Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 922 (21.8.1921)
- Date
- 1921-08-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr 922 Men. SonnLug Wiener Mvrgenzritmtg 50.000 Sgppt. Pfund jene Komplex« erworben werden, die für Wohnzwecke geeignet sind; zur Erwerbung der restlichen Patriarchats öden in jüdisches Privateigentum wurde der kulsgtins Land Development Company vom Jüdischen Nationalfonds, falls nötig, ein gesicherter Kredit bis zu 3'>000 kgvpt. P und zugesagt. Bei I a f f a werde» 3(0 Duuam znr Errichtung eines nach dem verstorbenen Führer der Poale-Zion benannten Boruchow - Gart'nstadtviertelS um 3500 äghpt. Pfund und schließlich nächst Haifa Grundstücke zur Errichtung von 100 Wohnhäusern gekauft. Das Direktorium ist durch diese großzügigen Erwerbungen an die Ausführung jener Anordnung der Londoner Jahreskonferenz gesch.itten, welche den Jüdische» N üionalfonds zum Träger der zionistischen Bodenpolitik in Stadt und Land bestimmt. Als stärkster Bodenkäufer wird der Jüdische Nationalfonds imstande sein, den PreiSmarkt zu beherrschen -und jedem Boden- und Mietwucher wirksam entgegenzutreten. < Durch die in Prag beschloffcnen Kaule ste'gt der G es a m t g'r uvdbesitz drsJüdischenNalionalf o n d 8, der sich noch anfangs Juli 1920 auf 21.106 Dnnam ländlichen und 140.000 Quadratellen städtischen Bodens beschränkte, auf 72.600 Diruam ländlichen Bodens (eingerechnet btc Doruchow-Kolome) und 1 Million Quadratrllen hochwertigen städtischen Bodens. Die Bodeukausi deS Jüdischen Nationalfonds in die'em Jahre erfordern MO.uOQ Sghpt. Piinid, das find, zum jetzigen Kurie gerrchnet, K 1.120,060.000 (hievon 110,000 äflvpt. Pfund für städtischen Boden). Der Jüdische Nationalfonds darf wohl, gestützt auf solche Leistungen, mit Recht den verdoppelten Elser, die vervielfachte Opferwilligkeit aller Juden beanspruche». Dir Besiedlung der neuerworbermen Territorien wurde, vom "Direktorium sogleich in die Wege geleitet. 8000 Dunam des Komplexes Malul im E m e k sollen nach dem Plane Elieser I o s f e S znr Errichtung einer Arbeitersiedlung (Mosch-iw Owdrm) Verwendung finden, unter der Voraussetzung, daß der nötige Kolsnsiationskredit anderweitig beschafft wird. Es ist gedacht. Parzellen von je 50 Dunam zu individueller Bewirtschaftung mit intensivem Betrieb qn im Laude schon erprobte landwirtschaftliche Arbeiter, vo> wiegend Familienväter, in Erbpacht zu vergebe». Die Dneliorrrtionsg! beiter stad von der Arbe>tergruppe selbst durch' zusithren, Auf den 42 Dunam i« Rechowoth sollen 16 Jemeniten ihr Brot finden. Für die be den Stadtvreriel nächst I n f s o sind die Beriräge des Jüdischen Nationalfonds mit gemeinnüh'gen Baugeselltchasien der künfti.ea Siedler skizziert sowie die Bankredite be>m Viertel nächst Trl-Awiw für vorlänstg II 0 und beim Boruchow-Biertel für vorläufig 100 Häuser schon gesichert. Durch all diese Beschlüsse erscheint daß Schwergewicht der NatioimflondSverwaltung noch mehr nach Erez Israel verschoben. Diesem Umstand trug daL Direktorium, dm Zustimmungen fast aller LandeStammklstellen Vorlagen, dadu ch Rechnung, daß es feinen Beschluß vpm April aufrechthielt, wonach daS gesamte Hauptb n.x e g m n y,.ch I erusalem zu verlegen sei, und noch besiiigte, die Mehrzahl der Direktoren müsse ihren ständigen Wohnsitz in Erez Israel haben. Das Direktorium wird den Berlegungslieschlu-t, im Hinblick auf dessen Wichtigkeit, dem Kongreß als oberster Instanz, znr Genehmigung vorlegen, Die der» Kong! 4 unmittelbar vorausgehende l. IstdifKe Nationalfonds,Weltkonfe?enz, welche am 2^, Angust in Karlsbad znsammentritt. wird aste aktiven Mit» aidestcp res Jützi'chr« Nationallonds vereinen- Profeffyr W a r« b u rg eröffnet dieKotsterenz. Sie sowohl als auch d'eNationalfondE-Äusstillung, für welche npn auch dis Goldene Buch »nd dzs Mcmorbnch herejtgc stellt find, wich asten Kougreßbesuchern frei zugänglich sein. An NatiovalfondSspenden kamen dem Hauvtbirreou im Juli 1921 aus 22 von 60 in Betracht komWv-en Landern insgesamt 8065 stgnvt. Pfund z« (gegen' üdev 17.855 agypt. Pfund IM Juli M Svendensumme vom Jänner bis Ende Jyli .1921 (benehnngSweie 1920) ergibt 58,180 i@0.548) ögypt. §ös«nd und perteUt sich i n e n g l i f ch e n P f « n d auf jolgegde Länder; Mksvpotamim 14.640 (152), Bereinigte Staat?» 9tytz . lM9), England H635 (12Ast). Ruwänw» 4555 (1328), DkUtschland §778 (3880), Polen 2188 (32A», CH Na(Shangbki re.) 2t.°.7 (10.102), Argkntnim SN1 (2421). Neweck'Md 1658 (ISP, Evc.z Israel 1918 (1665), Jugoslawien 1558 (618). Australien 14 S (398), StsgitS Se tlementS 1^40, Tschecho-Hlswakki 1859 (2088 . Osigalizien 1234 ,926), Bulgarien 111S (IM), Holland 1006 (1907), Elsaß-Lothringen 911 (2m), Italien 668 (SS). Litaur»-?KMV» Sitz (104). Belgien 805 (1930). Kanads 643 (IM. Indien 636, Brrkomna m (229), Finnland 584 (1\ Oesterreich 5 öo (1060), Wesitzyliüen 442 (027), Schwebet» 424 (25), Lettland 419 (89), Iß and re Länder 352? (1820) 8Mt. Pfund, 17 Länder mit 6774 ägyvt. Pfund. In der Julisumme sind 4500 ägypt. Pfund als weitere Spmde kines AnoytzwuS enthalten und 250 Dollar aus der Ltbensversicherung des Colonel E N t l e r (Nordamerika). Der XII. Ziouistenklongretz. 3M* paläfttnenfischerr Aongretzdelegierlen. ly. August. (Jstd. Kart-Bur.) Per den Wahlen -um XU. tzionistenkonsreß wurden folgend? Kandidaten gewählt: Allgemeine Zionisten: Baron James de Rothschild Boris Goldberg und David Delfin. Z i - » i st i s ch e O p p y f \ t i p n: Dr. G. Bruck. B'n e i Benjamin: Jttamar Ben Avi, Chesiedattrnt des ^Pagr Hgjam". Catztyin Alexander Asraussn und Odmichl« Louis Brandeis. Mifrachi: DioRabbiner I. L. Lrhan^Frshma«. I. M. Msch«!«-. M, Ysrawitz und Herr G Meiel. «ckduth vaawodah: Perl Katzcnrlsop, Redaktepr deß „Kuntreß^ A. Blmueufrld. Sekretär de- Palastina-Ärbetterfouds, I. Be» Vor Beginn der Wiener Messe erscheint unser MU«S«SE m JE* in Massenauflage und wird allen Besuchern der Messe zugesendet WitntrA# MSLWMMLW .LrA ihMrOSX^S_ d » » W» W i Allen Firmen | die in unseren Messe-Numniern annoncieren gebeia ^fr 0SST kostenfjrei 'MN ein Inserat! I im „Messe-Föhrer“ 680 aaiya Zewi, der bekannte Agronom Etting?r, S. Lowkowitz und I. Tobevkin. Hapoel Hazair: Spr inhak, Jgfs«, Srslowsky und Wilkansky. Mo Delegierte« an» de? Baksmin«. Am 7. d. M. fanden im ganzen Lande die Kongreßwahke» statt. ES wurden folgende Delegierte gewählt: Dr.M a h e r- E b n? r, Dr. Manfre Reifer, Rabbiner Dr. Hof fm a » n, Dr- B > e r e r, Dr. W e i ß e l b e r g e r und Dx. Gabor. _ Unbefionnte Worte Hieronymus Lorms. Anläßlich drs hundertsten Geburtstages * Hieronymus Lorms ' yerösftntlicht Me Tochter. Fryu Maria Landesmann, in der „Bosslschen Leitung" die nachstehenden, bisnun nicht verssftzntlichten Bemerkungen d«s Dichters. Der menschlichen Vernunft, das heißt her Einsicht in das Unendliche, war pon Anfang der Welt an kein Fortschritt gegönnt, nmsy größer sind die Fortschritte des Versianhes, hie freilich das innerste Wesen nicht befördern, aber das allgemeine Elend lindern können. Ein großer Zug in diese? Art Fortschritt wäre die Mpuhlikanisiernng der Staaten, weil das Herrschertnm überhaupt, der Gottesdienst für Me-sch'"k'ndvr, schien tief unter dem Verstiande liegt. * Im Reiche der philosophischen Vernunft herrscht eine unbesiegliche Anarchie; jeder Denker ist feine eigen« Welt, sein eigener Gtaat mit mir M.r ihn selbst ßültigen Gesetzen. Millionen Menschen leben, gedankenlos in traditioneller Unvernunft dahin, ohne es zn wissen oder nur zu iahnen. Der Lsteifen sind nur wenige, die sich der Narrheit ^ihtz^A Gtrebens und ihrer -Tätigkeit dafür bewußt werden. Daß sie hie Narrheit deshalb aus-' geben würden, ist «in jedem einzelnen AalSe sehr dis Frage, ha die 'Leidenschaft sich nicht von der Einsicht, die blinde Neigung sich nicht von der sehenden Er^ kkenjntniS an der Hanh führen läßt. Die Sittenlehpen mnd Moralprediger fetzen lebv'ch dieleunnatürliche Freundschaft voraus und glauben im Ernste, die Natur durch Reflexion meistern KU können. Deshalb' gehörest diese Dvgmenreitex auch tz-u den eben erwähnten Wllli-gnon, die' sich der -Unvernunft ihres GtreHvns niemals bewußt werben. ( ErkenntniSthsyrhe nnd Logik sind Wissenschaften, weil sie auf exakten Ertzenntnisse« b«s Verstandes A. August lim Mte 7 > --. -—ft} beruhen, welche immer ihrem Ursprung nach a«A bSS Erfahrung abMleiten sind; die spekulative Philosophie jedoch! ist keine Wissenschaft, sondern ein Trachten .L,ach Weisheit, wie schon der Terminus „Philosophie" in wörtlicher »Uebersetzung ausdrückt. , \ .■< ' '' Hat man die Welt wirklich überwunden, bas heißt wünscht und verlangt man nichts mehr von den Reizen und Gütern der Wett, dann trägt man die Ruhe und den Frieden in sich, und der Ort, an welchem man lebt, sei er noch so geräuschvoll, ändert nichts mehr an dem abgeklärten Zustand des Gemüts. * Im Bereich' des Gefühls geschehen ununterbrochen ' Wunder, weil eben Gefühle das Ueberirdische sind, also weit Über die Natur hinausgehen. * Ein kluger, denkender Egoist wird uns in große» Dingen beeinträchtigen, aber nicht im täglichen Lebe« belästigen. Fürchterlich und unerträglich ist der Egoist, der sich für gemütlich hält. Er betrachtet unsere ganze Gefühlsfähigkeit als sein Eigentum, sie soll nach ihm in allen Kleinigkeiten gestimmt und gelaunt sein. Er gibt vor, mit uns zu empfinden und will, daß wir ausschließlich mit ihm empfinde». Das Ansichreißen nennt er Hingebung. * In bas Schicksal einer verheirateten .AochM, die mit ihrem Manne lebt, kann und darf ein« Mutter absolut nicht mehr eingreisen. Eine verheiratete Tochter ist als von ihrem ursprünglichen Stamme ftir immer losgelöst Au betrachten, solange ihr Mann sich zu ihrer« Schicksal macht. ' * Ein gutes Recht schließt die .Pflicht in sich, es im rechten Monrent geltend z-u machen. Wird dieses versäumt, dann verliert sich' das Recht, es wird zum Teil Unrecht und läßt sich als solches schwer behaupten. rr bitten nufere g^schAtzSen Absrmerrten, sich Sei Emkaufe« auf de« In?sratenteil unseres Blattes zu beziehen! Das Mrttelstan-serholnngsheim. D;'.S MsitelfiandSerholnngSheim nl§ ^o!ch s gehört augcnbl'cklicb tu dm bestver! l-nm'stten Institut-oneu Deutschöfieire'.chs. / Die einen verbinden einfach von vorneberein — traurig und sehr bezeichnend — mit jeder Aktion oder jedem Getzmfiand, der das- Wort ^Mittcksiand" als Vorzeichen führt, die Vorstellung von etwas Minderwertigem. D-rS Wort hängt nicht sprachlich, wohl .aber gefühlsmäßig för dm Wiener mit „Ersatz* zusammen. Die anderen verüben Angriffe, Angriffe in der Oeffentlichkeit oder in der behaglichen Sicherbeit der Anonymität in direkter Ber« folguflg ihrer Jntereffen -* eS find die Gastwirte, Hoteliers, Peufionsinbahrr usw. von Sommerfrischen^ di« nicht dulde» käpm» und wyllsu. daß man Tür au Tür mit ihnen um ei« Fünftel »der Sechstel ihr« Preise dasselbe, ja gelegentlich Befferes Met als sie. Und zuletzt, doch nicht zu« wenigstens, gehören zu den Eijere-.n jene, die irgendwie irgendwann irgendetwas über ei« M'tMaudSerhölmigsheim gehört haben sich zwar nicht mehr recht erinnern, was, aber jedenfalls ihr Urteil fertig Habs». Urner diese» Gegnern drS Mittelstands-. Heims find die zielbewußten selbstverständlich die grjäkwlichsten, Die GememfchaftMche konnte» jene tüchtifen G-schiistslente jr zur Not noch leben laffen. Das Esten in der Gem'inschsftskiiche ist so billig, daß es vornherein einen Vergkeich mit der G^sihansküche nicht nushallen konnte und daher als Konkurrenz nicht m Frage kam. Auch wären die Lw'e. die dg ihr be'chttdcnes Gemüse und ibre Einhcennsuppk verzchlte«, für die besseren Unternehmungen durchaus kein er* strehenSwertsS Publikum gewesen. Dse aßen entweder in der. Gemeinschastskirche oder sie brauten sich zu Hause selbst etwas.- rn'ammen — Gäste vornehmer Restaurants wurden sie in keinem Falle und so hotten die Gastwirte auch keinen Anlaß/ den Gsineiasch.cktskstchen sonderlich aram zu fern. Ganz anders., liegt d e Sache bum MiltelstandserholungSbuw. Di« Sommer-' frischrnwnle aller Grade sind natMLeyräß von dem Bestreben erfüllt, einzig und allein zahlMgSfähiges Publikum heran-' Anziehen, am liebste» EdelpalutS. Sie haßen, e'm lebhafter Jntereffe de» Mittelstand, he» geistige» Arbeit« Überhaupt vom Genutzt de« Samymfreudm ausrnschließe«, Berge, Seen, Wald und Wiese sMm «in Borrechh der Begütetten werde« wie es elegante Kleider, Theater. Kunst, R«»sk« schon lange geworden sind Namentlich an den landschaftlich bevorzugten Orten wollte ma>( di« geistlgeu Arbkilex. daß ^nötige* Pack, nicht dulde«, denn die Schönheiten d«r Natur sollten .den „gngeslammten^ Wirtsleute» ihr hübsches Sümmchen rmtragen, fällten unter K svo, iooo und mehr für den Tag nicht zu haben fein. Durch diese fein« Rechnung habe« die Mptelstandtzheime eine« recht derbe« Strich bezogen. Man bezahlt dort zwischen K 120 und 180 täglich und hat dafür Quartier »nd yöllifl ausreichende Verpflegung. Gewiß sind nicht alle Heime gleich gut. vielleicht nicht einmal alle gut. Aber dg einige zumindest -- rühmend feie« die Schwarzwald-Heime gmannt — ganz vorzüglich find, so ist doch bewiesen, daß es' jedenfalls im Prinzip möglich ist, mit den angeführten Betrage« sein Au-lange« zu ffndey. und haß der lieberschuß entweder durcki unrationelle Wirtschaftsführung vergeudet wird oder in die Tasche her biederen Wirte stießt. Wenn in einem Salzkammergutort ini ErholunssheiQ K M. iffi Gasthaus etwa K 700 gezahlt werde», wmn da- Hel« keinerlei Brgstnsttguug und UuterstützvPg geniM s» ist klar, daß der Profit der Nutnn-hmex ungeheuer ist oder hi» GeschDSjLHrung erbärmlich, und beides läßt man sich nichtsehr gern« 06178175