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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-08 · Heft 940 (8.9.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 940 (8.9.1921)
Date
1921-09-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite L Wien, Donnerstag ^eme landwirtschaftliche Umgebung ist. Die Juden in Palästina streben aus den Städten hinaus und verbinden sich zu Vereinigungen zur Gründung von Gartenstädten. Wenn eine Gartenstadt abseits von den städtischen Zentren gegründet wird, muß sie ihren Bewohnern marktfähige Erzeugnisse bringen. Der Ausbau der Gartenstädte, der Häuserbau usw. wird in der nächsten Zeit große Mengen von Ha n dwerkern und Arbeitern beschäftigen Man wird trachten müssen, bei der Gründung von Gartenstädten die einsetzende Spekulation unmöglich zu machen, damit es nicht so wie in T e l - A w i w dazu kommt, daß die Spekulation mit den Bodenwerten abschreckend wirkt. Der H y p o t h e k a r k r e d i t wird wesentlich erleichtert und erhöht werden müssen. Hier ist ein großes Feld für a m e r i K a n i ich e Kreise, die für Investierungen Interesse haben. Soskin rechnet mit 300 Pfund per Ansiedlerfamilie, faktisch dürften weniger genügen. Bisher hat man mit etwa 150 Pfund per Familie gerechnet. In den Neuanlagen liegt eine große Hoffnung, die eine Massenansiedluny erwarten läßt. Der Wohn u n g s b a u wird durch einen Konzern durchgeführt, der Häuser auf Ratenzahlungen abgeben wird, deren Höhe ren jetzigen Mietzinsen entsprechen wird. Nach acht bis zehn Jahren gehört das Haus dem. Bewohner. .Wir müssen Fachleute nach Palästina schicken, da nur dadurch ein Gedeihen denkbar ist. Der Redner wünscht die sofortige Inangriffnahme der von ihm gemachten Vorschläge und die Errichtung eines besonderen Gartenstadtressorts. Er beantragt folgende Resolutionen: 1. Unsere Kolonisation muß von den Erfordernissen des Volkes und der gegenwärtigen Lage ausgehen. Zur Begründung führt er an: Bisher hat man große Summen für notwendig gefunden, die phantastische Endsummen ergaben. In allen Formen unserer Kolonisation müssen intensive Methoden angewendet werden. 2. Das System der v olksmäßig en, verhältnismäßig billigen Kolonisation wird unseren weiteren Arbeitsplan zu bestimmen haben. Begründung : Ich verstehe nicht, wie unsere Arbeiter mit. einer kostspieligen Kolonisation zufrieden sein können, die ihre selbjlin)ige Niederlassung verhindert. Wenig Land, intensive Bewirtschaftung ermöglicht erst viele kleine Bauern und Gärtner.. Wir müssen mir wenig Land und wenig Geld ein Maximum vvn Kolonisationerreichen. -Die. durchschnittliche Kolonie mit 200 Einwohnern muß aushören, wir brauchen die D i ch t s i e d l u n g. 3. Die Leitung des Aufbauwerkes muß in der E x e k u t i v e sein, um erfolgreiche Arbeit zu ermöglichen. (Beifall.) Epstein (Palästina): Ich werde nicht Personen, sondern Systeme und Methoden kritisieren. Unsere Arbeiter in Palästina sind die größten Idealisten, aber sie sind Menschen und inen. Schon im Jahre 1905 sing man mit der Ansiedlung von Arbeitern auf dem Boden des Nationalfonds an. Am das vorhandene Defizit zu. decken, hat man in der Bilanz die Bodenpreise erhöht, hat also das Land verteue r t. Bis zum Jahre 1918 wurden 12.000 Pfund für dre jüdischen Arbeitergruppen bewilligt. Und was ist der Erfolg dieser Politik? Das Land istda, ■ sonst nichts. Die jetzige Zeit verträgt keine kommunistischen Betriebe, es ist keine Anhänglichkeit an den Boden möglich, wenn kein Eigentumsrecht vorhanden ist. Ein Genoffenschaftsmitglied hat gesagtIch konnte nicht einmal heiraten, da ich mit der Kwuzah-(Genoffenschaft) verheiratet bin. In der kommunistischen Gemeinschaft wird der Starke schwach, aber der Schwache bleibt schwach. Ich sage nicht, daß Kooperativen unmöglich sind, aber nur in gewissem Grade. Der Zusammenschluß beim Ein- und Verkauf ist nützlich, nicht aber die Gemeinsamkeit beim Ertrag der Arbeit. Die zionistische Organisation hat einer Arbeitergemeinschast 11.000 Pfund leihweise zur Verfügung gestellt und dieses Geld ist zu hundert Prozent verloren gegangen. (GroßeErregung, Ruse: Lüge, Lüge! Lärm.) Cs sei dekretiert worden, ein, jüdischer Arbeiter dürfte beim jüdischen Kolonisten nicht arbeiten. (Delegierter. Katzenelson: Warum arbeiten wir in Petach- Tikrvah und nicht rn Rechoboth?) .Das Resultat dieses Boykotts war, daß die arabischen Arbeiter die Plätze der jüdischen Arbeiter eingenommen haben. Die Arbeiter haben gewisse Vorschläge der Kolonisten abgelehnt, weil sie neue Kwuzoth bilden wollten. Bon 39 Kooperativen blüht eine einzige. Die Städtesiedlung in Palästina ist für das Erziehungswesen wichtig. Wir haben aber keine Gewerbeschulen, die uns Schneider, Schuster usw. geben könnten. Deshalb geht alles gesammelte Geld zu den Arabern, die uns die Sachen liefern. Wir werden bald Professoren und Musikanten haben, aber keine Proftssionisten. Die Jugend studiert, die Alten arbeiten aus den Feldern. Mein Vorschlag geht dahitt: Wir müssen mit unseren finanziellen Möglichkeiten rechnen und Kleine Siedler ansetzen. Ferner muß gemischte Wirtschaft getrieben werden. Dann sollen erprobte Arbeiter in den Kolonien, wo fie ständig be- Wrener MorgenzeitunK schäftigt sind, 10 Dunatn Land, ein Häuschen und Geflügel erhalten. Diese Arbeiter würden sich zu Kolonisten entwickeln. In' den Städten müssen Gewerbeschulen errichtet werden. Ein Antrag der a rn e r i k a n i s ck e n Delegierten geht dahin, man solle von der Exekutive verlangen, eine Sachverständigenkommission für ein Jahr nach Palästina zu bringen, die das Jahr hindurch dort Land und Leute studieren und einen Kolonisationsplün vorlegen soll. Diese KomMssiostMH-auch Kontrolle üben und über die bisherig^ Tätigkeit Bericht erstalten. (Beifall.) Delegierter Justizrat Dr. Dodenheimer < (Köln) erklärt, daß ' ec für keine Fraktion spreche, sondern nur im eigenen Namen. Es sind.natürlich Fehler gemacht worden, aber das ist kein Grund, die weitere Arbeit einzustellen. Rückschauend, meint er, daß wir trotz allem gewaltige Fortschritte erzielt haben. Wir müssen trotz aller Kritik den Männern, die in Palästina schaffen, Vertrauen entgegenbringen. Das Scheitern des O p p e n h e i m e r s ch e n Siedlungs- Projekts hängt damit zusammen, daß die Siedlungsgelder für die Kwuzoth, welche die Siedlung vorbereiteten, ausgegeben wurden. Die Vorwürfe gegen die Nationalsondsleitung erscheinen dem Redner veraltet. Die türkischen Gesetze und gewisse statutarische Beschlüsse waren den Bodenkäufen'hinderlich. ' Da war es eine Erlösung,, als Ruppin die Palestine Land Developpment Company geschaffen hat, eine Art Ergänzung des Nationalfonds. Der Nationalfonds hat sich vertraglich die spätere Uebernahme der Ländereien der Palestine Land Developpment Company gesichert, weshalb der Pantine Land Developpment Company Kredite gegeben wurden. Meinte Herr Simon diese, als er von gegen die Statuten gegebenen Krediten sprach? Andere sind mir nicht bekannt. Redner spricht gegen Epsteins Behauptung, die Bilanzen hätten die Bodenwerte künstlich hoch angesetzt. Gegen die Veräußerung von Nationalfondsboden habe Redner immer Stellung genommen. Beim Ankauf der Emek-Länder fand tatsächlich eine Kompetenzüberschreitung statt, aber der Ankauf mußte unter allen Umständen durchgeführt werden. Die Erwägungen de L i e m e s habe Redner nicht teilen können. (Beifall.) Wir haben keine Zeit, zu warten. Wir müssen deshalb die Städte besiedeln, ^weil sie Tausende aufnehmen und keine Berufs- Umschichtung erflMern. Mit dem fünften Teile des Soskinschen AnsteblüngsKapitals können wir in den Städten eine palästinensische I n d u st r i e errichten. (Lebhafter Beifall. Zwischenrufe.) Wir müssen in fünf Jahren die Majorität im Lande erlangen. (Großer Beifall.) Das ist unsere dringendste Aufgabe. Wir müssen mehr Industrienin das Land einfähren. A u p p i n s Plan der Hypotheken- Versicherung wird den Häuserbau ermöglichen. Unsere künftige Bodenpolitik in. Palästina wird dadurch bestimmt, daß der Nationalfonds jetzt unter seinem eigenen Namen Boden kaufen kann. Der K e r e n H a j e s s o d existiert für den Nationalfonds nicht, er wird nur Boden pachten und verkaufen. Iabotinsky hat den Vorwurf der Touristenwirschaft erhoben. Der Vorwurf stimmt. Der Touristenwirtschaft kann nur ein Ende gemacht werden, wenn die betreffenden Institute nach Palästina verlegt werden. (Beifall.) Warum hat die Exekutive Einspruch dagegen erhoben? Der Kongreß wird gegen dieses. Veto stimmen muffen. Gibt es denn ein besseres Propagandamittel für den Indischen Nationalfonds, als wenn er seme Zentrale in Palästina hat? Der Redner bean- : tragt folgende Resolution: , - Das- Hauptbure au des Jüdischen Ratio nalf onds ist unverzüglich nach E r e z I sr a e l zu ü b e r s ü h r en. das Direktorium ist so einzurichten, daß die Majorität ihren Sitz i ft Palästin a hat. Präsident Sokolow: . Eine so ernste Sache darf, nicht , in Parenthese! ohne. Orientierung in den Kongreß hineingeschleudert werden. Außerdem sind verschiedene Mitglieder, der Exekutive nicht zugegen. Ich nehme an, daß Sie nur eine Anregung haben geben wollen. Dr. Bodenheimer verwahrt sich dagegen und bedauert, daß die Exekutive, nicht zugegen ist. .Er betont die D r i n g l i ch k e i t der Angelegenheit. Die Verwurzelung unserer Institutionen in Palästina wird fruchtbringend und einigend wirken. Ich hoffe,, daß wir binnen einem Jahre in Palästina sein werden. (Lebhafter Beisall und Händeklatschen.) Lichtheit« (Mitglied der Exekutive): Es ist Sache des Kongreßes, Beschlüsse zu fassen und Sache der Exekutive, sie zur Ausführung hu bringen. Aber es liegt ein in London gefaßter einmütiger Beschluß gegen die UeberstedlÜttg nach Palästina vor. Dr. B o o e n h e i m e r: Ich fordere die Abstimmung. . Präsident Sokolow: Ihre Anträge werden der P alaftina - Ko mmiss ion zugewiesen werden. Agronüm Dyck (Palästina) kommt auf den Oppenheimer- 8. September 1921 Nr. 940 - -. — -— -;-\ scheu Siedlungsplan in M e r ch a w i a; zürßck. Die Arbeiterschaft und sogar die Vertreter der Organisation hatten Mißtrauen gegen den Plan. Er kam auch niemals zur Verwirklichung. Meine Aufgabe war, eine Probewirtschaft mit ungelernten Arbeitern zu schaffen. Sie/wurde erreicht, nicht, aber.her Oppenheimersche Plaü auf dichte Siedlung. Die Arbeiterschaft aus der Umgebung und der Herr Kaplansky haben bei ' uns einen einheitlichen Lohn durchgesetzt Und damit den Kommu n i sm us eingeführt. (Zwischenrufe, Unruhe. — Der Präsident mahnt zur Rühe- Dyck (fortfahrend): Aus.diesen und anderen Gründen müssen die Versuche unterbleiben. Der.Be> trieb, der 1914 ziemlich geordnet war, ist .heute rüttet, die alte Arbeiterschaft, hat die Wirtschaft verlassen. Die neuen Betriebsmethoden in Merchawia find primitiv, weshalb b i e E r t r a g e ft e t i g z u r ü ck g e h e n. Das Fluktuieren der Arhefterschaft auf den Farmen geht auf eine bestimmte Politik der Arbeiterführer zurück. Sie haben dieselben Methoden und Schlagworte,. hie in Westeuropa gelten, übernommen. Aber sind unsere Arbeiter gleich den Arbeitern Europas? Ich.perneine das. Die nach Palästina kommenden Arbeiter sind landwirtschaftliche Schüler, die eine kleine bürgerliche Ansiedlung erstreben. Sie sind ganz anders geartet als die Masse« in Europa. Die Farmen haben versagt ’ unb nun wurde ein neues System aufgeb aut, in dem ich ein Ungeh eures Unglück erblicke. Die Farmen waren zumindest Ausbildungsstätten und müssen als solche erhalten bleiben. Ich appelliere an den Kongreß, diese Farmen nicht aufteilen zu lassen. Die Kolonisation hat bisher versagt, weil die B e a r b e i t u n g des Bodens und das M e n s ch en m at er i a l versagt haben. Ich befürworte den Vorschlag des Agronomen J o ffe/der gelernte Arbeiter ansiedeln will. Ueber die intensiven Methoden in'Palästina läßt sich noch nicht, viel sagen. Sollten sie zu einem System erhoben werden, dann müssen die Bedingungen bedacht werden. Kraut und Tomaten bauen sich leichter als Oliven und Mandeln.. Die Tran sp ort"ntiiteI, die Fab rika^tio nsbedingunge n und A b f a tz m ö g l i ch beit en muffen vorgesehen sein, sonst wird das S o s K i n sche System zu einem Fiasko werden. An die Arbeiterführer richte icfy die Frage, ob sie in ihrem Herzen glauben, daß ihre westlichen Met h o d e n nach Palästina paff en. Die L i n k e muß sich über ihr - zukünftiges Verhalten klar werden) damit eine gedeihliche Arbeit möglich ist. Delegierter : . , ' (Palästina) -spricht hebräisch. Er wendet sich sehr schars gegen Soskin, dem er vorwirst, er sei überall in der Welt gewesen,, nur nicht in Palästina. Wasser und Sanne genügen nicht, um durch ihr Vorhandensein schon die Rentabilität der intensivsten Gemüse' Kultur zu garantieren, wofür Redner Beispiele anführt. Er weist auf hie Besonderheit des palästinensischen Bodens, des jüdischen. Menschenmaterials, auf die Schwierigkeit der Ähsatzverhaltniffe und die Konkurrenz der Araber hin und empfiehlt die;■ gemischte Wirtschaft; sie allein verbürgt die Unabhängigkeit von allen Konjunkturzufällen. (Beifall bei der Linken.) Delegierter Oettknger (Palästina) befaßt sich mit der Kritik Epsteins an den Kwuzoth. Die Kwuzoth . dürfen nicht verworfen werden. Es hat sich feit sieben Jahren eine ge n o s s e nschaftliche S t r ö m u n g gebildet, ebenso wie es eine Strömung für individuelle Arbeit gibt. Beide Strömungen lieben den Boden und bewahren ' ihm Anhänglichkeit. Für beide Strömungen ist auch das U n a b h ä n g i g k e i t s st r e b e n kennzeichnend. Die neuentdeckte Intensivierung existiert in Palästina teilweise bereits; übrigens können Sie von heute auf morgen -keine neuen Methoden durchführew Soskins Ackerbeetkultur war schon, in Rußland mißglückt. Die Einführung intensiver Kulturen bedarf eines Zeitraums vieler Jahre. Ohne gemischte Wirtschaft ist keine Kolonisation denkbar. ■ Der Export von Gemüse ist chohl möglich, erfordert. aber viel Zeit und Geld. Sie werden die G emüsewirtschaft dort etablieren und keinen Absatz finden. Soskins Vorschlag ist eine V er Kennung all e t Tatsachen» was sich schwer rächen wird. Redner.ist nicht für Abbau, .sondern für Ausbau. Das Bestehende muß erhalten, die brachliegenden Ländereien Müssen ausgenützt werden, die erworbenen noch von Arabern besetzten Ländereien müssen tatsächlich übernommen werden. Bevor nichtwie B e w ä s s e r ü n g der Ländereien durchgeführt ist, kann an nichts anderes geschritten werden. Redny. wendet sich dem Menschenprohlem zu und zeigt ast .der .Hand von Beispielen, daß eip! doktrinäres Verhalten in. bezug auf die Arbeitsmethoden undenkbar und gefährlich ist. Es wäre die; größte Verschwendung, das bereits Begonnene nicht auszubauen, die Neuabschätzung wird es beweisen. Sollte es zu keinem. Kowpromch kommen, so wäre es ebenfalls verhängnisvoll./Das hieße zftstöresi statt aufbauen. N e h M e n S i e kein «i Vorschläge

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