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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-03 · Heft 935 (3.9.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 935 (3.9.1921)
Date
1921-09-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wiener Morgenzeitung Wien Samstag 3. September 1921 mjk im j liulli Eeite 4 ^■V1 1 Ende der Streiks in Polen. J Warschau. 2. Septembcr- (Polu. Tel-Ag.) Das Zcniralkonnte: dcr Eil'eubahnrrshnttsate von Warschau sandte an alle Prvvinzoraanrsatlvnen ein ick'grcipliisküts Rnndschräben mit der Busforderunp, die lokalen Streiks sofort abmdrkchei», da di: Forderungen der Eisenbahner zum größten Teile bereits erfüllt seien. _ Aus Palästina. DerersteBerZchtder palästinensischen Regierung London» 1. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Die! Regierung veröffentlichte soeben ein „W e i ß b u d)*,! das einen Intertmsbericht der palästinensischen Zivil- Verwaltung für die Zeit vonr 1. Juli 1920 bis Juni 1921 enthält. Sir Herbert Samuel gibt iu diesem Bericht einen Ueberblick über die Verhältnisse in Palästina nach dem Kriege und beschreibt die damaligen wirtschaftlichen. Verhältnisse des Landes. Palästina sei gegenwärtig von kaum 700.000 Seelen bewohnt, wovon, 235.000 auf die größeren Städte und 465.000 auf die kleineren Städte und Dörfer entfallen. Vier Fünftel der Bevölkerung sind Mohammedaner. Die Zahl der Juden beträgt 76.000. Mehrere Seiten des Berichtes sind der Beschreibung der Erfolge der jüdischen Kolonien gewidmet, die das lebhafte Interesse der ganzen Welt erwecken. Sämtliche. Fragen des öffentlichen Lebens finden im Bericht ihre Berücksichtigung. Besondere Kapitel sind gewidmet der hebräischen Sprache, der Haltung der arabischen Bevölkerung, den inneren und äußeren Schwierigkeiten, der Frage der Regt e t u n g s f o r m, der Landesverteidigung, der Einwanderung und der k o m m u n i ft il ch e n Propaganda In einem besonderen Anhang finden wir einen Ueberblick über die Zusammensetzung der palästinensischen Beamtenschaft. Abschaffung -er Zensur rn Palästina. Zsrusalem, 1. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Die nach den Jaffaer Ausschreitungen auf Befehl des Oberkommiffärs eingeführte Zensur wurde ausgehoben. Storrs beim Papst. London, 1. September. (Jüd. Korr-Bur.) Einer Reuter-Meldung zufolge empfing der Pap st am Freitag den Militärgouverneur von Jerusalem, General Ronald Storrs, in Prioataudienz. Die amerikanische Jndenschaft für ihre hungernden Brüder in Sowjetrutzland. New-Iork, 30. August. (Jüd. Korr.-Bur.) In Anwesenheit vor: 793 Delegierten, die 374 jüdische, Organisationen verträte:!, fand hier eine Konferenz statt, die sich mit der Frage der Hilfsaktion zugunsten der hungernden jüdischen Bevölkerung Sowjetrußlands und der Ukraine beschäftigte. Nach einer langen,' stellenweise sehr' erhitzten Debatte wurde beschlossen, die' ganze Judenschaft der Bereinigten Staaten un b e r z ü g lich für das Hilfswerk zu mobilisieren. Sämtliche Juden würden 'aufgefordert, die Arbeit einesTages, lezw.desHan^.e'seinkommens eines Tages, den hungernden Brüdern zu widmen. Die Aktion wird vom People Relie.f Coittm ittee geleitet werden. Ein aus 100 Mitgliedern bestehendes Komitee soll die Beschlüsse der Konferenz durchführen. Gleichzeitig wird aus B o sto n,, B a l t i m o r e und anderen großen Städten gemeldet, ' daß' die dortigen jüdischen Gemeinden die Initiative ergriffen und Organisationen zur Sammlung von Hilfsgeldern für die Hungernden geschaffen haben. Inland. Die Beteiligung der Schweiz au der österreichischen Kredithilfe. Bern, 2. September. Die Eidgenossenschaft behelligt sich auf Grund eines Bundesbeschlusses an her internationalen Kreditaktion für Oesterreich mit einem Betrag von 25 Millionen Fran ien. Der Bundesrat beschloß in seiner heutigen Sitzung, der'Bundesversammlung zu empfehlen, den Wwzicht auf gewisse Garantien für den für Lebensmittellieserungen gewährten Kredit aus zu sprechen, sofern die anderen Staaten eine gleiche Stellung einnehmen, um dadurch den wirtschaftlichen Wiederaufbau Oesterreichs zu beschleunigen. Auf Befehl des Herr« Seipel? Wien, 2. September. Wie die „Politische Korrespondenz" erfährt, hat die Regierung bisher stets die Intervention der drei Hauptmächte der Entente ungern,en, dagegen anderweitige besondere Schritte, etwa in Belgrad oder Prag, nicht unternommen. Ungarn kündigt das KontingenLabkommen. Die ungarische Regierung hat mitgrleilt, daß sie die Vereinbarung vom 12. Mai 1921, durch welche sich Oesterreich nnd U«garn^egmse,tig dre Bewilligung bestimmter Kontingente vo» in der Ein- und ÄuSsubr verbotenen Waren zugefichrrt hatten, nicht zu verlängern wünsche. Diese Vereinbarung tritt daher mit 6. d. M. außer Wirksamkeit. Der gestrigen Sitzung des Nationalrates, die nach der donnerstägigen Beratung des Auswäcttgen Ausschusses eigentlich herzlich überflüssig erschien, ging eine Sitzung des Hauptausschusses voraus, in der man sich dahin einigte, von dem auf der Tagesordnung stehenden Vorschlag für die Wahl der Mitglieder der Verwaltungsstellen des , Burgenlandes mit Rücksicht auf die im Vurgenland herrschenden Verhältnisse abzusehen. Bundeskanzler Schnb.er bemerkte mit Bezug auf den dem Nationalrat vorliegenden Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten von Amerika, daß die Regierung diesen Friedensvertrag auch »vom Standpunkt der Kreditaktion als eine Notwendigkeit bezeichnen müsse. Bekanntlich basiert die Kreditaktion des Völkerbundes auf der Rückstellung der Pfandrechte seitens der in Betragt kommenden Regierungen. Nun hat Oesterreich bisher vergeblich aus die Rückstellung der Pfandrechte seitens der Vereinigten Staaten gewartet. Erst mit dem Friedensvertrag ist die Möglichkeit der Rückstellung der bisher Amerika formell gar nicht zustehenden Rechte gegeben. Deshalb hat die Negierung den Nationalrat um die rascheste Verabschiedung des Friedensvertrages gebeten, weft sie auf . der anderen Seite auch bei den Vereinigten Staaten in diesem Sinne intervenierte. Nach , Len nunmehr zugekommenen Mitteilungen wird der Kongreß bereits am 21. b. M. wieder züsammentreten, den Friedensvertrag ratifizieren und der Rückstellung der Pfan drechte zu stimmen. In diesem Zusammenhang teilte der Bundeskanzler mit, daß wegen sofortiger Flüssigmachung der Vorschüsse auf die Kredite Bundesminister D'r. Grimm an' der gestern begonnenen Tagung des ökonomischen und finanziellen Ausschusses des Völkerbundes teilnehmen werde. Ueber die Kreditaktion wurde im Parlament allerlei gemunkelt; man wollte wissen, daß die Völkerbundbankiers nicht einmal den Vorschuß von 5 Millionen Pfund Sterling flüssig machen wollen, ehe nicht Amerika, Jugoslawien und Rumänien der Rückstellung des ' Generalpfandrechtes 7 zugestimmt haben.. Verstärkt wurden diese Gerüchts noch öüÄh Mitteilungen -Mev eine' Kreditermächtigungsvorlage, welche der Regierung die Mittel in die Hand geben soll, falls der Völkerbund- Vorschuß nicht rechtzeitig einträfe. Die Einbringung dieses Gesetzes in. der gestrigen Sitzung unterblieb, da das Finanzministerium mit der bis Monatsende laufenden Anleiheermächtigung bis dahin noch, auszulangen hofft, beziehungsweise von den gegenwärtigen Genfer Völkerburchverhandlungen eine rasche Erledigung der Vorschußfrage erwartet. . In der Sitzung des Nationalra^s wurde zunächst der Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten von Amerika ohne jede Debatte genehmigt. Hierauf wurde der Wahlvorschlag für die, Verwaltungsstelle des Burgenlandes in Verhandlung gezogeni Bundeskanzler Schober: Die Bevölkerung Oesterreichs steht heute noch unter dem Eindruck der Ereignisse, die sich Sonntag und in den nachfolgenden Dagen in dem uns zugesprochenen Gebiet Westungarns zu getragen haben. Unsere Gendarrneriekölonnen wurden von bewaffnete n," ' wohl ausgerüsteten, .ganz mülitärischorganisiertenBanden tückisch üborf a l l c n, mit. Gewehren und Maschinengewehren - beschossen, teilweise mit Handgranaten angegriffen, so daß leider auch' Tote auf unserer Seite zu beklagen find. Die Besetzung konnte nicht,programmgemäß durchgeführt werden, so im südlichen Teile in der Nahe der, steirischen Grenze, wo sehr starke Banden den österreichischen Gendarmen entgegengetreten sind. Sofort nach dem Eintreffen der erste»: beklagenswerten Nachrichten habe ich die Meldungen an die hier akkreditierten Gesandten der Großmächte werterbefördert, ich habe selbstverständlich bei den in Betracht kommenden, Mächten interveniert und vom ersten Moment an habe ich' mich auf den Standpunkt unseres. einwandfreien 'Rechtes gestellt, und bet ungarischen Negierung die Verantwortung für all das, was gegen Gesetz und Recht geschehen ist, zu ge schobt. Ich' habe nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß es Sache der Entente fei, die Durchführung des Vertrages zh sichern, und daß die österreichische Regierung .nichts anderes tun könne,'afs die Entente zu ersuchen, den -Uebrrgabsplan in Vollzug zu setzen. Ich habe den Landesverwalter Sektionschef D'r. Davy angewiesen, die Gendarmen keiner überflüssigen Ge fahr ans zu setze n, sie mögen sich vor überlegenen Bänden und ungarischem Militär zärückziehen, die provisorische Landesverwaltung soll I unterdessen widerspenstige Beamte suspendieren unv | nach Neu st a d t abstellen. Diese unsere Haltung hat in den letzten Tagen nach jeder Richtung Erfolg gehabt. Ein großer Teil des Burgenlandes ist heute zwar nur unter einer provisorischen, aber immerhin schon funktionierenden österreichischen Verwaltung. Es ist inzwischen gelungen, die Gendarmen zu verstärken, so daß gegenwärtig 2500 Gendarmen im Lande sind. ■, '; ' Auf der anderen Seite haben mich die Vertreter der hohen Mächte Wien spontan beglückwünscht zu unserer besonnenen Haltung, und dringend gebeten, Oesterreich möge von diesen: Verhalte« nicht abweich-n und insbesondere ’; 1 keine Militärischen Maßnahme» zur Besetzung des Landes treffen.;!•.. Inzwischen hat die ungarische Regierung auch ein» gesehen, daß es so nicht weitergehen rann, und hat durch ihren Gesandten ihr Bedauern aussprechen lassen. : Sie hat eine Note abgesendet, welche '-.l..'.f.-. Vs :. die strenge Bestrafung der Schuldigen \ anküudigt. Hoffen wir, daß die Ernüchterung auf ungarischer Seile anhalten und daß trotz aller Zwischenfälle die wieder zutage tretende Bereitwilligkeit,' mit Ungarn nach vollzogener ■ Uebvrgabe des uns Zugesprochenen Landes zu einem Einverständni§ zu kommen, auch in die Tat umgesetzt werden kann. ' Der Kanzler erklärte schließlich', haß die Regierung' nicht gewillt sei, wegen der gegen alle Verträge imb ' Vereinbarungen verstoßenen Haltung der ungarischen Regierung das Leben österreichischer Soldaten ober Gendarmen zu gefährden. Die österreichische Regierung habe Vertrauen in die bisherige Haltung der Großmächte, die willens sind, die Verträge durch zu führen. - (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Abgeordneter Dr. Bauer (Sozialdemokrat) versicherte, feine Parteigen offen hatten die Ereignissedie sich ua:n .im Burgenlande zulragen, vvrausgesehen, nur > .alle- Mre. -'Mrnmrgen,. im>' A«tzsch«W'.4k Hetzch Wind geschlagen worden. Die Verantwortungdie wir. übernommen haben, liegt darin, daß das Gebiet, das von unseren Gendarmen besetzt wird, von uns auch Schutz verlangt. Wenn wir dicken Schutz nicht gewähren können, dann natürlich' fühlt sich! die Bevölkerung verlassen und verraten' und verliert däs Vertrauen zu , uns. Niemand von uns fordert heute, daß unsere.- Wehrmacht dazu verwendet werbe, um die ungarischen. Truppen aus dem von ihnen noch besetzten Teil Deutsch-, westungarns hinaus zutreiben. Die burgeuländische Frage ist nicht mit Gewalt zu lösen. Die Räumung i kann nur auf diplomatischem Wege geschehen. Sie > ist eine Verplich'tung der Entente. Der Redner verlangt jedoch, daß im Gebiet hinter dem österreichi-' scheu Gendarmeriekordon die Bevölkerung durch die. Wehrmacht vor den Bandenüberfallen geschützt wörde, und daß die österreichische Regierung bei' den Alliierten Schritte unternehme, damit diese ihrer: Einspruch' gegen die vom Redner erwähnte Verwendung der Wehrmacht. aufheben. ' > « ' - - - Abgeordneter P a r re. r (christlichsozial) betonte, daß es nur fremde Elemente waren, die die Zwischenfälle in Westungarn hervorgerufon haben. Abgeordneter Schürf (grvßdeuts'ch) bedauerte es» daß heutige Sitzung keine .feierliche Kundgebung aus Anlaß der Uebernahmo des Burgenlandes sein könne. Die Magyaren. hätM nichts das Recht, den Oesterreichern Verrat vorzuwerfen, sie, die im Weltkrieg als erste die Front verlassen hatten. Wir wollen glauben, daß die Entente uns endlich' zu unserem Nechte verhelfen und baß die Uebergabe Weftungarns in der nächsten Zeit in Rühe erfolgen wirb. ' Abgeordneter Schön bau er (deutsche Bauernpartei) erklärte, daß das Burgenland nicht eine Provinz Oesterreichs bilden weÄre-, ein Land, das sich, selbst verivalten wird. Es sei deshalb notwendig, dem Burgenland die Selbstverwaltung -so schnell als möglich zu geben. ' Präsident Dr. Weiskirch'ner teilt mit, bei Verhandlung des Gegenstandes habe sich ergeben, daß der Nationalrat heute nicht in der Lage sei, die Wahl der Verwaltungsstelle durch' das Burgenlaub vorzunehmen, es bleibt daher die gegenwärttge Verivaltungsstelle im Amt, und der Präsident behält sich vor, sofort nach' der Räumung des Bürgenlandes derr Nationalrat zur Neuwahl der Verwaltungsstelle einz über usen. Die nächste Sitzung wird im schkiMichen Wege lrekaimtgegeben werden. ' •’ : s Massanzug K 8000 aus original englischem Schafwolistoff — Eiitsia in oanx Wien! — bei HEINRICH WEINBERBER

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