Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 922 (21.8.1921)
- Date
- 1921-08-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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f. Ein zweiter Gesetzentwurf siebt daS Z tt t i k a m m erlöst e m vor und bezeichnet als erste Kammer die National- »ersammlung, deren Mandat gleichzeitig verlängert wird. S. Der solchermaßen zustande kommende neue Reichstag wird »nf «btt» ApkluSvonfüufJahren anders ui t fti« «nd seine Wirksamkeit Ende 1S2S ablaufen, da die zweiiahrige Tätigkeit, die die NalioaalvttsaVmlimg bisher entfaltet dat, miteingerechnet werden soll. Das Befinden König Alexanders. Pari». 80. August. lHavaS.) 9m Befinden König Alexanders iß leine Veränderung emgetreteir. Die Temperatur betrug morgens abends 38.6*, der Puls 100. „Peter der Trotze". Belgrad, 20. August. In der heutigen Trauersitzung der Naüonalversammlung widmete der Präsident dem verstorbenen König einen Rachrnf und gab die Thronbesteigung des Koüias Alexander bekannt, rer erst nach seiner Rückkehr aus Paris de» E»d aus die Bersassnna ablege» wird. Sodann wurde einstimmig beschlossen, dem verstorbenen König offiziell den Titel „Peter der Große, Befreier der Serben, Kroaten und Slowenen" zu verleihen. Czerny Gorwenerrr von Karpathorutzland. Prag, sv. August. (Tel.-Komp.) Wie die «Tribuna* meldet, soll der gegenwärtige Ministerpräsident Crrny nach seiner Demisstou zum Gonveneur von Karpathoiüßlmrd ernannt «erde«. _ Tagesbericht Andere Zeit Bon G«gen Hoeflich Eine schöne, unerhört freie Zeitiwtx es, als man durch die Felder wandern konnte, unbedacht alter Zukunft, unbeschtvert von Vergangenheit, vollgesogen, mit froher .Gegenwart. Wie Meere beugten sich die Wogen der Gerste, wie goldgelbes Meer , im vollen Lichte hochstehender Sonne und die blauen Berge im Hintergründe waren wie Freunde, die segnend stehen vor dem . weiten Tal ftöhlicher FrnchtbarLit. Diese Zeit ist tot und keiner kann sie wiederbringen, kein Beschwörer kann siewieder heransbrschwören aus dem Becken der Vergangenheit. Wenn wfc heute eine Stute anrufe: He, Mutter der Langtiamkeitl klingt es nicht meh'r so unbekümme-rt; wenn ich henie vor eine Kuh trete und' mich, sie begrüßend/ verneige, ist etwas Fremdes zwischen uns, und die goldensten Felder duften Wir nicht wie jene der Vergangenheit. Hart und unbarmherzig ist die Zeit. Schnell begräbt sie, was ifomtf noch geblüht hat. Eilend gleitet sie weiter/ immer weiter, und lver nicht ihr Tempo sich zu eigen machen kann, bleibt zurück uirb verkümmert in den Tagen, die auf ihn'Hereinbrechen. Wo sind die Zeiten, da des Vaters Bruder morgens die Wärter der Pferde anrief und ^sie die Braunen satteln hieß und wir in die Felder Hinausritten, froh und unbekünnnert, wenn auch vielleicht die Ernte schon verpfändet war, ehe sie noch das Braun des Bodens überdeckt«, froh und unbekümmert, weiß Gott, wenn auch morgen schon vielleicht der PachWrr die Jacht fordern konnte, die. lange geschuldet, noch'immer nicht in der Jade lag. Dos waren Zeiten? Mim mau dann abends nach Hagse kam in den fciexeifigpit, von Mauern umschlossenen Hof bann stand Jakob Förster in der Mitte bes Hofes und schrje über.seine dreizehn Kinder. Wie 'ün Bonmstcnnm stand er da, langbartig, mit riesigen Händen «nd treu wie ein Hund. W-ohm du blickst, ans deir Düngerhaufe«, zu den Stallen, zu den Bienenkörben, auf die paar Bäume des Hofes, überall siehst du Jakob Försters Kinder. Nie war ein Manu so fruchtbar wie dieser Verwalter meines Oheims. Untertänig näherte er sich: „Die Frucht steht gut?" fragte er dann; „warum soll sie auch nicht gut stehen?" setzte er fort, und sein bärtiges Gesicht war wie ein Baumstumpf im Moor. Dann kamen die Arbeiter vom.Fe-lde, hungrig und braun, und einmal trug man einen Alten herein, dem die Sense in den Fuß gefahren -war. Mein Vater verband diesen Mann, der hier schon gearbeitet hatte, als Vaters Vater auf. diesem Boden faß. Melancholisch ertönte hinten im 'Hofe, vor der nniergehenben Sonno, ein Lied und die dreizehn Kinder 7>atobs rannten schreiend über die Tenne und bohrten -ßre Hände in die kühle Gerstenflut, dis dort aufgeschüttet lag. - Das war eine andere Zeit: einfaches Glück, ohne nie! Ueberlegen, ohne Reflexionen und ohne Philosophie. ■ Nun, heute ist die Sache anders.' Der alte/ unbekümmerte Oheim mußte vom Boden wen,; weil * die' Pocht noch immer nicht in der Lade lag, vertrieben und landlos starb er wie eine Fliege ohne Flügel, und ich wurde in ein Leben gerissen, in dem ich unter Protest weiterlebe, aber Jakob Förster, Herr über dreizehn Kinder, ist irgendwo an einer Straßenkreuzung Schankwirt und ist ein reicher Mann. Aber auch er denkt sicherlich an die bessere» Zeiten, da er im Hofe stand und zum Oheim sagte: „Die Ernte steht gut,, warum soll sie auch nicht gut stehen?" Gibt es Ungerechteres in der West, als zu säen und nicht ernten zu dürfen, nur umh d'?- Pacht', ans Leben nicht zahlen kann? Mitteilungen ms dem Publikum. Akademischer Maler Leo Arthur Robitschek , and - Lou Robitschek geb. Tyamienitzer Vermählte ,,. ' , Wieni im August 1921. aaoi Marie MMM Knt» Sigmund Wisseriberg Verlobte Augnet 1921 Oswieota MöbelfabrikJ CPIRI GrSsste flcswahl ®u ® w® gediegener Braeiaanlsse Ail!II,W.,8i8!MÄW.1l.? <7tl!eUmei VUlARWftUFEftSTRASSE K& QrOsctee, haslsortiertea Lager Wiens in Tepplehen, Deeken, Vorhängen, Ueber erürien, Laefteppichen, Stores, Doppeldecken etc. Billigste Preise. 8540 m. an ne 7il.,Sebotienfeidg.24 — Yeloplrou SÖ-1-08 — GRÖSSTE &ÜSIAHL H LUXOS- UND STIL- HOBELN MÄSSIGE PS EISE 440 Grösster und bester K&ofer Wiens 5149 BRILLANTEN, PERLEN Juwelen, Edelsieinhämfier R«bmetwJt»cö, Juwelier «AXIMILIAHSTBASSE 5 II., STkPHAJilESTRA8SE 3, nur .Nr. 8 (Jetzige flahloftfr.) Tel. 8541 (Jetzige Kotlsndstrasee) tai eigenen Hasse Haltestelle Opernring, Zag. Kiüntneretr. Tel.4546 Samstag oMchiosse*. Horen Sie auch unsere Preise . rr. August 1921; «fermSt,. Gegensätze ins Bewußtsein riefen, was vorteilhafter war als der bisherige latente Zustand, sie sind heute nur äußerlich' miteinander verbundene und rede» ffottzueinander aneinander vorbei. Unser akademischer Landesverband' hat den erste» Schritt zu wirklicher Belegung gemacht. Das Primäre, die Organisation^ ist in gute Bahnen gelenkt, «ine,, wenn auch' kleine, so doch feste Organisation bietetz die Basis für die Organisierung der größeren, bisher absichtlich nicht erfaßten Masse. Verbindungen und Vereine, Gruppen, die unvereinbar schienen, sitzen an einem Tisch' und werben sich! gemeinsame Ziele für das nächste Jahr stecken. Diese Ziele werben keineswegs engherzig sein. Was die politische Struktur anlangt, wird der Landesverband eine akademische Gruppe des Hapoel Hazair ins Leben rufen, die er sich' anschließt. Er wird tätig an der Mitielschulbewegung Anteil nehmen und versuchen, eine akademische Blau- Weiß-Führerfchaft aus den vielen akademischen Blauweiß-Führern unter Hinzufügung eigener Kräfte z« bilden, wird Auswüchse der früher so zuverlässigen Mittelschulverbindungen beseitigen. Er will sich! die Studentenschaft, die nicht in seiner Mitte ist, nach' Landsmannschaften angliedern. Die holländische Stubenteniveltexekutive kämmt zu dieser Konferenz mit sogenannten fachlichen Referaten, wünscht die Bewegung in Bahnen gelenkt, die rein theoretisch' par biftemeß akademische Berufe für und in Palästina unterstützt. So sehr die Wichtigkeit dieser Taktik emleUchtet, so gehört sie keineswegs vor eine bunt zusammengewürfelte Konferenz, in der ein Malariavortrag eines Referenten, der über genügende Fachbildung noch nicht verfugen kann, vor Juristen unfe Technikern gehalten wird und umgekehrt. Diese Taktik entspricht der holländischen bereits bei der vorigen Konferenz ersichtlichen Abkehr jeder Arbeit im und für bas Galuth. Die Konferenz wird wieder ein Fiasko sein, wenn sie theoretisiert. Als positiv wird man ihre Arbeit nur bezeichnen können, wenn sie einheitliche Llrbritsanfgaben zuweist (zum Beispiel UniversitäLsbibliothek, Stttdentenanstausch usw.) und wenn sie Winke und Richtlinien für eine, wenn auch nicht üotiW forme, so doch ans demselben Prinzip basierende Jugendbewegung bietet. Ueber dieses Prinzip muß . auf der Konferenz gesprochen werden, nicht über Malaria und Krrditprobleme. Dr. Heinrich' Kiwe. »»«lagen “bSb * SlIßF Art adehanben |,- und ausländ. Parfümerien kauft man billigst bei Julius Spiegel, II, Glockengasse 14 EIST GROS EXPODBT BIT DETAIL Kultusand Jüstiztalare sowie Barette, vorrätig od. nach MaS, beim Spezialisten Zirü-n. Uirifonntchneider RUDOLF GOLDSTEIR Orcssei Lager feiner Stoffe für Massbestdlungea 751 Provinzversand Alles Leid liegt in der Trennung und alles u# faßt unsere Liebe, selbst das Schlechte, wenn wir ihr nur Zeit lassen. Darum ist fürchterlich die Trennung. Verdammt sei.Zeit, verdammt sei Raum: aus ihnen erwächst die Tremrung. Jugendbewegung. ÄLtrachtunge» zur SLuventenweltkonfrrenz. Wer die politischen Tageszeitungen Österreichs eifriger verfolgt, wird in der letzten Zeit das lebhafte Interesse wahrgenvmmchr haben, das die Parteien ihrer Jugendbewegung entgegenbringen. Wo eine solche nicht existiert, wird sie künstlich' hochgezüchtet, wo sie vorhanden ist, nach Möglichkeit/unterstützt. Dieses Inter* esse hängt mit der Erkenntnis zusammen, daß biej Jugendbewegung nicht ein Quantit^ negligeable ist, vielnrehr ein Faktor für die Zukunft der Partei, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Nur Kurzsichtigo werden dies verkenneir uich aktuelle Tagessvärerungen über die Beschäftigung mit dem Nachwuchs stellen. Auch die ztonistische Organisation Deutschlands wendet ihrer Jugend in der letzten Zeit ein erhöhtes Augenmerk zu. Der Begriff Jugendbewegung" ist abtzegrenzter als dev! Begriff „Jugend". Während' Jugend all das ist, was unabhängig vom Alter im Gegensatz zu den „Balbatim" steht, muß man bei Erörterung und Fixierung der Jugendbewegung auf das Bestehende greifen, ohne wünschenswerte' Formen in sein Kalkül ziehen zu können. In 'Oesterreich heute von einer Jugendbewegung zu sprechen, wäke oßMistisch'. Man kann höchstens von Bewegungen reden, soferne man Forttrvtten auf alter Bahn noch als Bewegung bezeichnen kann. - Eine einheitliche, leitende Politik Und Tendenz der verschiedenen Gruppen ist nicht wahrzunehmen. Das mehr oder weniger feste Band und das pulsierend« Leben, bas vor Jahren die Mittelschuljugend zusammenbrachte, ist willkürlich zerschnitten worden, an die Stelle der, wenn auch' einseitigen Richtung, die doch immerhin Richtung blieb, trat zunächst der Schwulst, bann bas Nichts. Blau-weiß, Hechaluz und Mittelsch u^lverbindung, die sich unter gesunden Kämpfen in manchen Punkten näher kamen, während^ andere Gegensätze sich verschärfter, aber hiedvrrch gerade Vom Jüdische« Rattonalfonds. Große BoLenwäufe i» Palästina. --- BervielfachNNg des NativnalfondrgrandbesttzeS. — Beginn der Be» stedlnng. — Verlegung der Ratisnalfoudszeutrale «ach Jerusalem. — Die Nationalfondsveranstattuuge» a» Kongreß. — SpendeneeLrag in Inli. . Die Beratungen, welche Mitte Fuli »oa Grnkraldersa««!»- und Di'rekiorinm des Jüdische» NationatfonLS in Prag obgchalt« würden, lritm eine u e n e A e r a e«. Die Gencralvers«mnl»»g «teilte Herrn Jufiizrat Dr. Bvdeuheimer. dem Haager BerwaltangSkomitee und Herr» de 8 r e « e, welche seit de» letzten Zisnifienkongreß, in kritische« Zeit, die RatianalfondS-' geschafte geführt hatten, unter Dotternug warmen DaukrS die Entlastung. WriterS wurde die ehrende Eintraguug der ve-storbenen RalionalfondSdirektor« David W o l f f s o h « . vud Jechirl Tschlenow in daS Memorbuch (Eefer Haaskaroth) verfügt. Sämtliche vom Direktorium im April und Mai vorgenommenen BodevkLufe, insbesondere der wichtige Kauf der E m«k b ö d e», im Ausmaß von 41.160 Dana» und mit einem Erfordernis von 205,700 Lgypt. Pfund sowie der Kauf von 200 Dunam bei T e l-A w i w zm UnterVrivgnng der Flüchtlinge auS I a s f a mit eine« Erfordernis von 28.500 Üghpt. Pfund fanden einstimmig Genehmigung. Zugleich wurde beschlossen, den gemäß Weisung des VI. Zionistenkongreßes (1903) gefaßten § 57 der Nationalfondsstatuten, wonach bisher 35*/» des Nationalfondsvermögms als Reserve deponiert und so der Verwendung in Er« Jürarl enlzogm blirben, i« Sinne der Londoner JahreSkovferenz (1920) aufzuhebe«. Eine weite« Slawtenanderung zielt dahin, daß künftig nur der h e b r L ifche Name der Genossenschaft als offiziell zu gellm hat. Schließlich erhielt das Direktorium die grundsätzliche E rmächtigung zu weiteren Bodenküusen unler der alleinige» Bedingung, daß keine Verpflichtung über dir jewkilicen Barmittel hinaus eingegangr» wird. Von di-srr Ermächtigung machie d .^- L/.rrtlormm iot,!«ch Gebrauch, indem es eine Reihe weiterer großer Bodenkäufe beschloß. So wurde iu Aussicht gmommen. mit den bishir nngelanfemn Spende» von 21.000 äghpt. Pfund nächst Haifa 3000 Dunam al! Kern für die »T s ch l r n o w - K o l o n i' e* zn er' werben und laut Weisung der Generalversauimlung zweck' Arrondierung' und Amelwrierung dieses Grundstückedir Sam» jungen sür den KolvniesondS bis zur vierte» Jahrzrit deS De ewigte« (19. Sch'wath ökss) auf womöglich 40.000 ägppt. Pfun' zv ergänzen» Nächst R e ch o w o t h wurden, um die beengt Jemen itenstedlung zu erwülern, 42 Dynam »m 1050 äghpt. Pftm> angekauit Dieser Kauf ist deshalb von gmndsätzlicher Bedeutung. Werl daS Direktorium hier, entgegen den falsche« Gerüchten vo einem diesbezüglichen Verbot, dem Jüdische» Nationalfovd jüdisches Privateigentum zusührt. Alle weitere» Transaktione» größere» SW betreffe» städtischen Boden. An drei Punkten zugleich, inJerusalem Jaffa und H a i f a, faßt danach der Jüdische Nationalfond Fuß. In Jerusalem wird der dort dem Jüdischen National, sondS gehörige Besitz durch Boden um 7500 ägypt. Pfund ab gerundet «nd sollen veiters vou den Lau d e« e iJt-t tu des griechisch«» P a t« i a ch a t s «» 0236^1