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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-06 · Heft 938 (6.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 938 (6.9.1921)
Date
1921-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis Pxan«merationspreise ai? i e'n: Z«m rithljolin iit der Erpedltton. 2. Bezirk, Tnburftraße 1 bi» 3, odt, in rlqrr .:B-rs-rikeißstrVe'tTr-fir>r Monatlich. ikroy»» ISO — kj'it Popvcrsand für Men und > Oesterr-eichr . Monatlich . ftvpntn ISO — riitzecho-Slawalei: Monatlich . . Kroar« 18— Ättrteljühr'ich 54.— iu llchecho-jlc-toakilcher Währnas v itnsarn: .*■ Monatlich . . Kronen 70— lvierteljährltch :»». »ilganschcr DjLhrung . Jugoslqwient Monatlich ... Dinar 13— ^.-rrtel jährlich „ Sr».— LS Kronen XM<E88 äv86-E rener Einzelpreis 2 tsch^Kr. ■UMMRYW15« >'3«»' >'.»m «onnjMMHMBPnMnNMMI PränumerationSpreifr^ m .. Polen: Nlonatllch. . Mark *09*« in polnischer Währnng _ Dentschlandr Monatlich. . . Markig .Frankreich: Monatlich. . . Francfr< Monatlich .... Lire 0— ■ . Nmnänir»: Monatlich. ... «et »IU Achvriz n. da» töeige Mtstunb Monatlich . . . AraneS S.— atio» .1—8 Telephone: 44038, 49«1« ab 6 Uhrlabend» Str.1»«0L Poftsparkafsentout» löcuae Redaktion n.!»L«t»1ftr< Wie». ^.«ez.,Taborstr. Nr. M8 Wien, Dienstag den 6. September 1921 3. Jahrgang tSS Von unserer Karlsbader Redaktion» L Schlrrtz der Generaldebatte. K a r 1 s b a d. 5. Sepiember. •... Die Generaldebatte über die politischen Berichte und . die Tätigkeit der Leitung wurde heute z u Ende geführt. Das Inlecesie des Kongresses war auf das Höchste gestiegen. Die Sitzung war heute den ganzen Tag über so stark besucht wie am Eröffnungstage und am Abend ergab sich das interessante Schauspiel eines mit elektrischen Spannungen überladenen Auditoriums. Der Permcmenzausschuß hat heute ^beschlössen, die Mandate der Delegierten aus S o w j e t r u ß l a n d und der Sowj e t u k r a i n e nicht y o ll a n z u e r k e n n e n. 78 D ele gierten wurden nuc^S i tz e eingeräumt,' dagegen wurden ihnen Sitz.und «stimme. in den Kommissionen zugcstqpden. Der bezügliche Antrag wurde vom Abgeordneten S t r icker. gestellt, der ihn damit begMhete, daß einerseits die Legalität des Kongresses unanfechtbar bleiben müsse, andererseits solle doch die Wertschätzung und Achtung vor den Delegierten zum Ausdruck gebracht werden, welche trotz aller Verfol-guvgen durch, die- Sowjetregierung cmdenr zionisiischUMbeäl^sestgehalten und bte jllr fie hjesonders ge-, sähchvll-e Reise-nach Karlsbad ürcht gesMpt hätten. ' Dom Oberkommissär in Palästina . H e r b e r t S am u e l ist e i neBotscha f t an den Kongreß eingetroffen, welche der politischen Kommission unmittelbar nach deren Zusammentritt vorgelegt werden wird. Ferner wird ein. W e i ß b u ch d e s Oberkommiffärs über die Lage in Palästina erscheinen.;•? . Die 23. ordentliche' Generalversammlung der Iü..d i s ch e n K o lonialbank wird'am Donnerstütz' iü Karlsbad stattfinden. . Äer P e r m a n e n z a u s f ch u ß machte heute fylgmde Vorschläge für die Bildung der Kommt ss io nen: Es wird eine politische Kommission von 45, eine O r g. a n i s a t i o n s k o mm i f-f i o n ebenfalls von 45, eine Palästina- K'om.mlsfion von 180 und eine Finanz Kommission ven 7120 Mitgliedern gebildet. Die Pälästina-Kom- Mission gliedert sich in eine E i n w a n d e r u n g s° und in eine S ch u l Kommission.. Die .Finanzkommisjiou wird sich in eine Kommission für Finanzen b;e r> Ora an i} ci t i o it, für die F in a n z in stit n i e und für den P alLstina - 2lu s b.a ufonds iKereu Hajeffod) teilen. Es liegt ferner der Antrag auf Errichtung einer R e ch n u n g s k v m m is s i o n vor, welche die finanzielle Grundlage und die Berechnungen sür die Arbeit in Palästina überprüfen soll. Es ist auch', eine Kommission gebildet worden, welche die Haltung der B,e amten der Organisation und ihrer Institüle untersuchen und darüber dem'Kongreß berichten wird,,: 'A-'i... . * Die V.I Sitzrmg, Sonntag qbends, brachte die Fortsetzung der Ge n e r a l d e b a t t e. Als Erster sprach, wie bereits in unserer Montagsausgabe gemeldet, Kaplansky (Poale Zion), worauf unter allgemeiner Spannung ' Iabolinsky bas.Wort ergriff. ,Er begann mü einer Polemik gegen Simon und de' Li e m e und. fuhr foxt: Ich komme nun zur Auseinandersetzung mit Pragdeis. Hier, muß ich sagen: Es wird uns vorgeworfen,. daß Kreise, die -uns ungeheuer nützlich hatten jeip können, von der Organisatton abgestoßen würden. Ich Muß diesen Vorwurf zurückweisem Wir hatten rnit d.en Amerikanern namenlose Geduld und wirkliche Sclbsloerleugnuiig/ Wir haben die Sache so lange ge halley, als es ging, aber ich muß Ihnen sagen, das ging nur bis zu einer gewissen Grenze. Wir konnten uns,, nicht entschließen, die Leitung, an Neophyten auszuliefem. Brandeis verlangte die Führung, die ww ihm nicht geben konnten. Bedenken Sie die un- GjeiM. dir damit verbaadeu aervelm wäre. Solange alles gut geht, mag das noch angehen. Wie aber, wenn'eine Panik entsteht? Werden Neophyten eine Panik aushalten? Das', werden Sie mir zugeben' Neophyten dürfen nicht von oben kommen, sondern müßten von unten als gemeine Soldaten beginnen: (Beifall.) Und dann muß ich Ihnen sagen, daß der ungeheure Respekt, den wir für große Namen empfinden, eine Gefahr bedeutet, der wir aus dem Wege gehen müssen. Ich will von dem Ausgleich zwischen mir und Dr. W e i tz m a n n sprechen, die eine der Ursachen war, durch welche die Herren zur Amtsniederlegung gezwungen wurden. Ich bin, von N a i d i t s ch und Z l a t ö p o l s k i ausgefordert, zu Weitzmann gegangen und habe ihm gesagt: Wir haben uns lange nicht gesehen. Es ist vieles vorgekommen. Vielleicht stimmen wir jetzt überein. Das Lehen selbst führt gewiffe Aenderungen herbei und ich habe konstatiert, daß wir übereinstimmen. Der Inhalt. dieses.Ausgleichs bezog sich aus vier Punkte. Ich fragje erstens : Es wird vielleicht ' eine Zeit kommen, wo^ ayf dem O e 1b erg ' (^egicr^ngs9'eMubV''CpVr^e^fl^'«m)^::• eine A e n d et u it g n o i w feist' wird. Werden wir verlangen, daß unser MW?Vstbei mitzusprechen, garantiert sein wird? Weitzmann meinte, wie müssen das anstreben. Der zweite Punkt betraf die Legionen. Hier war einA u s g l e ich n i ch t nötig, denn wir hatten in diesem Punkt jahrelang z us a m m e n g e a r b e 11 e t. Der 'dritte Punkt iretraf die Palästina-Wirtschaft. Ich fragte: Sind Sie dasüi', daß die Palästinenser in jeder neuen Institution ihre Vertreter haben? Die Antwort war: Ja. Viertens habe ich gefragt: Ist durch die Reo r g anisations- Kommission das Recht des Aktionskomitees abgefchasit? Die Exekutive hat das Recht, ihre Vertreter zu delegieren, sie hat aber nicht die Rechte des Aktionskomitees. Die politische Lage ist schwer, wir sind eine Minderheit in Palästina, aber hat man Amerika mit Zustimmung der Roten und.Australien mit Zustimmung der. Schwarzen kolonisiert, so muß es auch mit den Arabern gehen. Man Kann im Lause der Aufbauarbeit Bedingungen schaffen, die beruhigend wirken, aber im e r st e n .S t a d ium der Kolonisation braucht man eine D e r t e i d i g u n g, die nur von Kräften durchgeführt werden kann, die diesen Aufbau lieben, und nicht von solchen, die ihn hassen. Eine unbillige Administration schafft manche Schwierigkeiten, aber wir haben wenigstens ein verläßliches Instrument und das kann man von englischen Soldaten nicht sagen. Einem englischen Soldaten muß ein K a m p s z w i s ch e n I u d e n u n d A r a b e r n im Jahre. 1921 doch über die Hutschnur gehen. Wir dürfen nicht vergessen, daß England von der öffentlichen Meinung beherrscht wird und daß der englische Steuerzahler sich bereits gegen die großen Lasten aufzulehnen beginnt. England braucht aber den Verbündeten im Mittelmeere und wird unseren vernünftigen Vorschlägen sicher Gehör schenken. Die Ausführungen über die Vorfälle in Jerusalem sind .ein Beispiel für die Geschichte von den halbgelesenen Büchern. Äegyten stand damals im Aufi rühr, alle. weißen Soldaten gingen dorthin. Nur die Inder blieben im Lande und außer ihnen die Juden. Niemand hat bis dahin gewagt, die jüdische Bevölkerung .anzurühren. Aber als aus den 6000 Mann 3000. und 2000 und noch weniger wurden, was geschah? Am zweiten Tatze war der P o g r o m. Es fand eine Versammlung in Jerusalem statt, in der vorgeschlagen wurde, die Legion nach Jerusalem zu bringen. Ich war dagegen, denn ich hatte nur 300. Man'darf nicht mit dem Feuer spielen, das ist - vekaünh'aöer wenn man es tut, fo gibt es nur eine Form: die o r g a n i sie c t e st e, alles andere ist falsch. Nun zu einem für mich peinlichen Punkt. De L i e m e sagt: „Ich gehe nicht nach Palästina, um dulden zu lernen. Man hat Jabot in s k y begnadigt zusammen mit einem Araber und wir haben nicht protestiert/ Diese Schmach habe ich getragen. Aus Akko telegraphierte ich an Samuel: ^Begehen Sie nicht diesen Fehler, stellen Sie rnich nicht auf eine Stufe mit diesen S ch w a r z e n/ ... (Doktor Buber: Das sind doch keine Schwarzen.!) Ich meine moralisch Schwarze. Ich bin in Haifa zum Telegraphen gegangen und habe mir gesagt: »Jetzt tagt die Londoner Konferenz und wird mir helfen." Ich schickte eine lange Depesche an den Vorsitzenden, an B r a n d e i s, und Brandeis hat die Depesche in die Tasche gesteckt. Es ist eine unverdiente Ehre, wenn ich ein Revolutionär genannt weide. Revolution und jüdischer Nationalismus gehören zu den lateinischen Worten, die ich nicht verstehe. Als es Mir zur Zeit des Krieges gut schien, daß unsere Wege mit England gehen müssen und man mir sagte, das bedeute eine Verbrüderung mit der Autokratie, antwortete ich mit den Worten Mazzinis: Ich arbeite «für Palästina und wenn ich mich mit dem Teufel verbinden müßte. Bauen wir die Brücke zueinander, es gibt Arbeit für alle. Alle, die auf dem Boden des Zionismus stehen, die genug Sinn f ü r T o l eranz vhaben, sind dazu . aufgefordert. Auf denen-aber/ die für die Zusammenarbeit nicht zu haben sM/'^weil sie den Standpunkt eines anderen nicht anerkennen wollen, bleibt die Verantwortung. (Lebhafter Beifall.) Dr. Schmarzahn Lewin (jüdisch): Eine Statistik in unseren Reihen würde ergeben, daß sich 90% bet Zionisten mit Politik beschäftigen, daß 80% von den Führern bis zu den Soldaten ausgezeichnete R a t s ch l ä g e geben, daß sich aber kaum 5% mit der Frage befaffen: Me gewinnt man das Volk und wie gewinnt man Geld? Ich will deshalb über praktische Dinge sprechen. Wie können wir über ökonomische Fragen debattieren, wenn doch, sogar I a b o t i n s k y, der Nationalökonomie studiert hat, nicht einmal diese Fragen versteht? (Lebhafte Heiterkeit.) Ueber einen K anal b au kann kein Parlament entscheiden,' sondern nur Sachverständige. In Amerika wie in Europa handelt es sich um zwei Strömungen: Wir müssen jüdisch werden und dürfen keinen Personenkultus treiben. Es handelt sich um die Verschiedenheit, der Veziehungen j5U Erez Israel. Brandeis und M a ck stehen persönlich sehr hoch. Wir bekämpfen sie auch nicht als Person, sondern nur in ihrer zionistischen Auffassung. Die amerikanische Auffassung verneint das Galuthjudentum. Wir glauben, daß der Aufbau Palästinas durch das Galuthjudentum vor sich gehen muß. Da entsteht die praktische Frage: Kann Erez Israel durch das jüdische Volk aufgebaut werden, damit dort ein neues V o l k entsteht, oder wird es bloß eine Fortsetzung^ des G a l u t h? Ohne die lebendige Kraft des jüdischen Volkes, das heißt ohne die Galuthjuden, kann Erez Israel nicht entstehen. Daß man Palästina mit Geld und Sachverständigen aufbauen kann, ist falsch. Ohne die Liebe zum lebendigen Volk ist dies ein Ding der Unmöglichkeit. Jene großen Menschen glauben, daß man die Juden nur nach Jaffa zu. bringen braucht und sie dort neu anzieht. (Heiterkeit.) Es handelt sich aber um die Frage, ob wir überhaupt als Juden existieren werden oder nicht. Wir haben jetzt in Amerika dreieinhalb Millionen Juden, das sind 25 Prozent der gesamten Iüdenheit. Dieses Judentum hat sich nach zwei Seiten entwickelt: Die eine ist die R e f o r m b e w e g u n g, die ist anti-- national und rekrutiert sich zumeist aus den reich gewordenen deutschen I u den, die zweite Gruppe sind die aus dem O st e n eingewanderten Schwerarbeiter, die unter sozialistischen Einfluß geraten sind, also ebensalls antinational wurden. Nun sind 9

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