Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 934 (2.9.1921)
- Date
- 1921-09-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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jke, SS4' M«tz FrMs' i Keren Hajeffod r« Osteuropa. .. Dr. S a l k rn d. der im Auftrag des Direktoriums des Äere'tt Hajeffod soeben Osteuropa bereift hat, gab einem Korrespon»' deuten der „I. P. Z." ein Bild der Belegung des Keren Hajessod m Osteuropa. „Ich habe jetzt Polen, Oft-- und . Westgalizien, Lettland und Litauen bereist und habe gesunde», 'daß. die Stimmung überalleine überraschend gute ist. Auch dir Ereignisse in Jaffa, so schwer sie auch empfunden wurden, konnten der Bereitwilligkeit, Palästina anfrubcmen und Opfer dafür m bringen keinen Abbruch tun. Ton besonderer Bedeutung hat sich die Juwelensammlung erwiesen. Es wird eine große M e n g e S ch m u ck s a ch e n abgcsührt. Ost ist es für Kaufleute sehr schwer, große Summen baren Geldes aus ihrem Geschäft herauszuziehen, und sie ziehen es vor, ihren Derpfüchtungerr wenigstens zum Teil durch Juwele« nachzukommen. In Galizi e it hat man znm Bespiel auch eine große, schwere, stlberne Sefer-Thora-Krone abgeführt. In Lodz wurden einige eiserne Trauringe mit der Inschrift ..Keren H a g e u l a h* gegossen und die Leute tauschen ihre Goldüuge gegen solche Eisenringe um. In Polen erzielte man bisher t20 Millionen polnische Mark von etwa 5000 Leuten. ES gibt auch Leute, die schon mehrmals zahlten. Sogar Nchtzionisten geben oft gern, besonders die Orthodoxie wäre geneigt, zu geben, aber eS herrscht ein scharfer Kampf zwischen Zionisten und Orthodoxen, der 'die Zusammenarbeit erschwert. Der berühmte Rabbiner Mei.r Simche in Dwnsk sagte mir lächelnd, er finde eS töricht, wenn die Orthodoxen nicht für Keren Hajessod geben wollen. Er sagte, wenn es sich unr eine religiöse Frage handelt, habe rch mehr Vertrauen zu einem Rabbiner, aber wenn eS um drn Aufbau Palästinas geht, habe ich mebr Vertrauen zu Rothschild. — Auch m Litauen geht die Aktion jetzt sehr gut, in Lettland muß .erst der organisatorische Apparat geschaffen werde«. Ich habe die Beobachtung gemacht, daß auch die Geldaufbrmgung % nur dort m i t Erfolg gemacht werden kann, wo eS eine starke zionistische Organisation mit einem gut fnnktioniercudev Apparat und aktiven Mitarbeitern gibt. Daher wird es eine der Hauptaufgaben deS Kongresses sein, Maßnahmen zu treffen, um überall diesen organisatorischen Avparat zu schaffen. Auf die Frage, ob die Zion-sten der genannten Länder zu den zionistischen Streitfragen eine bestimmte Stellung eiunehlmn. erwiderte Dr. Salkmd: „Die eigentlichen Streitfragen..in'erefsiercn eigentlich nur die Führer. Die Massen haben e i n Interesse: die Immigration. Sie wünschen dringendst, daß die Jmmigratiorsfrage nach Palästina schleunigst geregelt wird." Die gefchmackvoKe „Arbeiter-Ieitung". Die gestrige Abendausgabe drr „Arbeiter-Zeitung" leistet sich wieder einmal unter dem geschmackvollen Titel „Antisemitisch-Zionistisches* eme kleine Infamie. Aus der Tatsache, daß ein chr'silichsozialer Parteimann dem Zionlstenkongreß m der „Reichspost* einen entsprechend der christlichsvzialen „Mentalität" hergerichtctrn Leitartikel gewidmet hat, will der klaffenbewußte Schmierer die Gelegenheit ableiten, um zwischen Antisemiten und Jüdischnationalen „ein unzerreißbares Band" sestzustellen: „Die einen können ohne, die anderen unmöglich bestehen. Der christlichsozialen Bewegung wäre jeder Inhalt genommen, wenn eS keine Juden gäbe, der Zionismus würde in sich selbst znsammensallen, wenn ihm der Antisemitismus keine Anhänger zutriebe." Daß mit mehr Begründung ein unzerreißbares Band zwischen Sozialdemokraten und Kapitalisten aller Schattierungen bewiesen werden konnte, nur ganz nebenbei! Der unsaubere Patron hat die „Reichspost" — erwischt: Die Christen wollen „dm Ideen und Wünschen des jüdischen Volkes entgegenlouimen" und er benützt dm Anlaßum sich darüber zu entrüstm, daß die „Reichspost" wieder einmal zu wenig antisemiiisch sei, und er ist geschmacklos genug, um die zioruftffche Bewegung in unsaubere Zusammenhänge hineinzuziehen. Daß der Zionismus einer andrem Behandlung von irden: Standpunkt aris bedarf, hat auch die sozialdemokratische Publizistik, deren erstes Gesetz die Respektierung ernster nationaler Bewegungen sein sollte, längst begriffen- — mit Ausnahme der üblichen Schmöcke aus der „Arbeiter-Zeitung", bte mi Grunbc ihre- Herzens furchtsame Assimilanten sind und den Zionismus mit eine« dummen Witz abtun zu können glauben. Für derlei Leute ist der Zionismus noch minier — das rote Tuch! Lord Rortheliffe in Amerika. ,, Der englische Zeitungskönig Lord Northcliffe, welcher jetzt in b<u Bereinigten Staaten, weilt, hat eine Karriere hinter sich, welche, wie di« amerikanischen Blätter sich ausdrücken, selbst nach amerikanischen Begriffen ungewöhnlich" ist. Die Tatsache, daß ein Zeitungsmann einen Einfluß erworben hat, welcher dem eines Ministers gleichkvmmt, ist schon außerordentlich.' So war denn die. Anwesenheit Lord Noxthcliffes für Amerika eine Sensation. Sensationell war schon die Meldung, die seiner Ankunft voraneille, erhalle sich 'mit Lloyd George überwvrftn; Northcliffes Blatt, die „Times", hatte vor mehreren Wochen die Politik des englischen Außenministers Lord Cnrzvn heftig angegriffen. Lloyd George, dadurch unangenehm berührt, hielt im englischen Parlament eine schärft Rede gegen die „Times" und ihren einflußreichen W lener Mörsenzeitimg^ Herausgeber, in welcher ec dem Blatte sogar Repressalien androhte, und verbot den Ministerien, dem/ Blatte politische Informationen zukommen zu lassen. /Dies bedeutet natürlich eine Erschütterung des politischen Prestiges der „Times", gleichzeitig aber beweist/ die Tatsache, daß der Premierminister Lloyd George/ gegen die „Times" und ihren Herausgeber von der Parlamentstribüne herab aufzutr-etenfür -nötig fand, den Einfluß des Blatie.s auf die öffentliche Meinung. Tatsächlich ist die „Times^ h'ft..elnslüßxeiWte Zeitung nicht bloß Englands, sondern der .ganzen Welt. Die zweite. Sensation während des amerikanischen Aufenthalts Lord Northcliffes war, daß her König von England durch Lloyd. George,.von .der, Parlamentstribüne herab eine von Lord Northcliffe in einem Mw- Norker Interview zitierte angebliche Aenßernng über Irland dementieren ließ. Diese Polemik zwischen dem englischen König und dein Herausgeber der „Times" war für die Amerikaner ein Ereignis. Noch mehr beschäftigte ihre Phantasiedie- Anfnahme Lord 'Northcliffes durch Len Präsidenten der Bereinigten Staaten, der mit Northcliffe Golf spielte. Lord Northcliffe sollte auch von seinem intimen Freunde, dem englischen Gesandten in Washington, -durch ein Bankett offiziell begrüßt werden und alle Vorbereitungen waren schon getroffen; — aber des Zeitungskönigs Gegner Lloyd George ließ abwinken und das Bankett unterblieb. Der Mann, dessen Einfluß für Minister und Könige maßgebend ist, h-at lein blaues Blut in den Mern; er heißt mit seinem bürgerlichen Nauren Alfred Harmsworth. Er hat nur die- Elementarschule - besucht, ist eigentlich Autodidakt. Schon mit 17 Jahren wurde der heute 56 Jahre alte Zeitungskönig Reporter bei einem Londoner Blatte. Ein englischer Zeitungsreporter muß politische Fähigkeiten und Verbindungen in politischen Vereinen haben. Der junge Harmsworth, der aus der Provinz gekommen war, verstand es bald, sich Eingang in die höchsten politischen Sphären zu schaffen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Er wurde bald ein einflußreicher Mitarbeiter der „London Jllustrated News" und man begann, mit seiner Feder zu rechnen. Mit Hilfe politischer Freunde.gründete der unternehmungslustige und energische jungt Mann neue Zeitungen und Wochenschriften und übernahm dann die „Daily Mail", eines der bedeutendsten englischen Blatter, das er zum führenden Organ Englands machte. Bald ging auch, die „Times", eine der ältesten und einflußreichsten englischen Zeitungen, in seinen Besitz ■ über, und er erwarb noch eine Reihe anderer Blätter, die unter seiner Leitung ungeheuren Einfluß auf die öffentliche Meinung Englands und der übrigen Welt erlangten. Heute kontvollierl er über 100 Zeitungen und Zeitschriften in London und der englischen Provinz und ist so der größte Zeitungsherausgeber der Welt. Aus Alfred Harmsworth wurde durch Verleihung des Lordtitels Lord Mrthcliffe; er wurde eine der angesehensten und einflußreichsten politischen Persönlichkeiten und der Ratgeber der Regierung undmaßgebender politischer Kreise. Im Kriege griff seine „Daily Mail" einige Male den britischen Nationalhelden Lord Kitchener an; das rief einen .Sturm von Protesten hervor, ja es gab sogar An t o d a fsse s des Blattes in den Straßen Londons. Lord Northoliffe ließ sich .dadurch nicht beirren. Die Zahl seiner Leser wuchs immer mehr und Lord Northcliffe sagte einmal: „Ich verstehe das nicht; man boykottiert die „Daily Mail", und doch verbreitet sich das Blatt immer mehr; man kauft wohl meine Zeitung, um sie zu verbrennen." Mährenddes Krieges war Lord Mrthcliffe der Chef des sogenannten „Creivhouse", durch welches die. Propaganda gegen die Deutschen ünd ihre Verbündeten nach den Weisungen und Plänen Northcliffes geführt wurde. Diese Propaganda hatte ungeheuren Erftlg und war für England eines der Mittel zum Endsieg. Lord Northcliffe wird als Mann von stapSr' Energie und großer Orientierungsgabe geschildert. Er liest-fast alles, was in seinen Zeitungen gedruckt wird, kontrolliert seine Blätter und inspiriert fast immer ihre politischen: Redakteure-. Jetzt ist er in Streit mit Lloyd George; es ist ein Streit der zwei einflußreichsten Männner Englands. Der Ausgang dieses ungewöhnlichen Kampfes ist schon — rein sportlich! von- Interesse. Ob man tvohl in England Wetten daraust legt? Achtung auf den Pogrom! Aus Budapest wird uns berichtet: Die Teuerung nimmt hier bedrohliche Formen an. Die Regierung berät über Maßnahmen zur Milderung der Teuerungswelle. - Diese Gelegenheit will nun der Verband, der „E r w a ch e n d e n U n g a r n" zu neuen aktiven Angriffen auf die Juden benützen. In ihrem Organ „NemMi Ujsag", welches auch der Regierung sehr nahesteht, läßt I der Verband der „Erwachenden" eine Mitteilung veröffentlichen, welche über den Beginn einer mächtigen I 2. September-Mf Seitk/W Aktion der „Erwachenden" zur" Bekäinpfung tei Teuerung berichtet: „Der Zweck der Bewegung", heißt es in dieser Ankündigung, „ist diesmal nicht, einfach., auf die Uebelstände hinzuweisen, sondern/ -i den 'Ar fachen nachzuforschen, und für die 'gründliche stellung zu sorgen.- Die Führer der Mtioy'MMMN Hauptgrund der fortwährenden Steige,LüM.-.öA'/Meises ,der wichtigsten Lebensmittel in dem WüMr^desMd.is 'ch e n Z w i s ch. e n h a nd e l s und stellen Mß ioiP amtlicher Seile nicht einmal der Versuch uMrichjstmen^ wurde, dieses Uebel abzustellen. Der" Verbaüd^ Let ißt#- ■ wachenden Ungarn" wird deshalb in nächster! Zeit in Angelegenheit der Teuerung eine große Destron^ st r a t i o n s v e r s a in m l n N g abhatten, in welcher er die Forderung aufstellen Wird, den jri/di scheu^ Z w i s ch e n h a n d e l u n m ö g l i ch. z u m a ch e it, die'' Ausfuhr größeren Stils zu verbieten und denfreien Handelsverkehr zurückzudrängenBedenkt man, - daß diese Demonstrationsversmnnrlung in derselben Zeit 'gei-i plant wird, in welcher die ungarische Regierung eine, Enquete zur Bekämpfung der Teuerung einberuftn hat,^ so wird man verstehen, daß die „Erwachenden Ungarn" nicht so sehr wegen der Teuerung als vielmehrzü '' dem Zwecke demonstrieren wollen, um die gerade jetzt' aufgewühlten - Leidenschaften in Ungarn füreinen - Pogrom auf die Juden nutzbar zu machen. il J Amerikanische HSuserbaugesellschaft für Palästina. ^Haare;" veröffentlicht eme Unterredung mit dem Präses deuten der a l s s t i n e Building and Pro-' motion Company of Americ awf Rabbi, Teitelbanm. und dem Piä'ideuten der „Holurow Immigrant Aid'Society" (Hias), Hany Fisheh d:e, um sich am Wiederaufbau zu betätigen, mit einer Delegation amerikanischer Juden nach Palästina gelommeu sind. F i s h e l erklärtes die Frage des Hänserbaues \ti jetzt eine der wichtigsten in Palästina; er beabsichtige deshalb, eine große Häuser«/ B a n g e s e l l s ch a f t mit einem Grundkapital von einigen Millionen Dollar ms Leben zu rufen,' in welcher die bereits in Amerika, England und den anderen Landern bestehenden Häuser-Baugesellschaften vereinigt werden sollen. Mit einigen dieser Gesellschaften stehe er bereits in Unterhandlung, ebenso mit Kapitalisten in Amerika, um sie ‘ für diesen Plan zu gew nnm; er hoffe, demnächst mit der Arbeit beginnen zu können. Durch ans Jahre verteilte Ratenzahlungen werde man ganze Städte äußerst billig erbauen können. Bon Palästina begebe er sich znm Zionistenkongreß, um diesbezüglich mit den Führern zn konferieren, von denen einige, so W e i tz- - m a n n .und U s s i f ch k i n, bereits, seine Vorschläge brgMert ausgenommen hätten. '. - . . RabbinerTeitelbaum erklärte, die Palomino Building and Promotion Company of America fei mit einem Grundkapital von zw ei Millionen Doll a r g t*' gründet und die A n t e i l e binnen kurzem p l a c t c r t worden. Einflußreiche Juden in Frankreich hätten die' Absicht, eine ähnliche Gesellsch a ft m Fränkrei ch öu gründen. Eine Regierukgse«q«ete über das jüdische Schülwese« in Siebenbürgen. Das, alte Uebel, unter welchem das jüdische Schulwesen in Ungarn infolge der Spaltung der Judengemeinden von jeher litt;' macht sich auch in jenen Gebieten der Nachfolgestaaten fühlbar,' die ehemals Gebietsteile Ungarns waren. Besonders /stark, tritt dies in S i e b e n b n r. g e u in Erscheinung, wo der Jüdische Nationalverband mit «Dm Mitteln daran geht, auf Grund des Friedeusvertrages und der durch die rumänische Perfafsung gebotenen Möglichkeiten ei« einheitliches jüdisches S ch nlwesen zn schaffen, welches auch den modernm Pädagogischen' Anforderungeu entspricht. Wie „U j K e l e t" berichtet, erschienen dieser Tage der Direktor des Schulverbandes „Tarbvt^,/Markus Antal, und die Direktrice des Mädchenghmnasiums von' K l a u s e n b u r g. Rosa K a tz, bei dem Minister für Siebenbürgen, Dr. Peter G r o z a rmd baten ihm endlich in ' der Angelegenheit eines einheitüchcn jüdischm Schulwesens in Siebenbürgen eine klare Situation zu schaffen, was durch die Einberufung einer Enquete herbeigeführt werdest soll/ Minister G r o g <x antwortete hierauf: „Ich erkläre mich schon jetzt prinzipiell bereit, in einer uvter meinem Vorsitze zu veranstaltenden Enquete auch dje Fmge des jüdischen Schulwesens eingehend zu erörtern «nd werde trachten, so bald als mögbch auch in dieser Frage eine prinzipielle Entscheidleng herbcimsiihren." Der Minister versprach, auch den Direktor des „Tarbut" beizuziehen und in dieser Enquete mit ihm gemein'am über die in Zukunft einzuschlagenden Richtlmien zu beraten. > Bei diesem Anlässe wies Minister Groza der Abordnungem soeben erhaltenes Telegramm vor, aus welchem hervorging, daß' die Regierung für die U n t e r st ü tz n u g d e r! o nfessionellen Schulen 20 Millionen Lei bewilligt i hat, nnd fügte hieezu: „Es ist «ur natürlich, daß auch Ihnen.derden Juden prozentuell gebührend-: Anteil an dieser Unt^rstützungssumme nicht vorenthalten werden tanm" ' , . TUN GSRAM ..-.VA: ■:‘U; '! (: : -,