Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 931 (30.8.1921)
- Date
- 1921-08-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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9t*. m Jgwta,'gftHMfaa «villfv IRVv^CiJKinNIg 2921 6e?k3 ein Pla« des Dr. Benefch. Prag, 29. August. <Trl.-Komp.) Die „Li-or»6 Noviatz" erfahre« att» «mgedttch verLLtzr ljcher Quelle, -atz bei der nächsten Anfammenstnnft der tfchechNche» und Ssterreichischen Staatsmänner stb«v einen neuen Plan des Außenministers Dr. B enes ch verhandelt werden wird. Dr. Benefch hat die Absicht, zwischen der Tscheche- Slow «Lei, Oesterreich und Südslawrs« ei» engeres Verhältnis entweder im Rahmen der krleiuen Entente oder autzerhalb dieser zu schaffe«, bei dem es sich insdesoudere um Wirtschaft^, intereffen handeln soll. Durch dir ErkranKnng des sSdslawischen MiuifterprLstdente« war es nicht möglich, eine gemeinsame Konferenz abzuhalten, doch ist seine ZnMmrmmg bereits gewiß nnd die Südslawe« sollen angeblich bereit sein, Oesterreich bestimmte Konzrsftonen zu mache». GS wird sogar als brstLmmt angenommen, daß Südflawie» keinen Ansprrrch mehr anf die Drangrenze erheben wird, f» vielmehr wird erwartet, daß in Steiermark eiue GrenzreguNernns zugunsten Oesterreich» ovrgsnommen wird. Die Ereignisse der nächsten Zeit werden zeigen, welche Fortschritt« der Plan Denesch' machen nnd wie weit sich seine Hoffnungen erfLllen werden. ... k«Uk KN vier Siek»«- Mldr iyovaussM «ach ttchrb «kne Entscheidung dahin getrofsen worden, Hatz «Jfc Demonstrationen rvrd Mtwnerr, die geeignet wären, die ohnehin stark erregt« Stimmung her Bevölkerung noch' zu verschärfen, verboten werde«. Das MeichSVaLinetk ist heute vormittags gkeiHfalls unter Vorsitz des Neichspräftdemten Eb erk mW unter TeilnahM des ans -Frankfurt wieder hier eingetrofstnen Reichskanzlers Dr. Wtrth zusammen.« getreten. Im BoOvrgrunde her Beratungen des Kabinetts, das sich im Ädrigen mit der gvsamtpotttischen Lage beschäftigte, stehen natürlöchs die Vorgänge in Griesbach such Kots da«. ’ Gegen die Hetze der alldentsche« BolschewMenpreffe. ' Nerkin, '29. Wrgast. Wolfs.) Eine BerMmung des Reichspräsidenten bestimmt, daß zwecks Wiederherstellung der öffentliche« Sicherheit und Ordnung im NeMsgebiechs, erstens, Druckschriften, deren Inhalt zur gewaltsamen Wendvttmg oder Beseitigung der Berfttffung, -U Gewalttaten gegen Vertreter der vepublikanisch-demvkratifchen Gtaatsform und zum Ungehorsam gegen die Gesetze auffordert oder anreizt, oder ein« Billigung oder Verherrlichung solcher Harchlungen barstellt, ober bfe verfassungsmäßigen Organe verächtlich Mcht, bis vierzehn Tags verböte» werden können, und zweitens, daß Berfammlmvgen, Vereinigungen und Aufzüge mit NrndgeLumgen verboten werden könne«, wes» die Besorgnis begründet ist, daß in den Versammlungen Erörterungen stattfinbvn, hie die eben genannten Handlungen zum Gegenstände haben. Di» NeichZregierung schickt dieser Verordnung einen Ausruf voran, der mit den Warten schließt: Die Reichsregierung ist Überzeugt, daß alle rechtlich denkenden Deutschen hinter sie treten und mit ihr zum Schutze der Verfassung und der Gesetze zusammenwirke-n. Sie wird mit Unerbittlicher Strenge gegen diese Auflehnung Vorgehen und fordert alle Organe des Reiches und dar Länder auf, in völliger Unparteilichkeit ohne Ansehung der Person der Verordnung rücksichtslos GeUnng zu verschaffen. Reisebriefe vom Balkan. '■ 0/:#. v. ' MerbÄrd« &m$t haben etwa? Mhmiltiges. Es gibt ihrer diele. Jeder große Krieg, jede wirtschaftlich-geographische Umgestaliung hat ihrer eine Unzahl im Gefolge. Die ersten Jahve fast! Unbemerkt,. im äuße«n Bilde noch die alten Verhältnisse spiegelnd, gleitet eine solche Stadt dennoch rasch pvm HavdÄSzmrtrum zum seitab vom großen Verkehr gelegenen stillen Ort. Unbemerkter als das Schicksal größerer Städte ist das Rust liyuks geblichen. Noch vor wenigen Fahren war Rustschuk das erste H'aNbÄlszentmm Bulgariens. Industrie gab es auch hier fast Nicht, aber der Export beS reichen bulgarischen Getreides ging duvchi die Hand der Uustschuker Aaufleute. Seit zwei Fahren aber ist dieses Geschäft völlig lahmgelegt. D'ie Regierung der ViQtzarifchen 'keinen Landwirte, die jetzt ine Zügel im Lande führt, hat, um den ganzen Gewinn den Bauern zukommen zu lassen, bisse in Verkoufsgenosseilschasten prgcmlsiert »mb diesen das Monopol der Getreideausfuhr verliehen. Mer nicht nur für den Getreideexport, für jche Art Import nnd Export gab' eS vorher in Rustschuk große, spezialisierte Firmen. Rustschuk hatte ein großes, aufnahmsfähiges Hinterland, die Dobrubscha, das aber 1913 an Rumänien verlorenging, es hatte de« Grsrrzverkehr mit Rumänien, der feit dem Kriege gesperrt ist, und eS hatte vor allem die Donaustraße. Der fünf Kilometer lange Hafen von Rustschuk, der VÄreuteudste an der Donau, wimmelte einst von Schiffen, Zillen und Schleppern, die stromab von Wen glommen waren; bei günstigem Massirstanb liefen selbst die großen .Seeschiffe vom Schwarzen Meere bis in den Ruftfchuker Hafen. Heute sieht man wenige Kähne dort, trübe und spärlich! gefüllt stehen die Lagerräume. Versunkene Herrlichkeit! Die größten Kauileute sind weg gezogen. NM Sofia und Warna, die jetzt die großen Handelszentren Bulgariens werben, «ach! Kvnstantinopel, Wien oder Mailand. Manch« hat auch die Augst vor dem hier im Lande sprichwörtlichen „tschen tschetwerti" verjagt. Gleich nach Kriegsende, »lS die jetzt regierend« Partei Stainbuliskis ans Rrrder kam, «Ueß sie ein Gesetz für strafrechtliche Verfolgung der an bar Katastrophe Schuldigen. Der vierte Artist dieses Gesetzes trifft die Kaufleute, die durch Geschäfte: außerhalb ihrer eigentlichen Branche, durch Spekulationen, durch unverhältnismäßig«« Gewinn «sw. dem Staatstvohl geschadet haben. Da die Anwendungsmögltchkeiten des Paragraphen recht wett» sind, schien er den meisten Kaufleuten nicht ungefährlich. An und für sich ist dieser Artikel ein schönes und nützliches Gesetz, «S geht ihm Wider aber wie Violen derartigen Verordnungen: Der eigentlich' Schuldige, der Milliorienschieber, weiß sich durch Geld und Verbindungen der Strafe zu entziehen oder er fährt ins Ausland und wartet dort »tue Zeitlang, bis das Land erkennt, baß es feine Kapitalien braucht, und bestraft wirb dev klein« Papterhändler, der gelegentlich einmal ein Oliven faß billig kaufen und mit erheblichem Gewinn verkaufen konnte. Selbst die idealste Gesetzgebung hilft wenig ohne ideale Menschen. Und hat man ideale Wuschen, braucht man kein» ideale GMgebuug mehv. ' Non den »fte« große« Kaufteutzm sind nur weckiae im Orte geblieben. Sie klagen über die BorkriegLschulden. Für da^ «WllM KiMd, b.as sie »inst für Manchesttzrm.an.usaktur geschuldet haben, sollen sie jetzt ungefähr da« ZwcmMache zahle«, lind die englische Industrie, selber in keiner beneidenswerten Lage, verlangt die Vallbezahlung in e<-Httschem Gelbe. Gar manches Leid kennt die Dtadt. Für ihr« 40-Ü90 Einwohner ist Je west ausgedehnt. Und wäre« nicht die vielen türkischen Kutscher und Lastträger, würde sie für Bulgarien einen erstaunlich europäischen Eindruck machen. Den Eindruck einer Uetnevpu Matzt in Europa. Nut unendlich stLAKiger. Und in diesem'ftwi so Mßen Gommer unertrSgttch. «asUr gwr üs. »tue «arnAr m Ueoerftuy yar, zur Löschung des Durstes Melonen, Wasser- und Zuckermelonen. Und der süßliche Geruch der letzteren trägt etwas von der Melancholie, von der Verwesung dies«: sterbenden, heißen, kleinen Stadt an sich. ___ FÄchanak. Pottiische^RuyÄscharr. Der Tsd Des KSnigs Peter n-n SerhLen. Man meldet uns aus A g r a m: Der Tod Kön i}, PeicrS und die Krankheit des nem-n K^n gs Alexander hü!.en eire Fam lie von P^aiendenten aus den Königördrorr ans Tsg-Si-cht gefördert, die Familie der Nemattitsch"PaL'0i-ghv, du seit Fahren in Neapel „residieren". Das ge.unwartige Famüieahavpr har rer jugoilawischen 'Zertreiung in Italien ein Z)irmö:audum Überreicht, worin Ansprüche auf d,r Krone erhoben werden, nur der L-'egründuna, .d^rtz dje Famrliß in birclttv Lrure von Dnscha« Nem rmtsch abstamme, ver die Größe Lnbiens begründet habe. Natürlich wird dieses B.rlan-en von mernavd m ernstgenommcn. Der Tod des Königs Pe'er hat unter der jüdischem Bevölk-'rnng allgemeine, anfrichtrge Teilnahme hrrvor^rufry. Der verstorbene König war cin w'rklrcher Demoirat, ein Mann von mrnschenfrrundlicher Natürlichkeit, der rm Äirtland. dem man ein Zerrbild seiuer Persönlichkeit präftulierte, nie rnstprecheud gewürdigt wurde. In FriedrnSzsite« «och nahm dieser warme Jndenfteund Gelegenhe-t. seinen vumut übrr -Le Versolgungen der Juden im Zarenrußlan) z»m Abdruck zu brrugra, ein Umstand, der bei dem damaligen BerhällniS zwischen Serbien und Rußland nicht hoch genug «rnzuschätzeu ist. SSNtt Petee fee« Umsturz aU gesunder, aktionsfähigev Momr erlebt häite. wäre vielleicht die Lage der Juden auch mtMoM» der Greuzen des jugoslawischen Staates günstiger als heule. Die Jttden des Landes, an erster Stelle die naiivnaljüd,scheu Orgauisatione«, habrn ihrer Teilnahme an dem Ahlcben des K-uigS durch Trauerkmidßebungrn aller Art dm evtfprechendeu AvSdruck tzerliehen- _ Die Dvlkerb«»dkommi;fio« für Ki«Sersch«tz- «mV FMchtlMgswefr«. Der Bölterbund ha«, «e iemer^it berichtet wurde, eiue gemischte Kommission ürigesctzk, welche Deutschland, Rußland, Oesterreich, Polen und Ungarn gu bere.sm hat, um mir den Negierungen diestr Länder verichiedeur anf datz Kriegsg.ssangeum-, Kinderschutz- und Flüchtlingswesen bezügliche Verhanhtuugm z« pflegen. Die Kommisston besteht aus dem Fachmann deS BolkerbuvdcS L o d g c, dem Mitglied drS Völkerbundes L n k> c r s a c. dm Generalsekretär des ItrternÄi|o»*I CommHtee ok Relief Credits I. M i ch elt, -rm Haupthelegierten dch Jnternarivnale» Roten KrmzcS Fri ck und destm Sekretär Hhxeuhyl z nah schließlich dm Kassier der llvlon lptematlonals äs Laoour» »n? evksnts M a ck e n g I«. Der Reife dieser Komnässton nach Moskau hadr» sich dishrr Wegen der Weigerung her Ms-kaurr Sowjet' regierung Schwierigkeiten in den We.^ grstcllt. Run kommt aus Gchf die Meldung, -atz die Sowinbehörde« die Newrllignug zur Rtzise nach Naskau erteilt habcn und bi« KoMUtiisiM SMtzchtigtm. in Rußland Oer die Kckgsgef-ngenM, untzSMwMW tzlifSakttpnm anmittelharr VtrhsnLlyaghy 0 pflegen, Rach Beendignug dicsrr Verhandlungen in Moglan wich di« KsmMissi-u ihre Reise in die obenbe-eichnete» Staat« fortsetze». „DaUy Trtegraphges«« die «radlsch? Deiirgatk«. London» 28. August. (Jüd. Korr.-Bur.) In einer Be- '-rech.«Ng der Ksndidatur Em^r F a i s u l 8 auf hm me'epo^ iamilchen Thron wendet sich der »Daily Trlegraph" gegen die jetz^ in London weilende a r a d i f ch e D e l e g a t o n, die nicht e>ur angemessene In.'srpreünimtz feerBälfour-Dckiarailon. sondern ihre v v! l st 8 n - i g e A b s ch a f t n n % verlangt. Das Blatt richt l an die orobischc Delegation die Mahnung, sie möge eine weniger i» t r a u' i g e u 1 e Haltung ein« nrhmen und fügt hin u, büß se:n«t Jofo.rmatiouen ommß. dn britische Regrrrung keine Absicht habe solchen extreme» F o r d e r « n g r » vach;:rg e b e u. . . Anstchrre Lage im 0fttor-a»!a«-. Der Feralalem« »Haarez^ bringt et«e« Auszug aus ei«tv. a t a 6 i schen Zeitung, in wrlchrr in einem offenen Brief an i'en Oberkomm^ssnr von Palästina und an den Beherrschrr des Ostiordanlan: >-s, Emir AbdaLab, Über die im Ostierkauland stets wachsende Unstch rhrit geklagt wird. Dir Dörfer werden von den Beduinen übrrfallen, welche die F^der plündern, daS Vieh wegtrelben itfro. Dw Bevkikelnng lebe t« ständiger Angst nnd werde mit den'Bedüinm in Kampfe verwickelt. Der Brief fordcrt die mal'ILe Re?irmas als Okondatarwacht iür.PalWna aus. für Ruhe und Sichttheit rm Ostjordanland zu sorgen. Inland. Waders Gruß o» die BursenlSsdkrr. Iimmminifler Dr. Wader hat vos dem brrrch seinmPartei« pepvst n Dr. Ursin all« jenen Antisemiten ttctnlM Ablaß Gebrauch gemacht» dcuen em Bruch mit der siudenpeesse Schadrn brachte und die Gastfreundschaft der „Neurn Freie« Presse" Itt An pruck gekommen, dir ihm auch bereitwilligst gewährt wurde. Dran wtt sollt« der herzlichen Freude, mit der d« Herr BundrS« mmister >üc IuntteS dir irischgrbackenrn Oesterre-.cher des Bm-E lande« begrüßt und ihnen verspricht, den Aebergang in dir nturn Vcrhältniffe so leicht wie möglich M machen^ größeres Jnltteffr entgea.rn» bringen, als jene ZeitungSlefer, die sonst nm den schärfsten Widerstand des nämlichen Herr» Bundrsm'misterS gegen dl« Ausnahme bbn Rtutzsterreichew am «iMM Lrib zu sylireü bekommen und von deffeu Besiredungm, ihnen den Uebergüng in die mnm.VerhSltntffe so schwer wie möglich zu gestalten, em Lied zu singen wlssrn... Dies, Lcsrr dtt ^Reuen Freien Presst werden mit besondere« Vergnügen i« der SdnMäg?» Nummer ihre« Leibblaites «die mitustttielle Versichelnng stnden: „Die freie Aussprache mischen allen beteiligten Stellen Über dm zahlreichen Frage«, d e der Tag aufwirst» ist zwar minder bequem nnd weit umständlicher als die einfache Ausübung eines B^fehlLrechtrS, aber die Zentralstelle Hst in einem deniokvatifch rcgicrtea Staatswesm di« unabwrisliche Wicht, derartige Aussvrachm hekbenufüdtt«. DaS deutsche Volk ist fremden B 8 l t 11« i «i w 11 mitAcht« ng « nd mit weitgeh e«d er Zuvorkommenheit begegnet. Nirgend« habe» sich völkische Minderheiten so gut entwickeln können und sich zu so großer wirtschastlichrr nnd kultureller Bedeutung erhoben, wie in Staaten, wo die Denschrn die Führavg hatten. Oeste, reich jst ein Schulbeispiel... .* Am meisten gerührt werden »re Abütt-. nentrn dcr „Neuen Freie» Presse" über Hw Tatsache fein, daß Herr Waler in der Freude über dir Erwerbung heS BurgenlandrS sogar seinen tzirlb-känchst,« Standpunkt Über Rasse und Sprach« drr Neuöstttrrichrr aufgibl, indem er ver» sichert: „Sofern Matzyarrv i« Burgenlonde veebleiben, werden sie sich ohne Zweifel einbörgern lasse« und als Staatsangehörige die volle Freiheit in jeder Nichluna genießen*. Die Leser der Freien Presst mögen sich aber durch diese WaberrikN ja Mt zu trAgttischkn Analogieschlijssen per. leite« laß« und etwa gftvben, daß Jude« «st deutscher MM«- sprach« «ch deutschen lFchylwusniff« dieselbe Mnisterielle Toleranz zulMMt wie buraenländMeu MagharM. Der.« w dürften sie ein« herb« SuttSnjchung erleb«.