Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 940 (8.9.1921)
- Date
- 1921-09-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5K. dM Wien Donnerstag an, die zur Zerstörung des Vorhand e.n e n f ü h r e n! Auch die A r b e i t e r find dieser Meinung, nicht zerstören, sondern bauen wollen wir/ (Lebhafter Beifall.), Schluß der Sitzung in nächster Nummer. Altßeweine zionistische Arbeiterkonferenz inKarlsbad „Für das.arbei!ende Palästina" ist der Naine einer Konferenz, .-ziz. der sich die ge s a in t e L i nke. des gegenwärtig iß Karlsbad tagenden zionistischen Weltkongresse^/bereinigt hat, um gemeinsame Richtlinien für die stalästineijsiiche Arbei'erpolitik a n fznstlicu. Die Initiative ^.ür Einberufung dieser',Konferenz ging von dem sozialistische?: Weltverband. Po a.le Z io n. .aus, j der der Wie nex I n te r na tio i: alen ArbeitZgemeinsch'ast angeschlossen issi und auf hem Zionistonkongres; die äußerste Linke.'hitdet. Neben den:/genannten Verband , sind auf her Konferenz die sozialistische Part'i Zeire Zion, alle ist.d?r Hechalüz 'verbundenen Organisationen der 'Chalnzim (Palästina-Pioniere) und die! Hi'tachdut.h vtzrtresen, welche'eine Bereinigung der palästistensrs.chest/Wbei;er'darje: H äp o e t H a z a i r mit hem rechten..Flügel der Ze i xe Z ion daxsteltk. Mit . ihre» 115 Delegierten verfügt die Ar'beiterkonfsrenz über ein Viertel der Gesamtstimmen des'Kongresses; zu ihrem Präsidium' gehören: S.' RnLaschow (Poald Zion), Kaplan (Hilachduth), Schweiger (Zeire Zion), Dr. Schwalbe (Hechasuz) und"der russisch-sozialistischo Zionist Cheifez'. s In seinem ^Eröffnui'.gs'csergt wies Rnchaf.chow- Wien, der die Sitzungen leitet, darauf hin, daß bereits der. Begründer, des Zionismus, Theodor Herzl, der Ansicht Änsdvuch: 'gegeben. habe, daß die. zionistische Bewegung i>ic: .große Arbeitsangelegenheit des jüdischen Volkes sei. Daraus folge- .notwendig,, daß auch! der sozialistische .Zionist sich an einem Kongreß beteiligen müsse, .dfr vor der Welt die Verantwortung für die Auswirkungen der zionistischen Bewegung trage.. Wenn der Weltperband Poale Zion, aus dem Kongreß erschienen s-e-ü-sg. habe er dies in dem. klaren Bewußtsein getan, daß.es hier lediglich gelte, die Interessen des. jüdsfchen Proletariats wahrzunehmen und dafür Sorge/zu.-tragen, daß in Palästina ein von Ausbeutung freies Geineinwesen erstehe. Da die Erreichbarkeit dieses Zieles vornehmlich' von der Stärke der jüdischen -A(rbeitervertretung abhänge und diese durch die gegenwärtige Zersplitterung.nicht den erforderliche?: Grad .Erreichen könne, habe, man die Pflichtsich wenigstens, über bi? Zentralprobleme.des jüdischen Proletariats zu.'.verständigen. Die-"augenblickliche.Lage erheische vor. ulsem eine zielbxwußte l-aü d w i'r tsch a f t l ich e' .'"K o lo n i sa t: oüs.p o l i t i k, welche höchsteProduktivität gewährleisten Interessen des arbeitenden Volles entsprechen/müsse.- Die Konferenz wolle diese Frage gründlich durchberaten und ihre Beschlüsse/späterhin als Forderung der Gesamtheit der jüdischen Arbeiterschaft vor dem 'Kongreß vertreten. Als ztveiter Redner referierte Agronom O'etting er -Jerusalem über ein Kolonisationsprojekt, dessen Durchführung von dem „Landwirtschaftlichen Rat der vereinigten palästinenfischen Arbeiterorganisationen" verlangt tvird. 'Oettinger sieht unter anderem die Förderung der kooperatstveu UrbeiterkoIonisation, Errichtung von Siedlungen selbstarbeitender Bauern und schließlich die' Gründung einer palästinensischen Arbeite r i n n e u f a r m vor, auf de-r jüdische Mädchen zu Bäuerinnen erzogen werden sollen. In der Diskussion zeigte sich, daß die ans der Konferenz vertretenen Gruppen Oettingers Vorschläge vor den: Kongreß energisch ynterstühei: und zugleich Dr. Soski ns'neuen Plan einer auf Export beruhende?: Obst- und Getreidekultur nach chinesischem Muster für - Palästina able h ne n werden. An der lebhaften Aussprache beteiligten sich Kaplan (Wien), die Palästinenser Ka tz e u e l s o n, Ja - n o e l i und L e w k o w i c 5- sowie Feige n (Wilna). - Im. Zusanunenhang .mit Oettingers Referat befaßte sich die'Konferenz in ihrer zweiten Sitzung mit einem bedMuirgshollen Siedlungsplan des palästinensischen Arbeiters Lcwkowi cz (Kmereth), der die genossenschaftlichen Arbeitersiedlungen in Palästina durch .G'roßffitz bl ungen ergänzen ivill. Der Vorschlag beruht quf drei wesentlichen Punkten: der gemeinschaftlichen' Arbeit, der Selbstversorgung im höchsten Ausmaß und schließlich der Beteiligung der"AngesiehMeu,..die sich in der Investierung ihrer Energie, auf desi.doch keine Schuldverpflichtungen lasten, aushrückt/ ''^wkoiviez hofft auf diese Weise, die Produktivität - des ^in-elueu Siedlers steigern und Siedler nn!? Ppden'aufs innigste miteinander verknüpfen zv .können. Während nran bisher in den Mossenschaftlichest' Klein siedlnngen (Kwuzoth) höchstens 70 Personen vereinigte, sieht der neue Plan die Schaffung einer Kommune aus 46 0 Personen Vor. Als geeigneter Boden kommen 23.000 Dunam in der Ebene'Jos ree l in Betracht, wobei auf je 50 Dunam ein Arbeiter angesiedelt werden soll; mit der Zunahme dsr Intensität soll auch die-Zahl der Arbeiter vermehrt tverben. Die 'Produktion dieser Kommune wird , in erster Linie auf den eigenen Gebrauch, dann ayf den inländischen Markt und erst an letzter Stelle ans das Ausland eingerichtet sein. Als. I Wiener Morgonzeitrmg? Leo MvMtt-. Vizkpräsident de» Kougrcffes. emziren. Kredit, den jedes einzelne Mitglied der Großkonlmune in den ersten vier Jahren empfangen soll, gibt Lewkowicz die Summe von'2 65 ägyptischen Pf und an. ' ' Im Mittelpunkt der nächsten Sitzung stand das ausführliche Referat von Et:' Joffe (HapoelHazair) über die' palästinensische Muernfiedlnng. Nach Abschluß d'er Debatte setzte die Konferenz eine Kolonisationskommission ein, die aus - Vertretern alter am Kongreß beteiligten Arbeitergruppen" besteht und den Auftrag hat, ein gemeinsames Programm der Arbeiterkolonisation aufzustellen, das späterhin im Namen des in der Konferenz vereinigten Blocks dem Kongreß zur Beschlußfassung vorgelegt werden soll. ’ Die Konferenz hörte noch' ein Referat von D'. H o s, dem Leiter des „Amtes für - öffentliche Arbeiten der allgemeinen Arbeiterorganisation in Palästina", an. Hos' Vorschläge, die sich auf 'die Erkämpfung der Ä r b e i t e r a u to n o m: e beziehen, fanden bei den Mitgliedern der Konferenz so lebhafte Zustimmung, daß der Vorsitzende seiner beso?:dereü'Befriedigung über diese wichtige Einigung aller Gruppen des jüdischen Proletariats Ausdruck gab. - ' - In ihrer.: nächsten.. Sitzung ) wipd-,-..die Konferenz K'. a p la n s k y s Vorschläge)zur.,H^rganisaitivn der. zionistischen Organisation tzchutssusi'Mä-s, Ergebnis der bisherigen- Besprechungen -kan?: -als Beweis für den aufrichtigeWillen aller Beteiligten angesehen werden, die gegenwärtige Lage bessern und di»'Produktivität des jüdischen Palästina zugunsten der Gesamtheit steigern zu helfen.! - - '""V * Die Mische Mustk auf dem Zionrften-Korrgretz^ Gin Volksliederabend. — Das Orchesterkonzert der Hakoah. In Len ernsten Rahmen des Kongreffes wurden Veranstaltungen und Darbietungen jüdischer Kunst harmonisch ringefügt. Aus dem Reitste der Mustk ist es hauptsächlich daS jüdische L i e d, das als cdckstes Kleinod unserer.nationalen Kultur vermittelt wird, um seinrn. Wcg. aus der Enge des ostjüdischen Ghetto in die Wüt zu nehmen- Für einen jüdischen Liederabend wurde von der Direktion des Jüdischen Nationalfonds Herr G o l a n i n aewonnen, der aber krankheitshalber ablagen mußte. Für ihn trat Berta S.w ertlin aus Riga in liebenswürdiger Hilfsbereitschaft in die Bresche. Schon ans dem BegrüßungSabcnd, den der Jüdische Volksvercin in Karlsbad zu Ehren des Kongresses veranstaltete, offenbarte ste üch als bedeutende Vertrcteün dieses Genres. Die mgendlichr Künstlerin, die über einen schönen, vollklingenden Mezzosopran verfügt, bestrebt stch mit Erfolg, das jüdische Lied aus seiner stiefmütterlichen Stellung in die Höhe des Kunstgeianges erheben. Aus dem. russisch-jüdischen Milieu entstammend er^ ste den tiffen Gcfüblsinhalt jüdischer Weisen völlig und bringt sowohl seine Trauer und Schwermut als auch seinen Humor und seine Schalkhastigkeit zu glücklichstem Ausdruck. Auf dem ostjüdischen Liederabend bestr.tt sie ein reiches Programm und brachte in geschmackvoller AnSwahl eine Reihe der schönsten Lieder zum Vortrag. Diel Erfolg erntete sie - mit einem sinnigen Wiegenlied und dem L rde „Der Oibersie is der Mechuten", worin die Vermählung Israels mit der Thora dargestellt wird,' wobei Moses die Rolle des Schadchen znfällt. Zwei Lieder „Wa8 wird mit dem Red Israel" und „Gebet", bearbeitet und geieht von Kopit und Roslm, wurden mit Violinbecilcitnng des Fräulein N e u gebracht, einer jungen Geigerin, die auch auf dem BegiütlungSabend die Zuhörer durch den Bortrag beS „Kol Nidre" un) eines Wiegenliedes entzückte. Die pianistifche Begleitung besorgte an beide« Abenden verdienstlich Margarete O r s a l (Berlin). Ein hoher Genuß wurde den Kongreßgäften durch daS Symphonickouzert zuteil, das das Wiener Hakoah- Orchester im großen Krrrhaußsaale veranstaltete. Schon die ' Aufführung der Hl. Symphonie von Mendelssohn zeigte Orchester und Dingentm Prof. S. B r a s l a w s k y ans der Höhe. Im Violinkon'nt erwies sich Rudolf L a m p e l altüchtiger Künstler. Die. Paraphrase über ein. ostjüdisches HochzertSliedchen iowie die Instrumentierung jüdischer Lieder, von Prost B r as l a w s k y geschmackvoll bearbeitet, fanden stürnr'schm Beifall. Die rarte Blüte des LicdeS wird vo» Braslawsky nicht, wie 8. September 1921 Seite 3 P bei anderen Paravbrasierungen zu hören ist, durch lleberladü«- m-t konzertanten Ilmrankungen erdrückt, sondcn die Orchestrierung führt Bei ihm durch ihre vielen Farben in die Stimmung de- Liedes e n und hebt seinen Gefühlsirihalt. Herr Gerson M a r g u l i e s fang die Lieder mit der innigen Empsindung, der sein leuchtendes lyrisches Organ fähig ist. — Den würdigen Abschluß fand das Konzert, das den guten Ruf der. Wiener Hakoih in alle Welt tragen wird, mit den feierlichen.Klängen der „Hatilwah". Jplins S t e i n t r. Konzert Pieon-Kalich Itt Karlsbad. Ans Karls b ö b wird uns telegraphiert: Der jüdische Liederabend des bekannten Künstlrrpaales Mali Picon-Kalich bedeutete einen großen künstle'sichen Erfolg. , Das Thea'er war ausverkauft Die Presse bespricht das Konzert in schmeichelhaft'ster Weise. Das Schauturnen der jüdischen Wrltturnerschaft in Karlsbad. Ein prächtiges Bild jüdffcher Kraft und Diszipliir bot sich am Sonntag nachmittags den tausenden Besuchern des Turnfestes in Karlsbad,dar. Außer dm zionistischen Führem sah man die Vertreter aller deutschen und tschechischen Tuiu- und Sportvereine. Alle hatten nur ein Urteil: die Darbietungen waren vorzüglich, manchmal.unübertrefflich. ' Nach dem imposanten Aufmarsch aller, teilnehmenden Turnvereine und Turner begrüßte der Obmann der Makkabi-Wcltorganisation. Heinrich K n h n ans Berl;n, in kuiftigcr vollendeter Rede die Turnerschar und dir Gäste. Er führte aus, daß es sich nicht um ein Schaustück für Stunden handle, sondern es' soll bc-' wiesen werden, daß die indische Turnerschast die physische Kraft der Organisation sei. Für die Exekutive der zionistischen Welt-', organisation sprach Herr I a b o t i n s k y, der aussührte/ jeder- 'üdische Makkabäer muffe drei Tugenden besitztn: Kraft, Disziplin und Schweigen. Nachdem dir Linzer Turnerschaft ein vor: ihr gespendetes Fabnenband befestigt hatte, begannm die Freiübungen aller anwesenden Turnerinnen und' Turner: Sie fanden durch ihre exakte Ausführung vollste Anerkennung. Acht Turner des' tschecho-slow^kiichen Kreises brachten in allegorischer Darstellung? die einzelnen Phasen der jüdischen Geschichte in Freiübungen z»r- Vorführung. Sie wurden durch lauten Beifall ausgezeichnct, des-' gleichrn sechs Damen und Herren des ösierrrcichischcir Kreises/ die zu den Klängen eines Walzrrs Uebungen mit Keule n-. vollWrten, die originell und dem Auge gefällig, in dieser Art noch nicht gesehen wurden.. Das gleichzeitig an acht Gelätcn' geübte Turner: sowie die SondervorfÜhrungn: an diesen Geräten fanden ungeteilte Anerkennung. Das Vollendetste bet dm Soudcr« Vorführungen am Hochreck grenzte an artistische Leistungen crfieri Professionals. Die von über 100 Turnern .ausgeführ'en Freiübungen sowie die von 20 Damen und 20Herren gezeigten Stabübungru gaben ein glänzendes Zeugnis vollendeter Stralumhei^ EiNzellristungen hervorzuheben, würde das'Neniren fast' aller verlangen. Es w«• eint Beranstalümgi-'Kr'-.iderLtz' Geliugm> sich ' alle Mitwirkenden mit ganzer Kraft und voll Eifer. nEetzt'cnl'''^ Delegierte des XII. Zifmisten-Kongresses erhalten ermäesigt» Schiffskarten nach Aegypten und J Palästina beim Repräsentanten der „Maawirimu Herrn. $ Dr. Josef Pollatsphek, welcher täglich von 9 bis 10 und I 3 bis-4 Uhr im Bureau des „Lloyd Triestino“, Karlsbad . J (Mühlbrunnstrasse) amtiert. 9104 S Palästina- Reisehandbucli Erhältlich beim ,Xloydt Triestino“ «:&5 ln Karlsbad, Mtthlbrnnnstrasse Deutsche Ausgabe. . . ..... Kfe. 62.— Hebräische Ausgabe ... V . .... „ 78.— Der wahre Sinn des Artikel 80 des Friedensvertrages. , ‘ Die willkürliche und gewalttätige. Interprctarivck der Artikels 80 des Friedensvertrages von Saint- Germain durch den österreichischen Minister Doktor f A her und den deutschösterreichischen Verwaltnngsgerichtshof veranlaßt das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz in Paris, welches seinerzeit über die Absichten der Mitglieder der Friedenskonferenz bei der '.Abfassung, des ominösen Qptionsartikels genau informiert war, in seinem September-Bulletin zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Einleitsnd wird vorerst festgestellt, daß, es sich zunächst bei den Ostjuden «ui Persone,: handelt, die von der alten östierrei'ch'ischeu Regierung gez?vungen wurden, während des Krieges ihre Wohnorte zN verlassen und nach' dem Weste:: der Monarchie zu flüchten. Dies^ Flüchtlinge wurden von der österreichischen Regierung nmmterbrochen drangsaliert. Dann heißt cs ittj den: Leitartikel des Bulletins weiter: ' j; „Noch viel schwerwiegender aber ist' der Umstands daß;die Versolgungen der österreichiMn^Kichprden. chM