Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 928 (27.8.1921)
- Date
- 1921-08-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Setze 4^ Mm. 'Samstag Lvierter Worgerrzeituttg 27 August 1921 Nr. 928 Das polnische Volksheer. Pose«, 86. August. (Trl.-Komp.) Der polnische L a n b* * a e wird, wie der »Kurier Pornaujki* berichtet, bei der bevor» /stehende« Wiederanfaahme seiner Beratungen ein ireveS Gesetz j ftbtr die allgemein« Wehrpflicht verhandeln. Im Gesetzentwurf ist I die zweijährige Militärdienftzrit beibehallen, dagegen soll das neue > Gesetz de« polnisch« Heere »och mehr das Gepräge eincS Volks« ' heereS verleihen. Den gesamte» Hilfsdienst werden Frauen versehen,.für die Dienstpflicht eingeführt werden soll, soweit sie ledig und nicht dnrch Familieapflicht behindert sind. Der Vertrag von Trianon in Kraft. Paris, 28. Mugust. (Havas.) Der Vertrag von Trianon wird heute durch ein Dekret promulgiert. Dr. Vlexavder Wekerlr tzestorben. Budapest, 26. Auanst. (Ung. Te^.»Aorr.-B«r.) Der gewesme Ministerpräsident Dr. Alexander Wekerl« ist heute uw '/,8 Uhr abends im Eliiabeth-Svitas des Vereines vom Roten Kreuzwohin er vor zwei Woche« gebracht worden war, im Alter von 73 Jahren gestorben. Was geht t« Horthy-Ungarn wieder vor? Vndaprft. 26. August. (Ung. Tel.-Lkorr.'Dur.) Die Regiecuna hat den stellvertretenden Bizcgespan Bela B a n o c z y mm Rkg-ernugSkommiffär für daS Gebiet zwischen der Dona» und der Theiß «rannt. Er wird die im I » t e r e s s e der ö ffcullichenOrdnnngnndSicherheit notwendigen M a ßnahmenzuverfügenhaben. Budapest, 26. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Regiemngslomnrisjär Banoczh erllärte >m ^Magyar Orszag". seine Aufgabe bestehe dann, die notwendigen Maßnahmen' znr Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit dort za treffen, wo dies noch nicht m dollem Maße geschehen sei. Sc werde alle Elemente, die die öffentliche Ordnung nicht respektieren, unerbittlich eutf.'vnen und eliminieren. Er wünsche, mit den Leitungen der betreffenden Kvmitare mr Einvernehmen zu arbeiten, Md werde gerecht «ud ehrlich wirken. Horthy verfolgt die Republikaner. Budapest, 26. August. (Ung. Tel.-Korr.'Dur.) Die Staatsauwaltschast hat gegen den Präsidenten Georg N a g y und hm Vizepräsidenten Emmerich Beer der kürzlich ausgelösten ungarischen repnblikanrschen Partei weg« des Verbrechens gegen die Institution deS Königtums die Untrrsuchuug eiugeleitet, »nd zwar «eg« der a« TodcStage Ludwig Koffuths «m deffev Grabe gehaltene» republikanischen Rede». Ablvarrsport der Mtgarifches Kommrrniften nach RußSsnÄ. Budapest-, 86. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die »Magyar Hirlap* meldet, wurden Borbereitnngen z»m Abtransport drr a» Rußland ouSzufolgenden 4VV «ngarischen Aormnsn'sten getroffen. DaS Ministerium des Arnßern hat die Äste dem Justizministerium übergeben «nd man hofft, daß der erste Transport von 180 Verurteilten anfangs Dezember Budapest verlaffeu wird. Der deNtsch-amerLkanische FriedeAs- Derlrag. Berlin, 26. August. (Wvlff.) Zn dem heute deröffentlichen deutsch-amerikanischen Fri?densderrttag ivird von zuständiger deutscher stelle bemerkt: Rach bem Inkrafttreten des Vertrages sollen die diplomatischen »nd konsularische« Beziehungen alsbald wieder ausgenommen werden. Auch sollten alsdantt Verhandlungen über die künftigen Ha ndelsb e z.i e hNnge», deren Pf^ge auch die amerikanische Regierung als wünschenswert bezeichnet hat, sowie Über die für die Beziehungen der beiden Länder bchentsamen' Fragen eingekritri werden. Die amerikanische Negierung hat erklärt, daß der Abschluß des Vertrages den Weg ebnen würde, um alle auf die Beschlagnahme deutschen Eige »t ü m s bezüglichen Fra gen in g e - rechter und billiger Weise zu regeln. D4e Wiesbadener Konferenzen. .Benti», 2S. August. Das „Berliner Tageblatt* meldet ans Wiesbaden: Die -Besprechungen zwischen Rathenau und Kouch.em hickr« heute um V-1l llhr vormittags begonnen. Neben Racheyau nimmt von deuscher Seite nnr Kommerzialrat Gnggcubeimer an den Verhandlungen teil, die streng vertraulich geführt werden: .Das i.Berliner Tagiblatt" bringt einen' Bericht' der „Times" '■*!>!!öS, worin es beißt: Obgleich direkte Verhaildlungen zwncben Deutschland und Fran'reich nicht von allen Alliierten geine g scheu werden, sei es doch unwahrscheinlich, diß die Rera'.aüor.slommysth» irgendein llebere'mkomrnen, das zwischen Loucheür und Rathenau getroffen würde, ablehnen werde. Die Antwort des irischen Parlaments. .Paris, 26. August. (Tel.-Komp.) Die Antwort des irischenParlaments an Lloyd George wurde gestern mittags, wie bereits gemeldet, »ach Downing Street überbracht. Lloyd George ist sofort von Lhnipne nach London gereist, um an dem einbr'rüsen« Kabiuettsrat teilMnehmen, an dem sich alb P^i'Mer außer dem Lordlarrzler und dem Attorney General beteiligte«. ES wurde beschloffen, die Antwort vorläufig nicht dctannk-ngeben. Man glaubt, daß in der öffenttichen Sitzung dc« irischen Parlammts. btc heute startfindet, d e B al e ra in der Lage sein wird, mit dem Wortlaut der irische» Antwort zugleich auch die Entgegnung Lloyd Georges bekanntzirgefien. Es verlaLtet, daß diese Antwort vom engll>chen Kabinett e inst i mmr g angenommen wurde. Mitttüllllgea ans dem PMikvm. Lolo Austern Wien, M. Verlobte August 1$21 Jonas Mann V»CB, II. stts .. Verfeia ,EREZ ISRAEL*, Wien Morgen, Sonntag, den 28. d. M. im Garten und in den Sälen des Restaurants „Praterfee“ 14 Prater Hauptallee 5 (zwischen 1. und 2. Kaffeehaus) Jüdisches fest! mit anschliessendem Die Enthaftung des Generals SegrL Die Korrespondenz Herzog berichtet: Der seinerzeitige Leites der italienische» Waffenstillstandskommissto» i» Wie», Genera' S e g r s, nutz eine Reihe wit ihm verhafteter Offiziere, die fick in dem Geiangniffr von Florenz befanden, wnrde» dieser Tage enthaftet. AIS Protest dagegen hat Major Sani, der st Zusammenhang mit der Affäre verhaftet worden war, mit dertz Hungerstreik eingesetzt und ist derzeit derart herabgekommen.- daß er i« daS Militärinqnisttenfpital nach P i st 0 i a gebrach! werden mußte. Major P e u u i g l i a befindet sich noch in Haff TANZ Erstklassige Salonkapelle Rezitationen und Vorträge Diverse Belustigungen Beginn 3 Uhr nachmittags Ende ITT Karten Im Vorverkauf K 23.-, an der Kasse K 30.— Das Remertrlgnis wird znr Erhattnnf von Kursen für die jüdische Jagend zur Ausbildung ia der hebräischen Sprache und Literatur verwendet 7 9110 M ... - ♦ ♦ ♦ -♦ ♦ Tagesbericht. Bor dem Xll. ZioniftenLongreß. London. 25. August. (Jiid. Korr.-Bur.^ Wie aus N e iv- I 0 r k berichtet wird, hat eine Berfammlimg der gewählten Delegierten zum Zionistmksngreß beschloffen, nnter anderem folgende zwei Hauptforderungen am Kongreß zu vertreten: T. Uebersiedlnng dcS Hauptquartiers der zionistischen Organisation von London nach Palästina. 2. Vergrößerung der zionistischen E x e k u 1 i v e von 5 auf 9 Mitglieder. London, 25. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Das Zentralbureau der zionistischen Organisation wurde für Kongrcßdauer nach Karlsbad verlegt. W e i tz m n n n und S 0 k 0 l 0 w befinden sich bereitin Karlsbad, Jabotinfky »nd Coven folgten ihnen Dienstag den 23. h, M. dorthin, da vor der Eröffnung der KongreffeS noch wichtige Konferenzen «ad Borbereityngur stad finde» dürste». ^_- '' Oberst Patterson in Karlsbad. Aus London wird berichtet: Oberst Patterfö«, der bekannte Kommandant der Legion, begibt sich nach Karlsbad, wo er alS Gast dem zionistischen Kongreß beiwohuen wird. Oberst Patterson, drffen Zionistensrenndlichkeit bekannt ist und der auch bisher schon der Sache deS Wreoeraufbanes Palästinas wertvolle Dienste geleifiet hat, interefsiert sich ganz besonders für den Kongreß der jstdischm Sportvereine und deren Beranstaltunzen' welche während der Tagung d«S Zionisteukongreffes in Karlsbad siattfinden werden. Ein „teatfcher Forscher". Adolf Bartels, der berüchtigte Indensress.'c unter den deutschen Literarhistorikern, die Leuchte alles dessen, was da in deutschen Landen ,Heil!" brüllt und aufs Hakenkreuz schwört, hat, emsig wie er ist, wieder ein neues Werk vvn sich gegeben, bas sich „Me Mngsteu" nennt Mb den iHonderab druck aus einem anderen seiner „wissenschaftlichen"; Werke barftellt, deren eingestandener Zweck es ist, „eine genauere Darstellung der Fndenherrsthaft" zu geben, sich dabei aber „wissenschaftlich" ans Tatsachen zu beschränken. D'ie Wissenschaftlichkeit dieses „Forschers", dessen Originalität in seinem, Sitzfleisch lokalisiert zu sein scheint, sieht zum Beispiel folgendermaßen aus , Gustav Metzrint ... Er hat der Redc.ki.wn deS S.emi-Mrschner die ehrenwörtliche Erklärung abgegeben — sie hat mir Vorgelegen —, kein jüdisches Blut in den Adern zu haben. Fr. Rauschenberg behauptet aber... er sei der uneheliche .Sohn einer jüdischen. Schauspielerin.... Doch' wird jeder, der M. nach seitten Werken beurteilt, ihn für einen Juden erklären. Th'o mas Mann... heiratete die Dichter des jüdischen M'athematikprosessors Pringsheim... In den Buddenbvooks läßt er eine alte deutsche Familie durch eine halbjüdische unterkriegen und regt sich darüber nicht auf... Ich vertrage solche Dinge nicht. A n lg u. st S t r a m nt : Das Bild,, das ich' von Stramm gesehen, ließ mir ihn als Juden erscheinen. Bon Rudolf Borchardt weiß ich noch' nichts. Jude wird er ja sein. Heinrr'ch Mann, der ältere der beiden Brüder, die, weil sie eine portugiesische Mutter habe«, dem Jndenttrm so nahe gekommen fmb. So geht es lustig weiter in der raffereinen „Wiffenschaff'. Man braucht imr zu bedenken, daß die Brüder M a n n. zu den feinsten Künstlern und de« repräsentativeffl Schriftstellern der gegenwärtigen deutschen Literasttr gehören, um ei« Bild von der ästhetischen Einfühlungsgabe und der geistigen Höhe dieses Gesinnungsgenosse« unseres Waber g« empfange». Ob es, nebenbei bemerkt, wohl den Brüdern Mann unter den gegenwärtig tu Oesterreich herrschende« Umstände» gelänge, nach ,Masse und. Sprache" zu optieren- Die Posidie-stLhle. Verhaftete Vriesmarder. Seit, jeher biLeten die Geldsendungen aus dopst Ausland eine starke Versuchung für diebische Post» bedienst^de. In den letzten Tagen hatte sich! die Polizei.' behörde mit zwei solchen Fällen zu befassen. Der erste Fall betrifft den 84jährigen Briefträger AntonWo relh Klausenbrrrgerstväße Z0 wohnhaft, der gestern wegen Spoliiermrg von Briefen dem Lairdesgericht eingelieferj wurde. Er war seit eineinhalb Jahren bei dew Post» amt,76 in Favoriten als Briefträger in Verwendung.! Bei der Vorstehuug liefen seit längerer Zeit darübe» Beschwerden ein, daß angekündigte Ausländsbriefe nichit eingetroffen seien. Nach längerer Beobachtung wurdst Worel als Schuldiger ermittelt. Eine m seiner Wv-h) ltttng vorgenommene Durchsuchung hat den vollgültig^ Beweis seiner verbrecherische» Machenschaften erbracht. Man fand zahlreiche ausländische Briefsendungen, Brie^ antwvrtscheine, einige Zehnmarknvten, Klebstoffe, zei> rissene oder ausgeschnittene Briese mrd in der Hechaschej halbverkohlte Reste von Briefen. Durch diese belaste»^ den Umstände überwiesen, mußte Wvrel zu einem Ge^ ständnis schreiten und zugeben, daZ er seit einem Jah^ die ihm zum Austragen übergebenen Briefe vorhep in die Wohnung gebracht habe, wo vr sie mit eütftj Haarnadel seiner bei der Manipulativ» anwesenden! Gattin, der 24jährigen Emma Worel, öffnete und ihnen) fremde Valuten, wie- Mark, Lire, holländische Guldev! und schwedische und tschechische Krone» entnahm^ Oesterreichssche Roten entnahm er den Briefen n»Ä dann, wenn sie mehr als 100 Kronen aUsma'chten. Kleinere Noten legte er wieder in den Umschlag, klebte! dann den Brief zu und beorderte ihn weiter. Di übrigen Briefe verbrannte er. Nach seinem eigenen ständnis hat er Valuten im Werte von mindesten^ 60.000 Kronen Unterschlagen. Die Nmwechslung Valuten besorgte seine Frau bei einer Banffiliale Favoriten. Den Erlös verwendete er pm Besuch vouj Kinos und zu Praterausflügen sowie zur Anschaffturgi von Kleidern, die auch' in seiner Wohnung gefunden mtfcj beschlagnahmt wurde». Emma Wvrel, dann ihr«) Schwiegermutter, die 63jährige Private Anna /Worek^ die mit ihm wohnt, «nd die als ihre Schwiegertochter erkrankte, für sie die fremden Valuten umwechselte, so^ wie die Mutter der Emma Wvrel, die 48jährige Privat^ Hermine Starka, 10. Betz., Herzgasse 74 wohnhaft die auch von den llnterschleisen gewußt und Lebensmittel bezogen haben dürfte, wurden der Staats^ anwaltschaft angezeigt und auf freiem Fuß belassen. Der Zweite Fall betrifft den 36jährigen Postvfftzial Johann Rad inger, der dem Postamt 76 (Südbahnhof) zNgeteilt war. Nnmitt^lbar nach' dev Ankunft der Bahnpost Marburg—Wien erstattete gestern der Offtzial Friedrich Als cher gegen ihn beim Vorstand des Pistamtes 10 die Anzeige, baff er Briefe spvliiert haben dürfte. Radmger wurde, als er das Mut mff feinem Rucksack verlaffm wollte, angehalten und aw Ort Und Stelle einer Leibesdurchsnchung -unterzogerr. Man fand in seinem Rucksack einen spvliierten Geldbrief mit 48.000 Zkronen Inhalt und mehreren Mark- und' Franken scheinen. Die Valuten dürften auch aus spvliierten Briefen herrühren. Während der postamtlickM Untersuchung zog Radinger unbemerkt sein scharst geschliffenes Taschenmesser nnd^ brachte sich mit ihm . am Kehlkopf eine lebensgefährliche Schnittwmrde bei. Er stürzte blutüberströmt bewußtlos zusammen Und wurde ins Wiedener, Krankenhaus gebracht, wo er sofort einer Operation unterzogen werden mußte. Bei der von der Pollzeiinspektion Südbahnhof m seiner Wohnung tat Favoriten vorgenomMnen Durchsuchung, der ein Postbeamter beiwohnte, indem drei spoliierte geivöhnliche Briefe, ans " denen die beigelegten Mldbetrüge fehlten, gefunden. Aus den Umständen kann geschlossen werden, baff Radinger sich! scho-rr seit längerer^ Zeit mit der Spolii«rnng von Briefen besaßt fiat. Die weitere Untersuchung ist im Zuge. * Beflagg««g der öffentliche« Gebäude, llefier Beschluß des wdnlficrratcs werdm Mowaa den 2^. d. M. «ms Anlaß der Uebernahme deS BmgmlanveS alle öffentlichen Gebäude beflaggt werde». * Einführung eine» neuen Nsrmallehrplane» a« Handelsakademien. Mit Beginn des ScbuliahreS 1981/Ä2 gelangt zuncichst in den ersten Iahraangm dieser Fachlefiransiatten und dann auisteigend ein neuer Riirrnallebrvla» a» Stelle des bisher in Dertvendlmg gefiandenm vvovisorischen Lehrplanes aus dem Jahre 1S03 zur Einführung. Gegenüber diesem unterscheidet sich der neue Lehrplan, ohne die spezifisch kaufmännischm Fächer, ,m schmälern, hauptsächlich durch die größere BerEchligung des Unterrichts in der deutschen Sprache, in der Mathematrk «nd mi den nätmwiffmschafllichen Fächern. Diese Gegenfiaude werden nunmehr in ernem Ausmaß gelehrt, das jenem der allgemeine WZssssmsig It 8M0 aus original englischem Schafwollstoff -- Einzig in ganz Wien! — bei HEINRICH WEINBERGER JU9 SKK»«zUBv»'»S«»«»«d IVsr» 4S