Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-08-22 · Heft 923 (22.8.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 923 (22.8.1921)
Date
1921-08-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980002--08517-2994679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions

r Sette Z Mm. Montag ..." ,■ ... >»>— ... -—- . - Exkaiser Karl. Zürich, 21. August. (Schweizer. Depeschenagentur.) Zum Aufenthalt des Exkaisers Karl schreibt die »Neue Zürcher Zeitung*: Wenn, wie ariHnnehmen ist, die Frist der Aufenthaltsbewillignng für einige weitere Wocheu verlängert werden wird, so wird das die ganze Frage zu einer Lösung auf internationaler Grundlage drängen und der Bundesrat wird den Versuch machen, müssen, mit den anderen Staatsregierungen zu einer Regelung zu kommen. Die Verlängerung der Aufenthaltsdewilligung kann nur in Frage kommen, wenn der Exkaiser tatsächlich in einem Lande bis zum 31. August kein Asyl gesunden haben wird. Faisyl — König von Irak. London, 21. August. (Funkspruch.) Bei der Volksbefragung in Mesopotamien wurde Emir F aisul einstimmig zum König des neuen Staates Irak gewählt. Polnische Kämpfe 1« rumänischen Gefängnissen. Bukarest, 21. August. (Funkspruch,) Im Kerker von Basarefii kam eL zwischen Rechts- und Linkssozialisten, die dort wegen versuchter Störung der öffentlichen Ordnung gemeinsam gefangen gehalten werden, zu schweren Kämpfen. Soweit die Bularester Meldung. Sie klingt sehr dunkel. Es ist jedenfalls eine uns unverständliche Affäre, daß sich Gefangene gegenseitig »schwere Kämpfe* liefern. Gefangene sind gewöhnlich nicht in der Verfassung, sich gegenseitig die Schädel einzuschlagen; auch fehlen ihnen die Mittel zum LoSschlagen. Sollten nicht am Ende die »schwere« Kämpfe* von dritter Seite veranstattet worden 'sein? ~ Inland. Ha«pta«sschrttz und Ausschuß für Aeußeres. , In der zweite» Hälfte der kommenden Woche werden der Hauptausschuß und der Ans chuß für Aeußeres zai'ammentleterr. Em bestimmter Termin ist noch nicht festgesetzt. Die Beratungen werde» keineswegs lange in Anfpench nehmen. Der Ausschuß für Aeußeres wird sich vornehml'ch mit den Fragen beschättigen, die mit der bevorstehende« Lösung des westvngarischm Problems Zusammenhängen, während der Hauptausschuß laniende Angelegenheiten zu erledige« Hab« wird, ohne daß letztere jedoch eine. Lerzögerung erfahren. Tagesbericht. Die' Horthy-Ba«dlten wieder an der Arbeit. Zu den von uns schon gemeldet« Vorfällen meldet noch »A Nap": Dienstag war in S o l t Jahrmarkt. Schon einige Tage vor dem Jahrmarkt ging das Gerücht in der Gemeinde, dieser Markt werde denkwürdig sein. Im Vergleich mit dem Jahnnartt von Jzi'äk wäre das ein Kinderspiel zu den kommenden Ereignissen. Ein Viehhirt namens Stephan C s e r n a ließ allerwärtS verlauten: »Auf dem Solter Jahrmarkt wird es eine Hochzeit geben, wie sie »o ch nie war. Fünfundzwanzig -scharfe Patronen habeich schon erhalten. Wir werden mit de« Juden schon Ordnung machen!* Die zu Tode geängstigte Bevölkerung des Ortes begab sich erleichterten Herzens zur Ruhe, als der Markt ohne jede« Zwischenfall abgelaufen war. Gegen 11 Uhr nachts jedoch wurde daS Dorf durch heftiges Gewehrfeuer andem Schlafe geweckt. Vier bewaffnete Personen strichen im Dorf hemm und versuchten, sich in die Häuser, wo Juden wohnten, unter dem Vorwand Einlaß zu verschaffen, daß sie Depeschen zuzustellen hätten. Als ihnen nirgends geöffnet wurde, schosse« sie auf die Fenster einer jeden d ies er Häu ser. Schließlich gelangten sie zum Hause des Schnittwarenhändlers Adolf Lederer und riefen: „Lederer! Deine letzte Stunde hat geschlagen!" Hier begnügten sie sich nicht mit Schüssen auf die Fenster, sondern begannen die Gassentür zu sprengen. Lederer dachte sich durch Flucht retten zu können, öffnete die Ladentür und begann zu laufen. Die vier bewaffneten Leute bemerkten den Fluchtversuch, stürmten dem Flüchtenden nach, holten ihn ein und schlugen ihn mit ihre« Gewehrkolben tot. Als ihr Opfer ausgelitten hatte, entfernten sie sich mit dem Rufe: „Es 'ist euer Glück, daß unS die Patronen ausgegangen sind!* Nach drcivrertel Stunden erschien die Gendarmerie, nahm Protokolle auf und leitete die Erhebungen ein. Als die erschrockenen Juden des Ortes am darauffolgenden Tage nach Budapest reisten, erklärte ihnen der Gemeindenotär Franz Heller, er könne für die Sicherheit ihres Lebens und ihrer Habe keine Garantie übernehmen, denn der Gendarmcrieposten des Dorfes fei so schwach, daß im Falle eines neueren Angriffes eine erfolgreiche Verteidigung ein Ding der Aumöglichkeit sei» dürste. liililli Ende August d, J. erscheint der Almansciü auf das Jahi* 3822 (V. Jahrgang) 'Redigiert von ©Mo Abeies und Ludwig Bald Das reich illustrierte, vornehm ausgestattete zionistische Jahrbuch ist eine wichtige, über den Stand der jüdischen Bewegung orientierende Publikation, die auch zu allen brennenden Fragen Palästinas und der Diaspora Steilung nimmt, und weist folgenden Inhalt mh Ludwig Bato, „Das Jahr 56SO und 5681. — Doktor Osias Thon, „Geschichtliche Peripetien«. — Adolf Böhm, „Jüdische und allgemeine Wirtschaft in Palästina". — Dr. Max Diamant, „Der Kampf für die jüdischen Minderheiten“. — Z. F. Finkeistein, „Adolf Stand“. — Dr. Egon Zweig,,„Der jüdische Volksschatz in der neuen Aera“. — Dr. Siegfried Schmitz, „Leo Pinsker“ (anlässlich der 100. Wiederkehr von Pinskers Todestag). — Dr. Z. P. C h a j e s, „Die Bibel und die Jugend“. — Otto Abel es, „Ein jüdisches Heldenepos“. (Zur Fünfhundertjahrfeier der Wiener Judeuverbrennung.) — Hans Ko h n, „J. L Perez, ein Profil“. — Siegfried Abel es, „Altiüdische Märchenmotive“. — Eugen H o e f l i c h, „Zwei Skizzen“. —- Mosche Smilansky, „Das Land“. — David Rothb 1 u m, „Die Oeschichte vom Zeloten Don*. — Altjüdische We i s h e i t. — Marek Sch e rl a g, „Dem toten Kinde“. — David I g n a t o w, „Im Talkessel“. — Eugen Hoeflieh, „Ich bin ein Kahn“. — Jakob Fingermann, „Chaswin“. — Ferner enthält das Buch: „Kernworte zur Judeufrage“, von Achad Haam, Z. P. Chajes, Albert Einstein, Moses Hess, Gustav Landauer, Salomon Schechter, Jakob Wassermann, Arnold Zweig. Verlag „Wiener Morgenteitung“ Preis eines JExemplares: Für Oesterreich K 180 (mit Postzustellung K 150), für die Tschecho - Slowakei tscheeh. K 15, für Deutschland Mk. 16, für Polen poln. Mk. 360 (mit Postzustellung Mk. 280), für Jugoslawien Dinar 10, für das übrige Ausland 8 Schweizer Franken. Bestellungen 5&S an die „Wiener jHoipizeitiing“ iLSft | 685 DaS arme Opfer deS Mordes, Adolf Lederer, hatte vor einigen Wochen eine sonderbare Affäre mit dem HilfSnotär Raffay. Lederer begab sich an einem der heißen Tage zur Donau, um zu baden. Kaum war er im Wasser, als ihn der HilfSnotär Raffay, eine Peitsche schwingend, mit den Worten auS dem Wasser jagte: „Hinaus aus der Donau, Sie Jude! Sie infizieren das Wasser!* Lederer erstattete gegen Raffay die Strafanzeige beim Bezirksgericht, lebte jedoch seither in Todesangst. Die nach Budapest geflüchteten Solter Kaufleute erstatteten die Anzeige. Es wurde wegen Ermordung Lederers die Untersuchung angeordnet. Die Erhebungen pflegt königlicher Oberstaatsanwalt Dr. Albert Vüry, der die Augenzeugen des Mordes bereits einvernommen hat. Einem Mitarbeiter des »A Nap* gegenüber äußerte sich der Notär der Gemeinde Sott dahin, die Täter feien keine Solter, sondern Fremde gewesen. Seines Wissen- Habe die Gendarmerie positive Daten in Händen. Gendarmerie- Offiziersstellvertreter KomLromy erklärte, die Gendarmerie habe sofort die Erhebungen eingeleitet, sei zur Verfolgung der Täter geschritten, die laut Angabe von Augenzeugen sich auf der Fülopszülläfer Straße in der Richtung nach OrgovLuh oder JzfLk entfernten. Bisher sei es nicht gelungen, über die Person, der Täter Positives in Erfahrung zu bringen. Prügelaffären 1« Ischl. Holländische K»rMte von Arbeiter« geohrfeigt. Die »Sonn- und Montagszeitung" meldet aus Ischl: Sonntag fand im Jschler Kurhaus eine große Demonstrationsversammlung der staatlichen Gewerkschaftsarbeiter statt. Die Tagung war von einigen tausend Personen besucht und verlief vollständig ruhig. Als sich die Ausseer und Ebenseer Salinen- und Forstarbeiter um sieben Uhr abendunter Musikbegleitung durch die Pfarrgaffe zum Bahnhof begaben, soll vom ersten Stock des Hotels Elisabeth aus ein junger Mann »Pfui!* und „Abzug!* heruntergerusen haben. Die Arbeiter, die diesen Zuruf dernommen haben wollen, drohten zu den Fenstern des Hotels hinauf. Sie begleiteten ihre Genossen zum Bahnhof, machten dann kehrt und zogen wieder znm Hotel Elisabeth, das sie blockierten «nd förmlich besetzten. Vergebens bemühten sich die Abgeordneten Z e l e n k a, j Grub er und Laim er, die aufgeregte Menge von 2^1« n, August im ‘ , Rr. , lichkeiten zurückzuhalten. Auch der Bürgermeister und der Vizebnrgermeister von Ischl versuchten ergebnislos, Ausschreitungen hintanzuhalteu. Die angeblichen Beleidiger der Arbeiter, zwei junge, als Kurgäste hier weilende Holländer, die Brüder Barone C a p e l le, würden von den Arbeitern attackiert and namentlich der Jüngere wiederholt zu Boden geworfen und geohrfeigt. Endlich gelang es den sozialdemokratischen Mhrern und dem Bürgermeister, eine Art Ansglcich herheizu'ühr?! ,. Die holländischen Kurgäste l ei st e t e n A b bi t tHM die angebliche Beleidigung und verpflichteten sich, morgen früh Ischl zun er las s e n. Unter dem Kurpublikum rief der Vorfall grWs Aufsehen hervor und bis in die späte» Abendstundcir bildete» sich vor dem Hotel Elisabeth Ansammlungen. Möglicherweise wird die Affäre auch ein diplomatische Nachspiel haben, da die Mutter der beiden verprügelten Kurgäste den Schutz des holländischen Gesandten in Wien anzurufen beabsichtigt. - Aushebung einer Spielhölle in Bader?. In der Nacht zum Sonntag wurde in Baden der Klub des EtrangerS, dessen Besitzer Cafeiier Sa me i, Weiß und Karl Böhm find, unter großem Aufsehen ausgehoben. Die behördlichen Organe, die aus einem staatsanwaltschaftlichen Funktionärvon Wiener-Neustadt, dem Wiener Polizeirat Dr. L e w i s ch und achtzehn Wiener Detektivs bestanden, drangen durch den Garten in feie Villa ein. Unter den Spiekgästen entstand eine grosse Panik und viele versuchten durch die Fenster zu flüchten, wurden aber daran gehindert. Im ganzen wurden 150 Perlustrierungen vorgevommen und Beträge in derHöhe von mehreren Millionen Kronen beschlagnahmt. Die Klubbesitzer hatten die Villa samt Einrichtung erst vor acht Tagen von einem Russen um sieden Millionen Kronen gekauft. Die Monarchisteubrawall« tu Graz. Wie aus G r a z berichtet wird, erschienen Vertrauensmänner der Arbeiter beim Bürgermeister-Stellvertreter Schoklitfch und verlangten auf Grund der Vorfälle am Mittwoch die Sperrung des Gasthausbetriebes beim „Wilden Mann*. Auf Grund der gepflogenen Erhebungen wurde dem Gastwirt Josef Achleitner eine schriftliche Warnung unter der Androhung der Gewerbeentziehung im Wiederholungsfälle nach §139' der Gewerbeordnung wegen Mangels an Verläßlichkeit erteilt, weil er die Kaiserfeier im Märchensaal, die von vornherein eine Störung der öffentlichen Ruhe «nd Ordnung befürchten ließ, zugelafsen hatte. Nach' dm Erhebungm hätte er, obwohl die'Feier als interner! Geselligkeitsabend angesagt war, rechtzeittg die Absicht der Veranstalter erkennen müssen, die den Saal um 6 Uhr abends mit den kaiserlichen Farben »schwarz-gelb* und dem Kaiserbild schmückten. Keine Schiffskatastrophe bet Tulln. 9ti»e ein Donaripropeller. Gestern abends waren Gerüchte über eine große Schiffskatastrophe auf der Donan verbreitet, die darauf zurückzuführe» waren, daß bei Tulln der Donaupropeller „Danubius* der Regulierungskommission infolge einenKesselexplosion gesunken ist. Ein ungarischer Remorkör stieß mit dem sinkenden Schiff zusammen und wurde hiebei havariert. Vom »Danubius* ragt nur noch das Steuerruder hervor. Der Maschinist des Propellers ist ertrunken, die anderen Personen konntm gerettet werden. Berliner Prozess«. Di« Unfittlichkeit de« Flieger» Jeanuin. Der Prozeß gegm de« bekannten Flieger Einil Jea n ui«, der sich, wie erinnerlich, Wege« strafbarer Beziehungm zu jungen Mädchm zu verantworten haben wird, findet am 39. August vor dem Landgericht IN unter oem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Ernst statt. Nach den umfangreichen Untersuchungen stehen nunmehr vier Fälle wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an Mädchen unter vierzehn Jahren auf Grund des § 176, 8 zur Verhandlung. Die Mädchen, die in diesen Fällen in Frage kommen, sind alles Töchter besserer und achtbarer Familien. Die sttafbaren Handlungen haben sich alle in der Wohnung FeanninS in Anwesenheit der Geliebten des Fliegers abgespielt. Von der Verteidigung ist ein umfangreiches Eiuwandsmaterial beigebracht worden. Der Haupteinwanb, der erhoben wird, ist der des minderwertigen Geiste§> zustandes der beiden Angeklagten. Der Verteidiger Jeannms wird daraus Hinweisen, daß der Flieger im Kriege zehnmal mit dem Flugzeug schwer gestürzt ist und außerdem sich augenblicklich noch die Folgen einer gewissen anderen schweren Krankheit bemerkbarmachen,so daß dieBelanntendrs Fliegers ihn schon seit längerer Zeit nicht für normal hielten. Außerdem soll durch die Verteidigung bewiesen werden, daß die in Frage kommenden vier Mädchen längst nicht mehr so harmlos waren. Insbesondere soll dies bei einem der Mädcben der Fall sein, die in den Fall Borngräber verwickelt ist. Jeanuin befindet sich augenblicklich noch in Untersuchungshaft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.