Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 934 (2.9.1921)
- Date
- 1921-09-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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feefoe € Wien, Freitag Wiener Morgen-eiiutt§ Oedenburg von der Hungersnot bedroht. Aus MatterSdorf wird «nS berichtet: Die Grenze gegen Ungarn ist völlig geschlossen. In P i n n v e und L v v ö werden die Züge von der Grenzwache untersucht und nur mit besonderen Reiselegitimationen versehene Reisende können nach Oedenburg Weiterreisen. Mehl, Eier oder sonstige Lebensmittel selbst im Handgepäck mitzusühren ist nicht gestattet. Das Bahnpersonal erhielt überall die Weisung, nach Oedenburg adreifierte Lebensmittelsen düngen überhaupt «ichr zur W e i t e r b e^»ö r d e r u n g a n z unehmen. Seit zwei Tagen hat auch die Mi l chzufsihr nach Oedenburg aufgehört. Die .Erwachenden" halten in Oedenburg bei den I u d e n H a n S d u r ch s u ch n u g e n und zwingen diese, ihren g a n z e n L e h e « § m i t t e!* v o rrat M Verteilung an die Angestellten und Aufständischen b e r z u g e b e n. So mußte der jüdische Grundbesitzer Goza Glaser drei Waggons Kartoffeln ohne Entschädigung feen Terroristen ausliefcru. UeberdieZ dauern in Oedenburg die Razzien nach sogenannten verdächtigen P:rsonen sort, bisher wurden «ahezu huudert Personen verhaftet »nd dem Stadtkommandanten O s z t e n b u r g überstellt. Die „Erwachende« Ungarinnen" in Westnngar». Aus MatterSdorf vnrd unS berichtet: Seit zwei Tagen weilen in Westuugarn die Führerinnen der christ 1 i chnationalen Frauenbewegung in Ungarn, das Mitglied der Nationalversammlung Margit S ch l a ch t a, ferner Augvfie R o s e n b e r g und Cäcilie T o r m a h. Bor Swei Tagen hielten sie in der Gemeinde Oberwart eine Frauenversammlung ab, in welcher Frau Schlachta di: Frauen Westungarus auffordrrtr, die geschichtliche Rolle der Erlauer Frauen ans fich z» nehmen »nd s i ch gegen den F e i n d znbewaffnen. Auch die westungarische a Frauen muffen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen die gottlosen Oesterreicher Vorgehen und mit Selbstaufopferung zu verhindern, daß Westungarn an Oesterreich übergeben werden. Die „Erwachenden" hatten Grenzrevifion. , Ein Leser unseres Blattes, der auf der Rückkehr nach Men Westungaru passieren mußte, teilt uns mit: Unser Zug wurde in Z u r a n h aufgehaltm rmd uns bedeutet, daß wir nicht weiterfahren können. Nach einiget Zeit kam eine Schar iunger Leute, die wie Räuber aussahen, geführt vow einem Oberleutnant, die uns znr Rede stellten, was wir hier machen, und in brutaler Weile unsere Pässe revidierten. Als wrr uns endlich in den Budapest—Wiener Zug begebe« dursten, kamen die „Erwachenden" wieder hinein, hielten in ihrer Weise Revision und nahmen einen Reisenden auf ' Grund seines j ü d i s ch e « A u S s e h e n s mit.' 'Die 'Polizei verweigerte jede Assistenz, der Stationschef warnte uns vor jeder Einmengung und so mußten wir mschcv. daß der völlig grundlos Verhaftete von den „Erwachenden" miß h and el t wurde, als er uns eine Adresse nach Wren rmtgeben wollte und die Uebergabe seines Geldes an uns versuchte. Wie wir-erfuhren, handelt es sich um einen Wiener Wein Händler namens Maier, der sich im Besitz eines österreichischen Passes befand. Der Borfall ereignete sich Dienstag den 30. v. M. Im übrigen sahen wir schon in B u d a p e st. daß die Detach«e>ung der Banditen ins Burgenland dort systematisch betrieben wird, «nd aus dem Bahvhof bemerkten wrr einige Waggons, die völl g von mit Revolvern bewaffneten Gesellen besetzt waren, dir >.ns Burgenland gebracht werden sollten. Verhaftung des Sohnes des Zuckerindustriellen Rotherrnanu wegen Spionage. In M a t t e r s d o r f wurde gestern abends der Techniker Rothermann, der Sohn des bekannten Zucker« vdustrirllm in H ü r m, verhaftet und dem Krersgerichte Wiener- Neustadt eingeliefert. Er wurde dabei betreten, als er telephonisch das Stäikeverhältnis und die Stellungen unserer Gendarmerie an da- Oszrmbnrg-Kommando nach Oedenburg we trrgab. Die tfchecho-slowakische Presse über den Betyarenputsch. An- Prag wird gemeldet: Der Vertragsbruch Horthh- Angarns »nd der Patsch der Hejjas- und Osztenbnrg-Bandm in Westungaru beschäftigt die gesamte tschecho-slowakrsche Presse. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß Ungar» sich durch diese Torheit in die gefährlichste politische und militärische Lag e gebracht hat. Sollte diese Episode nicht bald freiwillig erledigt werde«, so müsse Ungarn mit dem Einmarsch tschrcho-slowakischer Truppen rechnen. Einzelne Prager Blatter besch»ldigen ganz offen de» Bvdapester englische« GesandtenHohler sowie deuenglischenOberstGosset. durch ihr auffallendes Entgegenkommm gegenüber den ungarischen Wünschen den Hochmut «nd den Größenwahn, der ungarischen Machthaber gezüchtet zu haben. Urberdies wird Ungarn aufmerksam gemacht, daß es durch diesen Vertragsbruch seine Aufnahme! «den Völkerbund, trotz seiner Entsendung de« Grafen A p o » n y znr Deiteidigung des ungarischen Standpunktes «ach Genf, Unmöglich gemacht habe. Kein« militSrifchen Vorbereitungen der Tfchecho-SlowaLei. Prag. 1. September. (Tel.-Komp.) Die „Tribunä" »st ho« Ministerium für nationale Verteidigung ermächtigt, z« erllärrn, daß alle Nachrichten über militärische Vorbereitungen und Aktionen in der Tschechoslowakei im Zusammenhang mit den Ereignisse» im Burgenlande vollständigaus d c r L u f t g e i : f; c n s i n d.. Die Anwrscnh it des LandeSvceteidigungsministcrs iu den angrenzenden Gebieten trage durchaus dienstlichen Charakter, was schon daraus hervorgeht, daß er sich bereits am vorigen Donnerstag, also schon vor den Ereignissen im Burgeulaude, m jene -Gegend.bekenn hatte. Die Düdapeftev Demonstration. - Die Hetze gegen Oesterreich und die völlige Besinnungslosigkeit cer>e:ite; der west-ungarischen Frage, hat selbst so besonnene, ruhige Köpfe ergriffen, wie ' Eugen' R a k o s z y, den - Chefredakteur des „B n d apesti Hirlap", des etuzigen Blattes, welches bisher gegenüber dem christlichriMonalen terroristischen Kurs den Boden der scharfvn, sachlichen Kritik nienrals verlassen hat. Die westungarische- Frage hat jedoch auch Mitteilungen ans dem Publikum. ZUR VERLOBUNG des Fräulein Sgsrljnze NsrslsQrtffeBd aus Lezajsk mit Herrn LslDMSN WeSnsleSn aus Rymanow gratulieren aufs herzlichste Markus Kühl und Frau Zur Vermählung unserer Tante und Schwester 521 na Wlnxelberg) (Chrzanöw) gratulieren herzlichst : Marjem* Abraham Hirsch, 0148 Moses, Rosa Winzeiberg und Eltern BrstUassIge Preise. Grosater und bester Käufer Wiens Kostenlos Land in Palästina BRILLANTEN, PERLEN Juwelen, Weltfirma ßaliinowitech, Juwelier I.. U AHLERSTRASSE $ II., STEPHAHIESTBA8SE 3. Hur Ir. 8 (frühere Maximlllanstr.] Tel. 6541 (Jetzige Hollandetra»«e) Im eigenen Haste - Halteatelle Operaiing, Zag., KArntnerstr. 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N Wien, II I«, R e un w eg: V 9 — 81 _;___ ■ A i i Rakosz h, dessen Jubiläum erst vor kurzem vom : ganzen Lande gefeiert wurde, «ußer Rand und BE gebracht uich ihn in die Niederungen der Denkungsart.!, / der „Erwachenden Magyaren" hinabsteigen lassen.-., Rakofzy war der Hauptredner in der am vergangenen Sonntag in Budapest iw großen Redvuteirsaale abgehaltenen Monsterd emo n st ra'tions Versammlung gegen die Uebergabe WeMngarns. Der Verlauf., dieser Versammlung wird den Nestor der ungarischen, Publizistik wohl sehr peinlich berührt haben, denn er. wurde bald gewahr, daß man sich selbst beschmutzt, wenn.. man in die Gesellschaft der „Erwachenden Magyaren" gerät. Rakoszy fiihrte in seiner Rede aus: „Das Schicksal Ungarns erinnere an die. Teilung; Po lens. Während jedoch Polen von mächtigen Bestien . zerrissen wurde, um dessen Königsmantel Kaiser und Könige würfelten, sind es Katzen und Ratten,' die nun unseren Körper unter sich aufteilcn.. ^Ruse: So ist's! Und auch die Juden!) Geehrte Vcrsamm-, , lung — setzte Rakoszy indigniert fort — wir haben ’ genug äußere Feinde und es wäre Blödsinn, auch bei uns zu Hause Feinde zu suchen oder zu fabrizieren.. Viererlei Feinde haben wir, unter welche tvir aufgeteilt iverden. Der eine, den wir während des Krieges aus. unserem Vaierlande hinansgeschlagen haben, der. - zweite, den wir in ehrlichem Kampfe aus seinem eigenen ' Lande hinausschlugen, der dritte, der uns auf hem Schlachtfeld verriet, und nun lommt der vierte, der'. Jahrhunderte hindurch uns unser Blut -- aus so g, dessen Land wir jahrhundertelang ver-- teidigt haben, und fordert einen Teil der Beute." (Rufe: ' Das haben Wiener Juden gemacht! Das lassen vwir nicht zu! Hoch. Stephan Friedrich!) Rakoszy wirH ( immer nervöser und ruft:. Ich bin tvegeu der Der-., teidigung Westungarus hiehergekommen. Mag sein, daß - andere mit anderer Absicht hieherkamen. Wollen Sie" -' nicht dasselbe, was ich, so räume ich meinen Platz! Schließlich sprach sich Rakoszy g e g e n d i e Bo lksabimmung aus, weil niemand das Recht habe, durch' > seine Stimme zu erklären, daß auch nur eine einzig . ungarische Schule österreichisch und nicht »mgarisch-sei.'-^ > Die Versammlung nahm hierauf die bekannten. Bohllott- V und Retvrsronsbeschlüsse gegen Oesterreich an. Den M- '' schluß der Protestversammlung bildete eine Deklamation einer in Trauer gehüllten Dame,^ die unter frenetischen Jubel ein Gedicht vortrug, dessen Refrain den Aufrus bildet: „L e h r e t b a s u n g a r i f ch e M«-b d e rtM-ßl" Tagesbericht. In der Kongretzstadt. Don «nferee Karlsbader NedoKtio«. L0. August. Ueber drm Kongreßgebäude ist feit gestern die blou-weiße - Fahne hochgezogen — das Aktionskomitee tagt. Es sind wichtige Vorbesprechungen im Gange, in denen die Richtlinie« für die Führung d«8 Kongresses festgrlegt werde«. Die LandSmann- ' schalten, die Fraktionen beraten, nehmen Fühlung miteinander und - schon läßt sich deutlich die Gliederung der Parteien erkennen- ■ Man sieht am Vorabend der Kongreßeröffnung imd dn technische« Vorbereitungen nahem sich ihrem Abschluß. Aeußerlich macht noch alles einen unfertigen, chaotischen Eindruck, «och wird gehämmert «nd gezimmert, Bureaus und BeratungSzimmer provisorisch etabliert, aber das find «nvermMiche Begleiv rrscheinunge«. Die meisten Kongreßteilnehmer sind bereits ringetroffen, aber es dürste noch eine große Anzahl unterwegs sein. Man schätzt die Zahl der Teilnehmer auf 8000. Ueberall, in Restaurants, Casss und auf den Promenaden, begegnet man den Kongreßabzeichen und die Karlsbader lasten sich die jüdischen Gäste, die die Spätsaison zu einer neuen Hochsaison machen, recht gerne gefallen. Für die nächsten Tage ist eine Reihe von Veranstaltungen geplant. Der Karlsbader Jüdische Bolksvtrein „3teit" veranstaltet ', für die auSrvörtigen Gäste am 31. d. M. im Stadtpaikiaale' , einen Begrüßungsabend, z« welchem die Exekutive, ' das Aktionskomitee, die Delegierten «nd Journalisten emgeladen sind. Die Stadtgemeinde hat den Stadlpark und die^ Knrkaprlle für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Grsteru fand ein vom Rationalfonds arrangiertcr - Blumentag statt «nd am Abend sang im grotzcn Knrhaussaal Leo G o l l a n i u s jüdische V o l k S l i e d e r Am Sabbat de« 3. d. M. findet über Beschluß des VorstandcZ der israelitischen KaltuSgemeinde Karlsbad rin F pst g v t t e sd i t« st statt, an dem die Exekutive teilnehmen ’witb, Am B, d. M. werden im Saale der Hotel Weber neue ' L i ch td. i 1 d er a u s P a l 8 st i u a vorgesührt werden. Aus diese« Anlaste' werden Davis T r i e t s ch, O'e t ting r r und Dr.Heinrich Löw e sprechen. He»te wurde die Weltkonferenz des Jüdische« NatipnasioudS zn Ende geführt, über die. wir an anderer Stelle cheMt«.^