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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-07 · Heft 939 (7.9.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 939 (7.9.1921)
Date
1921-09-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite L Wien, Mittwoch geworden sind und.alle Schwierigkeiten aus uns nehmen müssen, mit denen ein Volk zu Kämpfen >hat. Jedes Volk muß Politik machen und man hat dafür das Schlagwort »Diplomatijieren^ aufgebracht. Wir sind in die Dölkerfmnilie eiuneirpteu und im Verhältnis der Völker zueinander gibt es nur Zwei Wege: Diplomatie oder Krieg. Ich muß noch einige Worte über die D i a f p o r a- Politik sagen. Wir müssen uns die zwei Ansichten vor Augen führen, die es darüber gibt. Die eine meint, sie müsse durch dieLand esv er b änd e> die andere meint, sie müsse durch dieWeltorg an is a t i o n 'gemacht werden. - Manchmal muß eine Aktion durchgesührt werden, um die Gefahren eines Pogroms abzuwenden, oder es ist ein politischer Schritt notwendig. Da telegraphiert man nach London, bis Dogmatiker kommen und erklären, das sei nicht unsere Sache, sondern Sache der Landesverbände. Aber ich sage Ihnen, ich werde es immer als meine Sache betrachten, ich werde im Namen der z i o n i st i sch e n Organisation intervenieren, immer wenn es gilt, für die Ehre und das Recht des jüdischen Volkes einzutreten. (Stürmischer Beifall.) Wer soll es tun? Soll vielleicht die A H ic:n c c Ifrae l it e es für uns tun? Ein kleines Komitee soll dar jüdische Volk repräsentieren und wir, die wir Millionen hinter uns haben, sollten cs -nicht dürfen? Es wird mit großer Eleganz über unsere Schritte in Paris gesprochen. Man beklagt sich darüber, daß wir 90^ des Personals für diese Aufgaben brauchen und man betont, daß es nicht unsere Aufgabe sei. Wir hätten uns gerne nM. * weniger Personal beteiligt, wenn es gegangen wäre. Wenn wir unser Programm durchbrochen haben, so haben wir es angesichts der Pogrome durchbrochen. Dafür können Sie mich vor das Kongreßgericht stellen. Die Völker haben es als selstverständliche Pflicht empfunden, das ist die öffentliche Meinung. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Das Wort erhält , Präsident Weitzmarm. (Großer Beifall.) Er führt aus: Ich habe mit großer Geduld den vielen Reden zugehört, die hier gehalten worden fiüd. Es ist meine Pflicht, klar über, die politische Lage zu sprechen. Ich werde mich bemühen, dies -ganz objektiv zu tun. Hauptsächlich waren i nf e;t --Mr u irb f a g e n für den Ausbau unserer Politik maßgebend. Die erste lag außerhalb unsere Volkes. Es war eine Koin° z i d e n z der jüdischen Int e r e t s e n mit den Interessen derjenigen Wacht, die Heute als Ma n d at a r m ach t' für Palästina düjteht. Das - war Großbritannien. Wenn Sie sich-einbilden. daß diese Koinzidenz der Interessen eine st-rat e gi s ch e ist, so bauen Sie auf einer f a l s ch e,n G r u n dl a g e. Sie tun dasselbe, wenn Sie glauben, daß wir uns dazu hergegeben haben, als Agenten der. englischen imperialistischen Politik in Palästina und im nahen Osten zu fungieren. Wenn Sie heute englische Imperialisten fragen, ob ihnen Palästina für ihre imperialistischen Zwecke nötig ist. so werden Sie ein glattes Nein! zu hören bekommen- P al äfi i h a ist vom st rategi sch c n, Standpunkte nutzlos, und diejenigen, die sich eingebildet haben, daß das jüdische Palästina absolut notwendig ist für den Lebensnerv Englands im Suezkanal» haben sich geirrt. England mit seinem weltumspannenden Blick hat mehr als jede andere Nation verstanden,, daß die I.ud e n f r a ge w i t ein Sch atte n über der Welt herumspvziert als eine ungeheure Kraft des Aufbaues und eine ungeheure Kraft der Destruktion. England hat uns v erstanden und darin liegt vielleicht ein k dein es Verdienst von uns, daß wir dazu beigetragen haben, daß es uns versteht. Und darum waren es nicht die englischen Generäle und die englischen Imperialisten, sondern die englischen Intellektuellen, die zunächst zur Grundlage unserer Politik wurden. B a l f o u r hat seme Deklaration schon lange vordem Krieg erkannt. Der Krieg hat sie nvr beschleunigt. ... Die zweite Grundlage unserer Arbeit war der Wille des jüdischen Volkes nach Palästina. Das waren die Grundpfeiler, auf denen sich das ganze Gebäude der. Balfom-Deklaration, San Remo und das Mandat mit allen feinen Fehlern und Lücken aufgebaut hat. Ich kann hier vor dem Kongreß sagen und kann es auch belegen, daß es n o ch keinen Juden gegeben hat, der stolzer zu den Mächte« gesprochen hat als wir. Wir wußten sehr genau, daß wir uns nicht auf Bajonette stützen können. Koch im Jahre 1918, während wir in Palästina unter Kanonendonner arbeiten mußten, verlangte der zionistische Kommissär von der englischen Regierung die Rückgabe der T e'nt p c I m a u e c an das jüdische Volk, ferner die Begründung der jüdischen Universität und die U e b e r g a b e eines großen Teiles der brachliegenden Ländereien an jüdische Hände. Es war nicht meine Aufgabe, solche Bedingungen zu schaffen. Dazu haben wir Simon geholt, Wir haben ihm alle Karten in die Hand gegeben und alle Möglichkeiten und haben gesagt, sei' fertig am 2. Iulli, wetm am' 1. Juni uns das Mandat erteilt Wird. dieser 2. 5iimi ka» «ab * Moebuum Wiener MorgenzeiturlK Wochen. Monate und ein Jahr und du warst nicht fertig. Darum ist meine Arbeit aus das Diplomatifieren hinuntergesunken. Ich könnte eine lange Geschichte erzählen, w'e wir den Weg nach San. Rcmo gegangen sind. Aus dcc Londoner Konferenz standen wir alle hilflos da und diese Hilflosigkeit drückte sich aus in der ungeheuren Diskrepanz von einem Geschäft von vier Millionen, das Ussischkm mit den Palästinensern ausgearbeitet hatte. Und die Antwort der Amerikaner: „Meine Herren, wir wissen nicht einmal, ob wir Ihnen das kleine Budget bewilligen können, das wir Ihnen bis heute geschickt habend Das war unsere Situation. Stolz hatten wir den englischen Staatsmännern erklärt, das jüdische Volk hat eyten Sinn, das jüdische Volk hat Gel d, das jüdische Volk hat Menschen, aber dieses jüdische Volk machte uns eine Bankrotterklärung. Dann kam es so, wie es gekommen ist. Ich bin zu keiner Strafexpedition nach Amerika gefahren. Ich bin hingefahren, um als ein neuer jüdischer Kolumbus das jüdische Amerika zu entdecken. Zwischen uns und Amerika stand eine eiserne Wand, die ich mit meinem armen Kops durchbrechen mußte, weil kein anderes da war, der es tun konnte oder wollte. Ich habe auch von Vrandeis eine hohe Meinung. Als ich nach Amerika kam. sprach ich mit ihm. Ich erzählte ihm alles über Palästina, was ich wußte und was ich fühlte. Ich sprach auch von dem heranziehenden Gewitter, das später wirklich ausgebrochrn ist. Als ich fertig war, hat Brandeis mit mir— über das Wetter .gesprochen. Damit war Brandeis für mich fertig und für Sie auch. (Lebhafter Beifall.) Das Mandat ist publiziert und kann jetzt keine Abänderung erleiden, mit einer Ausnahme, die ich mitteiletr will: T r a n sf o r d a n i e n. das noch im ersten Text des Mandats außerhalb des Mandätsbereiches war. ist jetzt in das Mandat ein geschlossen. (Beifall.) Die Nord grenze ist wie immer u n b e f r i c big c n d. Wir haben alle Vorstellungen gemacht, wir haben olle Gründe angcheben und gerade dre e n g l i f ch e Regierung hat in dieser Beziehung alles getan. Wir haben diese G renze nicht beko mm cn und es tut mir leid. Ihnen das sagen zu muffen. Das einzige, was wir bekommen haben, ist die Konzession, -in' den W a s s er re ch t e n m i tsprechen zu dürfen. Jetzt noch, vor einer Woche, als die Administration in Palästina durch das Treiben einiger Soldaten die Grenze ändern wollte, haben wir auf das schärfste protestiert und haben die Grenze fest« 'gelegt. Das ist freilich* nicht befriedigend, aber mit den Kräften^ die Uns zur Verfügung standen, wyr nichts anderes, zu erreichen. So. ist es auch mit dem Maffdat. . Nun zur . Äraberfrage. Es scheint mir, als ob dieser Kongreß die Araber entdeckt hätte. Im Jahre 1918 setzten wir uns mit den Arabern in Verbindung, die wir erreichen konnten, und Faisul war kein Notabel, er war das Symbol der arabischen Freiheit, wie sie die Araber verstanden, denn er kämpfte für diese Freiheit. Wir setzten uns mit ihnen unter größten Schwierigkeiten ' in Verbindung. Diese Verbindungen sind nicht a b g e b..x o ch e n, aber mit dem Apparat, den wir besitzen, ist diese Arbeit ungeheuer schwierig wetzen der Atomisierung' der Araber und^deswegeN, weil die Araber in 3 oder 5 großen Zentren konzentriert sind. Wenn wir heute zionistische Bureaus oder politische Bureausin B a g d ad, K a i r o, Z e r u s a l e m, Damaskus und in Marokko' einrichten -würden, um mit den Arabern zu verhandeln, so 'würden Sie uns diese Bureaus aus unserem Budget streichen und wieder lächeln, wie über das Pariser Bureau. Nach meiner Ueberzeugung kann die Zusammenarbeit mit den Arabern auf zwei großen Linien geschehen: Auf' der' Linie des ökonomischen Zusammenwirkens in Palästina und auf der Linie des kulturellen Zusammenwirkens in den großen Kulturzentren der Araber. Wir sollten .heute unsere b e st e it Männer in die großen Zentren der arabischen Kultur senden und mit ihnen das Zusammenwirken Herstellen, das schon vor Hunderten von Jahren existierte und das wieder existieren wird. Auf der Aktionskomiteesitzung im Jahre 1919 sprach ich vor Ihnen über das große arabische Dreieck, dessen Endpunkte Mekka, B, agdah und Damaskus sind, und ich sagte, daß in diesem Dreieck unsere große arabische Arbeit einsetzen muß. Der Kontakt mit der englischen Regierung ist Nach der Meinung einiger Herren ein-schlechter. Herr de Lieme hat es für notwendig gefunden, zu sagen: Na ja, wirfür einen Eindruck kann Herr Co wen bei der englischen Regierung machen? Herr de Lieme, was wiffen Sie darüber? Waren Sie einmal bei der englischen Regierung und wiffen Sie. welchen Eindruck er macht? Und wenn Sie das wiffen. fv ist es Ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Cowen. zu stärken und nicht zu schwächen. (Lebhafter Beifall.) D e r B e r t r e t e r der z i onist i sch e n O r g a n i s a t i o n, der zur englischen Regierung geht, hat das V e r t r a u e n und muß das Vertrauen haben. Es ist leicht, unsere Männer zu zerfetzen und dainit hell Mall' sich ta fkäk bMMirll, noch viel mehr auker- 7. Septemver 1921, / Re. 000^ halb dieses , Kongresses. . in der zionistischen Presse. Während wir in Paris waren und Sokolv», die undankbare Aufgabe hatte, über die Grenze« zu verhandeln, erschienen in einem zionistischen Käseblättchen zehn' Artikel aus der Feder eines Mannes, der eine Autorität in der Bewegung-hat,' die uns als englische Agenten hinstellten. Das brauchte man gerade, um die Grenzangelegenheit zu erschweren. Ich bittedie Herren von der Rechten und von der Linken zu verstehen, was die; französische Regierung Herrn Sokolow erwiderte. Der Z i o n i s m n s würde, benutzt, um den englischen Im p er i a lrs mus z u m a s k i e c e n. Die Franzosen sagten: „W i r interessierenuns n i ch t für dieses Terrain,, wir wollen es aber den E n g l ä n d e r n . n i ch t geben? Als wir sagten, nicht England, sondern wir brauchten diese Grenzen und das Wasser sei für dt§ ökonomische Entwicklung Palästinas not- 'wendig, da brachte man nur die Artikel, um zu,', beweisen, daß wir englische Agenten sind. So haben-wir Stich auf Stich bekommen. S a k otiert wurde die politische und finanzielle Arbeit, sabotiert die Organisation und die Agitation. Und jetzt verlangen Sie von mir Resultate. Ich habe a Ile sgegeben, was ein Mann gebe n kann. Gebet.ein. Zehntel davon, dann wird der Keren H aj e ff o d voll und stack sein. Ich komme nun auf S amu el zu sprechen. Samuel ist unser Freund. < Er hat mit uns redlich gearbeitet vom ersten Moment an. Er hat auf unser Verlangen, von unserer moralischen Autorität gestärkt, den schweren Pvsten an-, genommen. Samuel wird noch heute in einem Memorandum von den a r a b i s ch e n Delegr e r t e n als Zionistenführer verschrien. Ec ist also in' der Situation von beiden Seiten Schläge zu bekommen. Er hat große Fehler b egangen und ich bin bereit, dem politischen Komitee meinen Briefwechsel mit Samuel vorzulesen. Siewerden sehen,/daß wir mit ihm scharf tz.isproche n haben. Aber er ist u ns er S a m u e I, er ist ein Produkt unseres Judentums. Vertzeffell Sie nicht: , . ' Erez Israel und Palästina find nicht identisch und werden auch für lange Zeit n\ ch t, identisch sein. Samuel ist Oberkommiffär. fi«,- Palästina und wir sind Oberkommissäre für Erez Israel. Es werden Zeiten kommen, wo diese zwei Oberkommissäre vielleicht gegeneina n d e r werden arbeiten müssen. Aber wir haben ihn auf die Stelle gebracht und haben ihn zum Teil dadurch - geschwächt, . daß wir nicht mit ihm gearbeitet Haben./W i p, dürfen die Hand g e g e n Samuel j e tz f nicht heben, denn Sie wissen nicht, was nach ihm> kommen wird. (Sehr,richtig!) Es wich notwendig sein, daß unsere besten, klügsten und energischesten Männec von diesem Kongreß aus zuSamuel gehen und ihm sagen, was wir von ihm verlangen, und ihm die Mittel bieten, das durchzuführen. Das müssen wir tun, bevor roit. gegen ih/r demonstrieren. Die Briefe und Dokumente stehen dem Kongreß zur Verfügung. Nun noch einige Worte zur P a l ö st r n arage. (Redner weist auf die vor ihm hängende arte von Palästina.) Auf dieser Karte ist der von uns besetzte Boden rot markiert. Nach der Meinung unserer Experten soll es möglich fein, auf diesen, Ländern, wie die Sanguiniker sagen, 300.000, und wie die wenigen optimistischen sagen, 100.000 Leute anzusiedeln. Wenn Sie 100.000 Leute aus diesem Gebiete verankern, so ist der. Nero Palästinas, dec Jordan und di e Küste, jüdisch und d a m i t Palästina jüdisch. Das ist der Kernpunkt des Problems. Ob es 3 Millionen oder 8 Milliouen kostet, das muß in den nächsten 3 bis 6 Jahren macht werden und das ist m ö g l i ch für das große jüdische Volk. Das ist der Z e n 1 r a l p n n k t bet Aufgabe, die dieser Kongreß sich stellen muß. Wir sind viel weiter gekommen in Palästina, als wir denken. Wir haben den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Es bedarf einer verhältnismäßig kleinen Anstrengung und die Sache ist vollbracht, denn es ist nicht eine Frage der numerischen Majorität, es ist die Frage der Verankerung einer größeren p d u k t i v e n jüdischen Menge. Wir haben d c n Boden, w ir h ab en die P la n e, wir haben die Möglichkeit und wir können das G e l d f i n d e it, ob in. Amerika oder nicht in. Amerika, es w ird d a sein, wenn Sie alle so arbeiten, wie es nötig ist. So liegt die Ausgabe. Aus dem Verlaus der siebenten Sitzung tragen wir im folgenden die Fortsetzung der Rede R u p p i n s nach. Er führte aus: Geld Konnte ich von Palästina 'nicht^beschaffen. Das war die Ausgabe London s. Ich konnte nür eine R e f o r m der. Organisation m Palästina verlmt^n, soweit ich sie für fehlerhaft hielt und i ch h i e l t sie für re h I et- Haft. Als Simon und dc Stente Palästina verließen, glaubte ich, daß wir schließlich doch eine neue Linie der Arbeit gefunden haben. Umsomehr wcu ich erstaunt, als ich den Bericht las, den die Kommlsfiou erstattete, Herr S r m o n sagt, es ist wahr, ich, hätte dielelben Vorschläge wie er gemacht, aber et

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