Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 938 (6.9.1921)
- Date
- 1921-09-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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6ej^ 2 Men, Dienstag aber die Massen aus dem Todesschlaf, erwacht und daraus entstand ein Konflikt zwischen den Massen und den Führern. Die G e s ch i ch t e kennt kern Wunder. Weder W e i tzm a n n, noch U s s i s ch k i n, noch ich haben das Wunder vollbracht, sondern die natürliche Entwicklung der Dinge. Nicht die Generäle geben das Geld, sondern die einfachen Soldaten. Man vergißt den großen Wett der Balfour-Deklaraüvn und das deshalb, weil wir selbst unseren Sinn profaniert haben. Wir haben den Schwung verloren. (Zwischen-- rufe: Durch Pogrome und Jaffa!) Mast spricht von der Schaffung einer jüdischen Legion. Ich glaube, wenn wir 40.000 C h a l u z i m ins Land gebracht hatten, hätte es in Jaffa keinen Pogrom gegeben, sie hätten uns Schutz gebracht, der Oelberg (Regierungsgebäude in Jerusalem) hätte eine andere Sprache geführt. Die arabische D e l e g a t i o n wäre in Jaffa und Haifa geblieben und hätte sich die Reisekosten nach London erspart. Wir Kämpfen nicht gegen Personen in Amerika, sondern gegen das System. Es ist die Messiaszeit angebrochen und ein ganzes Jahr läng feilschte man zwischen New-Iork und London um eine 20% i g e Rabattgewahruttg ü ö mM e s ff i a s(Heiterkeit). Aber wir sagen, der Messias ist uns zu teuer, als daß wir von ihm einen Raba t t gewähren können. Jetzt würden uns die 40.000. Ehalnzim das Dreifache kosten, wenn wir sie ins Land bringen könnten. Als wir nach Amerika kamen, herrschte dort F e st e s st i m m u n g. Man sagte uns, man sei uns dankbar, daß man die. Zionisten von ihren Führern befreit habe. Amerika hat seine Pflicht getan. Das Volk ist erwacht. Hier sitzen die besten Vertreter des amerikanischen Judentums. Das Judentum in Amerika ist genau dasselbe wie in Osteuropa. Es ist nicht unsere Schuld, daß zwischen uns und Amerika der große Teich liegt. (Beifall.) 'Die Herren von der Exekutive haben schwere Opfer gebracht durch Uebernahme der Führerschaft. Bei ihrer Arbeit handelt es sich um Leben und Sterben. Wie sehr wurde ihr Leben in der letzten Zeit'verbittert, nicht hier auf dem Kongreßsondern in der Zeit zwischen dem XI. und XU. Kongreß. Ihr, die ihr das jüdische Volk vertretet, wo seid ihr und was habt ihr getan? Alle Ausreden werden euch nichts nützen. Nicht Politik, nicht Oekorwmie soll euer Ziel sein, sondern einfach die praktisch e Arbeit. Wenn ihr die Leitung wiederwählen werdet, gebt ihr die Kraft zur- Arbeit, abernicht, wie im vergangenen Jahre. Auch in Amerika ist die Grundlage für alle Arbeit der G e i st des Judentums. Ich bin mit I a b o t i n sk y in bezug auf eine Teilung des Landes mit den Arabern nicht einverstanden. Die Araber haben ihren eigenen S.1 a q t,' wir aber, haben nur Erez Israel. Wir dürfen nicht das Schulwesen in Palästina erschüttern. Ohne Bildung kann man nicht leb e N. Äuch . die hebräische Universität wird für uns ein politischer Faktor werden. Präsident Dr. Mozkiir ergreift von der Delegiertentribüne das Wort. (Lebhafter Beifall.) Er führt aus: Mich interessieren für gewöhnlich Personen überhaupt nicht. Wenn ich mich darum kümmere, geschieht es nur. wenn die Notwendigkeit vorliegt, wenn das P r. o g r a m m des Zionismus in Gefahr ist. Mir ist nur wichtig, daß die leitenden Personen das Programm durchfichren. Wir sind aber leider tief in die persönliche Frage hmeingeraten. Die Londoner Konferenz war für uns ein fchwerepSchlay. roeü 90%. von uns den Sinn für die Organisation verloren haben. .Wir selbst denken verächtlich über die Organisation. Manche von uns haben jahrelang für die Idee gearbeitet, eh« es eine Organisation gab. Wir mußten sie aber schaffen, weil wir sonst die Idee nicht hätten verwirklichen können. Als aber ein Teil der formalen politischen Forderungen verwirklicht erschien, glaubten wir, die Organisation entbehren zu können. Die Londöner Konserenz hat di e Bewegung g e sch wacht. Es war ein L o t t e r i e s p i e l unter der Annahme, daß wir einige g r o ß e M 8nn er g e w in n'e n könnten. Um ihnen entgegenMommen, war man z ü Konzessionen b i t i i t. Es entspann sich dann der persönliche Kampf. Für ’ mich ist nichts so schmerzlich, als daß ich gegen das System B fö n b e i s spreche muß, weil ich Brandeis für eine der bedeutendsten Persönlichkeiten halte. Aber ich habe einen schwachen Zionisten in ihm gesehen. 'Er war im Jahre 1916 jüdischnationah - im Jahre 1920 hatte er nur mehr eine jüdische Tradition. Die Drandeis-Gruppe ist nicht mehr auf unserem Wege. Hier handelt es sich um die G r ustd f t a g e des Zionismus. Wenn man «ns diese nimmt, hat der Zionismus jedes Interesse verloren und existiert auch für das jüdische Volk nicht mehr. Man muß die Leute .. ermuntern/ welche für Palästina arbeiten wollen, aber wir müssen erst eine starke Organisation-:und eine ffesie Bewegung haben, um das tun zu können. Schwer liegt auf uns die Tatsache, daß starke Perfönlichkesten in Amerika und anderwärts aus.deinLiochsyrus ausgejchieden sind. Das ist aber für sie und für uns Wiener Msrgenzeit««s ..besser. Me. die noch geheime Hoffnungen haben, sollen sich sagen, wir lassen uns niemals ist ehr von ihnen führen. (Beifall.) Sie werden noch große Enttäuschungen erleben, jetzt, wo das große Ermannen kommt, wo sich auch die Assimilation organisiert und wo der Kampf nicht nur um ein formales Bekenntnis geht. Wir müssen getrennt marschieren und vereint schlagen (Beifall).' Schluß' der Sitzung.) VII. Sitzung. September. Präsident Sokolow begrüßt unter lebhaftem Beifall die im Hause erschienenen Vertreter des russischen Zentralkomitees, die unter den schwierigsten Verhältnissen die Fahne des Zionismus hochgehalten haben. Die Redezeit wird bei den Frakttonsrednern auf eine halbe Stunde, bei den parteilosen Rednern auf zehn Minuten eingeschränkt. Rechtsanwalt Dr. Kollsnscher (Posen): San Remo ist für uns eine Chance, aus der wir das jüdische Palästina machen können. Darin sind wir noch weit zurück. Die Tatsache, daß die amerikanische Gruppe fehlt, ist ein Fehler.und ein Unglück. Es ist gelungen, aus B r a n d e i s, dem Ehrenpräsidenten, einen Gegner der Organisation zu machen. Das Wichtigste ist jetzt die Sammlung der gesamten Judenschaft. Das ist möglich auf Grund des B a s l e r P r o g r a m m s, das von Weitzmann wie von Jabotinfky hier zitiert worden ist. Es sind lauter Phrasen, die hier gebraucht werden. Herr B u b e r spricht sogar von einem Feuerbad, durch das wir hindurchgehen müssen. Mit diesen Fragen wird man keinen Hund vom Ofen locken. (Stürmischer Beifall.) So kknn man vielleicht einen Wo t a n - K u l t begründen, aber keine zionistische Organisation. Die Herren von der Rechten haben wenigstens eine positive Grundlage, auf der sich eine Kultur ausbauen läßt. Phrasen aber, wie wir sie ier.. gehört haben, sind ein Luftgebäude und erst Programm. Wir können kein weiteres Bekenntnis als das des B aff l e r Programms verlangen. In unserer Wirtschaft müssen wir Ordnung, Sparsamkeit und. strenge Kontrolle einsühren. Der wirtschaftliche -Aufbau., kann- >, «nr -rrrch Privatinitiative geschehen. Darum /muß die Selbsthilfe gefordert ’ werden. (Zwischenrufe.) Ich lasse mir das Recht der Kritik nicht nehmen. Die Leitung Nimmt nicht trt klarer Weife Stellung. Jabotinfky sprach von einem nicht zu Ende gelesenen Buch. Aber er hat manches Buch nicht 'gelesen und es wäre sehr gut, wenn er seine Nase einmal in rin Buch über Nationalökonomie stecken würde. Die Zionisten in ben einzelnen Ländern muffen besondere Komitees bilden, welche die wirtschaftliche Tätigkeit anregen. Wir haben in dieser Weise manchen Erfolg erzielt. (Zwischenruf: Wo sind die Erfolge?) Darauf lasse ich mich nicht ein. In den Kolonisation-- ländern ist der Staat niemals das erste, sondern immer das letzte bestimmende Ding. Der nächste Redner ist Kurt Blumenfeld (Berlin). Er führt aus: Diesem Kongreß liegt ein einleitender rechnunggebender Bericht der Exekutive nicht vor. Es wäre notwendig gewesen, daß die Exekutive die Generaldebatte mit einem Bericht eingeleitet hätte, der sich mit den Plänen für die Zukunft beschäftigt. Wir wissen, daß in den nä ch st e n zwei Iahrensich viel für uns entscheiden wird' und manche sehr vorsichtige führende Persönlichkeit unserer Bewegung glaubt, daß, in diesen zwei Jahren das Schicksal unserer Sache entschieden werden wird. Deshalb muß für uns feststehen : Wir müssen eine Exekutive wählen, hinter der die g e s a m t e n Machtmittel der Organisation stehen. Wie immer wir uns entscheiden, die überstimmte Minorität wird wissen, daß wir verloren sind, wenn jetzt keine nationale Konzentration erfolgt. Ich nehme die Ordnung des Stoffes durch d e Steine auf. Innere Kenntnis der Organisation, freie Bahn für die Reorganisation und Eroberung der Kräfte der Juden. Wir wissen sehr gut, daß wir nicht die Herren der Weltpolitik sind, sondern bestenfalls politische Situationen in unserem Sinne benützen können. Wüs geschehen ist, war möglich, weil es ungeheure Umwälzungen gegeben hat. Es kam darauf an, .daß.sich Männer fanden» die die . Kraft hatten, jetzt jüdische Politik zu machem Es ist Keine 'Sklavengesinnung, wenn man hegte anerkennt,' was die einzelnen Männer geleistet haben. Weitzmann war nicht' dk legitime Vertreter der zionistischen Organisation, aber er wußte, daß er in diesem Moment auf dem -h i st o r i s ch g e g e b e u e n P l atz e stand. Wir wissen genau, daß politische Führer gerade dann ihre Organisation brauchen, wenn Gefahr droht: Kritik, wie sie jetzt betrieben wurde, ist gefährlich und ein Zeichen der Gefahr. Denn auch dieße Gefyhremuomente 6. September 192 r Nr. 93Ä sind nicht von uns abhängig. Politische Führer könne« nur arbeiten, wenn sie für ihre Politik die. Unters stützung der Macht finden, die sie vertreten. Finden sie sie nicht, dann muß man . einen anderen an ihre Stelle setzen. Ganz unmöglich aber ist es, zu sagend Der Mann taugt nicht, und ihn dann zwingen, weiter d re G e sch ä f t e z »führen. . In der Exekutive der.letzten Jahre fehlte jede Einheitlichkeit. Wer Kann die konsequente AraberpyliM machen, wenn aus dem Kreise seiner Mitarbeiter Anschauungen wie gestern geäußert wurden, die ihm. sein Wirken nicht leicht machen? Wollen wir uns mil den Arabern verständigen, dann muß eine klare Politik der zionistischen Organisation geführt werden, dann darf es niemanden geben, der so oder so. handelt, zumindest aber in einer ganz unmißverständlichen Weise diese Araber als eine minVetwertige Rasse hinslellt. (Zustimmung und Beifall.) Das geht unmöglich. Was ist der Wille der zionistischen Organisation in dieser Frage? Wir müssen zu dem Entschluß einer wirklichen AraberpolitiVkommen und'wollen es auch. Wenn wir als die Majorität im Lande Erklärungen der v e r f ö h n li ch e n G e s i n n u n g den Arabern gegenüber abgeben, so wäre das ein großes und' außerordentliches Werk, Heute müssen wir mit tiefem Respekt von dem Volke sprechen, das die Majorität im Lande hat, aber wir müssen alle Kräfte zusammennehmen, um die Majorität zu erhalten. Wer sich versöhnen will, muß wissen: daß man sich nur mit der Stärke versöhnt. (Zwischenrufe: Aber nicht Starke posierend!) Mit der Stärke, die durch unser inneres Wesen zum Ausdruck kommt/ Wir wollen in der Frage der Auffassung der zionistischen Organisation und der nationalen Propaganda eindeutige Verhältnisse ebenso wie in der Frage d.es Ausbauesund der Verwaltung Palästinas.Wir brauchen in der Exekutive eine. straffe Ressortemteilrrng. Was uns in Palästina fehlt, ist ein $8c amten* t u m. Dazu rechne ich alle, die von uns dorthin gesendet werden, die die Exekutive unbeeinflußt von, den Strömungen im Lande vertreten. Ihre Verwaltung, muß absolut z u v e r l ä ssig sein. Von allen.Stellen der Organisation wurde au allen Leuten hin- und hergezertt. Solche Beamte werden Sie nur finden, wenn Sie in dieser Frage Klarheit schaffen. Es ist falsch, wepn man als Beamter irgendeinen Vorrang;in-.djer.tzai^es5: oryanisation hat Hüten Sie,.sich ..qher, gus.: Beamten Zionisten mittlerer Rechte zu ' machen! (Beifall.). Erst degradiert man sie und dann beklagt man sich darüber, daß man ch a r a k t e r lose D i e n c r hat Wir wollen die h est e n Leute b,e s fiiduschen Volkes. haben. (Beifall.) Es ist möglich, daß wir schlechte Beamte haben, dann entfernen Sie sie aus der Stelle, aber hüten Sie sich, mit diesem Zustand zu rechnen und dann zu sagen, wir nehmen dagegen Stellung. Im allgemeinen sind jette Beamten unbeliebt, die ihre Pflicht erfüllen. (Lebhafter Beifall.) Wir werden von der Exekutive sordem, daß sie sich über die zukünftige Arbeit in Palästina ausspricht. Wenn sie das nicht kann, so werden wir zu ihr kein.Zutrauen haben. Politische Beschlüsse können durch Menschen repräsentiert werden. Das war die. Aufgabe der zionistischen Leitung. Es darf aber unter keinen Umständen geschehen, daß der große V e rs ö h nung s m i s ch m a s ch kommt und die Verlegenheit sich zeigt, weil niemand mehr weiß, was zu geschehen hat Bann blüht die Intrige. (Lebhafter Beifall.) Redner beschäftigt sich sodann.ein-, gehend und in detaillierter Weise mit den Anwürsen Simons und de L i e m e s. Der letzte Redner, Dr. Artur Ruppin (mit stürmischem Beifall begrüßt), führt ans: Ich empfinde einen schreienden Gegensatz zwischen dem, was wir reden und dem, was geschehen soll. Seit ich aus Palästina fort bin, bemühe ich mich-in Betsammlungen und Privatgesprüchen, den Zionisten klarzumachen, wie ernst unsere Latze ist. daß es gewaltiger Anstrengungen bedarf, ivennw'ir in dieser historischen Stunde überhaupt nur unsere Pflicht erfüllen sollen. Aber ich sehe, wie wenig diese Ermahnungen fruchten, daß das Werk der S e l b ftzerfleischung weitergeht, als es notwendig wäre, daß. was in Artikeln und Redest überall erörtert wurde, hier von neuem breitgetreten wird. Ich muß gegen meinen Willen .auf Angriffe antworten. Simon hat das volle Recht der. Kritik^ speziell was meine Person betrifft, er hat auch, das Recht, mich, für unfähig zu halten. Aber was er sagt, steht in Gegensatz zst dem, was er als '-Mitglied der Reorganisationskommission. und der. Exekutive getan hat. Ich trat, ale( ich nach vierjähriger Abwesenheit nach Palästina Mückkam, in die Zionistische Kommission - ein. - Ich fand ein g cf n z;ö;n b e r e« P.aläst i n a vor, geändert in denmateriellen Grundlagen und in ver ganzen Psychologie. Ich habe iü der;Zionistischen Kommission kein Geld porgesunden, aber ungeheuer erhöhte Ansprüche von allen