daß es den Juden ihren Anspruch auf Freiheit gewähren solle. Dann folgte M. Silvain Levi, Erst lobte er den Zionismus'bis m den Himmel, um uns nachher umso tiefer hinabschleudern zu können. Er beschrieb Palästina, seine Entwicklung und die Ausbreitung der hebräischen Sprache. Er beschrieb die Arbeiten der Chowetve Zion. untz schilderte dann das Werk der Alliance der, Nothschilds. Er sagte, der Zionismus hätte die - jüdischen Massen moralisch -gehoben, er sehe aber eine Gefahr in der Verwirklichung des zionistischen Gedankens. Erstens-sei Palästina ein armes, kleines Land-und seine Erschließung sei zu schwer. Die Juden würden das nicht leisten können. Ferner seien die Juden, «die nach Palästina gehen würden, dir russischen Juden, die einer: explosiven Charakter hatten. Seine Rede dauerte mugefähr. zwanzig Minuten und als er geendet halte, fühlten wir uns sehr niedrrg 'schlagen. Er machtezwar keinen Eindruck aus die Konferenz, besonders 9. September 1821 Nr. am Schluß, es war' aber ein großer ChiNN'f Haskhem, daß er so gesprochen hatte. Was sollten wir tun? Wenn wir uin Erlaubnis baten, darauf zu erwidern, dann würde sich daraus ' Sinn Diskussionentwickeln, wasnicht' wünschenswert.schien. Da geschah ein Wunder. Mr. Länsing, der amerikanische' Vertreter, der in der-Ecke faß und während Levis Rebe, seinen Stuhl immer weiter woggerückt hatte, fragte mich, was' wir Unter dem Wort „eine jüdische nativ^ nale Heimstätte^ verstünden. Dies gab mir Gelegenheit, zur Erwiderung. Ich erklärte, daß wir unter einer jüdischen nationalen Heimstätte die S ch'äffu n.g sotch'ev Beding»ngenin Palästina verstünden, die es uns ermöglichten, 5 0,0 00 bis 6 0.0 0 0 I ud € it jährlich ins Land zu bringen uyd 'sie dort 'anzusiedeln, u n se re- I n st i tu üio n'en, ' uns «"re S ch ulen und die heb r äisch o' S prache 'zu entwickeln und schließlich' solche Bedingungen zu schaffen, daß Palästina genau f o jüdisch' fest - wie A m e r i f a amerjkaut s ch und^-E n g lan &,. $ n g l i,f'ch'... Dar.quf fragte ich La n sing, ob meine Antwort klar genug sei, Er erwiderte: „Vollkommen klar/< Mr. Ba l f^itp war -sehr zufri.eden und.auch''die itali xnis-chen Vertreter waren zufri^d'en. Dann erwiderte ich auf Sftpain Levis Erklärung: „.Es, sei , wahr," sagte ich', „daß die' SchiEigkorte» 'groff'/seien wir Zionisten aber, die alt diese Jahre hindurch.geaxbeitet hätten, wüßten, wiegroß - die Schwierigkeiten seien; es sei uns aber leich'e':,. ..diese Schwierigkeiten'.^ zu überwinden,--als so weiter zu sehen, wie wir es.'jetzt - rtäten. Die Frage sei nichts „Ist -es -schwer?", sondern. / „ist es möglich?^-Und. wir sag'eu: „E^ ist möglich.";,-. Vor 30. Jahren waren-in Tunizvblo-ß 30.000-Olivenbäume gepflau^- ietzt-, gebe 8,000.000, . Wa^.> diev> - Fra'noseu in Tunis, getan hätteic. würden wir in .Paläüi-na tun. wo das K/ima besser sei,.und. die--.Judenmit ihrem Geli-e Und iürer Energie würben uns helfen'... ,> M. Le v i vergeffe, daß die Kolonien, di« er , so --.ge« - lobt habe, von' r u s k i f ck e n Jn^en äeschäften wo-rdeu-.-^ seien. Wir wollen dr» sch-wkerilchp Energie de'-.-rusft?-</ scheu Inden iür den Aufbau --unserer Heimstätfn-'.''? Paläftina wach'vusen^' ' / Die Sitzung wax für uns zu Ende. Mr. B al-'/. ' four sandte seinen "Sekretär hinaus, um uns zu g#,:’; tülieren. Herr S o n n i n o beglückwünschte uns -anchE Am nächsten Morgen'eröffne-!e ^hie Press-./ ein' Krsüz-/^ feuer'aus uns.'Wir/hat-eu jedoch eine bessere PrIK,'/,' als wir erwartet hatten. M. -Tardie» ' beröjfenj*; lichte eine Erklärung, daß Frankreich einorn englischen ' Mandat über Palästina .nicht, opponieren sverde^Mle Zeitungen ' sprachen Der., vas^jüdische.. GenreiriMsen. Lansing fragte uns, was e^ bedeute,-ünd "wir üntivor- . leien, -d ie>- Z ent/ für e i n - j ü d i s ch es G-e me.i nwe se n-sein o chmnch t ge ko-inm e n. Dann e^-öffnake-.- . der-.- ,Ma t in" eiste'. Reihe von Interviews-,guMM/ nnt Silvain 'L-e v i, -danlr-> miteiner hohen, kpr'ckft^ ' lichen Persönlichkeit und schließlich -mft'--FaiWb^ (dem jetzigen Köuig/poü Jrak..^ DÄ Red.).-' Das,-.-.Ptzfe-)-/- war -rein eindrucksvolses' .Interview, bei dem Haiful'-/^ erklärte, daß er-H e g « n-ein jüdischeGemeinwesen/ Am Samsiag früh "trafen wir. FaisulS Sekretär,..- dvrt'- . gegen-, die Forn^ piitHer- - das Interview. veröffentlicht worden war, p r v t-dft yt, t te.- und sie als - undolMMtz»'--. beschrieb. Wir (Frankfurter und ich), batendaraufti-'. Faisul, die Er)klärunAdl-dementieren.. Er erklä-rte^s-ichz- . dazu bereit und-sandte folgenden Brief an .Professor Frankfurter: - '-- - .... . -i: Paris, 1. März 1919,^- Sehr, geehrter Herr. 'Frankfurter!. . Ich möchte-die Gelegenheit meiner ersten rührnng mit den amerikanischeil Zionisten be>lützH----> unl Ihnen das.^u sagen, was ich Dr. Weitzmann . schon wiederholt sowohl in. Arabien wie-in ditv^ sagen konnte: Wir sind der Ueberzengung, daß-/.-. Araber und Jupen .nahe R a s.s c n v e r w a n d t e sind, die ähnliche Verfolgungen durch Mächte litten haben,, die stärker waren als sie selbst, uH/hüV,./ durch ein glückliches Zusannnentreffen in der' -:Lc^c<. sind, zusammen den Schrift -.zur /Verwirklichung/., ihrer nationalen Idealezu tun. Wir Araber, cho-.,'.- sondersdi« Gebildeten unter uns, blicken mit tiefster S-ymp.athie anf bio .zioniftt Bewegung. Unsere Delegation hier kennt - geirgiz - die Vorschläge, die gestern, von der Zionistischen Organisation der Friedenskonferenz^ unterbreitet nmr--' den, und wir.halten sie für müßig nud berech-/ tigt. Wir werden unsererseits unser Ä-estes tun,/. , ihnen zum Sie g e z u verhelfen. Wir tvo llen den Juden ün fer herz lich stes Willkv mine». bei ihrer Rü ckkehr in div Heimat z iirufen. Mit den Führern Ihrer Betvegung, besonders mit Dp.' W e i tz m a n n, standen und.. stvlM'' wir inengster Berbindüng. Erhä't unserer Sache - große Dienste geleistet, und ich' hoffe, daß die Aräber bald imstande sein wardsn/den Jnde.n ihr« Gute zu'verge lten. Wir arbeiten ztlsanimen für u\w'n ncugeftaUeteii und tv i e d e r a u s be b e n d e N i Orient und unsera beiden B-'jvegungen ergänzen ' einander. Die jüdische Bewegung ist n a t i o n a l u n d nicht i nt per {ä l i ft i f ch: auch unser« Bewegung - ist national Und nicht imperialistisch; in Syrien' ist für uns beider Raum genug.-'-Ich'-glaub« -sostä-i-'P dvß r ieder von uns Erfolge bedarf. des anderen Volkes zum wirkftckM Weniger unterrichtete und rvenigec