Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 939 (7.9.1921)
- Date
- 1921-09-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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yct ot Wen, Mittwoch Wiener Morgenzeitung 7. September 1921 Seite 3 Sutiert mir qnhyre Motive. Woher er sie hat, weiß ich t. Herr Si m ö n hat mir vorgehalten, ich passe nicht ' für eipe solche Stellung, weil ich es nicht, verstehe, die .Fo nds auseinanderzuh alt en. Diese Ausführung ist in allen Punkten unrichtig. Wir haben uns bezüglich der K ä u f e in Emek I s r a e l. Wirklich einer Kompetenz.üb ers ch r e i t u n.g' schlsidig gemacht. Aber sie war nicht böSMillig» sondern durch die Verhältnisse aufgezwungen. Vielleicht habe ich große Fehler gemacht. Ich glaube, daß jeder, -er in Palästina arbeiten wird, Fehler machen ryird^ Aber wir lernen hiebei. Leider gibt es keine mathematischen Lehrbücher für die landwirtschaftliche Kolonisation, aus denen man für jeden Fall die Regel lernen kann. Ich habe erst Farmen gegründet ' und n e u e s L e b e n i n d i e S a n b ro ir.tf ch a f t hineingetragen. Wir haben die Prioatkapit allen organisiert, und sind jedem Privatkapitülisten 'mit Rat beigestanden. Ich wünsche, es wäre mir.eine' Prophetische Zunge gegeben, um Ihnen die Erkenntnis! zp vermitteln, daß diese Stunde nimmermehr wiederkehrt. Sie tragen die Verantwortung für die Zukunft unserer Bewegung und des jüdischen Volkes. Ich will die Leitung nicht verteidigen und will am wenigsten mich verteidigen. Wir haben in London und in Palästina schwere Fehler begangen. Das ist menschlich. Ich bitte Sie aber, wenn Sie die Leitung wählen, dann sorgen Sie dafür, daß die Autorüäl dieser Leitung proportional ist der Verantwortung, die auf sie fällt. Machen Sie Ihre Leitung nicht zum Gefangenen, sondern zum Diener der zionistischen Organisation. Ich erkläre, daß ich mich nicht, mehr von meiner eigenen Arbeit werde einfangen -lassen.' Alle konnten demissionier e n, n ur i ch nicht. Wir werden uns die Freiheit reservieren, auch zurücktteten zu können. Zwingen Sie uns nicht in Ketten, denn das stört die Arbeit und'das macht die Arbeit weniger verantwortlich. Zwingen. Sie-mich auch nicht, Diktator fein zu müssen. Ich-habe nie in Dinge hineingeredet, von denen ich picht?' verstanden habe, aber andere haben in-mein GMe't hjneingeredet, von welchem sie. nichts verstanden Hüben. Das hat zu Reibungen und zu Fehlern.geführt. Es ist das erste Mal. daß der Kongreß eine mit der ganzen Autorität ausgestattete Leitung wählen .wird. Sorgen Sie dafür, daß die Leitung!. Leine Messerstiche .in den Rücken bekommt, dann werden sie aus dem nächsten Kongreß mit Recht von dieser Leitung größere Taten, verlangen können und ich wünsche, daß diese großen Taten auch geschehen. (Stürmischer Beifall. — Die Versammlung erhebt sich.) ( Die weiteren Vorgänge sind bereits oben geschildert. . Nachdem - R u p p i n heute vormittags sein P a lÄ sti n a>R e f e r a t erstattet hatte.: wurde die Sitzung unterbrochen. Am N a ch m 111 a g Konstituierten sich die verschiedenen K o m m i s s t o tt e n. Am Abend begann der Kongreß mit - der P a l 8 si i n a- D e b a t t e, es sprachen Sosk in, der sein Projekt der Intensivierung der! an dw irisch a ft l i ch. e n K v l o n i s a t io n entwickelte und nach ihm Pr. E d e r (Palästina). * In der Nachtsitzung ergriff als erster. Redner Professor Marburg das Wort. Ec führte aus: Ich hätte eigentlich einen Bericht über den N a t i o n a 1 f o n d s zu geben. Aber von der in Betracht kommenden Zeit sind vier Jahre Kriegszeit gewesen. Das Vermögen des Nationalfonds betrug im Juli 1913 17 5.000 Pfund, im Juli 1920 410.000 Pfund, wovon drei F ü n f t e l i n P a l 8 ft i n a investiert sind, zwei Fünftel b a r erliegen. Das Direktorium hat beschlossen, die. palästinensischen Investitionen neu abschätzen zu .lasten. Das Vermögen hat infolge der wachsenden Grund- und Realitätenpreise ganz b edeutend z u genommen. Daher stellt das Vermögen des Nationalfonds eine der größten Aktiven der zionistischen Organisation dar. Es wird über die Größedxe Unkosten geklagt. Dies ist jedoch nicht berechtigt, da 1-3% Spesen nicht hoch genannt werden können. Die Organisation des Nationalfonds hat bedeutende Wandlungen erfahren. Das Hauptbureau wurde bei Kriegsausbruch nach Haag verlegt, was für die weitere Fortführung der Sammlungen von größter Wichtigkeit war. Redner gibt sodann einen Ueberblick über die Geschäftsführung und wendet sich gegen de LieMes Aeußerung» daß bei gewissen Direktoren * des Jüdischen Nationalfonds zuerst die Svekulätion und dann der Nationalfonds kommt. Redner kenne keinen spekulierenden Direktor des Jüdischen Nationalfonds. Die. S a m m e l st e l l r n haben sich von 27 auf 48 vermehrt. Alle zwei Jahre werden von nun ab General k-o n f e r c n j c n stattsinden, womöglich in Palästina. Dies wird für die Sammeltätigkeit sehr förderlich sein. Mit d«n Keren H aj e s s o d wurde eine günstige Vereinbarung getroffen, laut der 20% der Eingänge dem Jüdischen Nationalfonds zufließen sollen. Das H a u p t b ute a u sollte nach P alästina verlegt werden, die' Exekutive habd jedoch dagegen Stellung genommen, daes m o ch unzeitgemäß fei. Der Momentaufnahmen vom Kongreß. Gezeichnet voü Achttttttm. De Lieme. während, des Krieges sehr gelitten. Die Folge war, daß das Defizit stark vergrößert wurde. Das Versuchswesen wird stark ausgebaut werden, speziell in den E m e k l ä n d e r e i e n. Der Nationalfonds hatte bis zum. Kriege einen verhältnismäßig geringen Besitzstand an Boden. In den letzten Monaten wurde Terrain in der Größe von 4600 Dunam und 41.160 Dunym in den Emekländereien gekauft. Man hat uns zum Vorwurf gemacht, wir hätten zu teuer gekauft. Dieser Vorwurf ist ungerechtfertigt, weil nicht abzusehen ist, wann sich wieder eine Gelegenheit zu einem größeren Kaufe ergeben wird. In bezug auf die B a u m si ä n d e ist zu sagen '. Viele behaupten, es gebe keine Waldungen dort, Das kommt daher, daß O l i v e n h a i n e von! Europäern. nicht für Wälder angesehen werden. Ferner hat der Krieg viele Haine v e r n i ch t e t. Im vorigen Jahre wurden .hunderttausend Eukalypten neu gepflanzt, die in einigen Jahren sehr ansehnlich sein,-werden. Für die Zukunft -Palästinas sind die B a um p fl.a nz u n.g e n vonder größten Wichtigkeit. Der städtische Besitz' des Nationalfonds beträgt 600 Dunam. Die momentane Läge des Nationalfonds ist schlecht. Die flüssigen verfügbaren Mittel sind sehr gering. Ihm stehen große Ausgaben.bevor, die mit allen Kräften erfüllt werden müssen. (Beifall.) Dr. Sosttn, lebhaft bgrüßt, führt aus: »Wir mußten Palästina neu entdecken. Palästina hat ein besseres Klima als Kalifornien. Die bisherigen Kolonisatoren haben nicht den richtigen Blick gehabt. Die palästinensische Sonne ist.unser unschätzbares Kapital. Wir haben schlecht gewirtschaftet und mit europäischen Kolonisationsmethoden gearbeitet. Die Kleinheit Palästinas bildet kein Hindernis für die Besiedlung mit M i l l i o n e n Menschen, aber die Kolonisation muß aus der intensivsten Ausnützung des Bodens beruhen. Wir müssen zur Kolonisation auf kleine P l ä tz e übergehen, wie es Amerika jetzt lut. — . ' Redner spricht fort. Zur Dank- und KrednKolMk des Kongreffes. Bsn Robert Weiß (Frankfurt a. M.). iBttgl- ^Wr. Morgenztg." vom 4. September.) In jungen Kolonialländern ist die Erteilung von mehr oder minder ungedeckten Krediten an Privatpersonen ein äußerst riskantes Geschäft. Da aber gerade in der ersten Grirndnngszeit Geldmittel von deneinzelnen Betrieben am .notwendigsten gebraucht werden, muß eine Form der Kredit-- ansgabe gefunden werden, die das- Risiko derart mindert, daß es-der Bank möglich ist, volkswirtschaftlich notwendigen und privativirtschaftlich aussichtsvollen Betrieben daö nötige Betriebskapital zukommen zu lassen. Die Praxis des europäischen und amerikanischen Wirtschaftslebens verweist uns nun ans eine überall verbreitete Form der.Genossenschaft, die kapitalschwachen, beziehungsweise kapitallosen.Arbeitskräften dennoch eine Kreditbasis schafft. Die. Bereinigung einzelner Wirtschaftssubjekte zu einer wirtschaftlichen Korporation hat sich deshalb - bewährt, weil die landwirtschaftliche . und gewerbliche Kreditgenossenschaft eine größere ökonomische Potenz, darstellt, als bie; Summe ver Wirtschaftskräfte ihrer Mitglieder im vorgenvfsenfchaftlichen, unverbundenen Zustand. Speziell der genossenschaftliche Kreditbezug nach.dem Raifftisen^System 'ist überall«: erfolgreich gewxsen. Seine , wesentlichen Kennzeichen sind: 1. Solidarische Haftung aller Genossen für die Sicherheit, jedes Kredits, den. die Genossenschaft als Korporation von einem außenltzchqch« GÄdsch« EÜMM Mi ZitzrstM m i Si«»«. für die Sicherheit jedes Kredits', dev 'der Einzelbetrieb' Mit Hilfe der Genossenschaft bezieht; S. die Raiffeisen-Kasse wird nach streng kaufmännischen Gesichtspunkten geführt, ist ahcc kein auf Gewinn berechnetes Unternehmen-; 4. die grossen-, schaftliche 'Haftung hat auch die genossenschaftlich«. Kontvsll» zur Folge. D'ie Zellen des Raiffeisen-Systems, die einzelnen Kreditgenossenschaften, sind prinzipiell nm äuf einen kleinexeu Bezirk beschränkt, der oft nicht mehr als mehrere Dörfer, zu einer kreditfähigen Einheit zusammensaßt. Da jeder Genosse den anderen und feine - Wirtschaftsführung kennt,! ist jedes bureaukratische Kontrollsystem vollständig unnötige! ,D'er Schuldner muß wissen, baß er durch - schlechte Wirschaft nicht eine unpersönliche, nach seiner Empfindung unermeßlich reiche Körperschaft, sondern die eigenen Genössen schädigen; würde. Die Genossen müssen wissen, daß sie acht zu geben! haben, damit sie nicht durch liederliche Wirtschaft eines der ihnen zu Schaden kommen. Die großen Erftzlge der Raiffeisen- Kassen beweisen, daß die Kontrolle der Genossen fast ohnej, jede Ausnahme wirksam genug ist, um schlechte Wirtschaft! und grobe Verluste zu verhindern.- *) - - Dem' palästinensische - Wirtschaftsleben sind die Genosstnschaften auf .Gegenseitigkeit (Kupoth Mltvah) nicht unbekannt.! - ' ij Im ganzen wurdew Hilfe Anglv-Palestin«! Company bis zum Jahre 1912 45 jüdische Kreditgenossenschaften auf Gegenseitigkeit gegründet, 'mit 1833 Mitgliedern,^! ,einer Göfamtverpflichtung von .934.068 Franken und einem deponierten Grundkapital von 96.290 Franken.**) Mlerbings waren diese Genossenschaften nicht noch dem Raifseism^ fondemr vermutlich nach dem Schulze-Delitzsch^Lystem! organisiert.' - - - j Mit einer schematischen Ueberttagung der eur-opäischenl Systeme für Kreditgenossenschaften, wäre für den Aufbau! Palästinas sehr wenig .getan, denn - das Problen^ genossenschaftlicher Kreditbeschaffung ist innerhalb der alten Volkswirtschaften Europas und Amerikas anders geortet als in jungen Kölottialländern. Wahrend dort die genofsenschaft-- liche Kreditbasis für mehr oder minder begüterte, jedenfallsi aber selbständige und wirtschaftlich geschulte Produzenten geschaffen wirb, haben wir es in Palästina mit überwiegend mittellosen Einwanderern zu tun, denen jede^ Erfahrung über das Wirtschaftsleben in Kolouialländern im allgemeinen »Md in Palästina im besonderen mangelt. Düs letztere gilt in der Regel auch für die kapitalskräftigen Einwanderer. ' Dem' neuen Einwanderer,-gleichgültig,. ob es fich um Kapitalisten» oder Arbeiter handelt, einzelweise Pers)>m1kre'dit zu erteilen, kommt also überhaupt nicht in Betracht. Im ökonomische^! Neuland kann das Bemühen, auch der fleißigsten und g'e-j wissenhaftesten Arbeitskraft leicht scheitern. Die relativ ivenigen Gelder, die uns für Kreditierungen zur Verfügung stehen werden, dürfen nicht tvaghalsig aufs Spiel gesetzt werden. Ohne auch nur ein« Sekimde pessimistisch über dsrf Aufban von Palästina zu denken, miifsen wir uns immecj vor Augen halten, daß wir in die Fähigkeiten des einzelnen!' Juden — ökonomisch gesehen — keinerlei Per trauen setzen', dürfen, denn er ist ein Sandkörnchen im Zyttou. ' ' i' Dähtr wirb die palästinensische Zentralbank als! obligatorische Voraussetzung der Erteilung, von iw gedeckten! Krediten die Zugehörigkeit zu einer- Kreditgenossenschaft! fordern müssen. Nur mit der Hilft und unter der Haftung! seiner Kreditgenossenschaftwird das-Qmzelne Wirtschasts.-! fubjekt bankkreditfähig sein. ’ > ttnferc^ ätoeite wirtschaftspolitische Fprt^rung, die wftf beim Kongreß" zu erheben haben werderx, wird also lautatj müssen: . ' " ' s - „Der K o n g r>eß be schlie s;t :-De c Z ionistischeu Orgauijation u nt e.r stel t te Finanz-!! in st itnt i o ire n dürfen Per.sopalkredi-te N.sstr! an Kredit ge n o s s e n s ch a f t en-erteil e n." t!'^J *) Franz Oppenheinrer, „Genofftuschaftliche Msied^ lung". Jena, Verlag Gustav Fischer,. 1920. ' **) Bergl. Rawratzki,. „Die jüdischä Kolonisation PalL-i stinaS^. München .1914, S. SSv ff. Uehep die «meste EntzjflirfhMa fhiih ttte cnxaiiteA