Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-08-21 · Heft 922 (21.8.1921) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 922 (21.8.1921)
Date
1921-08-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980001--08503-2994664
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

1 fit. S2L DKAMlMW illiWWniriWMOTMiHBiMf« «I .. -"> — Wiener Msrgeirzettrmg ii i .-.—.—. Die arabische Delegation in London. London, iS. August. (Jüd. Kyrr.-Bnr.) Einem i« der „Mor « ing Posterschienene« Artikel zufolge soll der palästinensisch - arabisch e« Delegation, die jetzt zum Zwecke der Förderung b?r Durchführung der zwischen England und König Hnsjei» im Jahr« 1915 geschlossenen Vertrag'S in London weilt, m kurzem die Gelegenheit geboten werden, mit de« z i o n i st i s ch ev V e r t r e 1 e r n z ns ammenzvtreffe». Der Artikel führt weiter auS, daß, obzwar dir arabische Delegation von der palästinensischen Bevölkerung mit einer be, stimmten Mission entsendet wurde, und zwar, um die Schaffung einer nationalen Regierung fürPalästina zu fordcr», die alle Rassen und Nationalitäten im Lande, sowohl Mohanredaner als auch Cd listen und Inden, reprälent-nen soll, und obwohl ferner ihre Vollmachten keine Abweichung von der erwähnten Aufgabe Anlassen, doch zu verstehen gegeben, daß die Ti liste eines wahlwollenden Vermittlers zum Zwecke der Erlangung einer präziser eit Interpretation der B a l s » v r- Deklaration, als sie jetzt existiert, zu» Zwecke der Schaffung einer LZersländigungSbasts in dieser Angelegenheit angenommen werden körnten, die '»wohl für die arabischen BerpeKr alS anch für die zionisti che Organisation brtriedigend fein würde. Ansiedlrmg von Inden in Mexiko. Srew Poek, 18. August. (J!id. Kor.-Bur.) In hiesigen interelsierten Kreisen werden gegenwärtig zwei Vorschläge, betreffend d e Ansi'tdlting jüdischer Auswanderer in landwirtschaftlichen Kolonien, «mögen. Einem Vorschlag« gemäß soll nach Abschluß e.neS lieber einkomurens mit dermexikonifcheu Regi««ng anbaufähiger Bode» von den Staatsdomänen oder von Privatbesitzern erworben und sollen jüdische Kolonisten aus Europa zur Ausiedlung eingeladen werden Ter zweite Vorschlag verlangt dm Ankauf von Boden in Kalifornien, um für den nach Aufhebung der gesetzliche« EiNwanderungSdeschrä'kunge« z« erwartenden Einwande ungsstrom AufnahmS- und Arbeitsstätte» für jüdische Kolonisten vorzubereiten. Englischer Kronrat. London, SO. August. (Tel.-Komp.) Ein K r o n r a t hat gestern in Bolton Abbey stattgefonde«, wo sich König Georg einige Tage mit dcm Herzog von Devoushire oufhält. Dieser ungewöhnliche Vorfall wurde durch den unerwarteten Beschluß dcr Regierung, das Parlammt m vertagen. hervorgr>ufrn. An dem Kroruat nahmen nur der König und Sir Robert Home teil. Forderungen der englischen Bergarbeiter. London, 20. August. (Wolff.) Die Konferenz der Bergarbeiter hat einstimmig eine Entschließung angenommen, wonach der Vollzugsausschuß des Bergarbeiterverbandes aufgesordert wird» auf die Nationalisierung von Grund und B o den sowie der Eisenbahnen %\i dringen und sich zu diesem Zwecke die Unterstützung aller Arbeiter des Landes zu sichern. Angora bombardiert. Paris, 20. August. (Wolff.) Nach ein« JDiiU »nst deS , Ji;i t, n" aus London sind bte griechisÄcn Truvpm «itr noch 75 K i l o m c r e r v o n rl n g e 7 a entfernt. Angora ist von l>ttech'.j.i,eu Jlug.cugcn bombardiert worden. Die Fl eger il'eld-u, daß die Bevölürung die Stadt räumt. mvmw!' w >wiu.wwi-iijuu—ro.iiiOT»aii 11 ipji ii i ■TOfnanwugraw—g—w»wwiriWH*.wiwwoa BegrQsset den Zwölften JioinisfeRkoit^ms! Nationalfondstelegramme im BUREAU des JÜDISCHEN NATIONALFONDS II., Zirkusgasse 33 Kreis K 40. 81® Preis K 40. «Sitte neue Konferenz zwischen Rathena« n«d Loucheur. B-rnkl«, 80. Augvst. (Wolff.) Die Mmister R a t h k n a u und Loucheur. die 6« ihrer ersten Begegnung eine zweite Zusammenkunft öcrabtebet hatten, sind übecriugekommen, sich, in Wiesbaden am 36. d. M. zu treffen. Die ErrtscheiÄmrg über Oberschlefien. Paris, 20. August. (HavaS.)'Jn seiner Antwort an den Präsidenten dos Obersten RateS. Briand, erklärt b« javanische Botschafter und gegenwärtige Präsident des anssührenden Rates des DMubunreS, B'.cowte Jfhii, daß. obwohl cs ihm noch nicht möglich gewesen sei, alle seine Kollege» im ansführenden Rate zu befragen, er überzeugt sei, daß diese auf Grund des Wortlautes mrd deS Geistes des BölkerbundvertrageS sich bereit erkläre« würden, dem im Namen des Obersten Ratean sie gerichteten Ersuchen stattzustchen, nämlich die Lösung bekanntzugebrn, die sie für dje Grenzziehung in Oberschlesieu empsihlen. Englische Truppen «ach Oberschlesieu. Londo«, 80. August. Wie das Reuterfche Bureau eriährtwerden i« England Vorbereitungen getroffen, um zwei Bataillone nach Oberschlesieu zu schicken, wie e- Frankreich und Italien tun. Evakuierung der jüdischen Flüchtlinge aus Ostgalizir«. Warschau, lS. August. (Iüd. Koir.-Bur.) Hier eingetroffene Delegierte aus den ostgalizischen Stödten Lemberg, Borszczow, Kopyczynce, Zbaraz und Skalat erzählen, daß die Behörden mit der E y a k u i e r u « g der jüdischen Flüchtlinge in diesen Gegenden bereits begonnen hätten und daß die Lage verzweifelt fei. Auf die vom ukrainischen Zentralkomitee in Warschau erhobenen Vorstellungen antwortete der Innenminister, daß die Evakuierung der Flüchtlinge aus den Grenzgebieten fortgesetzt . werden müsse. Oberschkefierr mb Ostgattzie«. Lemberg, 19. August (Privat.) Das hiesige Organ ,Rudni Kr.ij" weot za müden, es sei in der Frage der Zucrkenmmg Ostgalizieus an Polen zu einer Einigung zwijchea Lloyd George und Briand gekommen. In euer vertraulichen Konferenz der beiden Ministerpräsidenten habe Lloyd George erklärt. t\ sei bereit, dir Zb-r« c z - L i n i e als Ostgrenze Polens anznerkennen, wenn Frankreich ter Zut iiung des o b e r s ch l e- Der Verfasser behandelt in diesen Aufsätzeu Themen ans den verschiedensten .Gebieten der Geschichte der ^r'.den in Polen. Wir finden hier neben eurer i-riteres,anlen Dtudie über das Verhältnis des polnischen Kölligs JaAiellv zu den Leinberger Juden und über den alters Lemberger Friedhof sehr wertvolle Bebtrüge zu« Geschichte jüdischer Ingenieure in Polen im 16. und 17. Jahrhundert, der jüdischen Buchbruckerkn'.-st, jüdischer Gerneinbepote-ntaten und auch kleinere kritische 'Bemerkungen über einige historische Publikationen, die neues und kritisch wertvolles Material enthalten. Mhr-itijoressant mtb fesselnd geschrieben sind die historischen Skizzen „Jan Bredlo", Lewko-Balaban „Zolrnan, der Drohobyczer KahalSb ürgermeister um die Mitte des 18. Jahrhunderts", die uns ei,reu farbenreichen Ausschnitt "ans dem inneren Leben der jüdischen Gemeinschaft bieten und nicht nur wissenschaftlich ,nodern, auch darstellerisch, und .stilistischzu den besten Beiträgen dieser .Sammlung gehören. Von besonderem Interesse ist auch der Artikel „Welche ' Sprache haben dir polnischen Juden gesprochen?", her einige Randbemerkungen anläßlich der int Jahre 1907 erschienenen Broschüre der Frau D. Centmerschwer über „Die Umgangssprache der Juden in Polen unö Litauen" enthält, in welcher die Verfasserin sich bemüht, den Beweis zu erbringen, daß die Inden in Polen die polnische Sprache als Umgangs spräche benützt hätten. Balaban widerlegt die voü der Verfasserin aufgestellten Behauptungen und weist auf Grund von Quellen nach, daß die Juden in Polen seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Jüdisch gesprochen haben. Wertvolles und treues Material zur jüdischen Familiensorschnng bietet der Aussatz: „Die Kalähoras". Dcr Aufsatz „Herz Homberg" liefert einen wertvollen Beitrag zur Geschichte des jüdischen Schulwesens wie auch' der Anfänge der Haskala-Bewegung in Galizien. Jrn allgemeinen liefert dieser Band, wenn er auch bereits gedruckte Arbeiten enthält. in zusammenhängender Form viel neues und lesenswertes Material. Es wäre zu wüllschen, daß Balaban auch die übrigen, in so vielen Zeitschriften, Zeitungen und Sammelbüchern zerstreuten Aufsätze, die in diesem Bande nicht ausgenommen wurde», in Buchform erscheinen liehe, um auf diese Mise der jüdischen Forscherwelt das darin enthaltene Material zugänglich zu machen. * Das Verhältnis der Städter -zu den Juden bildet in der Geschichte her polnischen Judenheit ein ungemein interessantes Kapitel. Die fortwährend dauernden Kämpfe zwischen diesen beiden Wirtschaftsgruppen füllen zahlreiche schnitte der jüdischen Geschichte. E. N. Frenk*) widmet nun in seiner neuesten Arbeit dieser Frage eine spezielle Monographie. Ans Grund der bisherigen Vorarbeiten versucht hier der Verfasser, die Entwicklung des polnischen Städtewesens und den Beginn ihres Kampfes gegen ihxe Konkurrenz. — die Juden — wie auch das Verhältnis der Könige ulnd' der herrschenden Gesellschaftsklassen zu den beider: zu schildern. Diese Monographie beschäftigt sich hauptsächlich mit den Kämpfen der Warschauer Bürgerschaft gegen die Juden im 18. Jahrhundert, besonders aber in seinen letzten Jahrzehnten. Besonders scharfe Formen nahm dieser Kamps zur Zeit des vierjährigen Reichstages (1786 bis 1792) an. In diesen wie auch in den übrigen Teilen bringt die Arbeit bis auf einige, dem Warschauer allgemeinen Archiv entnomnrenen Akten wenig neues Material und basiert zumeist aus den gründlichen Arbeiten des polnischen Historikers W. Smolenski, ,Lur Geschichte des polnischen Bürgertums im 18. Jahrhundert. Wenn auch Frenks Arbeit in methodologischer Hinsicht so manches zu wünschen Übrig läßt, so bietet sie doch einen wertvollen Zuwachs unserer populärwissenschaftlichen Literatur. Zu allerletzt sei iwch die kleine, in englischer *T®. N. Frank ,Die Städter und die Juden in Polen". Warschau 1981. Diese Arbeit ist zuerst tn Fortsetzungen in der ,Hazefirah", Jahrgang 1919. und 1930, erjchierve«. . ..... ii. August 192L. Seite S- ..- E s fische» Industriegebietes au Deutschland zustimme. Wann diese Konferenz, bei drr Lloyd George erklau haben soll, dir Regelung der Ostgrenze sei für Polen wichtiger als die Zuteilung eines oder des anderen oberschlesischen Jndnsteie« bezirkes, stattgcsunden hat und ob nicht durch den Beschluß ans Uedergabe der Entkcheidung an den Bälkcrbnnd 'der Vorschlag Lloyd Georges hinfällig wurde, darüber meldet das Blatt u chts Anderen Qellcn ist zu entnehmen, daß Lloyd George beabsichtige. die gemeinsame Erledigung aller ans Polen bezüglichen Streitfragen, also Obeischlesien, Wilna und Ostgalizien, vorzuschlagen. Protest der jüdische» Landwirte Ostgaliziens. Lemberg, 18. August. (Jüd. Korr.-Bnr.) Eine hier abge^ battme Konferenz der irdischen Landwirte OstgalizienS beschloß einen Protest gegen das polnische Agrargesrtz. das darauf hinzielt^ die Juden um ihrm Landbesitze bringen. Zufolge einem der Konferenz erstatteten Bericht sind gegenwärtig in Ostgalnieu Ss.i.00 I«den in der Landwirtschaft beschäftigt. Dir «Landesoersammlnngin Wilna und die jüdischen Gemeinderüle. Wil«a» 16 August. (Privat.) Die jüdischen Gemeinderäte Wilnas ve öffentlichtrn riae Erklärrmg, daß sie an der am 14. August eröffneteu LandcSversammbtng in Wilna leine« Anteil nehme», da die Gemeinderäte, ans deren die Landesversammlung besteh,, sich nicht mit poetischen, sondern nur mit städtische« Angelegenheiten beschäftigen dürfen. Französische Gewerkschaften gegen die Aüstnngsindnstrie. Pari-, 19. August. (Wolff.) Wie ^Peuple* mitteilt, Hai die Bereinigung der Seine-Gewerkschafte» bcfchlosiev' eine -wischengemerkschaftliche Vereinigung der Gewerkschaften der Schnhsabrikation, der VekleidungSmrvstrie, der Metallindustrie,, der kl emischeu Industrie «nd aller Kriegsindustrien inS Leben zu rufen, die eine grotztügige Propaganda gegen die F a b r i k a t i o « der für eine« neuen Ktieg bestimmten Dinge, vor allem von Munition, unternehme» soll. Anschläge. BroschSrenverteilnng und Versammlungen im ganze» Lande seien in Aussicht genommen. Der französische Fisanzwinister will znrücktrete«. Paris, Sy. August. (Havas) Die ,Libe,1ä" glaubt zu wisse», daß infolge der jüngsten Entscheidung der interallierrm, Fintnzkonftrenz Mnufterpräsi^nt Briand gegenüber dem Finanzministcr D o v m e r seiner Unzufriedenheit Ausdruck gegeben habe, worauf dieser feine Demission angeboten hätte. Der Ministeipuiftdent habe jedeck die Demission abgeiehnt, um eme vorzeitige Rekoitftrattion i es Kabinetts zu vermeiden, Dethlen gegen Neuwahlen. Das HurLhy-Parlaneent soll «och drei Jahre bleiben. Budapest, 20. August. Nach einer Meldung hes »Pestl Hirlap" hat Ministet Präsident Graf B e t h l e n sich entschlossen' den Parteien Vorschläge zn «nterbi eiten, wonach von der AuZ-;ch,eidung von Neuwahlen abgesehen und eine Verlängerung der Mandate der Mitglieder der ßtalonalversammlung »orgenommrn werden wird. Der Pi.tn besiehr ans drei Puakieu: 1. Die Nationalversammlung vot'ett im He:bst die brteirs rorliegende Gesrtzesvorlasse über eie Reform des M a g n a t e n h a u s e §. Sprache erschienen« Studie M. Wischnitzers über „cinrn jüdischen Memoiristen ans dem 18. Jahrhundert in Polen"*) erwähnt. Wischrritzer hat noch vor dem Kriege nt russische^ Sprache eine ganze Reihe wertvoller Studien zur Geschichte der polnischen Jubeuheit geliefert.**) Vor längerer Zeit hat mm Wischniher in der Bibliothek des jüdischen Kollegs eine bereits von Professor Marmorstein in der Zeitschrift für hebräische Bibliographie 1913 erwähnt Handschrift, die die Mmoireu eines polnischen Juden, Berl Bolechower,. aus dem 18. Jahrhundert enthält, gefunden. Zu erwähnen ist hier noch, baß der jüdische Historiker Doktor Brawer im „Haschiloach" die Schrift Berl Bolechowex-- Birkettthals unter dem Titel „Dibrei-Binah", die die Frankrsten-Dispute schildert, in Auszüge« veröffentlicht hat. Auf Grund dieser Memoiren — die demnächst von Wischnitzer in einer wissenschaftlichen Buchausgabe publiziert werden — versucht er nun, die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der polnischen Judenheit im Verlaufe des 18. JahrhuitdertS zu schildern.'s) Diese kleine Studie liefert der jüdischen Wirtschaftsgeschichte so manches neue Material: Die Memoiren Bobechvwers, die Wischnitzer sogar höher stellt als die der „Glückel von Hameln, werden sicherlich viel zur Bereicherung unserer ohnehin so armen Memoirenlitevatur beitragen Und unserer Geschichtsforschung neues Material liefern. Dr. N.M.Gelber. Feheregg bei Bad Hall, im August 1921. *) Wir erwähnen hier nur seine Arbeit zur Geschichte der polnischen Judenreform am Beginn d«S 19. Jahrhunderts in „Perezytoje" (russisch), srine Aufsätze in der jüdisch-russischen Enzyklopädie .^kewrejskaja Starina" und andere», zumeist russisch-jüdischen Zeit- und Bammelschristen. **) „A Jewiah. Disivist of the Bighteenth Century“ by U. Vishnitzer. S. A. aus der Zeitschrift: «Tb» Jewiah Quarterly R«yiew\ Philadelphia 19^1, Band XU. Nr. 1. -f) Wischnitzer hät auch einen kleinen Aufsatz Mer Berl Bolechvwer-Birkenthal tm ^Zuden", Jahrgang 1.9ÄI, Rr. 10, veröüentlicht. '7. ■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.