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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-03 · Heft 935 (3.9.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 935 (3.9.1921)
Date
1921-09-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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mtTtäS Wiek,' Samstag Wie«er Mörge«zettÄ«s /3. September '1921 Seite (Einefreche Rote derHorthy-Regteruug. p1. B»tz»pest, 2. September. Wie „Pesti Hirlap" von komipe^nter Stelle erfährt, hat fich die nngarische Regierung in der rvefirmäanschen Frage mit einer Note an die Entente gewendet »nd gebeten,-sie möge Garantien dafür schaffen, daß Oesterreich seine.Ungarn gegenüber bestehenden Verpflichtungen erfüllen werde. Die ungarische Regierung setzt in der Note detailliert aus- «iuander, daß tä sich um solche Forderungen handle, die wohlint iTrianoner Friedensvertrag picht aufgezählt sind, aber «beit deshalb sowie mit Rücksicht auf die finanzielle Lage Oesterreichs bitte die ungarische Regierung, ihre Ansprüche auf eine durch das internationale Recht gesicherte Weise zur Geltung bringen zu dürfen. Die ungansche Regierung anerkenne nureine s o l ch e L ö s n n g, die die Zahlungsverpflichtung Oesterreichs festsielle und für dnen Erfüllung G arantien biete. „Heeresleitung der Freischare«." Die Budapester Blätter reproduzieren den Text e-.ncs brutschen Plakats, welches feit einigen Tagen an den Häusern der d e u t s ch c n G r e n z g e m e i n d e n West ungarnS prangt. DaS Plakat lautet wortwörtlich : „Warnung! Oesterrerchifche Brüder! Lasten wir uns nicht von unseren gemeinsamen F e i n d e n gegeneinandethrtzen! Wir waren und sind eure einzigen Frennde und LeidenSgenosten u«d wollen es bleiben. Wir sind jedoch entschlossen, Westnngcrru bis zum letzten Blutstropfen z» verteidigen und werden jedermann, der davon Besitz ecgreffen will, rücksichtslos niedermachen. Jedwede Grenzübersetzung ist bis auf weiteres strengstens verboten. Bleibt drüben in Freundschaft! Heeresleitung der Frrischären." - Die Budapester Blätter zitieren das Plakat und entblöde» sich nicht, dasselbe alS Beweis gegen O e st er r e i ch an- -uführen und darauf hinznwrisen, daß diese Freischaren aus der Bevölkerung.Westungarns zusammengesetzt seien, welche Oesterreich rechtzeitig gewarnt habe, seine Hand nach Westungarn anszustrecken. Der Botfchafterrat an Ungar«. London, 2. September. (Funkspruch.) Der Botschafterrar Zn Paris har an die ungarische Regierung eine Note gerichteti» der de« Erstaunen Ausdruck verliehen wird, daß die ungarische Regierung die gänzliche Uebergabe Westungarns an Oesterreich per - ö g er e. Die Note erinnert weiter daran, daß die Räumung der B ar a n h a durch die Serbe« bereits erfolgt sei, um UvgarnZ WLnschm eutgegenzukommrn, und gibt der Erwartung Ausdruck, daß keine wettere B'e r z ö g e r » n g in der Uebergabe e'mtreteu werde. Dr. Bcuesch interveniert. Prag, 2. September. (Privat.) Rach hier emgelaugteu Meldungen wird der Minister de- Arußer» Dr. B e n e s ch, der ' sich derzeit in P a r i S befindet, auch in der Angelegenheit beS Burgen lande» mit den «aßgebenvm Perfönlichtotze» d« Entente F Ahl «ng »eh m em Dir Brtyare» verschleppe« österreichische Gendarmen. Fürftenseld, 2. September. Nach hier riagelangten Meldungen der Geudarmeriep osten find ungefähr 8b Freischärler in Bernstein eiugerückt, die sämtlich den Intclligenzkrtisen an. gehören. Alle Mänuer vom 25. bizum 40. Lebensjahr sind «ssgehoben worden. Mehrere in St. Gotthard von de« Ungarn zurückgehalleve österreichische Gendarme» nnd Finanzw a cho r g a n e find gestern in der Richtung «ach Stein-- ama ng er a btrauSp 0rtiert worden. Gestern sind in G ü f s i« g Artillerie und starke I»' santeneabteilungeü emgetroffen. Die Franz-Iosephs-Kaserue in Oedeubvrg. Aus W i e» er-N eu st a d 1 wird uns gemeldet: Die Franz-JosephS-Kaserne t« Oldenburg wird heute von den Burgenlandlern, in denen noch immer Oszteuburg herrscht,genau so gefürchtet wie die berüchligteste« Budapester Kasernen» in denen die Mörderbanden der P r 0 » a i, H e j j a S nnd O s z t«nb u r g ihr Zentrum haben. ES vergeht kein Tag, an dem nicht in Oldenburg und Umgebung R a z zi t n vorgenommen und ahnungslose Paffantm als verdächtige Elemente in die Kaserne eingebracht werden. Ans die verschiedenste Art und Weise wird die Bevölkerung in die Falle gelockt. Seit drei Tagen findet ln Oedmdurg täglich eine Platzmusik -er Osztenbvrg-Kapelle statt, und kaum sind die letzten Klange des antisemitische» SchmähiiedeS „krgvr, Betgor* verklungen, wird eine Razzia vorgenommen. Am Mittwoch erschien eine neuerliche Kundmachung, laut welcher üch jene Oldenburger, welche die öfierrrichrsche Grenze überschreiten oder nach Wien fahre» wollen, täglich von S bis 12 und von 3 bis 5 Uhr in der 48er-Kaserne meldm könuen. Ueherdics werden sämtliche Oedenburger Bewohner, die während der letzten sechs; Monate nach Oldenburg zugereist find, zur sofortigen Meldung verhalten. Arbeiter dürfen die Oiztenburg-Grrü;e überhaupt nicht überschreiten. Dadurch kommen v^el« Arbeiter in die schwierigste Lage» da sie ans -der österrcichtschen Seite in Arbeit stehen. Biele versuche» es,-ohne Paffwrschkin in ihre Arbeitsstätten zu gelangen, werde» jedoch bei der strengen Kontrolle abgrfaßt. blutig geschlagen und m die Frauz-Josephs-Kaserne gebracht. Da die i» den eisten Tagen nach dem Putsch von den Osztenburg- und HejjaS-Leuten mißhandelten Juden erklärten, daß sie gegen diese bnstale Vergewaltigung bei der Entente Beschwerde rchrbcu werden und ein Teil diese Drohung auch zur T at Sgrwgj»; nm maifite, erhielt O s z t e n b u r g die Weisung, die Mißhandlung der Inden einzudämmen. Allerdings müffm dies die Juden mit großen Geldopfern und Naturalleistungen erkaufen. Ebenso werden sie in jene D ep « t a t i o n e n g e t r i e b e n» die unter dnn Drucke des Oszteuburg» und Hejjas-Terrors gezwungen sind, zur Ententemissivn nach Oedenburg zu gehen und dort dem Wunsche Ausdrück zu geben, daß Westungarn bei Ungarn bleibe. Die französische Presse gegen die Betyare». Paris, 2. September. In einem ausführlichen Artikel besaßt sich der „Eclair" mit den Ereignissen im Burgenlaud. Im Augenblicke, da die Donaustaatm die Wiederkehr von Ruhe und moralischen Lebrnöbcdi'ngrmgen aristreben, sei Blut von Orsterreicheru in Westungarn geflossen. Der Artikel weist darauf hin, daß die Bewegung der „Erwachrüden Ungarn" vom franzosen» feindlichen Stephan Friedrich organisiert werde. Die „Erwachenden Ungarn" seien nichts anderes als eine ungarische Orgesch, die nicht geduldet werden könne. Oesterreich habe große Geduld bewiesen. Die Enteyte sei auf dem Spiele. Sie müsse iu Budapest ihren energischen Willen knndgeben. TeLegramme. Der Hunger in Rußland. Moskau, 2. September. (Funkspruch.) Bis zum 31. August wurden im ganzen 11,169.464 Pud Brotsrucht aufgebracht, so daß dir Winteraussaat in dm Hungergebieten gesichert erscheint. Wie jedoch aus verschiedenen Aufrufen und Artikeln der „Prawda" hervorgrht, ist die Lage der Bevölkerung in den Hungergebieten noch immer verzweifelt. Die Regierung hat nämlich einen Teil des anfgebrachteu Getreides auch für die Versorgung der I n d « st r i e a r b ,e i t e r im ganzen Staate nnd für Spitäler verwendet. Ein Telegramm K a l e n i n s aus dm Hungergebieten besagt, daß dort noch immer die Sterblichkeit infolge Hungers recht hoch sei. T)ie Lage derKiuder in der Kirgisenrepublik ist e n t s e tz l i ch. Verzweifelte Eltern verlassen ihre Kinder aus offener Straße. Da die Krippen überfüllt sind, kan« diesen Derlaffenen keine Hilfe gebracht werden. Hilfsaktion. 8. Eiptemb«. tFmkspmch.) ©n JSiniSatii* beschloß, daß sich Rumäne e n an der tnternationalm Hilfsaktion fyc die Hungernden Rußlands beteiligen werde. Die alldentsche Prefle sabotiert die deutsche Außenpolitik. Anklage» »es deutschen Reichskanzler«. Berlin, 2. September. (Äolff.) In der heutig« Sitzung des NeberwachnngsLuSschusses führte Reichskanzler Dr. W i r t h nuter anderem a«S, es sei beschämend, wie in Deutschland selbst durch Blätter von Ruf die deutsche Außenpolitik sabotiert werde. ES sei erfindlich, daß sich zu gewissen nationalistischen. B era nstal tu« g en an führender Stelle hervonageude Persönlichkeiten hergeben, die doch ftührr auch große politische Verantwortung getragen hätten und imstande wären, die verderblichen Folge« ihrer TnnS zu übersehe«. Gerade der ba.yrische Gesandte habe einegewiffeSchärfe nicht vermiffen laffen, Por allem gelte eS, die Quellen der Verhetzung zu verstopfe».. Leider sei in Bayern nicht alles geschehen, um nach dieser Richtung hin die Spannungen auszugleichm. Bon der großen Erregung, die durch das arbeitende Deutschland, auch durch das christliche werktätige Volk gehe, habe er sich m den letzten Tagm persönlich überzeugen können. Wenn diese Erregung nicht beseitigt werde, so könnte es zu einer Parole: Hie Bürgertum, hie Proletariat! kommen. Die Reichsregierung werde einer solchen Parole nicht Folge leisten. Er wolle aufrichtig Verhandlungen versuchen, um jedem Konflikt zuvorzukommen, und bitte hiebei de» bayrischen Gesandten und die bayrisch« Regierung um ihre Unterstützung. Die Aufhebung des Ausnahmszustaudes tu Bayer«. Berlin, 2. September. Der achte Ausschuß des Reichstage-, der sogenannte Ueberwachungsausschuß, ist heute vormittags im Reichstag zusammerigetretm, um über einen Antrag, betreffend die Anfhebnng des Ausnahmszustaudes in Bayern, zu beraten. Der Reichskanzler kündigte an, daß die Reichsregierung k e i» e S w e g S die A b s i ch t habe, von vornherein durch eine Verordnung deS Reichspräsidente» die Aufhebnns deS AuSvahmSzvstandeS i» Bayer« zu dekretieren. Die ReichSrrgirrung werde heute noch in München in Besprechungen mit der bayrischen Regierung eintreten nnd er hoffe, daß es aus dem Wege freundschaftlicher Verhandlungen gelingen werde, mit der bayrischen Regiernng rin Einvernehmen zu erzielen nnd sie zur Aufhebung des Belagenmgszustandes zu veranlafferü Die oberschlesische Frag«. Direkte.Berhandlnn-en zwischen Pole« »nt Deutsch; land? Paris, S. September. (Tel.-Komp.) Die „T o u r n ä d In d u st t i etl e^ glaubt, das Gerücht bestätigen zu löryien daß d i r e k t e V e r h a n d l u n g e n z w i s ch e n P o l e r und Deutschland über die oberschlesische Frac-e iw Gange seien. Die Vcrhandlungen sollen in Berlin durch Dostv' M a r i e w s ki geführt werden, der der Delegierte der pvlui> scherr Rrgiernug ist. Die Besprechungcn schienen einen .günstiger. Verlauf zu nehmen. Das Uebrreinkvmmen würde wahrschcinlici auf folgender Grundlage zustande kommen: Dir T e r l u n g d e L Jndustriedreiecks auf einer Grenzlinie, die für Deutsch' land günstiger ist als dir Ssorza-Linie. So häpen die Meinung^' Verschiedenheiten zwischen den Alliierten nnd die lieberweisung der oberschlesischen Frage an den Völkerbmid als erstes Resultat c:m Annäh erung zwischm Deutschland und Polen zu verzeichnen. CLemeneelr» — Wieder aktiv. Berlin, 2. September. Es steht nunmehr fest, daß Clemenceau wieder ins politische Leben zurückkehren wird. Er habe eine Rede gehalten, in der er ankündigt, daß er sich dem" nächst an ganz Frankreich wenden werde. Der Aafstand in Indien. Berlin» 2. September. Die Blatter meldm auS Parist Nach einer Meldung deS „Petit Journal" aus K a lkutta sind dort Straßenkämpse zwischen a « s st a n d i s ch e n E i n*1 geborenen nnd britischen T r u p p e n im Gange. Innerhalb der Stadt seien Barrikaden enichtet worden. I » d i sch e Geistliche predigen öffentlich gegen die Europäer. Sämtliche britischen öffentlichen Gebäude stehe» unter militärischer Bewachung. Wie der ^Matin* berichtet, seien die e» g l i s ch e n Regt e ru n g s k r e is e über die letzten Melduugm aus Jnd-eu i« g r o ß e r B e st ü r z u n g. Der Bizekönig pon Indien hat über Kalkutta und Bombay dm verschärfte» Ausnahmsznstand verhängt.' In sieben Provinze» haben die Eingeborenen de« heiligen Krieg g e g ea die Europäer verkündet. Keiue Berichtiguug der tschechischungarische« Grenze. Prag, 2. September. (Privat.). Die ungarische Regierung hätte vor eiuigm Tagen an den Obersten Rat in Paris daL Ersuchen gerichtet, die «ngarisch-tschecho -slowakische Grenze in der Slowakei auf einer Länge von zirka 80 km zugunsten Ungarns zu berichtigen. Dieses Ersuchen war von emem ausführlichen Memorandum begleitet. Wie nunmehr aus Paris hieher gemeldet wird, hat der Oberste Rat bas.Verlangen der ungarisch« Regierung zurkckgewiesm. Kongreß für de« Schutz der Völker» Gens, 2. September. (Westukr. Preßagentur?. Das inter» nationale Bureau für den Schutz d e r B ö l k e r r e ch t e hat nach Genf ei«en Kongreß einberufen, der gestern feierlich eröffnet wurde. Am Kongreß nehmen Vertreter derjenigen Völker und Länder teil, deren Staatlichkeit von den Großmächten noch ni cht an erk aunt wurde, darunter einzelne Völker, die flüher zu Rußland gehörten, ferner Aegyptm, Irland und andere. Die Westukraiue ist auf dem Kongreß dwch Herm W.ladimir Slepankowsky offiziell vertieten. Am Kongreß sind auch die Vertreter der nationalen M i n d e r h e i t e n aus denjenigen Staaten anwesend, wo dieselben das Selbstbestimmungsrecht nicht, genießen. Der Kongreß wird parallel mit dem Plenum des Völkerbundes tage«. Wie das weißruthenische Preßbnreau in Kowuo meldet, hat auch drrweißrnthenische Natioual-- verband eine Delegation zn diesem Kongreß entsendet... Lauge Dauer der Washiugtouer Konferenz. Paris, 2. September. Die „Vosstsche Zeitung" meldet aus New-Nork, die Regierung der Vereinigte» Staaten rechne damit,' daß die Konferenz in Washington etwa zwei Monate dauern, werde. Die anwesenden Delegierte« würden nicht, die Gäste bet’: Regierung fei«, sonders die Koste» ihres Aufenthalts selbst bestreiten müssen. Ei« gemeiusamer französischer Aufruf der Erzbischöfe «md des SberrabSiuers fLr Rußland. Berlin, 3. September, (Funkspruch ) Der Erzbischof von Paris, Kardinal D n b o i S, Reverend Wilfried M o r n o d und der Oberrabbiner von Frankreich, L e v ^veröffentlichen einen Aufruf zur Unterstützung der Hungernden i» Rußland, worin sie betonen. daß e8 sich um ei» Unglück handle, daohnegleichen in brr Geschichte dastehe, und daß 35 Millionen Menschen tatsächlich' vom Hnngertode bedroht seien- Die Mörder Erzdergers. Offenbnrg, 2. September. (Wolff.) Die Staatsanwalt schüft Offenbnrg gibt bekannt: Ueber bie Mörder Erzbergers ist sestgestellt worden, daß sie vom 2l. August bis zum Tage des Mordes (26. August) im Gasthof „zum Hirschen" in Offenburg unter de» offenbar falschen Namen Franz R ie s er, stack..zuraus Düsieldorf, und Knut Bergen, stud. phil. ans Jena» grwohut habere und am 26. August mit dem um 6 Uhr 45 Min. abends von Offmburg abgehenden Zuge mit einer Fahrkarte lV. Klaffe nach Griesbach abgereist sind. ..... .... aller Art sowie Kleider kauft zu horrenden Preisen PeirkM JACOB HflAYER XI., Tab OTStTM»» 44 und XI., Ghrosst 8601

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