Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-08-29 · Heft 930 (29.8.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 930 (29.8.1921)
Date
1921-08-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980009--08580-2994749
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

LMm, MonM -vrerrer MLsrgL»,HeLL^.^ XJ-x y tobt* Zm übrige« form sesigesiellt werden, daß mich die Räumung d«S von Serben besetzt gehaltenen Gebietes noch nicht vollständig beendet worden ist. Budapest, 28. August. (Privatst.) Westmrgarn ist heute militärisch geräumt worden, hingegen ist die Gendarmerie und die Finanzwache in Westungarn verblieben. Ein Teilnehmer an dem heutigen Ministerrat in Budapest erklärte Ihrem Korrespondenten: Die ungarische Regierung jft zur Erfüllung beS Friedensvertrages entschlossen und erblickt in dem letzten Beschluß des österreichischen Ausschusses für Aeußeres im Prinzip s eine Verhau dlungsbasis. Die Finanzlage des österreichischen Staates ist jedoch nicht so geordnet, daß Garantien dafür vorhanden sind, daß Oesterreich nach vollzogener Räumung seinen finanziellen Verpflichtungen Nachkommen könnte. In den Nedoutensälen hat eine Versammlung von zehntausend Teilnehmern beschlossen, den Ministerrat aufzusordern, die Grenzen gegen Oesterreich zu sperren und die diplomatischen Beziehungen obzubrechen. Diese Ent' schließuug wurde dem Ministerrat unterbreitet. Mitteilungen ans dem Publikum. El» AsstrioLtss wollenes Kleid, M1 Wiener Fabrikat, 5000 f&rosnen •ALBERT MftT«EBf der gerade in der jüngsten Zeit sich in den bedauerlichsten Erscheinungen äußerte. Wenn schon aus keinem anderen Grunde, so müßte doch die Rücksicht auf die sich stets steigernde wirtschaftliche Krise und die zunehmende Not der produzierenden Schichten die weiterblickenden Politiker in allen nationalen Lagern dazu bewegen, zielbewußt eine großzügige nationale Berftändigungsaktion einzuleiten als Vorbedingung einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik und eines wirklichen Völkersriedens j nach innen und außen. j Telegramme. Deutsche, Tschecho-Slowakeu und Magyaren. La—. Es gibt zwei Arten des Nationalismus: einen modernen, auf demokratischer Grundlage ruhenden, v«n sozialem Geiste erfüllten Nationalismus, der die <&> Haltung und den kulturellen Aufstieg sowie die wirtschaftliche Wohlfahrt aller Glieder des eigenen Volkstums erstrebt. Im schärfsten Gegensatz hiezu befinlstet sich der reaktionäre chauvinistische Nationaiismntz, welcher in gleichem Maße die Vorherrschaft einzelner Nationen sowie Klaffen erstrebt. Diese letztere Art des Nationalismus hat fern Weltkrieg verschuldet, sie hat die Konsolidierung des Donameiches ebenso wie heute die Konsolidierung der Sukzessionsstaaten verhindert — sie war, ist und bleibt der Pionier der Reaktion und muß daher als der gefährlichste Feind einer modernen Demokratie allüberall aufs energischeste bekämpft werden. In keinem zweiten Staate trat und tritt dieser chauvinistische und reaktionäre Nationalismus so drastisch zutage als in Ungarn, in dem jetzigen Magyarien. An der magyarischen Vorherrschaft, an dem oligarchischen Regime, welches auf Grund eines ultrareaktionären Wahlgesetzes, das seit Beginn der dualistischen Aera 1867 bis zum Zummenbruch nicht nur die nichtmagyarische Beoölkemngsmehrheit Ungam- KroaLiens, sondern auch, im Bunde mit der polnischen Schlacht«, die Völker diesseits der Leitha beherrschte, d a r a n ging das alte Oesterreich-Ungarn zugrunde. Es ist Nicht überflüssig, gerade im jetzigen Moment, nach dem Zusammentreffen der Vundespräfidenten der Tfchecho-Slowakei und Oesterreichs, auf diese Tatsache hinzuweisen. Durch Jahrzehnte seufzten unter dem Joche der magyarischen Oligarchie Millionen von Volksgenossen der in den Sudetenländern bis aufs Messer sich bekämpfenden beiden Kulturvölker, der Tschechen und der Deutschen: die Slowaken und die ungarischen Deutschen. Hätten die Chauvinisten in beiden Lagern den nationalen Ausgleich zwischen Deutschen und Tschechen— welchen die tschechisch-realistische Partei unter Führung des jetzigen Präsidenten der tschecho-slowakischen Republik schon im Jahre 1900 erstrebte — nicht vereitelt, dann hätte sich bereits viel früher die Bereinigung der Tschechen mit ihren slowakischen Brüdern» der Zusammenschluß der österreichischen Deutschen mit ihren westungarischen Konnaüonalen vollzogen. Wahrscheinlich wäre in weiterer Folge auch ohne einen Weltkrieg die Umbildung Mitteleuropas und des Balkans auf dem Wege der Demokratie und der Föderation vor sich gegangen. Heute, wo nach Lostrenmmg des größten Teiles der nichtmagyarischen Gebiete der chauvinistischmagyarische Nationalismus seine pseudoliberale und pseudodemokratische Maske fallen laßt, die Wiedererweckung der Slowakei erstrebt, gegen die Herausgabe des deutschen Westungarn sich sträubt, in Magyarien selbst ein Regime der brutalsten Klassenherrschaft des Chauvinismus und Antisemitismus etabliert, heute muß man dem tschechischen wie dem deutschen Volke gleichmäßig zurufen: »Lernet aus der Vergangenheit! Los vom Chauvinismus!^ Das nationale Moment ist sicherlich, wie gerade der Weltkrieg und die darauffolgenden Ereignisse zeigten, ein treibendes Element im Leben der Völker; aber es ist keineswegs — ebensowenig wie das wirtschaftliche Moment — der alleinige gestaltende Faktor. Wenn das nationale Gefühl zum nationalen Fanatismus entartet, wenn dieser das friedliche Zusammenleben der wirtschaftlich aufeinander angewiesenen Völker unmöglich macht und auf diese Weise jeden kulturellen und sozialen Fortschritt verhindert, dann ebnet er neuen Kriegen und sozialen Revolutionen den Weg. Aus dem Gesagten ist also für den objektiven Beobachter der bisherigen Entwicklung und der europäi'chen Gesamtlage klar ersichtlich, daß in gleichem Maße die Lebensinteressen Tschecho-Slowakiens wie Oesterreichs als auch die einer moderen Demokratie Frieden, Freundschaft und einen möglichst engen Zusammenschluß beider Siaalsgebilde dringendst erly: liehen. Ein Haupthindernis bildet in dieser Hinsicht allerdings der deutsch-ljchechijche Gegensatz, Gegen de« alldeutschen Bolschewismus. Blutige Vorfälle itt Potsdam. Berlin, 28. August. (Priv.-Tel.) Die Befürchtung, daß die Ermordung ErzbergerS dos Signal z» weiteren Unruhen in Deutschland sein würde, scheint sich leider zu bestätigen. Zu einem blutigen Zusammenstoß kam es schon heute infolge der große« Erregung der Arbeiterschaft in Potsdam, wo die Deutschnationalen eine Tannenberg-Feier veranstalten wollte«. Schon in den frühen Morgenstunden strömten Tausende und Tausende von Arbeitern von Berlin nach Potsdam und Verhindertendort, daß die Deutschnationale» ihre Feier unter freiemHimmel abhalten konnten. EinDemonstrationszug von ungefähr 50.00 0 Arbeitern bewegte sich durch die Straßen der Stadt Potsdam. Die Kundgebung verlief zunächst vollständig ruhig. Zu einem Zwischenfall kam es erst, als die Demonstranten versuchten, eine schwarz-weiß-rote Fahne von einem Hause herabzuholen. Dabei gerieten sie mit der P o l i z e i in Streit, die ans noch nicht aufgeklärter Ursache von der^ Schußwaffe Gebrauch machte. Nach den bisherigen Feststellungen sind zwei Tote und mehrere Verletzte zu beklagen. Die Ermordung ErzbergerS zieht Erscheinungen nach sich, die von den Urhebern deS Verbrechens kaum vermutet worden sind. Als erste Folge ist zu verzeichnen, daß die Einigung der Arbeiterschaft um einen weiten Schritt nach vorwärts gekommen ist. Die Mehrheitssozialisten und die Unabhängigen haben Besprechungen begonnen, die zur Bildung einer Kampfgemeinschaft gegen die Reaktion führen sollen. Die .Freiheit', das Organ der Unad-, hängigen, tritt heute unter vorläufigem Verzicht auf weitere revolutionäre Forderungen für ein Zusammengeben mit den MehrheitSsozialiste« zum Schutze der Republik ein. Die Kampfgemeinschaft soll rücksichtslos gegen die reaktionären Parteien Vorgehen, die reaktionären Persönlichkeiten in den Verwaltungsstellen sowie in der Reichswehr beseitigen. Im „Vorwärts* erklärt heute der Parteivorfitzende Otto Braun, daß die sozialistischen Mitglieder der Reichsregierung, falls nicht endlich gegen die Reaktion etwas unternommen wird, die Konsequenzen ziehen und aus der Regierung austreten müßten. Weiters wird auch schon die Forderung nach dem Rücktritt der .als reaktionär geltenden preußischen Landesregierung gefordert. Die Unabhängigen und die Mehrheitssozialisten haben sich darüber geeinigt, daß in Preußen eine Regierung gebildet werden soll, in der die beiden Parteien die Hauptrolle spielen, sollen. Reichstagspräsident Loebe hat sich nach Frankfurt begeben, nm dort mit dem Reichskanzler über die Krise in Deutschland zu beraten. Verttv, SS August. Der „Vorwärts" bestätigt, daß rin geschlossenes Vorgehen der Gewerkschaften aller Richtungen in Vorbereitung ist mit dem Ziele, bei dcr Regierung zu erwirken, daß alle staatliche» Mittel angewendet werden, um der rechts« bolschewiklschen Hetze dm Boden za entziehe». Die irisch -englischen Verhandlungen. Laudon, >8. August. (Reuter.) DaS irische Kabinett hat die Einladung des Premierministers an de Balera z« Verhandlungen angenommen. Berhandlungsort wir-) London sein. Eine Erklärung Lloyd George». London, 29. August. (-.r?o(ff.) Pmnlermiriister Aohd George hielt in Barnsfeh circ Rede, worm er zur irischen Fiagr auslöhrte: Großbritannien habe sich über alle Vorurteile kinweggesetzt und Irland Bedingungen, wie nie moor, gestellt. England könne eine Trennung, dir den Blirgeckneg in Irland enrfeffeln würde, nicht zulassen. ES sei zu hoffen, daß daS irische Volk, wenn es sich erst vergegenwärtige, baß ihm eine wirlliche Freiheit geboten sei, auch erkennen weide, daß seine höchste Bestimmung die sei, stch als freies Volk innerhalb einer Vereluigung freier Völker zu fühlen. Ein großer Sieg -er Türken. Paris, 28. August. (Havas.) Amtlicher Heeresbericht aus Angora: Ein türkischer Angriff auf Tulu Vunar im Abschnitt von Karahiffar hat den Griechen schwere Verluste bripebracht. Nach bisher noch unbestätigten M ldungen habe der rechte griechische Flügel bei dem Versuch, dm Sakar>a zn übe schreitkn, einen vollkommene» Ä ste^'olg eilittcn, bei die Schuch. - m c,n. Kritische Lage gebracht habe- ' , LI o Konstuutiuopel, 28. August. (HavaS.) SMt et« türkisches Commuuiqus aus Nlomcdia besagt, entwickelt sich die Vorrückung des rechten türkischen FliigelS in der Richtung auf Hodbak Il6 mannsten der Türken, die durch die Besetzung von Bittdlchck die. Rückzugslinien des Feindes bedrohen. Konstanttnopet, 28. August. (HavaS.) Den Blättern' zufolge bestätigt eS stch, daß der rechte Flügel der gtiechr che Armee, der versucht hatte, die befestigte Stellung der Türken'avi Sakaria zu umgeben, in der Gegend der Salstvüste Übe>rasci-t wurde und in einen Kümvf geriet, in dessen Verlauf er von bcu Türken vollständig geschlagen worde, so daß er von der ülwigen Armee abgeschnnieri sei. Das griechische Obcrkommaiitox soll keinerlei Nachricht von diesen Truppen haben. KonstantinopLl. 28. August. (HavaS.) Hier w rd der Sieg am Sakarra gefeiert, Der Aufstand tu Indien. London, 28. August. (Havas.) Nachrichten aus Kalkutta (Indien) zufolge sollen die Moplahs die Homerule im ganzen AufstandSgebiet auSgerufe» und die grüne Fahne gehißt haben« Rach Meldange» aus Srnrlck vom Lg. d. M. find die nationalistischen Führer der Hindu »nd Mohammedaner vom Provinzialkomitee m Kerala anigefordert morde», sich «ach Malabar z» begeben, um fich zu bemühen, die Fanatiker zu beruhig». Eine DerschwSrnng gegen Moskau. Lonvo», 29. August. (HavaS.) Der Berichterstatter der „Tmes* meldet an-Petersburg, daß die bolschewiklschen Behörden ei» neues Komplott gegen die Sowjetregierung ausgedeckt haben. Marinesoldaten der baltische« Flotte sollen bloßgeftellt sein. Der Berichterstatter erfährt weit«-, daß die dritte Internationale einen Au'rus veröffentlicht, in dem sie sich an das Proletariat der ganze« Welt wendet, mit der Erklärung» daß die fremde» Staaten im Hungersnot in Rußland dazu benützen werden, um die kommunistische Macht zu stürze». Der Ausruf fordert dos Proletariat ferner aus. sich der Eutseaduug von Verstärkungen nach Oberschlrsten zu widersetze« mit der Begründung, daß. «ach einer Aebereinkunft zwischen Polen med Rumänien mit diese» Verstäökuugr« ei« Angriff gegen di« Sowjets vorbereitet werde. Günstiger Erfolg der Wiesbadener Verhandlungen. Paris, 28. Juki. (Wolff^ Der »Liberi«* zufolge erklär!'. Loucheur, daß er zufrieden sei. Rathena» fei guten Willens gewesen. DaS Abkomme« werde »och ratifiziert werden müsst», aber diese Ratifizierung fei nicht zweifelhaft. Das Abkommen werde dann sofort m Kraft treten. ES sei« von beiden Seilen wirlliche Anstrengungen gemacht ward«, um «ne beftiedigenbr Lösung a« erzielen. Für die Unterzeichnung der vier Nebrnproto'i.tt!r werde wahrscheinlich »och eine Konferenz nötig sei«. Me Streiks 1« Pole». Warschau, 89. August. (Test-Komp.) Nunmehr habeil nach die Eisenbahn« iuKalisch, Lodz und Sosnowitz die Arbeit nichergelegt. D« Streik hat somit auf Kongreßpolen übergegriffen. Das gesamte polnische WirtschaftSlebm steht unter dem Einfluß der verworrenen Lage, die durch die StteiiS hrrvorgcrufen worden ist. Es fehlt jede Post aus Deutschland, wie Überhaupt jed« Handelsverkehr mit Deutschland seit Ausbruch des GiseubahnersireikS in Posen mrterbunde« ist. Die Verwirrung wird von der Spekulation benützt, um die ausländischen Devisen ju die Höhe m treiben und die Warenpreise hochzuschraube». Der Ministerrat bat sich durch die steigende Teuerung veranlaßt gesehen, Richtpreise ftstzusetzcu. Warschau, 2tz. August. (Tel.-Komp.) Die Vereinbarungen Üb« dm Abbruch des Streikm dm ehemals preußischen Gebiete«, die mit der Warschauer Regierung getroffen workm sind, haben nachträglich keine Billigung der Vertrauensmänner' Versammlung gefunden. Ewurde vielmehr von der Brrsammlurig ein neues Stteikkomitee gebildet, daS den Auftrag erhielt, erhöhte Forderungen zu stelle«. Dadurch ist die Lage aufs neue äußerst schwierig geword«. Glue Eisenbahnkatastrophe ln Rom. Rom» 37. August. In der Umgebung ist em Güterzug mit dem Wderzug aus LadiSpoli zusammengestoßen. Bisher wurden 17 Tote aus den Trümmern hervorgezogen. Ungefähr 80 Verletzte wurden iit die Krankenhäuser von Rom gebracht. Zahlreiche r»te. Vom, 28. August. (Ltefani.) AuS den Trüm.u'ul bet Nähe von Rom zufammengrstoßenen Effeubahnrüge sind bisher 80 Tote hrrvorgezogen wordeu. Die Zahl der m«st sehr schwer Verletzten beträgt mehr als 100. Pari», 28. August. (Wolff.) '^L'Jntranfigkant" berichtet Tiuzelheiten über daS Eisenbahnunglück, das sich in der Nä^e von Nom ereignet hat. Danach ist et« von LadiLqaoli kommender Personen mg infolge falscher Weichenstelluug mit einem aus der Gegenrichtung kommenden Güteizug zusammengestoßen, und zwar an einer Stelle, wo sich auf der einen Seite eine Schluckt befindet« Acht Wagen des Pkrsonenzugcs stürzten in die Schlucht ES spulten sich schreckliche Szenen ab. Bisher sind 37 Tote uv * 150 Verletzte geborgen worden. Räuber überfallen Len Bukarest— Budapester Schnellzug. Budapest. 28. August. Wie der .Pefter Lloyd" meldet, wurde gestern der Schnellzug Bukarest—Budapest zwischen Kronstadt und Schäßburg von Räubern überfallen, die den Zug auf o f f e n e r S t r e ck c angehalten batten. Sie drangen in den Schlafwagen, w!' sie die in ticfein Schla? luvoubeit Reisenden mit .. %!U o r o s o r m b e t a u ö t e n und allerlei ,Gegeu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.