Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 941 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis 3» Kronen PränumeratioysPxeife: W tf«: A«u« Adhole»iin dr» Extzedittoir. ~2. Bezirk, Tabor» ftratze 1 biA 3, ober i» ritze» BersareiWeve tTrafiki-. Monatlich . Aronei» IS-».- Mit Postvcrsand ftr Wien «ab Oenrrrnchr ' Monatlich . ikrone» 480.— Tschecho-blowakeir Monatlich ..Kronon 18.— U irrte ^jährlich : , -o54.— in tlcheqr-jlowartscher Währung Ungar» r Monatlich. Krone» 7«,-. VtrrtrlMrltch . t» nnsartscher WMutzg Jkiigoslawirnr Monatlich Dinar IS.— Vtert»l»ahrtich „ «0.— xoi^curLss -vv5o^ve lener Einzelpreis 2 tfch. Kr. Pränumerationöpreise: Polen: Monatlich. .-Mark »00». , . in polnischer Währung Deutschland: Monatlich. . . Mark 14, ssrankreich: Monatlich . . . Franc- 6.- Italien: Monatlich. . . Lire C.- . Nnmünicn: Monatlich. . . . Le! 25. - Schweiz u. daS übrige Ausland Monatlich. . . Francs L.- ^?^Nionu.Adi:rin:straHüii Wien,' .Vez.,Taborstr. 1—4 XcUpbona 44058, 4S314 »d 6 lttzr abend« Nr. 16201 Vostsparkafievkonto 153.523 Nr. 941 Wien, Freitag den 9. September 1921 2. Jahrgang XII Von unserer Karlsbader Redaktion. Karlsbad, 8. Seplember. Die Palästina-De-atte. Zum Schluffe der gestrigen XIII. Sitzung kamen noch zwei Palästinenser zum Wort - Delegierter Elieser I o f f e (Palästina) spricht ebenfalls gegen das S o s k i n s ch e S y st e m. Delegierter Scheinkin (Palästina, spricht jüdisch): Bezüglich der Einwanderung in^ Palästina ist die jüdische Volksmasse zu wenig orientiert. Man könnte glauben» es kämen nur Steinklopfer und Taglöhner, deshalb glaubt man. es kämen nur Hungerleider als Einwanderer in Betracht. Die Tatsachen zeigen etwas anderes. Die Statistik beweist, daß ein großer Prozentsatz der Einwanderer bei seinen ursprünglichen Berufen bleiben konnte. S ch n e i d e r. S ch u st e r.. Schmiede usiv. haben sich mit geringen Mitteln niedergelaffen und mit kleinen privatey Darlehen ihre E x i st e n z begründet. Das ist ein gesundes,, produktives Element. Wahrend die Chaluzim zwei bis drei Monate in den Einwanderungshäusern saßen» waren die ' Handwerker sehr bald gn der Arbeit. Whner beschuldigt die Arbeitersührer, daß, sie. den religiösen Gefühlen nicht Rechnung tiagW Er schlägt. vG in die Palästina-Aemtec AMMk 'der H ä n dw e r k e r auszunehmen, um' 8ör«i'Meressen wahrzvsiehmen. Ungelernte Menschen sind Handwerker in Palästina geworden. (Zwischenrufe.) Viele sind schon in der Lage, ihren Familien in Europa Geld zu schicken. (Rufe: Jawohl, das ist richtig!) Das Budget der Einwanderung muß auf 250.000 P f u n d e r h ö h t weiden. Es muß auch ein Jnformationsbureau errichtet werden. Die Teuerung ist auf den hohe n Stand des ägyptischen Pfund zurückzuführen. Für Palästina ist billigeres Geld einzuführm. (Beifallch ' Vom Präsidium witd mitgeteilt, daß sich die Delegierten aus den oalutaschw a d) e 11 Ländern melden mögen. Schluß der Sitzung */:,9 Uhr abends. XIV. Sitzung. 7. September. Beginn 10 Uhr abends. Den Dotsitz führt KaplansKi. Dr. Nacht (Jassy) beleuchtet die Tätigkeit der rumänischen Juden für den Jischuw. Trotz ihrer Leistungen werden sie in Palästina stiefmütterlich behandelt. Die neuen Einwanderer sollen angeblich keine Förderung erfahren. Trotz Barzahlung könne eine rumänische Gesellschaft k e i n e E r l a u b n i s für eine G a r t e n s i e d l u n g erhalten. Redner behauptet, viele derartige Beispiele aufzählen' zu können. Kein Pfennig dürfe mehr aus Rumänien nach P a l ä st i n a, ehe dort Ordnung gemacht wird. Die ganzen Bodenkäufe haben keinen Wett, wenn man' das Mensch e n material so unsinnig behandelt. In bezug aus B ra n d e i s sind wir rumänischen Juden fiit’ Versöhnung. Die Vorwürfe gegen Samuel, der zuerst als jüdischer Herrscher gefeiert wurde, sind nicht am Platze. Wir müssen zur Einigkeit hinstreben, dann werden wir dos jüdische Land haben. (Beifall.) Delegierter T e itelbau m (Amerika, Älisrachi) spricht jüdisch. Die Kolonien leiden daran, daß ihnen die moralische Unterstützung der zionistischest Organisation fehlt. Zwischen Kolonisten und' Arbeitern besteht eine K l u f t, die wir überbrücken müssen. Der soziale Gegensatz wachst sich drohend aus. Wir müssen den Frieden herbeiführen und alles tun. um das Land aufzubauen. (Beifall.) Dr, Gott lieh (Polen) spricht jüoisch. Für Palästina muß man in den Galuthländern arbeiten. Die Einwanderer der nächsten Jahre wohnen noch unter uns und muffen entsprechend vorbereitet werden. ■ M V, Die heutige Sitzung begann um 3 Uhr nachmittags. Von nun an wird vormittags überhaupt keine Sitzung mehr stattfinden, um den Kommissionen die nötige Zeit zur Vorbereitung der Vorschläge an den Kongreß zu lassen. Es ist selbstverständlich, daß diese Arbeit der Kommissionen dem Kongreß ungemein viel Kraft entzieht. Infolgedessen' gewinnt auch die Debatte im Plenum einen nicht besonders schönen Anstrich. Der Saal ist leer, auf den Tribünen streiten zumeist die Sachverständigen um den Wert ihrer Projekte und es wäre besser gewesen, diese Auseinandersetzungen in den Kommisstonszimmern vor sich gehen zulasten. In Fortsetzung d er Palästina- Debatte ergriff heute nachmittags zunächst Morris Mher (London) das Wort (jüdisch): In der Palästina- Debatte fehlen ebenso wie bei der politischen Debatte fruchtbare und anregende Vorschläge. Die Differenzen zwischen Kapital und Arbeit müssen überbrückt werden. ' > , ,,, w, :?,. RubafchorN (Poale Zion) warnt davor; den Kongreß auf ein Nebengeleise zu führen. Nicht die Entscheidung über die Gelder sei wichtig, sodern die neuen Kolonisator i s ch e n Richtlinien. Die bisherige Kolonisation, hat eine neue Galuth in Palästina geschaffen. Der kleinste Boykott schneidet uns die Lebensmöglichkeiten ab. Eine Ausnahme bilden die Ar b e i t e r g e-m e in f ch a f t e n, die ein neues nationales Leben geschaffen haben. Nationalisierung des Bodens und voller Ertrag dem Arbeitenden sind unsere Forderungen. (Beifall.). Die Bestrebungen der Kwuzoth sollen nicht mehr behindert werden, denn nur der jüdische Arbeiterist berufen, Palästina aufzubauen. (Beifall) Levite (Warschau) wendet sich dagegen, daß die Delegierten die Schiedsrichter über schwerwiegende Beschlüsse sein sollen. Dies muffe man »den Fachleuten überlasten. Doch sollte sich der Kongreß dagegen wenden, daß die Fachleute, erst zwei Wochen vor dem Kongreß beauftragt wurden, Vorschläge zu erstatten. Dementsprechend sind ihre Vorschläge auch nicht ganz durchdacht und widersprechen einander. Die jetzige Verwaltung in Palästina macht halbe Arbeit. Wir müssen radikale Aenderungen vornehmen und eine dem Aktionskomitee untersleheude Kontrollkommission einsetzen. Redner spricht sich g e g e n die in der Theorie ansprechende Nationalisierung des,Bodens.aus. Man müsse bedenken, daß die Bodenkäufer dann abgeschreckt würden. Allerdings müsse der Bo denkauf zentralisiert werden, um die Konkurrenz auszuschalten. Wenn wir in Palästina die Industrie heben wollen, müssen wir eine Handelskammer gründen. Rabby (Palästina, spricht jüdisch): Palästina muß vom ganzen jüdischen Volk gebaut werden, denn das Land braucht große'Kapitalien, große Fabriken, zahlreiche Menschen. War bisher geleistet wurde, haben die Genoss e n-; s ch a f t e n und die A r b e i t e r k w u z o t h geleistet. In den Häuptlingen haben wir bisher nicht die nötige Hilfe gefunden. Die Gründung einer Agra rbank ist von bestimmender Wichtigkeit für die Auftechterhaltung der Kolonien. Es wäre ratsam, wenn die Exrfcutive nach Palästina übersiedeln würde, 'dann könnte sie einen richtigen Blick für die Erforderniffe des Landes gewinnen. Im Namen der Kolonisten fordert Redner, daß diese bei der Verteilung neuen Bodens berücksichtigt werden. lBeUeüU Dr. Kornblüth (Warschau) verweist auf das Referat des Dr. Eder und meint, daß eine Einwanderung nach Palästina fast wie ein Scherz aussieht. Die bestehenden Vorschriften halten die jüdischen Massen zurück. Der Kongreß mutz seine Meinung über die Einwanderung zum Ausdruck bringen, wir müffen von der Leitung verlangen, daß die Hindernisse des e i t i g t werden. Tür und Tor auf! (Händeklatschen und Beifall.) Die Einwanderung muß von Palästina aus .geleitet werden. Es muß eine Stelle errichtet werden, welche die Juden in der Galuth über alle Arbeits- und Existenzmöglichkeilen informiert. Herzfeld r Die jetzige Systemlosigkeit der Leitung hat sich auch auf den Kongreß übertragen. Der Kongreß wird zu einem Theaterstück. (Großer 'Lärm, Rufe: Zurückziehen! Das Wort zurückziehen!) Ich werde das erklären. (Lärm und Rufe: Nein, zurückziehen!) Wir dürfen keine Zeit verlieren und. dennoch» sprechen, wir über Kölonisationsfragen, die nur von Fächle u t .e n entschieden werden können. Der Kongreß hätte/ über die Mittel der Kolonisation, nicht aber über die Methoden entscheiden sollen. Es handelt sich nur um die Mittel. Wenn ihr die Mittel nicht beschaffen werdet, ist alles vergeblich. Anstatt zu debattiereu, müssen wir zur Tat schreiten. Mit Taten werden wir das große jüdische Volk gewinnen. (Beifall.) Anstatt von E m e k zu sprechen, hätten wir die Aufgabe, noch viel mehr Boden zu kaufen und zu besiedeln. Wir müssen.nur über die Arbeit einig werden, nicht aber über die Details. Dr. Hausner (Lemberg): Die Leistung des Hinterlandes hat ve> sagt. Unsere Palästina-Front bleibt ohne N a'ck-;j d) u 6. Die Dezentralisation des Naüonalfonds'ist von oerhängsvoller Wirkung für die zu leistende Arbeit. Der Jüdische Nation alsonds muß unbedingt e h e st e n s nach P a l ä st i n a verlegt werden. Wir gehören in das Land, für das wir alle arbeiten sollen, das heißt nach Erez Israel. (Lebhafter Beifall.) Redner regt an, die P o g r o m w a i s e n auf Nationalsondsboden anzusiedeln. (Beifall.) Dr. Katzenelson (Kovstantinopel) spricht jüdisch: In der ersten Epoche der Einwanderung gab es nur technische Hindernisse, aber seit dem l. Mai ist das einzig^ Privileg der zionistischen Organisation Palästinas außer Kraft. Alle gesetzlichen Freiheiten sind aufgehoben. Es besteht eine Tendenz, der nichtjüdischen Bevölkerung auf Kosten des jüdischen Volkes Freundlichkeiten zu erweisen. Man läßt heute nur noch T o u r i st e n, G e i st l i ch e, die Angehörigen freier Berufe und Besitzer von wenigstens 500 Pfund ins Land. Hat man dazu die Balfour- Dekloration gebraucht? Diese Kategorien dürfen überall einwandern. iBewegung.) Redner wüst der Exekutive vor» daß sie noch immer keine Einwan d e r u n g s zentrale errichtet habe. Außerdem sind die P a l ä ft i n a - A e m t e r in der^Galuth a u s z u g e ft a l t e n. Wenn wir auch die Toce nach Palästina öffnen, wird nichts erreicht sein, wenn wir nicht die nötigen > Gelder beschaffen. Wir müssen den produktiven Elementen kleine Kredite vorstcecken, damit sie die Reise bezahlen können. Es ist daher eine E i tv wanderungsbank zu errichten. Meremi.nfki - (Zerre Zion) spricht zur Einwanderungssrage. Bisher sei nichts erreicht worden. Im Namen feiner Fraktion beantragt er die Schaffung von A r b e i t e r s r e dlungsgenvssenschaften. Dann werden die Arbeiter die Unterstützung des Keren Hajeffod nicht brauchen. Man muß den Boden für eine M-a s s e neinwanderung vorbereiten. Nach dem nächsten Redner D. D eI;Itn, Vize-. burgermeister von Jerusalem, der den. Standpunkt der jüdischen Bevölkerung Jerusalems in' einer längeren Rede vertritt und ^kritische Benrerkungm zu ' den Berichten der Exekutive macht, wird die Sitzung geschlvjjew