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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-31 · Heft 932 (31.8.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 932 (31.8.1921)
Date
1921-08-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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0 M S3L Wien. Mittwoch r~~- .- ■ •■■■"■.. " . Begriff birgt, .für. die Zionisten eine Politik auf allzu lange Sicht? L Der 'Zionistenkongreß ist keine Zusammenfassung übermächtiger Gewalten. Er kann die traurige politische Lage nicht durch DisVussionen oder Beschlüsse mit einem Schlage zum Günstigen wenden. Aber er kann und muß'-den Weg ebnen, welcher aus der Isolierung hes Zionismus und dem getrübten Verhältnisse zu England herausführt. Er muß vor allem den Grundsatz,? daß der Zionismus kleine innere jüdische Angelegenheit, sondern ein Weltproblem ist, wieder zu unersHütterlicher Geltung bringen. Er muß die Organisatroü??ü.nd'in erster Linie die künftige Leitung dahin verpflichte»; daß diesem Grundsätze gemäß großzügige ^'o Nische Arbeit geleistet werde, welche alle Kultürppjktzr und Staaten ersaßt und an der Lösung des zionistischen Pvobleins interessiert. Er muß erklären, daß?He Aufnahme- und Fortführung dieser Arbeit unter keinem Vorwände behindert werden darf. In bezug üutz'düs Verhältnis zu England muß der Kongreß äussprechen, daß der s r e i e und direkte Verkehr zwischen der zi-onistischen Orgau i s a t i o n um d d e r englischen Regie r u n g eine unerläßliche . Vorbedingung für den.Fortschritt der Arbeit in Patästifta bildet. Solange das Mandat nicht anerkannt nrid in allen Einzelheiten festgelegt ist, kann eine'phlMnensifche-. Regierung, die bis. dahin immer eine provisorische sein und deren Wirken nicht von den BehihMstgerl des Mandats, sondern lediglich vom guten' yd^x bösen Willen ihrer Funktionäre bestimmt sein wird,'nicht als Mittler zwischen der zionistischen Orgsanisgjion und England anerkannt werden. Wenn der.. Kongreß der künftigen Leitung die Leistung schwerer,. umfassender politischer Arbeit zur Pflicht macht,, muß er selbstverständlich durch, entsprechende Organisation und'Zusammenstellung der Leitung und Bereitstellung' d.er erforderlichen Mittel die unbedingt nytigey. Vorbedingungen schaffen. Er muß mit hem Zweiinännersystem in der politischen Leitung endgültigbrechen.. Die Leitung muß durch Personen ergänzt werden, welche unter und mit Sokolow und Weihmann die politischen. Arbeiten leisten und, wenn es n-ottut, die beiden/Führer vertreten können. Weitzmann und Sokolow müssen Helfer erhalten und diese Helfer zu vollwertigen Äitarbettern erziehen. Die' Beziehungen der Zionistischen--Organisation zu den Völkern und Mächten dürfen nicht auf die Beziehung zu zwei, wenn auch wextvollste Personen beschränkt bleiben. Die politische Abteilung der Organisation darf auch nicht einzig und allein auf ein Bureau in London gestellt sein. Sie muß an den wichtigsten Orten über ständig arbeitende Organe verfügen, können. Vor allem aber muß ihr. pin (großzügig geleiteter Pressedienst beigestellt werden? Ohne diesen hat noch keine .Organisation brr Welt Ersprießliches, leisten können. Der Kongreß hat aber der Leitung nicht nur die Menschen und die Organisation zu geben, er muß auch die Mittel für die politische Arbeit bc reitstellen. Der Posten „politische Arbeit" im zionistischen Budget muß gesichert und unantastbar sein. Er darf, wie es so oft geschehen ist, keiner noch so dringenden Notstandsangelegenheit zuliebe gekürzt werden. Wenn der Kongreß so handelt, wird er der bedrohten politischen Lage gerecht worden. SBIettev Morgenzertutrs 31. August 1921 SeM8 Geistes- und Demütsauffassungen zu schlagen. Der Militarismus verzehrt, die Bibliothek ernährt di- Kultur. An dev Spitze der Bibliothek muß ein Fachmann stehen. Er muß auch Fachleute zu seiner Hilfe , haben. So hoch dieLeistungen der fetzigen Beamten zu veranschlagen sind, wenn man berücksichtigt, daß sie keinen anderen Bibliotheksdienst kennen als den eigenen, in jeder Meise unzureichenden, so falsch wäre es, in Zukunft dem Lei!er der Bibliothek die fachmännischen Kräfte vorzuenthalteii, .deren er zur sachgemäßen Führung der Verwaltung, zhr inneren Ordnung und äußeren Vergrößerung der Kulturstätte bedarf, die hier geschaffen wird. Die Jernsa-eine-r National- und Universitätsbibliothek wird die bibliothekarische- Schule werden müssen, an der: ein sachverständiges Gelehrten- und Beamtenpersonal fachmäßig in der Hheorie und Praxis ausgebitdet wird. Denn wir bedürfen eines ganzen Kranzes vyn Wissenschafts-, .Bildüngs- und Dolksbibliothewa. Man. denke nur an die Bibliotheken des Technikums in 'Haifa, der landwirtschaftlichen Stationen, der wissenschaftlichen Institute aller Art, der StadtbibliothH'n vpn Jaffa, Hebron, 'Liberias usw., an die Wunder- und (Ortsbibliotheken für die-existierenden und werdendes Kolonien. Ihre Gründung, Organisierung und Leitung tpird in der Nationalbibliothek liegen, wo auch 'ihr Gesamlkätalog geführt werden muß. Es handelt sich da. um große Kulturaufgaben, die man zehnfach;■ teurer und dann noch verfehlt ins Leben ruft, wenst Mn' sie nicht von' .(vornherein fachmäßig und großzügigrn Angriff nimmt. ’ Man.' gebe ' uns ein Haus. Man richte es ein und man ^stelle'(uns die, Mittel zur sachgemäßen Verwaltung züx.sVerfügung. Geld für Bücher soll man uns dann, gär .nicht bewilligen. Wir werden dann doch bald eine .der grötße-n und besten Biblioth-ekdit der Welt habesi.' Also fort mit der Verständnislosigkeit, fort mit ^öet 'Engherzigkeit! Großes Werk erfordert große Mittel».. ^ivE,Lv.ew-ss. . Ein Interview mit David Bellir^. Einer unserer Nedakt nre hatte Gelegeahe't, sich bei Herrn David Dellin geleger-tlich seiner Durchreise zum Zwölften Ziomsienkongreß über die Lage der Inden in Palästina und die Anschauungen des jüdischen Iischuw ru informieren. Den Amßernngrn Mllins kommt umsomehr Bedeutung zu, als er als eine der prominentesten Persönüchnilrn und Lmer der genauesten Kenner der palästinensischen Verhältnisse anzusehm ist und in seiner Eigenschaft als Mnglied des Adv is o r y Council (Staatsrat) sowie als Präsident des Iüd,scheu Bolksraies (W n a d L e u m r) stän^ia Gclegcnhe t hat, die Aust iaÜuna der Behörden kenrun zu lernen und sich über die Verhältnisse im Land: rin authentisches Urteil zu bilden.! Auf unsere Frage nach der g e g e n w ä r t i g e n Stimmung unter den Juden im Lande, erklärte Herr Aellin: Die Stimmung unter den Juden.war seit den Vorfällen in Jaffa recht gedrückt. Das hat nicht allein die Tatsache der Pogrome veranlaßt, sondern der Umstand, daß sich die Juden in der letzten Zeit nicht im Besitze der genügenden politischen Macht und ohne entsprechenden Schutz fühlten. Leider hat in den letzten Zeiten die lokale Regierung mehr als nötig mit den Arabern gerechnet, gcrmurr gesagt, mit jenen wenigen, die gegen uns sind und welche auf keinen Fall das arabische Volk repräsentieren, sondern höchstens einen kleinen Teil der Bevölkerung, während der größte Teil der Bevölkerung friedlich gesinnt ist und gegen die Juden keine Feindschaft empfindet. Erft durch die , . . Anerkennung der Negierung haben die paar Leaders die Obermacht unter den Arabern gewonnen, indem die Indifferenten und die den Juden gewogenen Elemente nichts, gegen diese Leute uunternehmen können, da sie sehen, daß die Regierung mit ihnen rechnet. Dir uns gutgesinnten Araber können öffentlich gegenwärtig nicht auftretcn, da man.sie als Verräter ihrer Na-ivn betrachten würde. Worauf ist diese Bewegung zurückzusührea? Es ist sicher, daß eine starke französische Propaganda im Lande entfaltet wird,, um den Engl änder n Schwierigkeiten zu schaffen. Die christliche Minorität im Lande, dienicht stärker ist als die Mische, und sieht/-daß die Juden eine große Unterstützung - von ganz Europa haben, fürchtet, aus ihrer Position werdrängt zu werden, und um nicht zu einer Quantite negligeable herabzusinken und den Arabern zu zeigen, daß" sie mit ihnen sind. So sind rn her Londoner arabischen Delegation dir Sekretäre sowie jene, die fremde Sprachen sprechen- Christen. Mit einem Wort, jene, die die bewegende Kraft darstellen. Auch die Hetze der antisemitischen englischen „Morning Post" kommt diesen Leuten zu Hilfe. Die arabischen Zeitungen werden in alte Dörfer verschickt und dies wirkt stark auf die unwissende Be völkerung. Schließlich gibt es'auch höhere englische Beamte, die vielfach unter dein Einfluß der meist christlichen Unterbeamten stehen, und uns daher nicht gewogen sind. . - Auf unsere Frage, welche Wege es geben würden um zu einem wirklichen Einverständnis zu. kommen, erklärte Herr Y e l l i n: Es handelt sich darum, mit welchen Arabern. Mit den Leaders wird cs schwer sein, sich zu einigen, weil diese die Anführer rolle behaupten wollen. Man muß den Arabern durch die Tat beweisen, daß die jüdische Einwanderung auch für die Araber Gutes leisten wird, wenn Unternehmungen entstehen werden, welche auch die Araber -stark interessieren werden und an welchen ihre Beteiligung möglich' sein wird. Ueberhaupt, wenn .man ihnen jetzt erklärt, daß die Befürchtung, die Juden würden eine jüdische Regierung bekommen, gegenwärtig grundlos ist, und daß wir nichts anderes wollen als > ' freien Eintritt ins Land, um unsere Arbeit für das Wohl des gesamten Landes entfalten zu können. Es muß jetzt wieder die alte 'Politik eintreten, nämlich möglichst viele Juden ins Land zu bringen, und nicht: nur unsere Chaluzim, die Idealisten, auf welche wir so stolz sind, sondern auch Leu Le mit Mitteln, die imstande sind, ArbeitSmöglichkeiten zu schaffen. Nicht allein die B o d e n l> e b a u u n g ist notwendig, welche nur langsam vor sich gehen kann, es müssen auch städtische Industrien geschaffen werden, wo man rasch vielen Händen Arbeit geben kann. Das kann nur durchs Le mittelte Leute geschehen. Ueber die Haltung Herbert Samuels äußerte i» kommen ist, nachdem auch! sich Herr Yellin wie folgt: Die Juden sehenin «vitffrnien mithin den Juden, welcher dem Aufbau, des Landes geneigt ist, der aber durch seine Umgebung beeinflußt wird, die Macht der Gegner zm überschätzen. Herbert Samuel denkt an eine langsame Entwicklung auf friedlichem Wege. Die ungenügende Einwanderung finanzieller Kräfte hat seine Unzufrieden-; heit erregt und die Chaluzim waren bekanntlich auf ReLierurrgsarbeiteu vMe.wies.eri, Samuel MSLMr? die Arbeit der jungen Idealisten sehr lobend geäußert Zur Zeit der Pogrome scheint Samuel unter dem Einfluß seiner Beamten ganz im Gegensatz zur Aust afsung der Juden einen allgemeinen Aufstand befürcht^ zu haben, und aus diesen Umständen erklärt sich sein bekannter Versuch, am Geburtstag 'des. Königs det Inhalt der Balsour-Deklaration. in einschränkendest Sinne zu interpretieren. . , ( Was den Plan Iabotinskys auf Wieder« aufstellnng der jüdischen Legion anlangt, so ist die jüdü sche paläftirensische Bevölkerung im allgemeinen nichs dafür, natürlich geht die allgemeine Meinung dahin/ daß man genügenden Schutz haben muß, aber in Palästina denkt man mehr au Selbstschutz'. Was den Plan des sogenannten ■ j--, Parlaments für Palästina anlangt, so handelt es sich hier durchaus nur urst ein ,,E!ec» Advisory Council", einen gewählten Staats rat mit bloß beratender Stimme. Das ist Sa-? muels Vorschlag. Hiebei war keine Rsde von eine« Unterscheidung zwischen ottomanifchen Staatsbürgern und anderen. Auch was das Projekt für die Gemeindewahlen anlangt, wobei man ursprünglich' an die Zugrunde.egnng der türkischen Wahlordnung dachte, wonach nur Ottomanen das Wahlrecht hätten, ist für uns?/ daraus nichts zu befürchten: Das Präsidium, des Wach- Leumi (Jüdischer Bolksrat) hatte wöchentliche Besprechungen mit Herbert Samuel zur Beratung allgemeiner Fragen, und es hat sich? in vielen Punktest eine Harmonie der Anschauungen ergeben. Nur gegen; die schwächliche Haltung den Arabern gegenüber haben? wir stets protestiert. Wir sind alle für eine Ver-: ständignng mit den Arabern, man muß sehen, eine Basis zu schassen, um mit den Arabern in HarmoniÄ zu arbeiten, und neue Arbeiten in.größerem' Maßstab! werden sicherlich das beste Mittel sein, um dH Araber zu versöhnen.! : ... 1! Die ökonomische Lage im Lande beginnt sich normaler zu gestalten, es gibt keine großen Gewinne! mehr, aber auch keine großen Verluste wie voriges!? - Jahr. Die Beschränkungen im. Handel sind aufgehoben worden, so daß der Han del völlig frei ist. Momenkan ist der 1 K i - > > Häuserbau die notwendigste Aebeit, und dazu wären K re d i te dringend , nötig. Wiewünschen, daß industrielle Uniernehmungeu ins Land! kommen, und daß getrachtet werde, neue Kolo nie v zu gründen. Arbeiter, welche die Arbeit gelernt haben^ sind genügend vorhanden und die . i Möglichkeit, grobe Bodenstpeckyi z» ^anfe«) besteht.- ’ ' ' ' " Unsere weitere Frage galt dem kul t.U rellew Leben in Palästina. Herr Yellin weiß zu be-f richten, daß der Waad HaLhinuch, das zeiltrale jüdische Erziehungsamt, an dessen Spitze er selbst steht^ befriedigend arbeite. Die zionistische Organisation Hab sickj nach dem vor einigen Jahren stattgefundeueni Kampfe für das Hebräische, der unter Yellins Führung! gegen die assimilatorischen Erziehüngstendeuzen des Hilfsvereines der deutschen Juden" geführt wurdet genötigt gesehen, einen^ Teil ErziehnngsmstLtutst selbst zu übernehmen, und diese Entwicklung ist stets? weiter fortgeschrittM. Wir haben gesehen, baß einheitlich' gearbeitet werden muß, und man kann eÄ nicht ausländischen Gesellschaften überlassen, von denen! jede nach einem besonderen Plane arbeitet. Wir habest in der letzten Zeit fast d ie ganze Jugend Parüstinas unter eine Leitung gebracht, die. einheitlich! national arbeitet, und unser Werk erstreckt sich vouri Kin dergar ten bis zur Mittelschule. Auchj mit der Orthodoxie sind wir im Schulwesen zst einer harmonischen Zusammenarbeitgekommen. Was' die Frage anlangt, ob die zionrstischei Organisation avck später M das ganze Erziehungsbudget sorgen svkl>? so muß nach unserer Meinung die jüdische Bevölkerung Palästinas, der Iischuw, das Maxünum dessen beitragen, was er leisten kann. Man. sucht diese Beteiligung von Jahr zu Jahr zu vergrößern und es gibt? in den Kolonien schon Schulen, welche bis zu 75 Prozent der Ausgaben decken. Im allgemeinen ist zu sage;,: Wir haben keinen Grund, pesfimrsillch zn sein» Wir haben voriges Jahr und auch heuer viel gelitten! und es ist zu begreifen, daß es infolge der verschie-? denen Agitationen M einem Ausbruch im Lande ge» wir selbst mit zu gwhew: Aspirationen auftraten, was viel Neid im Lande erweckt! hat. Wir glauben, das alles ist nur eine v v rübergehende Welle und dem Zustarrd der Unsicher» lheit der politischen Lage im Lande zuznschreiben. Wenst das Mandat erledigt sein wird und dio EiM wohner die politische Lage kennen werden, die nichßj mehr zu ändern ist, wird ein besseres Verhältnis zwischen Juden und Arabern eintreten, und wenn nichI! allemdst. ArM MnLveWs^^WMM

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