Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 928 (27.8.1921)
- Date
- 1921-08-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr, 928 Jßbn, Samstags;-,r n;? Wa^g^’t. f. Wke«er MorsevzeitzE^ iftAnyTiirrrt^n W «raanfoa 27?«nW"lE ...» ,; Sette t\ Sit Kl,rick Ks SkpMeä. BestreLUnTien entgegeSrMreterr. Auch die SfarttoenMßfetf •eiltet engen Jnteressengemeinschast Mischen Frankreich Md dem BaLiran im Orient wird in diesem Zusamrnmenhang betont.! •.•!,•• •__ Die Beschlüsse der i«ternationale« Wuswanderungskowmission. AuS Genf wird vns berichtet: Die hauptsächlichen De« Müsse der internationale» AtlSwanderungSfommisfion wahrend ihrer Tagaua in, Genf lassen sich in drei Kategorien gliedern: Der erste Beschluß bezieht sich aus dir internationale Statistik und die Schutzmaßnahme» der einzelnen Länder im Interesse der Auswanderer. Die zweite Kategorie umfaßt die speziellen Fragen, so beispielsweise die Löhne der fremden Arbeiter, die Verantwortung für die Krankheiten, die sich die Arbeiter in der Fremde zuzirhen, dir Mitwirkung der Heimatinnrer der Auswanderer bei den Arbeit,rfchutzmaftnahmen der rezipierend,» Länder. Diese Fragen werden einer großen Kommission zugewitsen. die neben dem internationalen Arbeitsamt funktioniert. Die dritte Kategorie regelt die Evidenz- Haltung deS AuswandererfchutzeS. Namentlich wird die gleiche Behandlung der Auswavderer ausgesprochen und werden die Fragen der Untervrmguitg der Mastenwerbnng. der Au§- > «ander ungsrouteu,' der Häfen und der AuSwandernngsagenten geregelt. Das Prinzip der gleichen Behandlung hatte fcho« in Washington de» Gegenstand der Be-han-lung gebildet, dirSiuziiglich war die vollständige Reziprozität angenommm worden. Bei all diesen Beschlüsse» wurde jedoch anerkannt, daß jeder Staat, der Auswanderer bei sich aufniwmt, ans feinem eigenen!Gebiet allein kompetent ist, was sich besonders auf die ärztlichen Visitation.» und die sonstigen Hafenrevisiouen bezieht. Die neue rnsstsche Wirtschaftspolitik. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung meldet aus DerioLi: Der Rat der Volkskommissar» veröffentlicht Richtlinien zur neuen Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung, über die die breite Masse der $om* munisten und die Sowjetangestellten bisher nicht genügend klar waren. Die frühere Bielherrschrft in der Wirtschaftsverwaltuug müsse abgeschafft und das Deranttwortlichkeitsgesühl und das persönliche Interesse jedes einzelnen Produktionsteilnehmers wachgerusen werden. Nunmehr soll die Selbständigkeit der Wirtschaftsbetriebe gefordert werden. Die gesamte staatliche Versorgung der Arbeiter müsse zu einer Entlohnung umgestaltet und mit der Produktivität in Einklang gebracht werden. Die Leitung der staatlichen Betriebe müßte nach' kauf män n ischen Grundsätzen geführt worden. Gleichzeitig müßte cher Staat von der Leitung zahlreicher Betriebe da-' •durch entlastet werden, daß entschlossen mit der Bev. Pachtung derselben begonnen werde. Die Betriebe, die weder verpachtet noch' vom Staate weibergeführt werden könnten, müßten geschlossen werden. Die Entwicklung des Handelsverkehrs erfordere die Hebung der Kaufkraft des Rubels. Das zweite Jahr des oilmsW irr Angarn. ' AuZ Budapest wirb uns gemeldet: Das n-Äe'Schuljahr steht wieder vor der Tür und der Numerus clausus mit allen seinen Begleiterscheinungen macht sich sowohl auf jüdischer als auch auf christlichnationaler bite in verschiedener Form fühlbar. Jeder Jude, der im •a&gelaufenen Semester nicht bereits Hörer der Universität oder einer der Hochschulen war, wird, wenn er sich zur Inskription meldet, alle Torturen des Rechtfertigungsverfahrens durch-znmachen haben, wenn es ihm nicht gelingt, in der heute in Horthy-Ungarn Üblichen Form und mit nicht geringen Mitteln sich die Protektion eines einflußreichen „Erwachenden Magyaren" zu sichern. ^Die „Erwachenden" haben sich bereits auf daS Geschäft eingerichtet, und während die großen Führer bei reichen Juden, Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden die Stellen von erträgnisreichen, erpresserischen Protektoren bekleiden, gibt es heute auch unter den „erwachenden" Studenten schon eine hübsche Zahl von Rechtfertigungseideshelfern, die für mehr Geld als gute Worte den reichen Mischen Studenten zur Aufnahme in die alleinseligmachende Budapester Alma mater verhelfen. Die Nachftage nach solchen verläßlichen Rechtfertigungszeugen ist natürlich sehr groß, denn nach den Bestimmungen des Numerus clausus können im kommenden Schuljahr in das erste Semester der medizinischen Fakultät im ganzen 2 6 jüdische Studenten und vier jüdisch e St udeutinnen Aufnahme finden. Bedenkt man, daß vor dem Zusammenbruch im alten Ungarn die Zahl der Mediziner im ersten Semester an der Budapcster Universität 1400 betrug, von denen 800 jüdische und 600 christliche Studenten waren, so versteht man die ganze Bedeutung der Tatsache, daß nunmehr auf Grund eines Gesetzes nicht mehr als 30 jüdische Studierende in die medizinische Fakultät ausgenommen werden dürfen. Man hatte angenommen, daß die Handhabung des Numerus clausus eine europäischere, humanere werden würde. Das Gegenteil davon ist jedoch der Fall. Abgesehen davon, daß der größte Teil der Universitäts- Pro ftssoren, die der christliche Kurs auf der Lehrkanzel duldet, völlig im Dienste dieses Kurses aufgeht, stehen diese Professoren ganz unter der Kontrolle der „erwaMtzden"^ maavarilchen Studentenschaft. Wie uns avs Oebvnburg berichtet wird, wirb' sich die Uebergabv der Regierungsgetvalt an Oesterreich, welche bekanntlich auf den 29. d. M-, 4 Uhr nachmittags, festgesetzt ist, in folgender Weise vollziehen: Die Uebergabszeremonie wird sich im Deutschen Hause (Szechsnyt-Palais) abspielen, und zwar wird irr dem «inen Zimmer der bevollmächtigte Vertreter Ungarns, Graf S i g r a y, Dentschwestnngarrt an die interalliiert Militärmission als Vertreterin der Entente .übergeben, worauf in einem anstoßenden Zimmer dev Vertreter Oesterreichs, Sektionschef Dr. D a v y, das Land ans den Händen der Ententevertreter übernehmen wird. Es wirb daher eine Berührung der Vertreter Oestorreichs und Ungarns vermieden. A«g»vische Hetzerele». Von gewissenloser Seite werben in Oedenburg Gerüchte verbreitet, wonach nach! der Uebergabe von Oesterreich Lebensmittel in solcher Menge nach Oesterreich gebracht werden, daß die Versorgung der westungarischen Bevölkierung gefährdet werden könnte. Lanbesverwalter SekttonSchef Dr. D'avy äußerte sich' gegenüber diesen Gerüchten in folgender Mist: „Die Versorgung der weftungarischtzn Bevölkerung wird dadurch gewährleistet, daß die Ausfuhr von Lebensmitteln nach Oesterreich nur mittels AuSführet laubnissen erfolgen darf. Solche Erlaubnisse D're Abhängigkeit der Professoren und der gesamten I Unterrichtsverwaltung von den weißttrwristischen | Studenten wird am krassesten durch beu Vorgang bei der Jnskriptton an der Technischen Hvchschule in Budapest gekennzeichnet. Nach der Verordnung des Unterrichtsministers hat an jeder Fakultät eine dreigliedrige Pro ses so renkommission die einlaufenben JnskriptwnsanmeVmngen zu überprüfen, das Rechtfertigungsverfahren durchzuführen und über die Gesuche in erster Instanz Beschlüsse zu fassen. An der Technischen Hochschule, wo die christlichnationalen Studenten eine festgefügte militärische Organisation bilden, haben es diese durchgeseht, daß neben den Professorenkdllegien auch je ein Vertreter der studentischen Organisationen an dem Rechtfertigungsvcrfahren teilnehme. Inland. Besuch des Ualirnifchen Außenministers im Wie«. Köm, 26. August. Die Aoerisia Stefan! meldet: Minister deß Aerrßern Marchese della Torretta begibt sich dcmrtiichst in Privatangelegenheiten nach Wien, wo bereits fkine Gemahlin weilt. Der Minister wünscht auch, sich von der österreichischen Regierung z« verctbschicden, da ihm dies vorher nicht möglich grwesm ist. Bekanntlich hat Marchese della Torretta als Botschafter in Wim während eines Pariser Auserthaltes die Berufung erhalten, dem neuen italimischen Kabineü anzugehöre«, und hat sich von Paris direkt nach Rom begebm. Die Lage in Rußland. Arrgenügerrds A-tteferurrg von Brotfrircht. Mssknrr, 96, Augyst. DaS HilfSprograrnm hatte für August eine Ablieferung von 5 M i l l i o n e n P u d Brotfr n ch t vorgesehen. BiS zmn 25. August liefen jedoch nur 1,300.030 Pud ein. In 24 Gouvernements wurden nur rund 60«/» abgebesert und i« N Gouvernements «och weniger. Ln verschirdeam Otten warben saumselige Bauern mit einem Jahre Kerkers und Beschlagnahme der versteckten Lebensmittel bestraft. Eine Anzahl Ablikserungskonmuffäre wurde wegm Mi ßb r a u ch S der Amtsgewalt und wegen Ketten« houdcls verhaftet. Die ausländische tzilse. Moskau, 26. August. (Fualsprnch.) Der Internationale Giwerkschaslsverband hat für bte Hungernden 30 Millrone « Rub«l zur Bufitgang gestellt. DaS amerikanische tzillSkomitce >n TistiS hat Kleider und Wasche i« Wette von b Millionen Rubel gespendet. Die ersten ansländischen Lebensmittel. London, 86. August. (Fnnkspruch.) Der erste Zug mit ausländischen Lebensmitteln ist in den Hungergebirten Rußlands emgelt offen- Eintarrge» von Saatgut. Moskau, 36. August. (Fmrkivruch.) Die Sendungen von Saatgut in die Hungergebiete haben in den letzten Tagen bedeutend zugenommen. Bis zum 23. d. M. wurden aus der Wolga 9,830.000 Pud abgesmdet, so daß die Bevölkerung an den Ufern der W o l g a und Kama über ihre Zukunft beruhigt sein kann. In den nächste» Tage» treffen in Reval 1800.000 Pnd Brvtfrircht ein, die ausschließlich zur Aussaat ve-wendet werden soll««. D-e Sowietcepircung hat bereits ihre Waggonnach E st l a n d gesendet, nm daS/ Getreide in mi b 6 drei Wochen UAä M1M-LL Massen.. tvvrhen nstr nach' Sicherstellung der Bttsovgkng Mst,: Ungarns gewährt werden. Ws nach Oesterreich Rei-' senden werden daher kontrolliert werden, und zwar wird! die Revision im Zuge und wahrend der Fahrt erfolgen.^ Ein Grund zu einet: Beunruhigung der Bevölkerung ist nicht gegeben. Pntfchversrrche der „ErwschenÄen" in Weftungarn. Oeden-urg, 25. August. (Ung. Tel.-Kor.-Bm.) Das zm - Vertedigung der Rechte W.stungarns gebildete lOOgtiebrtße: Konntet hatte tür Mittwoch den 24. d. M. eine Sitztmg in Oedenbutg angesevt. In diüer hätte der Beschluß gefaßt werden sollen, daß die Jntezrität WestungornS mit allen zu Gebote. stehrnd'N Mitteln geschützt und, we«n nötig, auch zu den Waffen; des Wrderstandes gegriffen werde. Sobald die Rrgiernnas»! behörden i» Erfahrung gebracht hasten, daß die Versammlung sin berufen wurde und stch anschickte. Beschlüffe in diesem Sinne! m fassen, trafen sie unverzüglich Maßnahmen, die Abhaltung der | Versammlung zn verhindern. Den behördlichen Organen wurde; dre strenge Weisung etteilt. die Versammlung nötigenfalls auch / mit Brachialgewalt anfzulösen. Dis Aedernahme der Staatspolizei in Ordenbürg. Für die Uebernahmv her OedenWrger Stav'ts-! Polizei find 150 Mann der Wiener Polizei zu Fußij und 35 Mann Berittene in Aussicht genommen. > Dir Unruhe« in Indien. Londov, 26. August. Wylff.) Nach Berichten aus;6 dem südinbischen Wrfstandsgebiet, bas 3000 bis^ 3000 Qnadrvtmeilen umfaßt, Hai sich d^ Lage vev-i schlimmert. Man schätzt di« Zaßl der dort üms' Leben Gekommenen auf «te|c als 1000. Die« Mvplas rücken sengend inndpclü»rderud gegow! Kalkutta vor. '.rüJ-.',.. ■ 1! < Lsnvo». 26. August. (Trl.'Kümp.) Die letzten Nachrichten i aus Jnd'm lassen et kennen, daß in der Grgeud von K a l i k u tin der Ansdrhvung von 60 bis 70 Quadratkilome^r hellet Auf-! rühr herrscht. Die MoplahS verwüsten die Gegend, plündern? ltnb verbrmnen ganze Ortschaften und ermorden zahlreiche Ein-1 wohn«. In Kalkutta selbst erwartet man eine» Angriff, alle Läden; sind geschloffen, die Aufständtschm habe» Ä» Fahne d esl Kalifen gehißt. . Kriegsercht im Aufstands gebiet. L»«b«A, 26. August. (Funkspruch). Nach Malabar! sind TmvpenverstSttungen entsendet worden. Ueber das Auf'l standsgebiet wurde das Kriegsrecht verhängt. Mehrere! Offisiere und Soldaten werden vermißt, viele Eingeborene fins l verwundet. Das Abkommen Mischen Frankreich nnd Angora. Paris, 86. August. (Woiff.) Aus London wird! berichtet: N achrichten aus Angora zufolge hat die kemalistische1 Regiermg ohne Befragung der Nätionalversammlnng die neue! Abmachung zwischen B e k i r S a m i Beh nnd Frankreich? mir Ausnahme einiger Klaust!«, die mit Zugeständniffen m] Z«fa»menha«g stehen, ratifiziert. in Jerusalem. Jerusalem, 26. August. (Füd. Korr. .Dur.) Die rntlaffevenl jüdischen Telephonisten und Telegraphisten hielten unter dem' Vorsitz der Sekretärdes Waad Leumi eine Versammlung ab! und wählten eine» Siebmrrausschnß, «m über die Schritte, die' in ihrer Angelegenhvt zu »«trrnehmen seien, Beschluß zu fasten.! In dar Komitee wurde als Vertreter der Arbeiter Beu-Zwi mb1 als Vetteeter des Waad Lenmi Mr. Heitman» gewählt. Die lettischeAegiernng läßt bie lettischen Inden weiter «eicht ins Land. Arg«, 35. August. lJüd. Korr.-Dur.'! Der offiziellen! ^Jswestija" zufolge, richtete Tschitichettn eine offizielle Prokestnvtea« die lewsche Regierung gegen die R i ch t a n f n a h m e der lettischen I u d e n, die währeud deß Krieges i»S Innere Nnhlauds verschleppt wurden vnd nun nach Lettland wieder! hrimzntehren wüm'chm Die meisten Heimkehrer kommen ans be»; russische Hnngeraebrete«. Drstenungeachtet hat die! letttsche Regierung den j ü d i s ch e n Heimkehrern, dir in Rrschitza! an der Grenze emtrafm, den Einlaß ins Land v e r-: weigert »nd sie »ach Rußland zurückgeschickt.' Teeill — Berichterstatter über Wilna.; Dtockholnt, 26. August. (Wvlff.) Wie „Social-! demvkraten" erfährt, dürfte Lord Cecil zum Bericht-j erstatber in der Wilnaer Frage ausersehen werden. . / End« des polnischen Gisenbahnerstreiks.! WarschM, 25. August. Dank der Intervention! der Minister Trzcinski und Davo wski ist der Visenbahnerstreik in Posen und Danzig beendet? Oer Verkehr wurde heute um 2 Uhr nachmittags; wieder ausgenommen. TelegraMme.