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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-30 · Heft 931 (30.8.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 931 (30.8.1921)
Date
1921-08-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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&*T4? Wben.Diervsta- Wie«er MOp-Äzettrmg Dre Misfio» Dr. Grimms in London. Wie«, SS. Augusi. Wie die .Politische Korrespondenz* erfährt, ist di« Reise deS FinauMliuisterS Dr. Grimm »ach Loudo* aus de» Grunde erfolgt, da ßch gelegmtllch der De» fprechuug« m Paridie Möglichkeit herassgestellt hat, ei«n dort »och vochandeam größer« Betrag aus dem Relief Fund in die Sorschaßakch» emzubeziehev. Telegramme. Mitteilungell aus dem Publikum. Sala Horinger Josef Baflian Verlobte m Wien, im August 1921. ZUR VERLOBUNG unseres Freundes Herrn Jonfcs Drelmann mit Fräulein Lola Austern gratulieren wir herzllchsi Die jüdische« Studenten zum UniuerfitLtsstudium in Galizie« wieder zugelassen. W-üsch«, 28. August. (Privat.) „Nurjer War. fzawski" meldet: Daz Unterrichtsministerium hak eine» Erlaß tat f ämtli che Universitäten der Republik gerichtet, daß zufolge Aufhebung des Kriegszustandes! der. MinisterraLsbefchluß, welcher die Aufnahme von Studenten, die ihrer Militärpflicht nicht genügt haben» an die Univerfittzear. verbietet, außen Kraft gesetzt wird. ' ' i ~ 1 < * ' : (Dieser Erlaß hak besonders' die jüdischen Und' ukrainischen! Studenten in Oftgalizien betroffen, die, obwohl es in Ostgalizien laut internationalem Recht .keine Militärpflicht gab', vvrr den Universitätsbehörtzen vom Besuch der Universitäten ausgeschlossen waren. Es WM sich nun zeigen, ob' hie Univsrsitätsbehörden den Erlaß des Unterrichtsministers, der einem schweren Unrecht steuert, in sprechender Meise durchführen werden.); ' Arabische Besprechungen im englischen Kolonialamte. ScUbat, SL AUg»st. (3üb. ffiort.-Sitt.) Di- -ravlsche Delegation wurde: wieder im Kol'ovialmlnisterium empfarrgen, wo sie, mit, einem dehöchste« Beamte» des Ministeriums konferierte. Die.Beratungen waren vertraulich' und betrafen lediglich die Möglichkeit einer Verständigung mit de» ziouistifchen Führers Die Sephardim in PalSstina gegen PoinearL. ZMftkSb 2Z August. (Mb. K>rr.-Bur.). T8e Organisation:' der sephardifche» Juden ür Palästina veröffentlicht einen offenen Brief, in welcher» sie gegen die Behauptung Bv irr rares, daß die ftphardifche« Juden Gegner des Zionismus seien, protestieren und erkläre», eA gebe gar keinen KrMdi M tim b&axüge Bchcmtztrmg.. Tagung des Bölkerbnndrates. Bor eine« «o»pro«ttz in der -terfchlestsche» Frage. Alex Berger, Kalb und Pernitz Ä8S1 — Wien OrSwter und bsnfcsr X&offcr Wien* eu» BRILLANTEN, PERLEN Juwelen, Edelstefnhändler Rablnowitsch, Juwelier .. J,.Wt,B,UA*S7RASSE * »., STEPHANIESTRASSE 3, Mir Br. 8 CUtrte« Bahtmtr.)T»l. 8541 ysiÄgv HoliuidstroMs) ln eigena« Hanse Haltaatelle Opernring, Zag. Klinfasretr. ' _ Tel. 45 45 Samstag oMaiassea. Horen Sie auch unsere Preise Kultus- und Justiztalara sowie Barette, rorrütfg od. nadiMafl, beim Spezialisten LivL-n. Unifornudmelder RUDOLF GOLDSTEIN Orosses Lager feiner Stoffe für Massbestelltmgea 781 Prorinzversand überhaupt der Gedanke einer Teilnahme dieser drei „Proletariermürbes am Katholikentag erwogen werden konnte. Nach der Kundgebung wurde ein Demonstrationszug durch die Straßen Frankfurts veranstaltet. i . / Der «»garisch-mnerikanische Friedensvertrag unterzeichnet. Budapest, 29. August. (Ung. Tel. Korr.-Dm.) Der ungarisch-amerikanische FriedrnSvettrag wurde heute im Palais der ameriraulscheu Gesandtschaft vom Gesandten Grandsmith und dem Minister des Aeußeru Grafen Banfsy unterzeichnet. Der Kampf -er deutschen Arbeiter gegen die alldentsche« Hetzer. Insterburg, 29. August. (Wolff.) Am Sonntag versuchte» sozialistische Arbeiter, einen Festzug von Teilnehmern au ewer Tcmveubergfeier zu durchbrechen, woran sie durch Schutzpolizei gehindert wurde«. Bei späteren Zusammenstöße» zwischen sozialistische« Demonstrautm und Polizei gab eS auf beide» Seiten ine Anzahl von Verletzten. Die Gewerkschaften verkündeten «folge dieser Vorgänge dm allgemeinen AuSstcmd. i; VorSbergehende Einstellrmg des .tzaarrz-. Lsuds», 29. August. Das Reutersche Bureau meldet über die horte bcgiuuendr Tagung des DölkerbmtdrateSzur Besprechung der oberschlefischen Frage, »an sei der Ansicht, daß es schwer seru werde, eine Uebereinstimurnng zu erziele». Man . werde wahrscheinlich zn eine» Kompromiß gelange».. Paris, LS. August. (Wolfs.) AmÜich wird anS Genf gemeldet Der Böllerbundrat hat beschlossen, die ihm vom Oberstm Rat anvrrtrante Ausgahe z» Wmrehmen. Die Eutscheidmrg wurde sofort telegraphisch dem Ministerpräsident« Bricmd als de» Präsidenten d«S Obersten RateS mitgeteilt. Dir nächste Sitzung des BSlkeröuudrates stvdet a» 1. Septentber nach' mittags statt. Aus des Bechaudlmrge, wird bekannt, Laß Bn'aud dem Grafe« Fshii m einer Note vom 23. d. M. mitgrtrilt hat. daß sich in der Sitzung des Oberstes Rates vom IS. d. M. jede der i» Oberst« Rate vertretenen Regierungen im Laufe der Be» ratnvg« feierlichst derpfitchtet hat. die Lösnug, die durch bm BLllerbrmdrat vupfohleu wird, avzuvehmen. VerstLrrdignng zwischen Japan und Amerika. ' Zwirnt. 29. A»g»st. (SBolft.) Na- «raet SKttbaag bu '.Moral», Postoaä Walhwgwa ist zwischw dm B«eiai»tm Staate» Md Laprm eine Derständisung w der Frage der Insel ^szielt worden. Der Assstand in Indien. WafWtztan, 29. August. (Funkspruch.) Bet 'Ftrrer (SüdwestruLien) haben die Moplah' 13 weiße Frauen und Kinder nirbergemrtzelt. Trotz der Gegenmaßnahme« der Regierung hjxeitet sich der. Aufpand immer weite« arzS. Panis, 29. August. (Fnnkspruch.) Der Aufstand der Moplah im Malabar-Distrikt nimmt immer mehr und mehr besorgniserregende Form« an. CS verlautet, daß rassischer Einfluß bei der Bewegung am Werke sei. Die Anfsiaudischen begehen Akte rmerhörter Grausamkeit. Die indische Regimmg verstärkt ständig die Truppen im Anfstandsgebiet. Die ungarischen Teilnehmer am deutsche» Katholikentag müssen das Weite suchen.. Berlin, 29. August. Die „Monbagspresse" meldet aus Frankfurt: Die drei ungarische« Teilnehmer am Katholikentag sind gestern, um jede Störurtg im Hinblick auf die an gekündigten Denwnstratwnen der Sozialisten aller Mchtnngen zu vermeiden, ab gereist. Obwohl diese Abreise bekanntgegeben wurde, fanden am Nachmittag sozialistische Itait^ .die sich dagegen rMete», .tM Zamstckrm, 27. August. (Jüb. Korr.Mrr.) Dm hiesige hebräische LagesZeitung ,Haarez" wurde von der Zensur für die Dauer einer Woche eingestellt. Der Grund dieser VerjüMyg ist noch Mbckamrt.. Die Lage in Rußland. Argentinische Spende. P«rN, 29. August. (Funkspruch.) Die air gen'tinr^che Regierung hat der AktionHoo.vkr X.O. Mi l l'i onenDe, cf a3, zur Brrsügung gestellt. . i.j [ : Das bedrohte Verkehrswesen. Parks, 29. August. (Futtlspruch.) Rach einer Meldung aus Riga genüge dev Brennstoffvorrat der russischen Eisenbahnen nur mehr für 39 Tage ber'jenen Linien, die mit Holzserrerung in Betrieb erhalten werden können. Für Naphthawtfc Kohlenlabomotiven sind die bezüglichen Zahlen 18 und 6. DaS Kommissariat für Verkehrswesen hat sich daher genötigt gesehen, weitere weitgehende B«:- Mränkungen m ZugSverkehr anzuochnM.; Die englische Hilfe für «ntzland, MarseiLe, 89. Ausust. (Wolff.) Der englische Dampfer ^Eaton Store" ist von Marseille nach Petersburg mit einer Ladung von 1899 Tonn« Bohnen abgegangm die für die Ernährung der Bevölkerung der alten russische« Hauptstadt bestimmt ist. „Eaton Store" ist der erste Dampfer, der seit 1914 Marseille mit der Bestimmung nach Petersburg verlassen hat. Fenrrsbrrtnst in Witebfk. Moska«, 39. Angufi. (Fnnkspruch.) In Wit e b s k brach am 21. fc» M. eine FeuerSbrnnst ans, die die Hälfte der Stadr zerstörte. Die Gelrerdevorräte Md Magazine des EmährnngSkommiffarmtS wmdm gerettet. Die rnmSnische Grenze für FlSchtlinge ans Antzland gesperrt. > i Dnkariest, 28. August. (Del. d. ,Mener Morgenzeifling".) Der rumänische Minister rat hat einstimmig beschlossen, die Grenze für die Flüchtlinge aus Rußland zn sperre«, da sich; in Rumänien bereits 60.009 jüdische Flüchtlinge ans Rußland befinden. Eine Anzahl der schon in Rumänien befindlichen jüdischen Flüchtlinge aus Rußland, soweit sie leine Möglichkeit "haben, weiterz«reiserl, und in Rumänien Arbeit und Beschäftigung finden können, soll als rumänische Bürger naturalisiert werden. Ueber das Schicksal der übriiMr wirb. «ÄK WlMbart,,' 30. August 1921 Nr. 931 BolsichewiKenbanden versuchen die rumänische Grenz« zn überschreiten?! Bukarest, 29. August. (Funffpruch.) In den letzten Tagen versuchten zwei Bolschewikenb an den den D'ujestr zu überschreiten, wurden aber VVM GrepzMtz daran verhindert. ■ Tagesbericht. Die Verhetzung der deutschen Jugend. ■ Die Schüsse, die Erzberger, den Führer der derch's» deutschen Katholikenpartsi, niederstreckten, haben im Hauptorgan der Wiener Klerikalen, ein bemerkenswertes Echo gefunden. Die „Reichspos^ schildert in ergreifenden Tönen die Schäden einer systematischen Vergiftung jugendlicher Seelen durch nationale Verhetzung und verblüfft müssen dis reichsdeutschen Rechts- -Parteien die flammendsten Mäßigungsappeile gerade von jener Sejtv über sich ergehen lassen, deren Radikalismus abzuwehren sie sich in der. letzten Zeit wiederholt Lemüssigt sahen. Die österreichischen Rässenanttsemiten, die mit' dem Arierpavagraphen hausieren gehen, finden im Deutschen Reiche nicht überall den erwarteten Anklang. Die Lllpinisten finb in Augsburg, die Studenten rn Erlangen kläglich abgeblitzt. Dort haben die reichsdeutschen Vertreter des „Hochschulrings deutscher Art^^ ausdrücklich die „politische" Tätigkeit der österreichischen Deutschnationalen, die sich fast ausschließlich ans „wissenschaftlich drapiertes Hepp-Hepp-Geschrei beschrankt", in ihren Folgen als antinational bezeichnet ernd festgestellt, daß sie nur dazu dient, den großdeutschen Gedanken gefährlich zu diskreditieren. Man kennt die Mentalität der reichsdeutschen Studenten. Kein Mensch kann leugnen, daß sie ultrareaktionär ist, und das in einem solchen Maße, daß sogar die Wiener „Reichspost" gelegentlich', vom Schrecken ersaßt wird, wohm „die in Deutschland wühlende Propaganda eines krankhaft verkehrten Nationalismus die Heranwachsende Jugend treibt". Und nicht einmal vor einer so verhetzten Jugend hat der arische Radikalismus ihrer österreichischen Ko liegen schaff Gnade gesunden. Aber die österreichischen Studenten lassen nicht locker. Wer so glorreich« Traditionen zu verteidigen hat, weicht natürlich' vor noch so triftigen Vexnnnftgründen nicht. zurück, sondern wirbt irr der Not Bundesgenossen. Findet man solche nicht unter den ordentlichen akademischen Bürgern, datm versucht man sein Mück eben bei geMssen „Ehrendoktoren". '; , ... . We die .Mutscht HochschulzÄtuyg" mitteilt, , hatte her erste. -Borsitzenoe der terrtschen : (drukschavischen) iZtudentenschuft der Universität Wien, Wcckter Kolbe,- eüre" Unterredung mit Ludendarff, in der dieser di« Haltung der Teile der reichsdeutschen StudenLenschaft, die sich gegen die derckscharischetr Vertreter aus Deutschö sterreich auf dem Studententage gewandt hatten, verurteilt. Ludendvrff hat den Borsitzenden der deutscharischen Studentenschaft Wiens emächtigt, in einem Schreiben arr die Studentenschaft Deutschösterreichs diese seine Stellungnahme in folgender Form zn veröffentlichen: ,K>ommilitonenl Ich habe. die ' Ehre, Euch im Aufträge Seiner Exzellenz des Generals der Infanterie v. Ludenborsf mitzuteilen, daß ev mir bei einer Unterredung mit ihm erklärte, er habe sich über die- Haltung der deutschen Studentenschaft Deut>chöfterrcichs, besmürers in den völkischen Fragen, am Erlanger Studentontag sehr gefreut. Gezeichnet Walter Kolbe." ' ' Daß die ex trent-antisemitische Richtung der Werwr beim letzten Oberkommandanten der deutschen Armee Anklang gesunden hat, ist nicht so verivunderlich. Der Herr Ehrendoktor wird von Herrn ZVolbe nicht ohne Staunen di« Neuigkeit vernommen haben, daß nur di« Juden an dem Verlust des Krieges schuld sind. Er wird sich nicht ohne Rührung gesagt haben: Schau, schau, von dein jungen Manne kann ich, noch etwas lernen! Oder er hat in den -Wiener Studenten dasselbe erkannt. wie die „Reichspos^ nach der Ermordung Erzbergers in den deutschnationalen Fanatikern: ,$imge Leute, die den Lärm politischer Schlagworte allzu ernst genommen haben und noch nicht ahnen, wie vergiftet der Becher ist, aus. dem man ihnen nationale Begeisterung kredenzt." ' Lubendorff, der Abgott der deutschNatioual geslun'teu Jugend, erklärt, daß ihn der Sieg der Mäßigung auf dem Erlanger Studentag mit schweren Sorgen erfüllt habe. Er teilt also den Standpunkt der „Reichs- Pos^ nicht: „Allzuviele politische Morde hatte schon das neue Deutschland erlebt; die Verwilderung des Parteikampses, die Hitze der nationalistischen Leidenschaft zu dämpfen, ist heute nicht nur ein Gebot der Vernunft, sondern der nationalen Ehre. Aus Deutschland darf kein Balkan gemacht werden" 3Vozu freilich zu bemerken ist, daß a uch der Beschwichtiguugsstandpunkt der „Reichspost" noch sehr, sehr jung ist, nämlich seit der Erkenntnis, daß die nationale Verhetzmrg der Jugend ein zweischneidiges Schwert ist, das auch dem geriebensten Demagogen einmal auf die eigenen Finger fallen kann statt auf das Judentum. De,m in der Bereitwilligkeit, dieses zum Sündenbock aller zu machen, find die neugebackenen „Feindeder Jugendverhetzun^ in Wien mit den militaristischen Verfechtern preußische^ Schneidigkeit vollständig einig. Und das kennzeichnet den Wert ihrer „sittlich-religiösen" Entrüstungsfloskelnüber die Verwilderung des. politischen Lebchls. i» deutschen LaMeL. J [,' *

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