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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-27 · Heft 928 (27.8.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 928 (27.8.1921)
Date
1921-08-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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.[AiiVu Wie«, Gmistsg Mit einem von 33°/» «m steigenden Zoll belegt, kann auch gänzlich untersagt werden. Der zweite Abschnitt besagt, daß Gegenstände, deren Herstellungskosten geringer find als in England, mit 33prozentigem Zoll belegt werden. Der dritte und einschneidendste aber bestimmt. daß Waren aus Ländern» deren Valuta «gegenüber der Vorkriegszeit und der englischen Valuta um mehr als 50% gesunken ist, gleichfalls mit hohem Schutzzoll belegt werden. Dieser Absatz hat speziell in Frankreich größte Erregung hervorgerufen. well er die französische Industrie :ebenso hart, vielleicht härter trifft als die deutsche. .Vergebens hat sich Frankreich bemüht, England zu veranlassen, das Gesetz nur auf deutsche Waren zu erstrecken, und als dies nicht gelang, speziell Frankreich als engsten Bundesgenossen vor den Folgen des .Gesetzes zu sichern. England ist dabei geblieben, das!„dmnpmg* abzuwehren, woher es auch kommen mag. ^Selbst den englischen Dominions gegenüber gilt das Gesetz. Es ist klar, daß das neue englische Gesetz nicht nur schwere Absatzkrisen zur Folge haben, sondern bald Nachahmung finden wird. Wie es auf die deutsche Industrie wirken wird, läßt sich jetzt nicht sicher seststellen. Daß es aber keineswegs das Verhältnis der beiden Staaten bessern wird, ist klar. Vom englischen Markt abgehalten, wird Deutschland desto giftiger auf anderen Märkten arbeiten und dort wieder mit den Engländern zusammenstoßen. Dar englische Anti - äumpmz - Gesetz, welches unter geringer Aufmerksamkett der europäischen Oeffentlichkett und ziemlich geräuschlos ins Leben gerufen wurde, birgt große Gefahren in sich. Nicht allein ein neuerlicher Konflikt, eine neuerliche Verschärfung des Verhältnisses zu Deutschland ist zu befürchten. Es kann, wenn England sich nicht in. dessen Anwendung Mäßigung auferlegt, einen Wirtschaftskrieg fürchterlichster Art herausbeschwören, welcher über die geschwächte und gequälte Menschheit neues Elend in Form von Krisen, Arbettslofigkeit und Hunger bringen wird und überdies zu neuen gefährlichen politischen Wirren führen kann. Produktive Ostjudenfürsorge in Deutschland. In den.Sozialistische« Movat-hesten* vo« 15. d. M. erörtert Alfred MarcuS die Grundlage» der produktiven Fürsorge (das ist derjenigm Hilfstätigkeit, welch« darauf ausgrht, ihren Objekten wirtschajtlkche Seldstündigkelt zu schaffen und sievon der s ch u e l l e » Hilfe unabhängig zu .mache»), wie sie vo» dem überaus verdienstvollen Jüdische« ArbertSamte m Berlin für die oftjädrschen E n- Wanderer geübt wird. Die Regierung, wirtschaftlich einsichtsvoll, wrißwir nützlich eine solche Eingliederung der Lnwanderer in das normale Wirtschaftsleben dem Staate ist, und unterstützt diese Bestcebunge», im Gegen «atz zu den wirtschastspolitisch unfähigen Schikanen anderer Staaten. MarcuS lagt unter «itbciem: DaS HaUp'tkontirrgent derer, für die eine produktiv« lFürforgetätigkeit ausgeübt werden kann, stellen naturgemäß diejenigen, die für die Unterbringung irr irgendeinem Angestellten-, respektive LohnarbeitsverhLltniS in ideutschen Betrieben in Frage kommen. Die Schwierigkeiten, die der Ausdehnung solcher Tätigkeit auf Ostjuden entgegenstanden, waren sehr groß. Ist es doch -eine bekannte Tatsache, daß über die Berufsschichtung der Ostjudev im allgemeinen und über die nach Deutsche ftand einwandernden im besonderen in der öffentlichen Meinung die bedauerlichsten Jrrtümer verbotet und 'so fest eingewurzelt sirch, daß es mühseliger Aufcklärungsarbeit bedurfte, hierin Wandel zu schaffen. Man neigte in Deutschland zu der Annahme, daß fast sämtliche Juden in Handelsberufen tätig seien, daß sie -nichts anderes könnten als handeln, vermitteln oder 'schieben, und daß sie eine starke Abneigung gegen ßede irgendwie geartete körperliche Tätigkeit hätten. ES -war zu zeigen, daß diese Ansicht ebenso fehlgeht, wie 'sie bei den Durchschnittseuropäern verbreitet ist. Wir 'könnten heute sagen, daß man der Lösung dieser Aufgabe in den letzten zwei Jahren bis zu einem gewissen Grade nähergekommen ist. Namentlich in der Berufsgruppe, für die man in Deutschland dem Ostjuden die Eignung von vornherein abzusprechen pflegt, nämlich; in der landwirtschaftlichen Arbeit jeder Art, sind, erfreuliche Erfolge erzielt worden. Eine große Anzahl vstjüdischer Landarbeiter ist heute auf deutschen Gütern beschäftigt, und zwar zum überwiegenden Teile durchaus Mr Zufriedenheit ihrer Arbeitgeber. Das Ansteigen der Tätigtzitsziffer für die Berufsgruppe Landwirtschaft vom Jahre 1919 bis zum Jahre 1920 um üb«r '20. Prozent ist zum guten Teil auf die Tatsache zurück- Huführen, daß Leut«, die im Sommer 1919 zum ersten -Male auf deutschen Gütern gearbeitet hatten, auch im .Jahre ).920 ttie&er aus diese zurückgingen und neu« iLeute nach sich zogen.;; Damit kommen wir auf einen sehr wesentlichen .Faktor in der Arbeitsbeschaffung für Ostjuden, der 'diese in ganz grundsätzlicher Weise von der durch die deutschen Arbeitsnachlveise und Laudarbeitsämter geübten Methode unterscheidet. Während sich nämlich die Deutschen Institutionen ün allgemeinen daraus beschränken, dem einzelnen Manne, her sich 'bei ihnen meldet, eine Stelle zu beschaffen, um ihn dann )o lange vollkommen aus den Auge« zu verlieren, bis er sich Wiener Morge«zeiL»«g Churchill HAt an der Bolfmrr- DeKlaratio« fest. Ne«erUcher Empfang der arabischen Delegation. London, 25. August. (Iüd. Korr.-Bur.) Kolomalmirüster Churchill empstng vorgestern Znm zweite« Male die arabische Delegation ans Palästina, die ihre bekannten Ernwände gegen Len Zionismus wiederholte rmd dabei erklärte, daß eine Konferenz zwischen ihr und den zionistischen Führern zu nichts führe« könne, La die zionistische Organisätion durchaus an der Balfour- DeMaration fefttzalte. Mr. Churchill betonte neuer«- dings, daß er nichLinderLagefei, die Balfoursche Deklaration ansz u h e b e selbst wenn er es wollte. Diese Deklaration besteht als Akt d es gesamten britischen Kabinetts und.könnte daher lediglich durch dieses abgeändert werden. Die Iren lehnen ab. London, 26. August. (Reuter.) 9« seiner Antwort auf daS britische Anerbieten sagt de Balera, er habe die Vorschläge der britische» Regierung dem Dail Eirann unterbreitet. Dieses Habs sie einstimmig abgelehnt, sei indessen bereit, auf der BafiS einer „Regierung mit Zustimmung der Regierten" weiterzuVerhandeln. ttrfebetttm um «ine Stelle bewirbt, hat sich' in der jüdischen Praxis ein« Form von Arbeitsvermittlung herausgebildet, die der besonders exponierten Stellung des vstjüLifchen Arbeiters in Deutschland Rechnung trägt. Wenn nämlich einem solchen irgendeine Stellung verschafft werden konnte, ging er dadurch für die Nachweismöglichkeit des Amtes nicht verloren. Er suchte stets am feie» Platze Möglichkeiten für andere ostjüdische Arbeiter, die er entweder dem Arbeitsamt selbst oder seine« Arbeitskollegen, die feine Beschäftigung hatten, direkt mitteilte. Da der Ostjude für die wirtschaftliche Situation des Augenblicks und für die Lage des Arbeitsmarktes an seinem Orte _ im allgemeinen einen guten Blick hatte, wurde dükch dieses Verfahren erreicht, daß überall da, wo tatsächlich Lücken im Arbeiterbestand des deutschen Marktes vorhanden und aus zu füllen waren, ostjüdische Arbeiter in der erforderlichen Anzahl untevgebracht werden konnten. Daß solche Zücke«, trotz der anderwärts herrschenden Arbeitsbosigfett vorhanden waren und sind, beweisen die Berichte des Nachrichtenblattes des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung. Diese Form der Vermittlung hatte aber auch vor allem den Vorteil, baß durch sie ein rein schematisches Verschieben von Leuten an Arbeitsplätze, an denen ein genügender Arbeiterbedarf vorlag, so gut wie ganz fortfiel. Differenzen mit den Landesarbeitsämtern und den Dvmobilmachrmgs stellen Sonnten aus demselben Grunde fast völlig vermieden werden, denn es wurde an der Hand dieser sehr elastischen und sich de« Tagesbedürfnissen schnell anpassenden Methode stets einer tUfcets* füllung irgerrdwelcher Landes teile, respektive Betriebszweige, mit ostjüdtschen Arbeitern vvrgebeugt. ES ist selbstverständlich, daß dieses System einen gut funktio-- liierenden Austausch der erforderlichen Informationen aus de« einzelnen Teilen Deutschlands vovauSsetzt. Dieser wird dadurch erreicht, daß die Provinzstette« des großjüdischen Arbeitsamtes, die mit den Fürsorgestellen des Arbeitsfürsorgeamtes der jüdische Organisationen Deutschlands verbunden find, alle notwendigen- Materialien, die Bebarfsverhältniffe ihrer Landesteile und eventuelle Veränderungen der politische» Situation in kurzen Abständen nach! Berlin mitteifen, von wo aus bas gesamte Material gemeinsam mit dem Urbeiterfürsorgeamt in Form eines Informationsblattes den einzelnen Stellen wieder zugänglich gemacht wirb. Besonders bewährt hat sich die oben kurz dargeftettte Methode der Arbeitsbeschaffung im rhemischwestfälisthen Jndustriebezirk. Den Bedürfnissen der dortigen hochentwickelten Industrie konnte nicht immer durch ein mehr oder minder schematisches Vorgehen der Landesarbeits ämter genügt werden. Gin großer Teil der Zechen- und Hüttenbetriebe sucht dort stets seine» Arbeiterbedarf ohne die Vermittlung der behördlichen Instanzen, sei es durch Inserate, sei es durch andere Arien der Bekanntgabe, zu decken. Dem ist durch die deutsche Arbeitsgesetzgebung insofern Rechnung getragen worden, als das Berg- und Hüttenwesen längere Zeit den Beschränkungen der Demobilmachungs- Verordnungen nicht unterworfen war. Infolgedessen gelang es, in Rheinland-Westfalen, Dausende ostjüdischer Arbeiter unterzubringen, die dort teils qualifizierte, teils ungelernte Arbeit leisten, und dfe jedenfalls hiemit erwiesen haben, das; sie auch für die Berufe der Schwerarbeit in einem weit höheren Maße geeignet sind, als man dies im allgemeinen.. anzunehmen pflegt. Allein im Bergbau sind über 4066 ostjüdische Arbeiter beschäftigt, die zum größten Teile unter Tag arbeiten und als vollwcrtch? Arbeitskräfte von ihrcir Arbeitgebern geschätzt werden." 27. August _ SlL V24H Der Derfafftr weist bann auf die bisher tw Keinem Maßstab betriebenen Versuche deS Jüdisch«!»! Arbeitsamtes hin, jüdische Handwerker zu Handwerkerprodukt iv genossen schafte» zusammenzuschließen. Versuche, die, soweit sich ein aÜMteßeendesi Urteil ab geben läßt, gut gelingen dürsten. Die in letzter Zeit sehr deutlich' hervortvetenden Tendenzen, die auf Berufs Umschichtung der Juden Hinzielen, wurden vom Jüdische» Arbeitsamt durch die Zehr stellen» Vermittlung gefördert, vor allem durch. Beschaffung von landwirtschaftlichen Lehrstellen für Palüstina- Wanderer, handwerkliche? Lehrstellen sojvie durch Ausbildung junger Mädchen in der Hauswirtschaft. Marens hebt ferner hervor, daß von den £66# Arbeitsuchenden, die sich im Jahre 1930 an das Jüdische. Arbeitsamt in Berlin gervanbt haben, nur bei ,13.5) Prozent hm Handelsgewerbe an gehörten, während nach der letzten Volkszählung in ihrem ftüheren Wohnland Rußland über 38 Prozent Juden im Handelsgewerbe tätig waren. Dies weist darauf hin, wie! schnell die Juden deS Ostens aus de« Vermittler-! berufen in die produktiven Beruft übergehen, sobald ihnen dazu die Möglichkeit geboten wich. Von diesem Punkt« aus, durch Unterstützung von' Institution««, die auf eine normal« ökonomische Schichtung der Juden hinarbeiten, würbe viel Wertvolleres zur Lösung der EinwanderungSfrage der fremden" geleistet werden als durch antisemitische..Hetze. Polttische^RMdschsu. Ausrag«» über Palästina im englischen Auterhaus. Der Jahresbericht Aber die Bee»ßalt««s Palästinas. . London, 24. August. (Privat.) I« Unterbaust richtete OrrrrSby Gon a» dm Staatssekretär für Kolonie« die Anfrage, ob er bereits m dm Besitz des Berichtes des britischen High Commissioner in Palästina über die Berwaltnag des; Landeim abgelaufmm Jahre gelaugt sei and ob die Absichtj bestehe, diesen Bericht noch vor CessionSsHluß alsWeißb » ch dem Hause vorzvlegen oder, wenn ander-, die Regierung die Absicht habe, den Bericht gleich nach deffen Einlavgeu mit Rücksicht auf die einander widersprechenden Gerüchte über die britische: Verwaltung vo« Palästina d«O e ff e»tlichkrit bekannt- -»gebe». In seiner Äiitwort erklärte Mr. Wood, daß tags, vorher r« Bericht de- Oberko«»«lffärvo» Palästina im Kolonialamt eingelaafea sei und s o bald als möglich vrröffe»tlicht werde» wird. Dir Regierung bedaure es, i daß keine Zeit «ehr Vorhände» war, da» Bericht vor Seisionöschloß de« Hause rn «a1«b-reitr». Deo offizielle Bericht Sief die Aadktef»ch««ge» r» Jaffa. I» der Sitzung de- Unterhausewurde frrrnr vn de»^ Staatssekretär für dir Kolonie» die Anfrage gerichtet, ob die! Regierung die erforderlichen Schritte «ntewommm habe, um die Waffe», welche «och immer in großen Me»gm sich bei Personen, welche hiezu nicht befugt sind, besiudnr, so rasch als möglich einjnsammeln. Ferner ob die Regiermrg gewillt fei, dem Han^e eine» ausführliche» amtlichen Bericht über dir Unters« ch nu ge v, brtreffend die bewaffneten. Unruhe» in Jaffa, ehttunlichst vorznlegeu. Auf die. Anfrage antwortete Mr. Wood, daß er nicht daran rweifle, > daß die Polizeibehörden in Palästina alle erdenklichen Schrittes unternehme», von de» »«befugte» Waffenbesitzern dieselben einz»«! sammeln. Hinsichtlich de- Berichteüb« die Untersuchnnge« in Jaffa körne Redner erst daun ein« Antwort erteilen, wenn da 3 Kolonial amt i» dm Bestde- Berichtes gelangt fein wird.; v srationaleat »der Nation »woos s« Palästina? Ormsby Gore brachte weiterin einer Anfrage <m de» Staatssekretär für Kolonien di« Grundsühe zur Sprache, laut welche» die Regierung die Schaffung ei«« gewählte»: Bertretsug-körperfchaftal- Nationalrat oder National-- versamml«ng. die als Beirat für die britische Regierung in Palästina diene» soll, herbeizufsthren gedenke. Ocmsbh Gore wollte ferner Aafklärong darüber haben, ob. v o r der bMchen! Okkupation in Palästina bloß mohammedanisch etürkische U«terta»en mit Landbesitz stimmberechtigt! warm und andererseits Christen und Inden sowie die arabischen! Bauer» vom Gesetze vom Wahlrecht ausgeschloffe» waren. Schließlich srug OrmSbtz Gore, ob eS wahr fei, daß die aus Palästina eingetroffenm moölemitische Deputation den Wunsch erneuert habe, dieses beschränkte Wahlrecht auch für die Zukunft ansrechtzuerhaltm. Auf diese Fragm erfolgte feiten« des KolvnialaniteS keiverlei Antwort. Mißstimmung irr Frankreich über Krönung FaiMs. Die Naihrtcht von der Krönung des Emir Faiful, zum König des Irak hat in Frankreich lebhaftes Unbehagen hervorgerufen und die Press« weist darauf hin,' daß die Schaffung des mesopotamisch^n Königreichs ein Werk der englischen Diplomatie sei, während voriges Jahr der Emir vom Oberkommissär für Syrien, General: Gouraud, aus Damaskus aus ge wiesen wurde. Frankreich, dürfe nicht gleichgültig bleiben, wenn jenseits: des Jordan, im Rücke» Syriens, fraukreichfciickliche Mächte zür Gewalt komnren. Einzelne Blätter befürchten, die araberfreundüchv Politik Englands könnte, den Griechen Mut machen, an di« Besetzung Konstantinopels zu schreiten, und fordern eine stärkere Zusammenarbeit Frankreichs und Italiens im Orient, um diesen

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