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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-29 · Heft 930 (29.8.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 930 (29.8.1921)
Date
1921-08-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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rötotttUHtet» o m’onei» owssstä ms» VBMWVV » »vP^^MWK AlMpE raBg<sii»fe»S Nr. 930 mmmmmmmmmm Wiener Wien» Montag den 29. August 1921 £.«.«» ****** fOv.iCk}kiKl\ vmatmsmmmBmmmmmmBt PrännmeratinnSpreif»« ... fceie«: wwäwi. . n«i_ ta »olytsch« D«Nschla»»r «—»«ch. '. a-r«,»»^ «-«Mich. . . g«*M» „ .. Jtatkmr Monatlich . ... %ttt 9r~ _ Sk««S«i«: Ms«aNtch. ... «et »S^. Schwrtz ». da, »rig- »u»,«a Monatlich . . . Kr«««» L.- K«SW!WLr SAMi«L«S 1&9tbnn*Ut!futbwtU ttotw 999 3. Jahrgang rw» i f * c i'f l £V1 £ f i Die österreichische Gendarmerie angegriffen. — Oedenburg von den Banditen eingeschloffen. Die Budapester Bettzaren haben, wie immer, anch diesmal geschwindelt. Sie haben am Samstag feierlichst verkünden lassen, daß sie gemäß des» Friedensvertrages Weftnngarn am Sonntag räumen werben, aber gleichzeitig das uniformierte magyarische Gesindel aufgefordert, in Westungarn zu bleiben und die Besetzung des Gebietes zu vereiteln. Tückisch nud feig, wie dieses Horthy-Gesindel schon ist, hat es die österreichische Gendarmerie aus dem Hinterhalt mit Handgranate« beworfen und beschossen. - Durch diesen feigen Vorgang haben die Horlhy-Driganten wiederum bewiesen, daß sie nicht gewillt sind, Verträge einzuhalteu, und daß in Mitteleuropa solange keine Ruhe herrsche« Kann, so lange in Budapest Horthy nud seine Mörderkumpaue regieren. Die Entente mutz einen radikalen Schritt tun, um das Budapester Mordernest auszuhebe» nnd dott endlich Verhältnisse zu schaffen, die den NaÄbarn Ungarns die Sicherheit bieten, stch m Ruhe den notwendige» Aufbauarbeiten widmen $n kSunem : 7 ' Das, Beginne» der Horthh-Regierung ist ein direkter Bruch des Trianoner Friedens- Vertrages und für die kleine Entente ist ebenfalls der Fall Legeben, wo sie ein schreiten kann. Wir sind überzeugt» daß die Kleine Entente nicht versäume» wird, mit ganzer Tatkraft die Horchh-Briganteu zu belehre», daß sie nicht iin dunkelste« Afrika find. » Wie die „Sonnuüd Montagszeitungmeldet, behebt ein Ueberemkommen zwischen Oesterreich und den Ententemächten, wonach die letzteren fitr den Fall einer gewaltsamen Verhinderung der Uebergabe beschlossen Kaben, Truppen aus Oberschlesien nach W e st n n g a r n zu entsenden, um die Respektierung des Friedens von Trianvn zu erzwingen. Eö mag auch darauf hingewiesen werden, daß bedeutende tschecho-slowakische Streitkräfte in letzter Zeit in Preßbnrg zusammengezogen wurden, die namentlich über sehr viel Artillerie verfügen. Was das Verhältnis zwischen Oesterreich und Ungarn anbelangt, so muß sich dieses infolge des Beschlusses des ungarischen Ministerrates selbstverständlich wenig erfreulich gestalten. Wie wir hören, ist die öfterreich nche Regierung unter keinen Umständen gesonnen, znM.eben, daß eine „zweite Limein Westungarn ge- 'ch offen werde, die von ungarischen Gendarmen nud Zollwächtern besetzt wird. Die österreichische Regierung besteht auf der restlosen Räumung deS Burgenlandes >md sie anerkennt keinerlei Verpflichtungen ungarischen Forderungen gegenüber, wie sie in dem ungarischen EownlumquS erhoben werden. GS ist selbstverständlich, daß unter solchen Umständen an Verbau d langen mit Ungar«, wie sie vorgestern im Ausschuß für Aeußeres vorgesehen worden sind, nicht zu denke» ist, da ja die Vorbedingungen zu diesen Verhandlungen die anftandSlose Räumung WestungarnS »eivk'en wäre. Oesterreich hat gestern nichts anderes getan als von seinem Rechte Gebrauch gemacht, das ihm vertragsgemäß zugestanden wurde, nämlich eine gewisse Anzahl von Srcherheitstruppcn «ach Westungarn zu ent- 'cuven. Es ist ganz klar, daß die Situation eine sehr ge- >pa,!uie, ja sehr ernste ist, und eS wird Sache der freute sein, dafür Sorge zu tragen, daß Ungarn seinen Verpflichiunge« aus dem FriödenSvertrag von Trianon nachkommt. Es darf auch nicht außer acht gelassen werden, daß ü«.e kleine Entente als ihren obersten Grundsatz die strenge ämhqltunL uii'ö DurMMlM des Txianoner Vertrages aufgestellt hat, und wenn man sich an die Vorfälle anläßlich der abenteuerlichen Reise des Exkaisers nach Steinamanger erinnert, so ist die Vermutung wohl berechtigt, daß auch diesesma! die Nachbarn Ungarns in ernster Weise gegen die Verletzung des Vertrages von Trianon Stellung nehmen werden. Der Auftakt zum Putsch. Der von Oedenburg um 13 Uhr 25 Min. abgehende ^Zug, der um 16 Uhr 30 Min. in Wiener-Neustadt fällig war, hatte große Verspätung. Reisende, welche mit diesem Zuge Oedenburg verlassen haben, teilen mir, daß der Zug einen Kilometer von der Station Oedenburg entfernt bei Brannhof von Erwachenden Ungarn aufgehalten w o r d e n i st. Die Banditen stellten sich vor die Lokomotive und drohten, den Zug in die Luft zu sprengen, wenn die Passagiere nicht airkstiegen. Viele Reisende zogen es vor, den Zug zu verlassen, und gelangten ans Umwegen nach Wiener-Neustadt. Es sollen auch die Schienen beschädigt worden sein. Der Zug traf erst um 31 Uhr in Wiener-Nenstadk ein. .- — Von der fieirisch-üngarischkü Grenze kam am Abend durch Gendarmen die Meldung hiehcr, daß es an der steirisch - ungarischen Grenze zu Feuergefechten gekommen sei. Dort haben Szekler aus dem H interhalt auf unsere Gendarmen mit Mas chinengew ehr en geschossen. Die Gendarmerie wehrte sich. Die Ungarn verloren drei Tote. Um 16 Uhr abends erfahren wir aus Wiener- Neustadt : Eben ist hier die offizielle Bestätigung der Nachricht eingelaufen, daß es an der steirisch-ungarischen Grenze zu Feuergefechten gekommen ist. Auch die Zahl der toten Ungarn — es fielen drei im Feuer — wird bestätigt. Ebenso wird die Nachricht bestätigt, daß der Oedenburger Zug von Erwachenden Ungarn gewaltsam aufgehalten worden ist. Im Laufe des Tages trafen in Wien Vertrauensmänner der verschiedenen Parteien aus Wiener-Neustadt ein und machten folgende Mitteilungen: Die österreichische Gendarmerie sei in drei Kolonnen über die Grenze marschiert und bei ihrem Einzug ins Burgenland überall von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt worden. Bci ihrem Vormarsch wurden sie von irreguläre» ungarischen Banden überfallen, an deren Spitze sich ungarische Offiziere in voller Uniform befanden. Es entspannen sich Kämpfe, bei denen eine unserer Kolonnen mehrere Schwerverletzte hatte. Ueber die beiden anderen Kolonnen lagen noch keine Mitteilungen vor. Die Stadt Oedenburg sei zerniert, und zwar vom Detachement Hejjas, andesse» Spitze HejjaS selbst sich befand, und es würde kein Zug von Oedenburg nach Wien abgelasien werden. Oedenburg selbst sei von Teilen der Detachements Pro nah und Osztenburg beseht. Der Ueberfall auf die Gendarmerie. Wiener-Neustadt, 28. August. Gemäß den von öcr Entente festgesetzten Uebergabebestimmungen haben heute österreichischeGendarmerieabteilungen die Vorrückung behufs Uebernahme des burgenländischen Gebietes begonnen. Nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten ist es hiebei zu mehreren Zusammenstößen gekommen. Die Kolonne, die in der Gegend von Pinkafeld vorging, ist in der Nähe des Ortes von einer ungarischen Abteilung unter Führung u n g a r'i s ch e r Offiziere angesch offen worden nud sah sich gezwurrgeu, das Feuer M «wider«. Soviel R» sttzt bekannt, wurde ans üsterrreichisch'er Seite t i n Gendarmerieinspektor verwundet. Auch auf ungarischer Seite gab eS Verwund ete. Auf Ersuchen der in Pinkafeld stationierten Ententeoffiziere ist vorläufig die in Pinkafeld eiurückende österreichische Kolonne bis an die Grenze zurückgegauge». Die Hauptabteilung unter Führung des GendcmyeriedirektorS Ornauer ist, von der einheimischen Bevölkerung überall mit herzlicher Freude empfange«, bis Agmdorf — zwei Kilometer vor Oedenburg — vorgerückt. Dort wurde fie von ungarischen Abteilungen unter Feuer genommen, das von österreichisch« Seite «widert werden mußte. Wiener-Neustadt, 38. August. Nach hier einlangende» private» Mitteilungen ist die Umgebung Oldenburgs von bewaffnete« ungarischen Abteilungen besetzt. Die Kämpfe a« der steirisch- «ngarische« Grenze. Graz, 28, August. Nach hier vorliegenden Meldungen ist unsere Gendarmerie beim Einmarsch »ach Westungarn in der Gegend von Friedberg und Hartberg auf bewaffneten Widerstand gestoßen und hat entsprechend den Weisungen der Ententeoffiziere den Rückmarsch an die Landes grenze angetreten. 60O Schritte vor Pinkafeld hat ein 120 Mann starkes ungarisches Militärdetachement, feldmäßig mit Stahlhelmen und Handgranaten ausgerüstet, aus die um %12 Uhr vormittags vorrückende Gendarmerieabteilung das Feuer eröffnet. Der Kommandant der Abteilung wurde durch emeu Oberschenkelschuß verwundet, auf ungari- "zw-zt ManL ■ tot Und sieben verwundet sein. Die Höhen von Pinkafeld sind beiderseits besetzt. Unsere bei Bur gauberg zu gleich« Zeit vorrückende Gendarmerie bemerkte sogleich, daß die Höhen beseht seien, und ging äußerst vorsichtig vor. Der Kommandant ging mit zwei Gendarmen d« Abteilung voran, als gegen sie plötzlich eine Handgranate geschleudert wurde. Dies bedeutete das Signal zvr Feuereröffnung auf ungarischer Seite. Die Ungarn schossen anetwa drei bis vier Ma schiuengewehre« «vd6v bis 80 Gewehren. Der Kommandant d« Gendarmerieabteikung wurde hiebei durch einen Halsschuß schwer verletzt; der eine der ihn begleitenden Gendarmen erhielt einen Lungenschuß, der andere einen Sieckschuß. Außerdem wurden ein Bauer und ein Kind««letzt. Nach einer späteren Nachricht a«S Burga« ist die aus 32 Mann bestehende Gendarmerieabteilung wieder in Westungarn eingerückt, wobei Ententeoffiziere vorangingen« Das Ziel der Kolonne ist Stegersbach und Güsstng. Was die Horthy-Banditen melden. Bruch des Fried errsverttageS. Budapest, 28. August. Wie das Ungarischc Telegraphen-Korrespondenz-Bureau von zuständiger Seite erführt, ist du militärische Räumung WestungarnS mit dem heutigen Tag vollständig beendet. DaS Zurückziehen der Gendarmerie und der Zollwache aus d« zweiten, kleineren Zone wird jedoch vorläufig in Schwede gelassen. Die ungarische Regierung ist wohl fest entschlossen, zur Durchführung der Bestimmungen des Trianon« Friedens; indes d« am 27. d. M. gefaßte Beschluß des österreichischen auswärtigen Ausschusses bietet, wiewohl tt als Verhandlungsgrundlage im Prinzip annehmbar «- scheint, knnerlei Bürgschaften hinsichtlich der BerücksichtigMg der von ungarischer Seite erhobenm Forderungen; so verbürgt er namentlich nicht die Erfüllung jen« wesentlichen Forderungen materiell« Natur, welche de« österreichischen Staat infolge d« Räumung uuzweiselhast belasten werde». Die von der Gendarmerie und d« Zvllwache visorisch noch besetzt gehaltene Linie verläuft üb« Lajta- KörtvelyeS—Zmany—Podersdorf—MedgyeS—Brennberg —Cote 223—Szabarand—Langato—Felsöpultza—-BtWstb szalonak—Gyepüfüzes—-Cote 353. ' '

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