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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-02 · Heft 934 (2.9.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 934 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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/ Wien, Freitag J* Io»d»», 1. September. Der Korrespondent der ,Wrst-- luhsster Gazette" in Dublin meldet, daß die Antwort des irischen ^öhimtts an Lloyd George gestern abends «ach London gesandt jvütde, um heute früh im Ministerium des Aeußeren überreicht -»werden. I Genf, 1, September. Der Völkerbundrat erklärte in timt Resolution, es sei wünschenswert, die vorgäygige Prüfung drroberschlesischen Frage den Vertrete,« B e lls 11 n S. Brasiliens und Spaniens an.uvcrtrauen.!Fhre Arbeit würde durch keinerlei .Reglement gebunden sein; doch will der Völkerbundrat in jedem Augenblick zur Prüfung der jeweiligen Untersüchu'ngsergebniffe zusammentreten können. Wieder eine gegenrevolutionäre Verschwörung gegen die Bolschewiken entdeckt. .,, Moskatu, 1. September. (Funkspruch.) In P e t e r s- Vlt.r.g wurde ein neuerliches g e gen revolutionäres Komplott entdeckt, an dessen Spitze russische monarchistische und f r.a n z ö s i s ch e Kreise standen. Diese erhielten Geld von der Gegeuspionageabteilung des finnischen Generalstabes und vom französischen Konsul in Hclsingsors. Ans finnischen Wafsenlagern bezögen sie Handgranaten, Sprengstoffe und Waffen. Als erste Kraftprobe sprengten hie Verschwörer das Denkmal Wolodarskis und zwei Erste-Mai-Tribünen. We planten Attentate auf den Borsitzenden der Sowjettzensossenschaft, A n z e l o w i t s ch,. auf den ehemaligen Kommissär der baltischen. Flotte, K u z ma, auf Maxim Gorki und auf S i n o w j e w. Die Verschwörer 'trafen auch Anstalten, den Zug Krass ins, der Gold Und Wertsachen mit sich führte, für die im Ausland Lebensmittel gekauft werden sollten, in die Luft z« sprengen und die Brennholzlager in Petersburg in Brand zu stecken. Der Mittelpunkt der Verschwörung war. in Paris, wo der General Wladilmirow, die Kadetten sichrer Kartasichew, Struwe, der ehemalige zaristische Minister Kok o wzew und Uwanicki die Fäden der Verschwörung in der Hand hieltest und den General Wrang e l zum Oberhaupt haben wollten. [ - Ein zweiter Herd der Verschwörung befand sich lit Finnland, bestehend aus dem Redakteur der weißen Zeitung „Nowaja Rußkaja Schisn", dem ehemaligen Rektor der Petersburger Hochschllle, dem Haupt des zaristischen Roten Kreuzes in Finnland, Professor jZeidler. Die Finanzierung der Verschwörung oblag den russischen Kaüflcuten und ' Industriellen im Ausland. Die Verschwörer verfolgten monarchistische Ziele. Alle an der Verschwörung tätig Beteiligten wurden der perdiertten Strafe zugeführj.; % -..[ u .., ..; ^> Sltnerika will sich von der russische« Hilfsaktion zuriickziehe«. 1p»ri», 1. September. (Funkspruch) Murray Butler, In Rektor der Columbia-Hochschule, ctlläitc in einer Unterredung Mit einem Vertzelerdes ^Figaro", daß sich A merika an dem russis ch en H i l f s w e r k d e S i n t e r e s s i e r e « «erde, wenn die S o w j e t m a cb t h a b e r f o r t s a h r r n sollten, die gesendeten Unterstützungen zur Stärkung des Sowjetregimes ausnützeu zu wollen. Amerika sei für das russische Volk, aber nickst sür das rückjckritt-, liche, unwiffende Sowjelshstem, daS für das Elend Rußlands verantwortlich fei. Der Bruch mit der Zwangswirtschaft V in Rußland. 1. September. (Funkspruch.) Dieser Tage steht ^ie Aus he b un g des B au m wo llmonop o l s bevor, wodurch der Anbau der Baumwolle, der ,n dm letzten drei Jsthreu so gnt wie eingestellt war, ncmrdings belebt werden «ich. Durch Aufhebung dieses Monopols beweist Sowielrnßlynd, daß tf endgültig mit den Z w a v g S w i r t s ch a f t s- « et ho d e « brechen w'.ll. [ MoSka«, l. September. (Fuulspruch.) Der Rat der Bolkßkontmiffäre beschloß, in Moskau ab 1ö. d. M. A b g a b e n sü» die Bmützung der städtischen Einrichtungen — W ä s f e i» t t tt un c. Kaualisieruu g, e l e k t r i sch e» Li ch t, K r u f t st r o m, G aS u n d S 1 r a ß e u b a h « — einzuheben, wodurch ermöglicht werden soll, diese Anlage« wieder in Stand zn setzen. Protest au die Ukraine. f Warschau, 1. September. Der Minister des Aeoßern SllrMvnt richtete anden ukrainischen Volkskommissar für HleußrreS Rakowski eine Note, in der er wegen verschiedener Verletzungeubes Rigaer FriedenSverlxages Beschwerde führt und die Anstösung jener Organisationen verlangt, die eine den Bestimmungen de-Vertrages zuwiderlaufende Propaganda betreiben. i Bekanntlich ist auch an den Bölkskommifsär der russischen Sowjetrepublik Tschitscher n eine Note ähnlichen Inhalts gerichtet worden. Die Teuerung in Pole«. W«schau, 1. September. <Poln. Tel.-Ag.) Minister- Präsident W i t o S erklärte in einer zwecks Bekämpfnng der Teuerung unberufenen Konferenz, daß die diesjährige E r n t.e a a n z besonders reich a u s g e s a l! e n sei. Per Ertrag der Ernte sei doppelt so groß weder der vorjährigen. Die Kartoffel« hätte« wohl rin wenig unter der Dürre gelitten, aber die lftzt« Regensalle haben eine wesentliche Besserung der Lage, gebracht.' Die Getreideteuerung A.einr «prübergehende Erscheinung, die durch die Spekulation llervorgetusen worden sei D,e Regierung sei entschlossen, energisch die Auswüchse der Sprlulat,»». z».-6ämp!e«» Wiener M-rgenzeiLung 2. September 192t Sette» i&\ i Der Auswärtige Ausschuß des Nationalrates hat gestern den F r i e d e n s v e r t r a g mit den Bereinigten Staaten genehmigt. Die unmittelbare .Folge wird die Wiederaufnahme des Handelsverkehrs bilden und der baldige Abschluß einkS Handelsvertrages wird folgen. Der Friedens- Vertrag bildet für Oesterreich auch den Weg zur Rückstellung des Generalpfandrechtes durch Amerika und wird ' chließlich auch offizielle Vcrhandlnngen über die Genehmigung von N.chrungSmiltrl- und Rohstoffkrcditen mit Amerika ermöglichen. Noch wäb-end dieser Gegenstand verhandelt wurde, erhielt der Bundeskanzler vom englischen Gesandten Mitteilung von dem soeben eingelangten Beschluß der Botschaftrrkonferenz, dcr Ungarn auffordert, ohne Verzug das Burgenland zu räumen. Die Debatt', die rach dem Exvoft des Bundeskanzlers im Ausschuß geführt wurde, bewegte sich ganz auf dem Boden der Note der Bolschafterlonseren; und klang in der Annahme einer Entschließung aus. welche die Leitsätze der Enitntenoie fast wörtlich rezipier:. Der Friedensvertrag nut Amerika wurde nach kurzer Debatte angenommen. Hierauf hielt Bnndeskanzler Schober folgendes Exposs: Die Ereigniffe, die sich am kehlen Sonntag im Burgenland abge'pielt haben, müssen jeden billig Denlendrn mit Bedauern und Entrüstung erfüllen. Ich habe sofort, nachdem mir dir ersten Nachrichten zugrfomm n waren, an die Vertreter der Hauvtmächte in Wien eine gleichlautende Note gerichtet, in der ich sie gebeten habe, ihre Regierungen unverzüglich von dem Geschehenen in Kenn'nis zn setzen und dakiin zu-wirken, daß llngarn sofort veranlaßt werde, die Bestimmungen der FriedenSverträge in ihrem vollen Umfang zur Durchführung pr bringen. Gleichzeitig habe ich unsere Gesandten in Paris und Budapest sowie unsere Vertreter in Oedenburg angewiesen, bei der Botschasterkouferenz. beziehungsweise bei der ungarischen Regierung sowie bei der Jnteralliicrtm Generalkommisfion gegen die Haltung der ungarische« Regierung den entschiedensten Protest einz »legen. AlS brzeichnend möchte ich erwähnen, daß noch am Sonntag .den 38. August, mittags, dec ungarische Gesandte bei mir erschien, um auf die tags vorher gemachte« Mrlleilungeu über das Anftauchen von Hejjas-«nd Pronai-Leuten j» der sogenannten Zone l sowie des Detachements Osztenh urg, die Versicherung abzugebrn, daß sich nach dem von ihm ^ngeholtrn Insounationm der österreichische Einung oh«« Störung vollziehen werde, und daß nngarischkrsei s. entsprechend de» Weisungen der Entente, vprzegangtn worden sei. Bemerkenswert ist, daß um diese Zeit beieits ein ungarischer M i n i st e r r a t b e sch.l o sfe n h a tt e, die Z o n e H überh a up t n i ch t z u r 5 u m e n, sondern sie als Pfand für die'an Qrsterreich z« stellenden finauz'rllen Ansprüche zurückzubehalten. In einem Ä!de memoire, dgs mir der hiesige ungarische Gesandte am 39. August früh zugch^n^ lirß, nimmt die ungarische Regierung für sich da- Recht in Aysprnch, sich durch Zu.ückbehallung von Teilen der BurgenlandeS selbst Garantien für eine klaglose Ablösur^ der autbem Bode« deS DurgenlavdeS befindlichrn Staatsgüter zu verschaffen. : Ich habe rs nicht unterlass-n, den hiesigen ungarische» Gesandten unverzüglich in einer allen Zeveifel ansschließenden Weise über den unverrückbaren Standpunkt der Bundesregierung und ihrr Auffassung über die letzten, von Ungam in Szene gesetzten Vorgänge zu informiere». Ich babe der ungarischen Regierung aych keinen.Zweifel darüber gelassen, daß die BundrSregurung in dm von der ungarrschen Regierung selbst bisher niemals geltend gemachten Ansprüchen nur den Versuch erblicken kann, einen B o rw a n d zu finde«, um sich noch in -letzter Stnnde dt« von i h r Ü b e r n o m m e n e n B e r p f l i ch t» » - e« -N entziehen. Schließlich habe ich die ungarische Regierung für die n«S so überaus schmerzlich berührenden Vorkommnisse und für alle dqrauS etwa entstehenden Folgen verantwortlich gemacht. 8a«t der Meldung deS Gesandten C n o b loch bestreitet der ungarische Ministerpräsident, daß reguläre ungarische Truppen an dem Widerstand in der geräumten Zone beteiligt waren.; Die Vertreter Frankreichs, Großbritanniens und Italiens in Wim baben Dienstag nachmittags mir spontan mitgeteilt, daß ihrer Ansicht nach Oesterreich sich genau an die Bestimmungen btf UebergabsübcreinkommenS und an die Weisungen der iüteralliirrten Generalkommisfion halten sollte. Eine Entscheidung der Dotschastnkonfercnz stehe unmittelbar bevor. Oesterreich mW seine bisherige kluge und vorsichtige Haltung bewahren. DaS ungarische Bedauern. AM 30. August ist auch der hirfige ungarische Gesandte bxi njir erschiene« und hat mir das Bedauern über die Vorgänge in W'kstnngarn ausgesprochen. Ich habe in meiner Antwort, die ungarische Regierung für die Vorkommniffe und die sich aus denselben ergebenden Konsequenzen verantwortlich gemacht. . Eine magyarische Dreistigkeit. Ich habe gestern den Brspch de» fräheren ungarischen Außenministers Herrn Dr. G r a-tz empfangen, der dem B eda ü a r n Ungarns Über die Zwischenfälle Ausdruck gab ■ mtb . aWBJg. M-nIch» wta»Vigfe da geeignet wäre, einen Ausweg Ms der gegenwärtigen. schwieligen. Lage zu ermöglichen. Tatsächlich wurde mir heute tnr; vpr der Ausschußsitznng non dem ungarischen Gesandten in Wien eine Note seiner Regierung überreicht, in der sie rhr Bebau e r y über die Vorkommniffe wiederholt. Sie kündigt eine g b, naue Untersuchung der Sache und eine st.c e n g e, Bestrafung der Schuldigen an und mache sich erböjig.^ falls rS der ö st e r r e.i ch i s. ch « n Regie ru n g erwünscht sei, an einerAktiouzurWiederber st ellung der Ordnung in der Zo.n e. A mitzuwirken. Schließlich kündigt sie einen weiteren Borsclilag bezüglich der Zone B au. , j Endlich habe ich dem hohen Ansschnß noch zur Kenntnis zu bringen, daß mir die bereits früher erwähntc M.'teilnng über den Beschluß der Botschafterkonferenz in P a r i s zugekommen ist, in der gegen die Vorfälle in d tt westlichen Komitaten protestiert, die u n g,a r i s ch e Reziernng hiefür verantwortlich gemacht, ans dir Ungarn bereits gemachten Zugeständnisse hingewirsen und verlangt wirddaß die «ngarische Regierung ohne jeden Verzug ihren Verpflichtungen Nachkomme. Dcr österreichischen Regierung wird dec Vorschlag gemacht, sie mochte ihre Bereitwilligkeit erklären, mit der üngarischen^Regierung, sobald die Nebergabe der Komitrle vollständig vollzogen sein wird, die financkellen und anderen Fragen^ die aus der Uebrrgabe resultieren, in Verhandlungen zu bereinigen/ An die Ausführungen deS Bundeskanzlers knüpfte sich eine längere Debatte, deren Ergebnis die einstimmige Annahme f o l-- gender Entschließung bildete: ,Der Ausschuß für AenßereS billigt, entsprechend seinen Be« schlüffe» vom 13. nnd 27. August, daß die Regierung ausschließlich diplomatische Mittel amvend'.t, um die Uebergabe des Burgenlandes an Oesterreich zn erlangen.^ Er beauftragt die Regierung, die allrierte« Mächte zu ersuchen, ihr füc die Sicherung der von Ungar» geräumten Gebiete und für die Arrfrechterhaltung der Ordnung, im Innern sofort freie H a n d zu lassm. Sobald Ungarns der neuerlichen Weisung der Mächte Folge leistend, daS ganzes burgenländische Gebiet geräumt habe» wird und damit daS bnrgenlaudische Volk aus der Bedrängnis, in die es das dem Frie< dmsvertrag widnsprrcheude Verhalten Ungar»- gebracht, hat, brfreit sein wird, wird der Aufnahme der schon in de« Beschlüssen, deS Ausschusses vom 13. nutz 27. August in Aussicht genorymene» Verhandlungen Über die Fragen finanzieller nnd anderer Natur, die sich aus der Uebergabe ergeben werde«, nichts n» Wege stehen." Wie», 1. September. Die »Politische Körr'rfpyndenz" schreibt: Zudem heute gefaßten Beschlnß des Ausschüffes für Aeußeres, der die Billigung der Regieruugspolitik ausspricht, ausschließlich diplc»matische Mittel anzuwenden, u« die Uebergabe kres Bmgcnlandes an Oesterreich zu erlangen, wird bemerkt,, daß aus den Ertlarungen der Regierung hervorgeht, daß diese Aktionen auf diplomatische Schritte bei den drei Hauptmächten, und zwar sowohl bei deren hiesigen Vertretern, äls auch in de« betreffenden Hauptstädten, beschräntt waren. Magyarische Baude« au der steirische» Greuze. Fehrin-, 1. September. Der m a g y a r i s ch e W l d e rst a « d hat sich längs der sterrisch-westuugarischen Grenze verstärkt. I e n n < r S d o r f, die Höhe» östlich von Fürsieufeld vud die Kaltenbrnnner Drücke sind von B a « d.e rr «»d.Maschmrugtwehrabteilnngen stark besetzt. i *' *■ V Horthy-Truppe« int BurgÜNaud. Budapest» 1. September. (Ung. Tel.-Kyrr.-Bm.) Der Oberregierung-kommiffär für Westungarn Graf E.i grast meldet amtlich, daß schwächere Abteilungen ungarischen Militärs mit B o r w i s s e» der interalliierten Militarmisfion in Oedenbnrg gestern abends 8 Uhr in die durch dir ungarische Gendarmerie provisorisch besetzte Zone wieder e i n g e r ü ck t find, um der Gendarmerie bei ihrer auf die Entfernung der landfremden Elemente gerichtelen; Tätigkeit behilflich zn sein. DaS Militär wird sich möglichst kurze Ze>t in der Raumungszone aushalten und sodann auf seinen Stqndpnnkt diesseits der durch den Vertrag von Trianon festgesetzten Grenze zurttckkehren. Nachdem die Säuberung beendet ist, wftd das Militär Oedrnburg nicht mehr passieren. - Sigray meldet... Budapest, 1. September. (Ung. Tel-Koir.-Bnr.) Dcr ObenegierungSkommiffär von Westungam, Graf. Sigray. melde!, daß in de» nnter ungarischer Hoheit stehenden Gebieten. West- Ungarns die Saubemng d«S Gebietes von landsremderr Elementen heute beendet wird. Die BorgSuge iu Westuugar«. Eingreifen der italienische» Truppe». ' Wie«er-sre»ftadt, 1. September. . (Priv.-Tel.) Aus Ma ttersdorf kommt hicher die Meldung, baß die italienische Truppmrbteilnng, die vorgestem nach Ordenburg abgrgangen ist, sich derartig in Oedenburfestgesetzt hat, daß sie sich zwischen der Stadt vud de« Hinterland ««Lekeilt hat und die B«bi«d«U mit Me»

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