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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-07 · Heft 939 (7.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 939 (7.9.1921)
Date
1921-09-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelpreis S Kronen KONGRESS-AUSGABE Einzelpreis 2 tsch. Kr. Pränumerationspreise 45'tciiV Znm liUiiiolitu m der tzrprdition, L Bezirk/ Tabor- Mahe l'biS L.' oder in einer - BerichleMekle iTraD r Monatlich. Krone* .188.— Mit Voftversaad Wr Wir» «mb ' Oesterreich r. ' Monatlich . Kronen 180.— - ' Tschccho-Glowakeir, ’ Monatlich . .Uroqeu 18.— Vierteljährlich , - 84.— in tschecho-llvwakischer wühr»a> Unflfnu; MonatlichKrone* 7«,— vierteljährlich . 21«.- i» «ngarXch« Äahrueß . Angssläwienr - Monatli'ch- . Dinar 18.— V textet jährlich „ 8V.— Pränumerationspreifer _ Polen: Monatlich. . Mark 800*« t» »olailchrr Währan, Deutschland r Monatlich. . .Marlis Frankreich r Monatlich. . . FraneS 0*— Italien: Monatlich.... Lire 9.— Rnptänirn: Monatlich. . . . iitl 25— Lchwriz u. dal übrige Ausland Monatlich. . .Franc- S.— Reaktion «.Adurtnipratio» Wir«, ^.BG.,Taborslr. 1—s Leles ab 9 >o«er 440L8. 4281» chr abendS Sir. 1«3«i Poftsparkafseniouto 15V.6SS Mr. S3S Wien, Mittwoch den 7. September 1921 3. Zahrgang Do« unserer Karl; Die Nachtsitzung von Montag aus Dienstag. K a r l s b a d. 6. September. / Der Hpal, Tribünen und Logen sind vollgestopft mit Menschen, Me Korridore und Restauranträume des Schützenhquses überfüllt. Vor allen Türen sind Ketten von Ordnern zu sehen, die ein schweres Amt haben. Um ValO.U h r abends eröffnet Moz k i n die Sitzung. Mit großer Spunnung läßt man die Eröffnungssormalitäten über sich ergehen. Alle Redner, auch 6 i m o n, der für sich und für de L i e m e auf das-Wort verzichte t, lasten die Ungeduld des Publikums verspüren. MitVerwunderungnimmtman die Unerwartete Konzession Uss.ischkins an die Zwaminensetzung des Kongresses auf. der nach einigen hebräischen Worten in jüdischer Sprache sorttetzt. Sokolo w spricht teils jüdisch^ teils deutsch. Weitzmann, der nach' 11" Uhr zu Worte kommt/ scheint mit einer schweren Indisposition zu Kämpfen. Er greift Wiederholt an das Herz. Vor seinem Platze ist eine Kchte von Palästina, auf der mit roter -Farbe der jlivische- Besitzi eingetragen ist. Weitzmann spricht mit langsam gemessenen Gesten deutlich, bis .in die-fernste Eche ^oerständlich/ Atemlos hört -- ihn die Versammlung W-M in dieser -Stunde keine politische- : Körperschaft NAH jüdische Führerlprichl zuM MdMenWlkaüsdM' Htzr^ü heraus. Man' hat die U'eMz-üguttg'F daß er sein Letztes und Bestes gibt. Er sagt dies,auch „Ich habe alles gegeben^ was ein Mann geben Kann. Gebt ihr' ein Zehntel dessen, gebt M a a s s e r d e s L e den s". Eine - große und eindrucksvolle Ovation ist die Antwort des Kongresses, als Weitzmann erschöpft schloß. Die „Hatikmah" braust durch den Saal. ^Leider,. störtdie folgende Debatte den Eindruck. Die sMrtkäuensresölution. die von dem *Block und den Ms s r a ch t eingebracht wurde, schien unklar und - entfesselte eine Flut von Erklärungen, Protesten, Deklarationen und Geschäftsordnungsdebatten. Die erregte Stimmung des Kongresses, und die späte Nachtstunde— es war zwei Uhr morgens — erzeugte eine ganze Reihe von Mißverständnissen. Endlich entschloß sich das Präsidium,' durch die Misrachr einen Bertr äuens entt ag stellen -zu lassen. Um V23 Uh r w u rd e die Sitzung geschlossen. In dem' ebenerdigen Casä kam es dann noch zu einer spontanen Demonstration für W e i tz m a n n, der dort Platz genommen hatte. . Heute mittags nahm der Kongreß, nachdem R u p p i n sein P a l ä st i n a - R e f e r a t erstattet harte, die Abstimmung vor. Die Lin ksparteien hatten einen eigenen Eintrag eingebracht, der 58 Stimmen auf sich vereinigte. : ‘; . Für die Resolution der Arvtze« Parteien stimmten 348 Delegierte. Wieder rauschte der Beifall durch das Haus. Während öcc* Auszählung stimmte man das Lied der Hoffnung an.' Die vom Kongreß beschlossene Resolution lautet: „Der Kongreß spricht den Präsidenten Charm Weitzmann und Nah um Sokolow Dank und Anerkennung für ihr politisches Wirken ans und erwartet, daß die Errungenschaften ihrer Arbeit, der Kabinettsbeschlutz der britischen Regierung vom 2. November 1917 (Valfonr-Deklaration) tz.nd der Beschluß von San Remo in Erez Israel bald ihre volle-Verwirklichung ,mdcn werdep. Der Kongreß erteilt der Exekutive mit dem Ausdruck des Dankes die Dechavge." . Damit war die große politische Auseinandersetzung beendet. Am Mittwoch wird Weitzm a nn vor dem Permanen zaus schuß seine Auffassung überdie Arbeit in Palästina, über tz.ie Fraaen der Leituna und über die Beziehunaen bader Redaktion. zum Oberkommissär Samuel darlegen. Dort wird die Klärung erfolgen. . Die Debatte von Montag nachmitt a g s hat wenig Neues^ gebracht. Es war eine ununterbrochene Reihe von Wiederholungen der schon früher vorgebrachten Beschwerden. Die p a l ästin e n s i s ch e n Redner, wiesen alle auf die sehr ernste wirtschaftliche Lage des Landes hin, Ingenieur Keßler (Südafrika) tadelte die Einsichtslosigkeit der finanziellen Berater der Exekutive. Ungefähr im Juli 19i8 — sagte er — sei es den Bemühungen S o k o l o w s gelungen, die Erlaubnis zur Ausgabe von Aktien der jüdischen K o l oti i a l b ank zu erwirken. Man placierte ungefähr . 1 5 0.0 0 0 Pfund in drei Monaten, wobei der Aktton das Verbot der Ausgabe privater Aktien und cher günstige Stand der Geldoerhaltnisse sowie die lebhafte Nachfrage des Publikums zuftaycn kamen. Es sei aber nichts geschehe n, um die günstige Lage auszunützen. Es wäre nicht schwer, die Anglo-Palesiine 0omxan/ durch Vermehrung des Kapitals wesentlich. Zu stacken. Man hätte dieses Mittel für die Gründung von Hypothekenb‘#uk e-n. >und. anbmr,MteMhniuMn benützen ' können. - Meres> fei nichts igtschehen, ostwohl ' Hie" : Välutaoerh8ltniss^''iir' den westlichen Landcruv noch verhältnismäßig gut waren lückWW^jsidische Volk in den englisch sprechenden. Ländern auf die Aufforderung zur Subskription wartete. Im Verlaufe der gestrigen Nachtsitzung führte Präsident Sokolow, nachdem er die Begr u s; u n g s d e p e s ch e des Oberkommissärs Samuel 'verlesen hatte, folgendes aus: Einige der Vorredner haben bemerkt, daß die früheren Kongresse besser , und begeisterter waren als der jetzige. Mir scheint, Begeisterung oder Mangel an Begeisterung folgt immer dem Wort, das hängt vom Redner ab. Ich weiß nicht, ob die Delegierten auf die Stimmung in den großen Massen reflektieren. Man -irrt übrigens, wenn man meint, daß andere begeistert waren und nur das jüdische Volk enttäuscht. Es gibt em Volk, zu dem wir in freundschaftlichen Beziehungen stehen, welches, wenn es jetzt einen Kongreß abhalten würde, mehr Grund hätte, enttäuscht und aufgeregt zu . sein: die Armenier. Was haben wir vom Kongreß erwartet und was erwarten wir noch? Erstens, daß er von dem, was geschehen ist. N o t i z n i m m t, und zweitens, daß er B e s ch l ü s s e faßt. Er müßte unabhängig von der Londoner Iahreskonferenz von den Geschehnissen der letzten acht Jahre Kenntnis nehmem Es ist zu bedauern, daß ein großer Teil unserer Zeit durch hie Debatte.über das Absolütorium in Anspruch.genommen wurde, statt zu praktischen Debatten und Vorschlägen überzugehen. Man hat hier einen großen zweib and ig e n R o m a n — Simon und L e L i e m e (Heiterkeit) —• aufgeschlagen, der ganz Mlflüffig war. Diese beiden tüchtigen Zionisten haben gewiß gssunde Gedanken, sie sind beim Kongreß anwesend und haben reichlich Gelegenheit, ihr Programm zu entwickeln. Alles andere. ist überflüssig. Man hat auch die Brandeis- Frage ^unnütz aufgebauscht. Vor acht Jahren war ich in Amerika und man hat mir von einem - tüchtigen Advokaten erzählt, der sich für dm Zionimus . interessiere. ' Ich habe gelegentlich mit ihm gesprochen und neben Mr ist. er zum ersten Mül auf der zionistischen Tribüne erschienen und hat erklärt, daß er Zionist sei. Er war ein Ger, das ist ein besseres Wort als „N e o p h y t*. Man kann nicht verlangen, daß ein N e u g e t a u f t e r gleich Ob'errabbiner von Prag wird. Er ist nicht kompetent.. über verschiedene Fragen zu urteilen, mit denen ^sich das jüdische Volk seit 2000 Jahren beschäftigt, und die wir seit einer Generation studieren. Branb tis wird /vielleicht: das Mißverständnis überwinden und bei dem nächsten Kongreß , erscheinen. Durch die vielen Reden ist das Mißverständnis nur vergrößert worden. Wir haben folgendes gesehen: Amerika wurde geschwächt, diese Empfindung hatte man gleichzeitig in London und in Jerusalem. Die zionistische Verwaltung geriet in Verlegenheit. Lange fchon hatte man getrachtet, daß eine Reihe von Führern nach Amerika reise, um die Propaganda zu beleben. Das war die Aufgabe der zionistischen Delegation. Wir wollten uns aus Delikatesse nicht in die inneren Angelegenheiten der Landesorganisatton einmischen. das geht aber nicht Zimmer. Wenn der Zionismus anämisch wird, können wir uns nicht bei Formalitäten aufhalten und die besten propagandistischen Kräfte müssen zw Hilfe kommen. D a s j ü d i s ch e V o l k i st irrternational anerkannt worden. Der B a l f o u r - D e k l a r a t i o n ist zu entnehmen, daß ein n atio n al es Heim für das jüdische Volk in Palästina begründet werden soll. Das ist ein Markstein in der Geschichte unseres Volkes, davon muß der Kongreß Kenntnis nehmen. Die Deklaration ist eine Verpflichtung, welche die M e h r h e i t d e r G r o ß m ä ch t e übernommen hat, durch die wir zu einem politischen Faktor geworden sind. Daraus resultieren für uns bestimmte Konsequenzen. Deshalb halte ich es für u n ü b e r l c g t, wenn hier o e r ä ch t l i ch davon gesprochen wird. Das ist ein Mangel a n V e r a n t w o r 1 l i ch-!'L--ei-t-s g e-f ü h!. (Beifall.) Es sind leichtsinnige Worte über die Grundlage unseres Baues gesprochen worden.' 'Wir dürfen - nicht W a ff e r o u f b i e Mühle it u n s c r e r^G ö y'n e r treiben. Ich finde, daß die Voraussetzungen der neuen Situation zu leicht genommen werden, und daß es notwendig ist» feierlich Notiz zu nehmen von der Grundlage unserer heutigen Verhandlungen, der Balfour-Dekla-- ration. Ich spreche hier nicht weniger bekümmert als unsere Freunde, deren Ausschrei wir hier gehört haben. Auch ich habe die Ereignisse i n P a l ä ft i n a gesehen. Es war kein.Pogrom, es war schlimmer als ein Pogrom, denn wenn wir ehrlich sind, müssen wir uns eingestehen, daß dieser Pogrom ein völlig anderer war als einer in Kifchenew oder in der Ukraine. Ein Teil des arabischen Volkes hat sich durch verbrecherische Agitation zu einem gemeinen Ueberfall auf die schuldlose Bevölkerung von Jaffa und den Kolonien verführen lassen. -Es gibt keinen Grund für dieses Vorgehen. Wir protestieren von hier gegen die Nachrich ten, die von der B erwaltung Erez Israels verbreitet wurden, daß die Juden in einem gewiffen Maße an den Ereignissen schuld seien. Weder die alten Kolonisten, noch diestädtische Bevölkerung, noch die Chaluzim taten das mindeste, um die Araber so auszureizen. Diese traurigen Ereigniffe waren das Resultat einer ni e d fr tr ä ch ti g en Agit at i o n in Wort und Schrift von feiten gewiffer Kreise, die dadurch nicht nur uns, sondern ihre eigene Nation geschädigt haben. Der O b e r L o mmissär ist nicht gekommen, um Karriere in Erez Israel zu machen, sondern um am Aufbau m i t z u h e l s e n, wie er es noch vor seiner Ernennung versprochen hat. Wir hoffen» daß er mehr und mehr einsehen wird, daß unter einem jüdischen Heim ein Heim des Friedens, der Arbeit und der Brüderschaft mit anderen Völkern verstanden wird. Man spricht hier von Augenblicken, die unausgenützt geblieben sind. Erinnern Sie sich, daß uns noch ein bedeutungsvoller Augenblick beoorsteht, der der Unterschrift des Mandats. Haben mir nur Selbstvertrauen, dann dürfen wir uns auf diesen Moment freuen. Ob das Mandat so sein wird, wie wir es wünschen, kann niemand sagen. Wenn es einige von den Diplomaten im Saale schon wissen — ich bin nicht in der glücklichen Lage. (Heiterkeit! und Beifall.) . | Es ist hier viel Kritik geübt worden. Vergeffest > Sie aber mchh daß wir j e tz t er st e iv V o lh

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