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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-26 · Heft 927 (26.8.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 927 (26.8.1921)
Date
1921-08-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien, Freitag Wiener Morgerrzeitrrrig 26. August 1921 Nr. 927 Seite L Telegramme Zionistenverfolgungen in Syrien. Jerusalem, 32. August. (Jüd.-Korr.-Bnr.) Der Gouverneur von Beirut zitierte drei sephardisch'e Juden, die „des Zionismus" verdächtigt waren, und erklärte ihnen, daß zionistische Betätigung in Syrien verboten sei und daß sie folglich Gefahr laufen, deportiert zu werden. Der Gouverneur von Dam a s k u s wandte sich an den dortigen britischen Vertreter wegen der Repatriierung von 169 palästinensischen Zionisten, die jetzt in Damaskus wohnen. Der britische Konsul protestierte nicht gegen diese beabsichtigte Ausweisung von Juden, sondern erklärte sich bereit, 86 von ihnen, die palästinensische Staatsbürger sind, nach Palästina zurückzu schicken. Es wird angenommen, daß diese Politik eine Folge der unaufhörlichen Beschuldigungen der Araber sei, die dazu noch von den Negierungserklärungen vom Mai und Juni unterstützt wurden, nämlich, daß die palästinensischen Inden Bolschewiken seien. Die Zionist Commission unterhalt in Syrien hebräische ^'Schulen; doch konnte der Vorsteher des Erziehungsdeparienrents der Zionist Commission keine zur Inspizierung der Schulen erhalten und sein Ansuchen um ein Visum wurde zweimal abg ewiesen. Wahlvorbereitrrnge« irr Palästina. Jerusalem, 24. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Regierung hat für den 25. d. M. ein Meeting christlicher und mohammedanischer Notabeln ein- Lerufen, um ihren Rat in bezug auf die projektierten Gemeinderatswahlen und die Frage der Erzieh u n g i n denMittelschulen einzuholen. (Aus dieser Meldung fäßt sich entnehmen, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas sich von den projektierten Munizipalwahlen fernhält, da sie ihnen vor Ratifizierung des Mandats die Legitdnität abspricht.) Intervention des Waad Leumi zrrgunste» der Ausgewiesenen («Palästina. Jerusalem, 23. August. (IM. Korr.-Bur.) Das Präsidium des Waad Leumi erhob beim High Commissioner Einfpru ch gegen die im Zusammenhang mit den Mai-Geschehnissen erfolgte Ans Weisung jüdischer Arbeiter ans Palästina. Der Waad Leumi wies darauf hin, daß die Ausweisungen jeder rechtlichen Grundlage entbehren und insbesondere die Ausweisung jüdischer Arbeiter aus Palästina der Idee eines jüdischnatwnalen Heims widerspreche. Ueberdies befände, sich unter den Ausgewiesenen eine Anzahl vttvmanischer Staatsbürger. Der High Commissi)ner nahm die Ausführungen des Präsidiums des Waad Leumi nicht zur Kenntnis, versprach bloß, daß denjenigen Ausgeiviesenen, die ottomanische Staatsbürger sind, die Erlaubnis zum weitere» Verbleiben im Lande werde erteilt werden. Die arabische Delegation bei Churchill. London, 23. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Kolonialminister empfing im Parlament die arabij.he Delegation, welche ihm folgende Forderungen überreichte: 1. In Palästina soll eine nationale Regierung gebildet werden, welche einem von den Völkern, die schon vor dem Kriege in Palästina gewohnt haben (Christen, Mohammedaner und Juden), gewählten Parlament verantwortlich ist. Die Zusicherungen, welche im Jahre 1915 in dem Vertrag mit König Hussein von Hcdschas den Arabern für ihren Kampf gegen die Tütken gemacht wurden, sind von England zu bestätigen. 2. Der Grundsatz der Schaffung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina ist abzuschasfen, da er mit der Sicherung der Rechte der Araber nicht vereinbar ist, indem zum Beispiel in den Staatsänltern Inden in größerer Zahl ausgenommen werden als ihrer Bevölkerungsquole entspricht, und indem die Exekutive und Gesetzgebung im Lande den zionistischen Führern übergeben wurden. 3. Die jüdische Einwanderung nach Palästina ist bis zur Schaffung einer nationalen Negierung und der Schaffung von Gesetze:: zur Regelung der Emigration, entsprechend der Aufnahmsfähigkeit des Landes gänzlich eiuzustellen. 4. Alle Gesetze, welche seit der Okkupation des Landes erlassen wurden, sind abzuschasfen; es sollen'bis zur Gründung der Rationalvegierung keine neuen erlassen werden. Koloiu'almiuister Churchill anwvrtete der Delegation, er werde alles tun, um die Forderungen der arabischen Delegation zu erfüllen, er finde jedoch nicht, daß zwischen den Grundlinien des Vertrages vom Jahre 1915 mit König Hussein und der Verpflichtung der Regierun gegenüber den Juden ein Widerspruch bestehe. Die Delegation wird von Churchill noch einmal empfangen werden, um die einzelnen Fragen zu erörtern. AntijüÄische Pressehetze ta Bagdad. Jerusalem, 23. August. (Jüd. Korr-Bur.) Meldungen aus Bagdad zufolge hat die dortige Presse seit Berlin» 25. August. (Wolff.) Der Friedens- Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und den Vereinigten Staaten von Amerika ist heute nachmittags uw S Ahr vom Reichsminister des Auswärtigen Dr. Rosen und dem amerikanischen Kommissär Dresel unterzeichnet worden. Der Betrag besteht aus drei Artikeln. Im Artikel I verpflichtet sich Deutschland, den Bereinigten Staaten alle Reite, Privilegien. Entschädigunsen. Wiedergutmachungen oder Vorteile, die in den gemeinschaftlichen Beschlüßen deS Kongresses der Vereinigten Staaten unterzeichnet sind, einschließlich aller Rechte und Vorteile, die zugunsten der Verr-mgten Staa'en im Vertrage von Versailles festgesetzt sind, zu gewiihren. Der Artikel H behandelt die Verpflichtungen Deut'chlands, die ihm aus diesem Vertrag« eiwaÄsen. Danach verzählen die Bereinigten Staaten auf die Tcäe 1, 2 und 3 des Friedens- Vertrages von Versailles, auf den Teil t bis auf den Abschnitt 1 und auf den Teil 7 des Versailler Vertrages. Dagegen behalten sich die Vereinigten Staaten vor, an der Wiedergnlmachungs- Hchkawpagnc e'ngc e' et. Die arabische Zeitung „Diglah" hat den Reigen gegen die zionistische Bewegung eröffnet, worauf auch andere Blätter ihre Spalten mit antijüdischen Artikeln aus der arabischen Hetzpresse Palästinas füllen. Ein Bostsner Irrde — Direktor des Außen- und Innenhandels Ln Amerika. Einer Meldung aus Washington zufolge, wurde ein Bostoner Jude, Professor Julius Klein, vom Präsidenten Harding zum Driktor des Bureaus für Außen- und Innenhandel bei der Regierung der Vereinigten Staaten ernannt. (I. C. B.) Die Emigrativn ans Rußland durch Polen. Warschau, 24. August. (Privat.) Die in einem Teil der polnischen Presse zu Hetzzwecken gebrachten Alarmmeldungen, daß infolge ungenügender Grenzsperre Polen von Emigranten aus Rußland überflutet und •jou «einer „jübisch-bo sch e w rkischeu Jnv a s io n" bedroht werde, wurden durch Erklärungen des Innenministers Rodzkbewicz widerlegt. Diese erfolgten auf einer Pressekonferenz, zu der wieder die Vertreter der jüdischen Presse nicht geladen waren. Der Minister sagte u. a.: Es sind offiziell etwa 20.000 Emigranten aus Rußland registriert worden, davon etwa 7000 Polen und 13.000 „Fremde". Die Zahl der Emigranten aber war viel größer, da die Mischamerikanische Hilfsgesellschaft „Hias" allein bis Mai 1921 17.430 Schissskarten für erwachsene Auswanderer und 1999 für Kinder ausgegeben hat. Emigranten, welche nach dem 1. Juli illegal die Grenze passierten, wurden sofort aus Polen aus gewiesen, mit Ausnahme antibolschewikischer Politiker, die von der Sowjetregierung verfolgt werden und As y lrecht genießen. Was die jüdischen Emigranten betrifft, so hat die polnische Regierung)' wie der Minister weiter ausführte, einige Komitees legalisiert, welche sich.! mit dem Schütz jüdischer Emigranten befassen. Diese Komitees befördern die Emigranten ohne Schwierigkeiten nach Kanada und Argentinien, nur die Weiterbeförderung nach den Vereinigten Staaten geht langsam vor sich, da das Konsulat Schwierigkeiten macht. Das Innenministerium hat an der Ostgrenze 14 Kontrollpunkte errichtet, um Schmuggel und Konterbande zu verhindern. Ferner wird ein Grenzrayon von 400 Kilometer Länge geschaffen, der ohne Erlaubnis nicht überschritten werden darf. Die Erklärungen des Ministers zeigen, daß die Hetzkampagne der rechtsstehenden Prem, welche mit solchem Applomb in Szene gesetzt wurde, keine wirkliche Grundlage hat. Die Emigranten aus Rußland, deren Zahl nicht übermäßig groß ist, verlassen Polen bald wieder. Die Verhältnisse Polens sind auch nicht danach angetan, um ihnen eine Niederlassungsmöglichkeit zu geben. Der polntfdjc Eisenbahnerstreik! Warschau, 24. August. (Privat.) Der Eisenbahnerstreik ist auf die Provinz Posen lokalisiert. Der polnische Arbeitsminister ist m Posen eingetrosfen uM ist sofort in Verhandlungen mit den Eisenbahnersyndikaten eingetreten, welche die rasche Liquidierung des Streiks zum Ziel haben. Laut eines vom Ministerium für Posen veröffentlichten CommuniquSs glaubt man, nach den Eindrücke« der ersten Konferenz zwischen, RegierungL- und ShndikatSvertretern, zu einer baldigen Einigung gelangen zu köwnen. kommiision oder irgendeiuei. aubcien Kommission, die aus ®nmo des Versailler Vertrages eingesetzt wird, teilzunehrmn. Der Artikel Hl behandelt die Ratifizierung. Der Bertiag svlk sofort nach Austausch der RattfikanonSu-künden in Kraft treten: Der Vertrag ist doppelt auSgefertipt. Im Gegensatz z»m Versailler Vertrag ist m diesem folgende Wendung enthalten: „Geleitet von rem Wunsche, die freundschaftlichen Be;ichu»gen, dir vor dem Ausbruch deS Krieges zwischen den bnden Nationen bestanden haben, witderherzustcllrn, haben die Vereinigte Staaten von Amerika und Deutschland beschlossen, Frieden zu schließen.* Berlin, 25. August. (Wolff.) Nach der Unterzeichnung des deutsch-amerikanische» FricdensvcrtraaeS ,m Amtszimmer des NeichsmwisterS des Aeußern Dr. Rosen sprach der amerikanisch! Kommiffär Dresel die Ueberzeugung aus, daß sich' die deutsch-amerikanischen Bez'chimgm erfreulich gestalten würde«. Reichsminister Dr. Rosen erwiderte, daß Deutschland zur Stunde den Bäck ans die Zukunft richte, und gab auch seinerseits der Hoffnung und Ueberzeugung Ausdruck, daß sich die Wirtschaft-, lichs« und allgcmcinen Beziehungen zwischen den beiden großen Völkern günstig und er reulrch entwickeln werden. vermehrt, so daß die schwierige Verkehrslage, dio durch den Ausstand hervorgerufen wurde, ein« Besserung erfahren hat. In Bromberg verrammelten' Ausständige die Strecke durch Barrikaden. ' In Kleinpolen (Galizien) fand die Streikparolle keinen An klang; es meldeten sich im Gegenteil' galizische Eisenbahner zum Dienst in Posen. In Kongreßpolen ist der Ausstand auf die Direktion Warschau beschränkt, doch gehen die Züge von Warschau ungestört ab. Danzig, 25. August. (Wo'ff.) Wie die Abendblätter melden, wird von polnischer Seite milgeteilt, daß der Eisendahnerstreik nr Bolen beute nachmittags, beendet sein wird. Der Güterverkehr werde jedoch erst wieder in drei Tagen im Gange sein. Die Unruhen in Südindien. London, 24. August. (Wolfs.) Die Blätter melden, daß die Lage im Unruhe gebiet in Süd in dien sehr ernst sei. Man spreche von einem offenen Aufstand. Die Eisenbahnlinien seien unterbrochen, die Postämter würden geplündert und in den größeren Städten herrsche der Pöbel. Die Aufständischen zögen plündernd und zerstörend von Ort zu Ort. Die irischen Unrnhen. Belfast, 24. August. (Reuter.) Die Unruhen bauern fort. Sechs Einwohner find aus ihrer Wohnung in Automobilen entführt worden. Jir Bando-w in der Grafschaft Cork sollen zwei Gendarmen verschleppt worden sein. Die Antwort der Sinnfeiner in London. London, 25 August. (Reuter.) Die Antwort der Sinnfrmer auf dir Vorschläge der englischen Regierung ist in London' eingelangt. Die Konferenzen zwischen Louchenr «nd Rathenau. Paris, 25. August. (Wolff.) Wie die Morgenblätter melden.; ist Minister Loucheur gestern abends zu einer Zusammenkunft mit dem Minister Dr. Rathenau nach Wiesbaden abgereist. Die Aufhebung der Sanktionen gegen Dentschlanb. Berlin, 25. August. (Tel.-Komp.) Wie von zuständiger Stelle mitpeteitt wird, bereitet die Reichsregierung zurzeit di«! Antwort auf di« durch de» Obersten Rat zugegaugme Note,, betreffend die Außerkraftsetzung der wirts ch a f 1 l i ch e« S a «k t i o » e n zum 16. September, unter den in der Presse milgettilten Bedingungen vor. Die Regierung ist sich, wie zuverlässig verlautet, bereits über die Grundlagen der deutschen Antwortnote schlüifig geworden. deren redaktionelle Aufarbeitung zurzeit dem verantwortliche« Referenten auvertrant ist. In maßgebende» Kreisen ist die Ansicht verbreitet, daß die sofortige Aufhebung der militärische« Sanktionen deshalb nicht' vom Obersim Rat, trotz deS in dieser Frage bestehenden starken Gegensatzes zwischen England, Italien uud Äapan einerseits und Frankreich andererseits, geschloffen wurde, weil das Prestige der französischen Regierung, die in der Oeffentkichkeit wegen ihrer Haltung in der Frage der Truppentransporte nach Oierfchleste» heftig angegriffen^ wurde» gestärkt werden sollte. Guggeuheimers Rücktritt. Berlin» 25. August. (Wolff.) Dr. Guggeuheimer hat daS vorübergeheud übernommene Amt emeS ReichSkowmiffarS zur. AuSführrmg von Wiü)ttanibauarbciten mit Rücksicht auf seine! beruflich ganz in Anspruch genommene Zeit nieder gelegt. An' seiner statt wurde der Obnpräsideut a. D. Batocki Reichsder AitzkuM Mrir Mijuls eme scharfe, a«t i j üd i s.che Wamfcha», 2S. August, der vom Militär UWrte« (Funkspruch.) Die Zahl Züge « B->jpr WS« koumMär entaiuti. 326237

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